10.5.2014

„Frauen reiten Sexspielzeug für guten Zweck“

 

Der Zweck heiligt die Mittel, wie die Medien der Bevölkerung mal wieder unisono beibringen: „Frauen reiten Sexspielzeug für guten Zweck“, titelt gerade die Huffington Post und verhilft damit „Simple Pickup“ zu größerer Bekanntheit. Die unter diesem Namen vereinten Männer sind der Ansicht, jede Frau mit bestimmten Psychotricks flach legen zu können. Aktueller Trick in punkto Sexualisierung der Gesellschaft ist die moralische Erpressung. N24 erklärt: „Ein YouTube-Video tritt den Beweis an: Wer heute Geld für einen guten Zweck einsammeln will, lädt Frauen zu einem Ritt auf einem Sexspielzeug ein. Und die Damen finden sichtlich Spaß an der Sache.“ Je länger sich die Frau auf dem millionenfach angeklickten Video zur geilen Belustigung Anderer präsentiert, desto mehr Geld kommt rein. Denn: „Für jede Sekunde, die ‚frau‘ auf dem mit einem Elektromotor betriebenen Sexspielzeug ausharrte, würde ‚Simple Pickup‘ fünf Dollar an das Orchid-Project (ein Verein gegen weibliche Genitalbeschneidung) spenden.“ Geplant sei, für jede geknackte 100.000-Klicks-Marke weitere 100 Dollar zu spenden. 500.000 Klicks auf das Video innerhalb eines Tages waren die Folge. Eine Menge Geld für den sozialen Verein kam zusammen – wer wollte dagegen schon etwas haben? Wer das Projekt unterstützen wolle, sehe sich einfach dieses Video an, so N24. Auch bild.de wirbt für den „You-Tube-Hit“: „Das klingt zunächst anrüchig, ist aber für den guten Zweck.“  


17.8.2013

Leserbrief zu einem Interview über Leben ohne Sex

 

Psychologe Julian S. Bielicki erklärte in einem Interview, glücklich zu sein bedeute nicht Triebbedürfnisse auszuleben, sondern sie zu reflektieren und zu dosieren. Die evolutionäre Entwicklung als Kulturwesen gehe vom Triebhaften zum Menschlichen (Bildung etc.).

 

Vielen Dank für dieses Fundstück!

Ich empfehle dazu den Artikel „Kuck mal, meine Vagina“ von Jan Fleischhauer und Wiebke Hollersen auf Spiegel online. Es geht darum, wohin die Überbewertung des Sexualtriebs führt, gerade in linken Kreisen, etwa im Schülerladen Rote Freiheit in der 68er-Zeit. Zur Formung der sozialistischen Persönlichkeit gehörte vorrangig die „Befreiung der Sexualität“, die „Sexualisierung der Kindheit, ein schrittweises Absenken der Tabuschranken, an dessen Ende sogar der Geschlechtsverkehr mit Kindern denkbar ist.“ Auszug aus den Notizen über den Schülerladen: „Von einer ‚Sexübung‘ war am 11. Dezember die Rede, von einer ‚Fickstunde‘ am 14. Januar.“ Wesentliches Motiv für die Linken ist und war: „Die Kontrolle der Triebe wird als Herrschaftsinstrument verstanden, mit der die bürgerliche Gesellschaft ihre Macht festigt…Nur wer sich der sexuellen Repression entzieht, kann ein wahrhaft freier Mensch werden.“ Dass es sich dabei vorrangig um krampfhaftes Abgewöhnen natürlicher Schamgrenzen und vielfach um eingeredete Bedürfnisse handelt, mögen auch einige Liberale übersehen. Vielleicht sollten diese mal über diesen gemeinsamen Schnittpunkt mit der Linken genauer reflektieren. Unter Freiheit verstehe ich jedenfalls, unabhängig von Erziehungstheorien und Sexualtheorien zu bleiben.


4.2.2013

Sexismusdebatte: Fragwürdige moralische Vorbilder

 

Mit einer Prise Empathie, zwei Teelöffeln Wohlwollen und einem halben Liter Besonnenheit könnte man wohl alle in der Sexismusdebatte vorgetragenen Argumente verstehen. Wäre die Debatte lösungsorientiert, dann würde dies als Voraussetzung dafür gelten, erst einmal zu einer ganzheitlichen Einschätzung der Lage zu kommen. Exemplarisch aber bewies die Runde am Mittwoch bei Anne Will, dass es wieder mal zuvörderst um die Herstellung einer Einheitsmeinung geht. Die Art und Weise der Kommunikation befördert dabei genau jene zwischenmenschliche Respektlosigkeit, auf der auch alle Formen sexueller Übergriffigkeiten basieren.

 

Die Respektlosigkeit beginnt bereits dort, wo den Zuschauern eine als Talkshow ausgewiesene Sendung angeboten wird, die aber tatsächlich als Basistreffen der Gruppe „Aufschrei“ konzipiert ist. Sie setzt sich fort über die Gaukelei der Einheitsfrontkämpfer, man wolle eine pluralistische Gesellschaft – zur Erinnerung: Pluralismus bedeutet, andere Meinungen und Anschauungen zu respektieren. Und sie findet einen ihrer bemerkenswerten Höhepunkte dort, wo ein als honorig geltender Politiker eine andersdenkende Frau in aller Öffentlichkeit zur Unperson erklären darf. Der Lerneffekt bei unbedarften Zuschauern ist: Grenzüberschreitungen sind heutzutage erlaubt.

 

Der informierte Zuschauer fragt sich wohl eher, warum in Sachen moralisches Vorbild gerade auch jenes Frauentrio Leutheuser-Schnarrenberger/Künast/Roth um fachliche Meinung gebeten wird, das allen Kritiken zum Trotz weiterhin seine Mitgliedschaft bei der lange Zeit offen pädophilenfreundlichen Humanistischen Union verteidigt – selbst nach „Operation Zucker“, die klar gemacht hat, dass ein Stopp dieser abscheulichen Kinderprostitution keinerlei Aufschub erfahren darf. Deutschland befasst sich mit seinem Sexismusproblem, vermitteln die Medien in alle Welt. Schweigen herrscht darüber, dass Deutschland das Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung, zur Ahndung von Kinderprostitution als ein Verbrechen, immer noch nicht ratifiziert hat. Aber wie soll man der Welt auch vermitteln, dass sich die deutsche Bundesjustizministerin gegen die Ratifizierung sträubt, während sie in Sachen Dirndl moralisch hoch rüstet?