4.7.2013

Linke contra Würde von Hartz-IV-Empfängern

 

Und täglich grüßt die Gebetsmühle, Hartz-IV-Beziehern werde die Würde genommen. „Die Prozedur bei den Jobcentern ist entwürdigend“, wie jetzt anlässlich der Meldung über Menschen, die freiwillig auf Hartz-IV-Leistungen verzichten, von den Linken wieder zu hören war. Kaum jemand thematisiert die Arroganz der abgehobenen Wahlstimmenfänger, die darin besteht, Menschen mit schmalem Geldbeutel einfach die Menschenwürde abzusprechen. Tatsächlich ist die eigene Würde völlig unabhängig von der finanziellen Situation, ebenso vom Verhalten anderer Menschen oder von fehlerhaften, revidierbaren Berechnungen. Wer keine Arbeit findet, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen Sozialleistungen beziehen – das ist ein rein sachlicher Vorgang, der erst einmal keiner emotionalen Bewertung bedarf. 

 

Die konstruierte Realitätsverzerrung das Thema Jobcenter betreffend zeugt von einer schamlosen Lügenkultur. Nach eigenen befristeten Erfahrungen bei verschiedenen Jobcentern ist mein Resümee: Wer mit kooperativer Einstellung dort auftritt, wird in aller Regel freundlich behandelt, keine Spur von entwürdigender Prozedur. Der gesetzliche Grundbedarf reicht zumindest im Einpersonenhaushalt für ein zufriedenstellendes Leben aus, sofern man sich keinen unnützen Konsum aufschwatzen lässt und Spaß an kreativer Bescheidenheit hat. Nervig ist lediglich der bürokratische Aufwand eventuelle Nebeneinkommen betreffend. Auf den Gedanken, dass dies einer der häufigsten Gründe für Verzichtserklärungen auf Hartz-IV-Leistungen sein könnte, kommt die linke Politkaste nicht. Stattdessen wird gerufen: „Abschreckung durch Diskriminierung“, ohne zu argumentieren, worin diese bestehen soll. Geradezu kafkaesk ist diese Aussage, weil eigenständig denkende Leistungsbezieher natürlich selbst darüber urteilen, ob sie ihre Würde durch äußere Umstände verloren wissen wollen oder nicht. Die Diskriminierung – hier die pauschale Absprache des Würdebewusstseins – wird also seitens dieser Politkaste getätigt.

 

Nähme man deren ewige Gebetsmühle ernst, dann müssten wir um sie besorgt sein. Wäre es doch offensichtlich, dass sich diese Politiker ihrer Menschenwürde nur solange sicher sind, wie sie ihre Posten inne und den Geldbeutel gefüllt haben. Es bliebe einmal zu diskutieren, welche der beiden Lebenssituationen eigentlich die größere Unfreiheit in sich birgt.


31.10.2010

Leserbrief zum Würdebegriff

 

Der leichtfertige Umgang mit dem Begriff der Würde selbst in kirchlichen Kreisen überrascht mich immer wieder. Ein Skandal verletzt immer wieder Unschuldige „und nimmt ihnen ihre Würde“, steht in dem Artikel. Die Würde aber ist unantastbar. Das ist wesentliche Grundlage nicht nur eines religiös/christlich orientierten Menschenbildes, sondern auch des deutschen Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wenn jemand öffentlich diffamiert, gedemütigt oder verletzt wird, wenn jemand sein Hab und Gut verliert, offiziell ohne Arbeit oder obdachlos ist, so mag es ihm schlecht gehen und die Ungerechtigkeit zum Himmel schreien. Die Würde aber kann ihm kein Mensch und kein Umstand ausreden, geschweige denn nehmen.