29.9.2013

Leserbrief zum Thema FDP

 

„Nun kann der Umbau beginnen: ohne Pöstchen, ohne Empfänge, ohne die kleinen Annehmlichkeiten, die so schnell korrumpieren“: Es erstaunt mich immer wieder, dass selbst im liberalen Bereich von der angeblichen Zwangsläufigkeit korrumpierender Umstände die Rede ist – quasi die Umstände für Korrumpierung verantwortlich gemacht werden, anstatt der handelnden Personen. Wäre es nicht liberaler Kerngedanke: Der Mensch hat die Entscheidungsfreiheit und bestenfalls das Rückgrat, alternativ zu handeln und sich auch in verführerischen Umständen nicht korrumpieren zu lassen?


24.5.2013

Frage auf abgeordnetenwatch.de an den Bundesinnenminister

 

Sehr geehrter Herr Dr. Friedrich,

 

über das Kampagnen-Netzwerk Avaaz läuft derzeit eine Petition mit folgendem Inhalt: "Wie NS-Symbole sollten auch Symbole der untergegangenen DDR, das öffentliche Tragen von NVA-Uniformen, das Relativieren des geschehenen Unrechts geahndet werden. Menschen, die unter diesen Symbolen gelitten haben, Hinterbliebene an der Grenze Erschossener sind, fühlen sich verhöhnt, sind traumatisiert." Die Petition ist einsehbar unter folgendem Link:www.avaaz.org. Mich interessiert Ihre Haltung als Bundesinnenminister dazu: Finden Sie diese Petition unterstützenswert, vielleicht sogar mit Ihrer eigenen Unterschrift?

 

Und noch eine Frage dazu: Woran liegt es, dass die in der Petition genannte Forderung nicht schon längst auf parlamentarischer Ebene durchgesetzt wurde? Anders gefragt: Was spricht gegen ein Verbot des öffentlichen Tragens von Symbolen der DDR-Diktatur?

 

Vielen Dank für die Antwort im Voraus

S. Baumstark

6.8.2013

Antwort von Dr. Hans-Peter Friedrich

 

Sehr geehrte Frau Baumstark,

 

zunächst danke ich Ihnen für Ihr Interesse an diesem wichtigen Thema.

 

Als ich von den Geschehnissen im Treptower Park Anfang Mai erfuhr, war ich bestürzt - auch im Hinblick auf die SED-Opfer, für die ein solches Ereignis eine schmerzliche Erinnerung an erlittenes Unrecht während der DDR-Diktatur sein muss.

 

Gleichwohl bin ich der Meinung, dass ein generelles Verbot von DDR-Symbolen nicht weiter hilft. Zur Frage eines strafrechtlichen Verbots hat sich kürzlich meine insoweit zuständige Kollegin BM’ in Leutheusser-Schnarrenberger geäußert. Im Übrigen darf ich auf die bestehenden Rechtsnormen insbesondere des Versammlungsgesetzes hinweisen. Gerade das Versammlungsrecht bietet Möglichkeiten derartige Aufzüge zu verhindern. Der Vollzug dieser Normen ist allerdings Landesrecht und obliegt den jeweils zuständigen Länderbehörden.

 

Ich halte es für fraglich, ob ein Verbot in einer selbstbewussten Demokratie das Mittel der Wahl sein kann. Unabhängig von der Frage, ob das SED-Unrechts-Regime mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten gleichzusetzen ist - was ich nicht glaube - sollten solch weitreichende Verbote, wie sie gefordert werden, äußerst bedacht und nur als ultima ratio eingesetzt werden. Der gesellschaftliche Meinungsdiskurs - auch und gerade bei solch schwierigen Themen - ist Ausdruck unseres Verfassungsverständnisses und sollte grundsätzlich gegenüber einem generellen Verbot Vorrang genießen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hans-Peter Friedrich MdB


11.1.2013

Tipp: Klapps auf den Rücken

 

Also, vorneweg muss den gut dotierten Posteninhabern und ehrenamtlichen Helfern der Antirassismusarbeit zugutegehalten werden: Es ist wirklich sehr viel Arbeit, die zu bewältigen ist. Sämtliche Märchenbücher, Schulbücher, literarische Klassiker, ja wenn man die Sache ernst nimmt eigentlich sämtliche Schriftstücke müssen geprüft und politisch korrekt geändert werden. Da kann es schon mal vorkommen, aber einmal muss es auch deutlich ausgesprochen werden: Es wurde hie und da schlampig gearbeitet. Ein besonders augenscheinlicher Fauxpas ist der Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ unterlaufen. „Rassisten werden hier nicht bedient!“, prangt dort an etlichen Lokalen. Es ist ausschließlich feministischer Gutmütigkeit zu verdanken, dass hieraus kein Skandal entstand. Denn selbstverständlich muss es heißen: „Rassistinnen und Rassisten werden hier nicht bedient!“ Ganz korrekt ist auch das nicht. Intersexuelle Menschen gehören ebenso berücksichtigt. Mangels Wortwahl – auch hier hinkt die Arbeit hinterher – könnte man vorerst schreiben: „Allgeschlechtliche Rassisten werden hier nicht bedient!“ Ansonsten muss ja das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in diesem Fall nicht berücksichtigt werden. Obwohl es schon ein Geschmäckle hat, einem Rollstuhl fahrenden oder blinden Rassisten die Bedienung zu verweigern. Jedenfalls ist das Diskriminierungsmerkmal „Weltanschauung“ nicht relevant. Rassisten stehen außerhalb der Gesellschaft. Man orientiert sich hier am 15. Jahrhundert, als die vom städtischen Adel initiierte Hexenverfolgung so richtig in die Gänge kam. Resozialisierung war weder gewünscht noch beabsichtigt, lediglich fingiert. Was wäre auch der Sinn des Lebens ohne Feindbild?

 

Die Praxis betreffend hat die Initiative, die immerhin den Lutherpreis einheimste, ganz ordentlich vorgearbeitet. In ihrem Ratgeber für Gastronomen beschreibt sie das Problem der Identifizierung, wenn jemand einen Veranstaltungsraum anmieten will: „‚Neonazis in Nadelstreifen‘ gibt es ebenso wie solche, die sich mit ihrem Auftreten an subkulturellen und alternativen Jugendszenen orientieren oder einfach ganz normal aussehen.“ Die Initiative fordert die Gastwirte auf, „genau und besser zweimal hinzusehen. Laden Sie den Anrufenden in Ihre Gaststätte oder Ihr Hotel ein, um die Räumlichkeiten vorzustellen. Dabei bekommen Sie einen persönlichen Eindruck. Sorgen Sie dafür, dass Sie dabei im besten Falle zu zweit sind. Fällt dem Angestellten, meinem Mann, meiner Frau etwas auf, was mir vielleicht entgangen ist?“ Bei einem unguten Gefühl sollen sich die Gastwirte „szenekundige Unterstützung“ suchen. Derer gibt es einige, zum Beispiel den Naziradar in Hessen. Dort kann jeder anonym anrufen und naziverdächtige Personen melden; inklusive Name, Kleidung, Körperbau, Adresse, falls bekannt. Ob die Paralleljustiz bisher gut genutzt wird, ist nicht bekannt.

 

Allgeschlechtliche Rassisten können also schick, alternativ oder normal aussehen und treten oft seriös auf. Wenn sie sagen, sie möchten den Raum für eine Geburtstagsparty mieten, dann kann sich genauso gut eine NPD-Schulung dahinter verbergen. Alles kann Tarnung und gelogen sein. Orientieren Sie sich also am unguten Gefühl. Um etwas mehr Sicherheit im Urteil zu bekommen, probieren Sie doch mal folgende Strategie aus: Bieten Sie dem potentiellen Mieter ein Glas Wasser an und geben ihm in dem Moment, in dem er schluckt, einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken. Hüstelt er dann besonders laut, kann das ein Zeichen für unterdrückte Zwiespältigkeit sein. Fragen Sie später Ihre Frau, ob sie dieses Hüsteln nicht auch sonderbar fand. Sollte er gar nicht hüsteln, können Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt. Sagen Sie ihm in diesem Fall, dass Sie bis zur nächsten Bundestagswahl ausgebucht sind. Um etwas über sein Umfeld zu erfahren, machen Sie ihm doch einfach ein Kompliment für seinen Haarschnitt und fragen ihn beim Hinausbegleiten nach seinem Friseur. Nennt er Ihnen das Geschäft, können Sie dort einen Termin machen und die Klientel unter die Lupe nehmen. Sagt zufällig ein Kunde neben Ihnen: „Ich möchte eine möglichst unauffällige Frisur“ oder gar: „Ich will einen Seitenscheitel“, dann haben Sie vielleicht einen ganz großen Coup gelandet und dürfen mit einem Preis für Zivilcourage rechnen. Denn dann ist es nicht auszuschließen, dass es sich bei diesem Laden um einen getarnten Umschlagplatz für braunen Terror handelt. Informieren Sie umgehend Antinaziinitiativen sowie die seriösen Medien im Land. Diese kümmern sich um alles Weitere. Und machen Sie sich keine Sorgen: Sie sind kein Denunziant mit Geheimauftrag. Niemand hat die Absicht, Inoffizielle Mitarbeiter zu rekrutieren.


7.1.2013

Abstinenz vom Gerücht: Plädoyer für die eigene Meinung

 

Da stehen sie also wieder stramm beisammen, die linken Meinungsherrschaften, die vergaßen, was Journalismus ist und zuvörderst für die eigene Zunft schreiben. Diesmal lautet der Schlachtruf nicht: Auf ihn mit Gebrüll!, sondern: Verteidigt Augstein! Beneidenswert, so viele Unterstützer hinter sich zu haben. Eva Herman hatte derer nicht so viele, ebenso andere, die gerade von jenen unsachgerecht in die Naziecke gedrängt wurden, die nun vor Empörung kaum an sich halten können, dass Ähnliches jetzt einem aus ihren eigenen Reihen widerfährt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum, das Jakob Augstein als Antisemiten klassifizierte, wird von ihnen sicherlich angemessen bestraft werden ob seiner Kühnheit, eine selbständige Einschätzung getroffen zu haben. Und der Öffentlichkeit wird ein weiteres Mal klar gemacht: Seht, was passiert, wenn ihr einen von uns kritisiert. Henryk Broder wird also nicht mehr für den RBB kommentieren; etliche andere, eigenständig denkende Journalisten sind im Printgeschäft unerwünscht. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz drückt das herrschende Phänomen so aus: „Abweichende Meinungen, die sich doch noch aus der Deckung wagen, werden sozial bestraft…wer anders denkt, muss seine Meinung maskieren oder auf Publizität verzichten…Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht.“ Auf den Punkt brachte es Schopenhauer: „Denn es kommt ja nicht auf die Wahrheit, sondern den Sieg an.“

 

Gerüchte sind nur Zuschreibungen

 

Soziale Bestrafung ist einfach durchführbar: Halbwahrheiten verbreiten, Aspekte dazu dichten, diffamieren und schließlich ausgrenzen – kurz: Gerüchte kochen. Einfach ist es allerdings nur solange, wie der passende Adressatenkreis vorhanden ist. Von der Macht des Gerüchts ist allenthalben die Rede. Niemand hinterfragt das. Dabei kann ein Gerücht als nicht personales Ereignis selbstverständlich keine Macht ausüben. Es ist nichts weiter als eine Zuschreibung. Ohne einen Adressatenkreis, der Gerüchte glaubt und sie weitererzählt, verliefen derlei Aktionen im Sande. Es wäre ein erfrischender Vorsatz für das neue Jahr: Gerüchte links liegen lassen. Wenn ich etwas von einer Person wissen will: sie selbst fragen und auf mein eigenes Gespür vertrauen, ob sie die Wahrheit sagt. Falls ich mich täuschte, habe ich dazu gelernt. Oder im Internet Informationen zu Sachverhalten zusammensuchen, über die das Fernsehen einseitig berichtet. Jedenfalls nicht auf die Neidkampagne der Mainstreammedien gegen das Internet hereinzufallen, die gerade auch der „hervorragende Journalist“ Augstein, der laut seinen Unterstützern keine Vorurteile bedient, befeuert. Zum Beispiel auf Spiegel Online: „Das Netz ist die Welt der Misslaunigen, der Voyeure, der Psychopathen, der Verantwortungslosen, der Undisziplinierten.“

 

Gesinnungsschnüffelei statt Journalismus

 

Solch Journalismus erklärt die Welt sicher nicht. Man lasse sich daher lieber ein auf den Prozess der eigenen Meinungsbildung. Dieser ist äußerst unterhaltsam. Man entdeckt sich selbst dabei, grenzt sich von anderen ab, wird unabhängig, emanzipiert sich – bestenfalls auch von dem Wunsch, einer Gesellschaft zu gefallen, die Querdenker nicht wertschätzt. Die Überbewertung einer Gruppenzugehörigkeit transportieren nur abhängige Menschen, die alleine nicht kämpfen können. Die es nicht aushalten, mit der Freiheit in Personifizierung eines anderen Menschen konfrontiert zu sein und diesen nicht einordnen zu können. Und damit ihre eigene Unzulänglichkeit erfahren. Jenen aber, die uns von Autonomie abhalten wollen, wird die Meinungsherrschaft beizeiten entgleiten. Denn ihre Berichterstattung in Presse und Fernsehen, die Kernfamilie und Christentum verhöhnt, kaum gedankliche Tiefgänge zuwege bringt und Antidiskriminierungspolitik ad absurdum führt, wird zunehmend unglaubwürdig. Zum Glück. Solcherart Machtverhältnisse flößen keinen Respekt mehr ein. Je mehr sich allerdings die Marktschreier unserer Zeit verrennen, desto schwieriger wird für sie der Absprung von diesem Trip der Verfolgung nicht manipulierbarer Menschen. Die falschen Propheten der Toleranz werden wohl vorerst weiter Gesinnungsschnüffelei betreiben, Bürgerliche als rechtsextrem diffamieren, Nachrichten manipulieren oder verschweigen, Besinnliches und Reflektiertes angreifen. Alles nur, um den Fall vom hohen Ross hinauszuzögern.

 

Nazimentalität?

 

Es wäre im Übrigen an der Zeit, die psychologischen und zwischenmenschlichen Aspekte zu beleuchten, die in Deutschland zu menschenverachtenden Diktaturen führten. Wer sich etwa der differenzierten Analyse des deutschen Volkes im Jahr 1939 von Sebastian Haffner widmet, fragt sich fast unweigerlich: Um was geht es eigentlich beim derzeit auf Volkssportniveau betriebenen Kampf gegen Rechts, wenn wesentliche Fakten nicht berücksichtigt werden? Das Buch des Zeitzeugen Haffner entlarvt nicht nur linke Geschichtslügen, etwa jene, die Deutschen hätten Hitler und seine Mitläufer mehrheitlich gewollt. Es erklärt die Umstände und stellt zur Diskussion, inwiefern Nazis geistig und menschlich überhaupt in der Lage waren, ein eigenes, reflektiertes Menschenbild beziehungsweise eine politische Haltung zu entwickeln. Heute jedoch thematisiert niemand, welche Charaktermerkmale den Naziführern zu eigen waren – zum Beispiel, dass ihnen nichts heilig war außer ihrer Karriere. Ob sich Ähnlichkeiten zur heutigen Situation finden lassen? Und wem beziehungsweise welcher Gruppierung gegenüber wäre dann Misstrauen angebracht? Nicht minder interessant im Zeitvergleich ist die Mentalitätsveränderung. Horst Wilhelm etwa beschrieb in seinem „Jugendkult und Erziehung in den Jahren 1935 – 1945“: „Das Laute brach sich überall Bahn... Nicht minder gefährlich war die Untergrabung der Moral…Mit…‚Recht ist, was Erfolg hat‘ und ähnlichen Schlagworten wurde der sittlich-moralischen Haltung des eigenen Gewissens der Boden entzogen ...“

 

Nicht zuletzt aus historischer Verantwortung heraus steht es an, sich der Abschaffung bürgerlicher Werte seitens einiger Nihilisten und Selbstdarsteller entgegenzustellen. Ebenso der gezielten Aushöhlung der auch stets als Korrektiv dienenden gesellschaftlichen Mitte. Eigenständig denkend. Und im Austausch mit Andersdenkenden, die dafür offen sind, um starrem Fundamentalismus vorzubeugen. Ein längst überfälliger zivilisatorischer Fortschritt wäre, den von Schopenhauer beschriebenen Prozess der öffentlichen Meinungsbildung zu durchbrechen: „Nunmehr müssen die wenigen, welche zu urteilen fähig sind, schweigen: und die da reden dürfen, sind solche, welche völlig unfähig eigne Meinungen und eignes Urteil zu haben, das bloße Echo fremder Meinung sind: jedoch sind sie desto eifrigere und unduldsamere Verteidiger derselben. Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht sowohl die andre Meinung, zu der er sich bekennt, als die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen; was sie ja doch selbst nie unternehmen.“

 

Eigene Standpunkte

 

Möchte es jemand wagen, selbst zu urteilen über die Causa Augstein und Antisemitismus: In der „Welt der Misslaunigen, der Voyeure, der Psychopathen, der Verantwortungslosen, der Undisziplinierten“ finden sich ausreichend seiner Texte, die es für eine eigene Meinungsbildung zu studieren gilt. Glücklicherweise – angesichts dieses Arbeitspensums – ist es bisher keine gesetzliche Pflicht, zu allem eine Meinung zu haben. Ebenso wie uns manch Atheist predigt, zur Religionsfreiheit gehöre zuvörderst die Freiheit von der Religion, gilt dies auch für die Freiheit von der Meinung. Man darf also durchaus meinungsfrei ins neue Jahr starten und sich gut damit fühlen. Für künftige Ereignisse gilt: Wer das Geschrei der Massen verlässt, wird seinen eigenen Standpunkt finden.


7.8.2012

Leserbrief zur Diffamierung der Ruderin Drygalla

 

„Gefahr für die Demokratie geht bis auf Weiteres nicht von Nadja Drygalla aus, sondern von denen, die diese Hetzjagd auf eine 23-Jährige veranstalten. Heutzutage genügt offenbar schon ein Verdacht, um jemanden an den Rand der Gesellschaft zu drängen.“, schreibt Herr Martenstein korrekterweise. Richtig interessant wäre der Kommentar gewesen, hätte Herr Martenstein auch die Frage analysiert, wer dafür verantwortlich ist. Fragwürdig erscheint mir außerdem, ob es überhaupt erstrebenswert ist, in solch einer Gesellschaft mit ebensolchen Funktionären Karriere zu machen. Wer diese Frage für sich verneint, darf  es konsequenterweise als Kompliment für die eigene Persönlichkeit auffassen, an den Rand dieser Gesellschaft gedrängt zu werden. Anstatt Perlen vor Neidhammel zu werfen, suche man sich dann ein angenehmeres Wirkungsumfeld, in dem Talente geschätzt werden. Das ist der Weg, auf dem sich Deutschland gerade abschafft.


14.2.2012

Leserbrief zur Diffamierung der Mitte

 

Es wundert mich nicht, dass Linkspolitiker mit ihren Versuchen der Geschichtsklitterung zunehmend aus der Deckung kommen. Sie können sich gestützt fühlen von großen Medienverlagen und TV-Sendern, die leidenschaftlich in die linke Hegemonie einstimmen. Davon zeugt zum Beispiel die wiederholt unkritisch zitierte Rechtsextremismus-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, nach der breite Teile der Gesellschaft ausländerfeindlich seien. Wissenschaftler wie etwa Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin, der in dieser Studie eine linke Kampfschrift zur Diffamierung der Mitte des Landes sieht und dies auch nachvollziehbar begründet, werden indessen kaum zitiert. Wer links kritisiert ist rechts und die Mitte gibt es nicht, scheint das Motto der Meinungsführer zu sein. Aufklärende Berichterstattung sieht anders aus.


23.4.2011

Leserbrief zu China

 

Da will uns also ein Marxíst am Gründonnerstag etwas erzählen über Chinas Selbstbewusstsein und unsere Irrtümer. Und mehr noch der österlichen Auferstehungsgedanken: Die rasant aufsteigende Wirtschaftsmacht China bringe eine neue Weltordnung mit eigenen Regeln hervor. Tatsächlich ist bekannt, dass die von China offiziell verkündeten Wirtschaftsdaten von vorne bis hinten nicht stimmen. Ein Selbstbewusstsein Chinas zu postulieren ist obsolet, solange die breite Landbevölkerung in Existenznot gehalten wird und die wenigen wirklich selbstbewussten Kritiker wie Liu Xiaobo oder Ai Weiwei entsorgt und diffamiert werden. Martin Jacques hält Weiweis Verhaftung „weder für richtig noch für klug“. Ein Menschenleben also als Spielball taktischer Überlegungen?


9.12.2010

Integration mit Respekt ohne Zweifel

 

„Die Auseinandersetzung um Einwanderung wird ruppiger geführt als jemals zuvor und hat bereits Züge eines Kulturkampfes angenommen.“ So beschrieb Karsten Brenner, Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, die Integrationsdebatte, als er die „Willy Brandt Lecture 2010“ in der Berliner Humboldt-Universität eröffnete. „Verschieden und doch gleich. Integration und Menschenbild“ war das Thema am 7. Dezember. Gastreferent Bischof a. D. Prof. Wolfgang Huber hielt dazu im voll besetzten Senatssaal eine „klärende Grundsatzrede“, so Brenner.

 

Klärung als Auftrag konnte das Publikum am Ende die Anregungen des früheren Bischofs verstehen. Das betrifft zum Beispiel den Begriff der Integration: nicht Assimilation, also sich in etwas Vorgegebenes einfügen, sondern Ermöglichung sozialer Zugehörigkeit und Teilhabe sowie Fähigkeit und Bereitschaft zum Verständnis müsse das Ziel sein, so Huber: „Diese Integration hat zur Voraussetzung, dass Personen einander achten und deshalb zueinander in Beziehung treten können.“ Klärungsbedürftig sei außerdem das Verhältnis des Islam zur Religionsfreiheit, die unter der gegenwärtigen Führungsfunktion des Iran für den weltweiten Islam einseitig interpretiert werde. Solange es nur eine Freiheit zum Islam hin gibt, eine Abkehr jedoch bestraft wird, habe dies eine Konflikt treibende und Integration erschwerende Wirkung. Zudem befinde sich der Islam in einer „Identitätsfalle“: Menschen werden trotz ihrer multiplen Identität auf Religionszugehörigkeit reduziert.

 

Der Gastreferent appellierte an eine differenzierte Betrachtung des Integrationsthemas. So sei es etwa grundlegend zu wissen, dass sich Zuwanderung und Abwanderung inzwischen die Waage halten. Beide Aspekte sollten uns beschäftigen, ebenso wie die zwei Dimensionen der Zuwanderung: wirtschaftliche Notwendigkeit und humanitäre Gründe. Für unangebracht hält es Huber, die Herausforderungen der deutschen Gesellschaft vorwiegend auf Zuwanderung zurückzuführen. In erster Linie gehe es um den demografischen Wandel. Hieraus entstünden Sorgen, die in Form eines Sündenbockmechanismus auf die Migrations-bevölkerung projiziert werden. Ein Katastrophenszenario sieht Huber nicht und nannte positive Integrationsbeispiele: Zuwanderergruppen mit gutem Bildungsstand, Kooperation im Bereich Sport und erfolgreiche integrationsorientierte Initiativen in Neukölln.

 

Auch in Bezug auf die muslimische Bevölkerung warf der Referent differenzierte Fragestellungen auf.  Ein Migrationshintergrund sei nicht allein ausschlaggebend, wenn das Bildungsniveau der deutschen Mehrheitsbevölkerung nicht erreicht wird. Integrationshindernisse können laut Huber auch sozial, kulturell oder religiös bedingt sein. Eine Rolle spielten Unterschiede im Verständnis von Menschenwürde und Menschenrechten sowie im Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Doch auch wenn eine muslimische Minderheit Distanz zum demokratischen Rechtsstaat aufweist und zu Gewalt oder Abqualifikation Andersdenkender neigt, seien Pauschalurteile verkehrt. Vorurteile hätten sich insbesondere seit dem  Elftenseptember durch eine weitgehende Gleichsetzung von Islam und Gewalt vermehrt gebildet.

 

Bezogen auf das Vermächtnis von Willy Brandt gelte es, sich an den Kriterien Ebenbürtig-keit, Gleichheit und gute Nachbarschaft zu orientieren. Dazu gehöre zunächst: Verschieden-heit wahrzunehmen in einer Weise, die aus dem Respekt vor der gleichen Würde aller Menschen erwächst und darüber „keinen Zweifel aufkommen lässt“. Als Konsequenz müssten Befähigungs- und Beteiligungsgerechtigkeit die Maßstäbe sein, um Abstände von Bildungsunterschieden zu verringern. Die Anforderungen an Integration will Huber nicht leitkulturell, sondern universalistisch begründet wissen. Nicht kulturelle Unterwerfung sei das geeignete Mittel, sondern Respekt vor der gleichen Würde Aller, das Interesse für die Kultur der Anderen sowie Bereitschaft zur Kommunikation: „Die Pflicht, die jeweilige Sprache zu lernen, entspringt gerade nicht der Erwartung einer kulturellen Unterwerfung, sondern dem universalistischen Prinzip zur Kommunikation bereit zu sein.“ Konkrete Emp-fehlungen des Bischofs a. D. für gelingende Integration sind außerdem: Einsicht, dass wir in einer Integrationsgesellschaft leben, eine überzeugte Toleranz, die Intoleranz klar entgegen-tritt, Bereitschaft zu Bildung und Arbeit, Verzicht auf Gewalt und schlichte Freundlichkeit.


9.9.2010

Linkes Kochrezept für Bayrische Vesper „Rumpelstilzchen“

 

Zutaten:

100 Pfund Lügen, Mehl, Milch, Eier, Gewürze

Für den Nachtisch: Honig, Sülze

 

Zubereitung:

Man ziehe sich mit seiner abhängigen Dienerschaft in einen schalldichten Raum zurück, vermische gemeinsam die Lügen mit Mehl, Milch, Eiern und verschiedenen Gewürzen und forme kleine, mundgerechte Klöpse. Dann lasse man die weiträumige Verteilung der Klöpse im gleichgesinnten Bekanntenkreis koordinieren, bleibe selbst aber stets im Hintergrund. Nachdem die Zielgruppe in Lügenklopskonsumenten und Ungesättigte gespalten ist, trete man an die Öffentlichkeit, warne eindringlich vor Verteilung und Verzehr von Lügenklöpsen, während andere leer ausgehen, biete allen großmütig die Honigsülze zum versüßenden Ausgleich an und lasse sich dann als Vereiniger feiern. Des Nachts hüpfe man mit seiner Fangemeinde triumphierend um ein Lagerfeuer und gröle: „Ach, wie gut, dass niemand weiß…“. Zwischendurch empfiehlt sich immer mal wieder ein 100-Meter-Lauf, um im Rennen zu bleiben. 

 

Wohl bekomm’s! 


5.6.2010

Leserbrief zu Köhlers Rücktritt

 

Genau das ist der positive Aspekt bei Köhlers Rückzug: dass sich der höchste Amtsträger im Land hinstellt und Politikern aller Couleur deutlich macht: Für euer Spiel stehe ich nicht länger zur Verfügung, auch wenn es mich das Amt kostet. Ein Spiel, bei dem es weniger um die Kunst der Staatsführung geht – das nämlich wäre Politik –, sondern mehr um die Kunst der Machterlangung mittels niveauloser Methoden wie Skandalisierung, Herabsetzung oder Vorverurteilung. Ethik geht vor Karriere – das ist Köhlers letzte Aussage aus seinem Bundespräsidentenamt heraus.


5.1.2010

Leserbrief zu linker Strategie

 

Nun kann man ja viel reden, wenn der Tag lang ist und diesen mangels Übernahme verantwortungsvoller Aufgaben nicht sinnvoll auszufüllen weiß. Aufmerksamen Bürgern mit gutem Gespür für Authentizität wird jedenfalls nicht entgehen, wenn der Bedeutungsverlust von Wertbegriffen – Wegbereitung für jede Diktatur – forciert wird: eine friedliche Gesellschaft wird schon dadurch konterkariert, wenn man diese mittels „Hineinpressen“ in den „bürgerlichen“ (linksorthodoxes Schimpfwort) Staat erreichen will.


10.6.2009

Leserbrief zum Lafontainismus

 

André Brie hat mit einem Wattestäbchen ins Wespennest gestochen. Was wohl passiert wäre, wenn er einen Kreuzschlitzschraubenzieher genommen hätte?