11.12.2015

An die Redaktion von TV Spielfilm

 

Sehr geehrtes Redaktionsteam,

 

ich kann des Öfteren herzhaft lachen über die satirisch gelungenen Bildunterschriften in Ihrem Magazin TV Spielfilm. Deshalb kaufe ich es mir bis dato regelmäßig.

 

Im aktuellen Heft 25 allerdings musste ich auf Seite 173 zur Kenntnis nehmen, dass in Ihrer Mitarbeiterschaft auch weitgehende Unkenntnis bezüglich der NS-Judenverfolgung zu herrschen scheint. Im Textfeld mit dem Titel „Der Jesus-Streit“ zur Sendung „Jesus und der Islam“ schreiben Sie: „Christen gingen in der Geschichte oft grausam gegen Zweifler vor…in Nazideutschland 1933-45 gegen die jüdische Minderheit…“ Schon, warum es Ihnen wichtiger erscheint, die bereits lange in Aufarbeitung befindliche Geschichte des Christentums anstatt der derzeit stattfindenden Christenermordungen in breiten Teilen der Welt zu erwähnen, erschließt sich mir nicht.

 

Geradezu entsetzt aber bin ich über die zitierte Darstellung, die falscher nicht sein könnte. Haben Sie sich noch nie mit den christlichen Widerstandskämpfern in der NS-Zeit befasst? Wissen Sie nicht, dass u. a. Dietrich Bonhoeffer im KZ ermordet wurde? Ist Ihnen nicht bekannt, dass es Hitlers Strategie gewesen ist, die Bevölkerung vom Christentum zu distanzieren, um diese Lücke dann mit seiner Rassenideologie zu füllen? Thomas Mann schrieb 1938, dass die NS-Verfolgung des Judentums zeitgleich erfolgte mit der Feindschaft gegen das Christentum. Nach außen hin begegnete man den Kirchen positiv, deutete aber Glaubensinhalte um. Geplant war eine „Endlösung der Kirchenfrage". Aufzeichnungen von Hitlers Monologen dokumentieren dessen Verachtung für das Christentum – seine Gefolgschaft stützte ihn darin. Die Strategie schrieb Goebbels am 28.12.1939 in sein Tagebuch: „…am besten erledigt man sich der Kirchen, wenn man sich selbst als positiver Christ ausgibt.“

 

Es ist alles recherchierbar. Ich möchte Sie schon gerne um eine Antwort bzw. Erklärung bitten, damit ich wieder Lust bekomme, mir das Heft weiterhin zu kaufen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Baumstark

14.12.2015

Antwort von TV Spielfilm

 

Liebe Frau Baumstark,

 

danke für Ihre Anmerkungen. Ich antworte Ihnen stellvertretend für die Redakteurin, die in Urlaub ist. Ihr Anliegen und Ihre Argumente verstehe ich und teile sie auch. Allerdings denke ich, dass wir bedauerlicherweise missverstanden werden. Denn wir dachten durchaus, uns mit dem Hinweis, dass „der Völkermord mit 6 Mio. Opfern rassistisch begründet wurde" davon zu distanzieren, dass die Nazis Freunde des Christentums gewesen wären. Paradoxerweise entstammten die NS-Täter ja aber trotzdem einer christlich geprägten Bevölkerung, wie Sie ja auch selbst anfügen. Genau auf diese Widersprüche und Ambivalenz wollten wir hinweisen; wenn uns das nicht gelungen ist, so bedaure ich das.

 

Zu Ihrem zweiten Aspekt: Dass auch aktuell Christen verfolgt werden, ist in der Geschichtsdoku kein Thema. Weswegen auch wir es nicht thematisiert und uns auf den Sendungsinhalt konzentriert haben, zumal wir nur wenige Zeilen Platz zur Verfügung haben.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ulrike Sumfleth

Stellv. Programmchefin TV SPIELFILM

BurdaNews

15.12.2015

Meine Rückantwort

 

Liebe Frau Sumfleth,

 

in einer Bevölkerung sind ja nie alle Menschen gleich – weder in der deutschen, noch in der syrischen oder in anderen.

 

Ich danke Ihnen jedenfalls für die zügige Antwort und möchte Ihrer Redaktion gerne eine besinnliche Weihnachtszeit wünschen.

 

MfG S. Baumstark 

 

Nachtrag: Nachdem TV Spielfilm den hervorragenden Film "Nicht ohne meine Tochter" mit der politkorrekten Begründung er schüre Vorurteile gegen den Iran schlechter bewertet hat, habe ich dieser Zeitschrift endgültig den Rücken gekehrt. 


27.11.2015

Leserbrief zum Thema Demut

 

In diesem Kontext erinnere ich gerne an das Heft von Geo kompakt „Die Geburt der Zivilisation“: „Vor rund 95.000 Jahren vollbringt der Mensch etwas Erstaunliches. Er hält ein Ritual ab, das keinen biologischen Sinn erfüllt und allein auf der Idee beruht, dass es ein Reich fern der Lebenden gibt: Er bestattet Verstorbene. Es ist eine kulturelle Leistung, in der Forscher einen der bedeutendsten Schritte auf dem Weg zur Zivilisation sehen. Denn in dem Verhalten offenbart sich jene enorme geistige Schöpfungskraft, die die Menschheit schließlich in die Moderne führen wird.“


20.11.2015

Kirchliche Billigmoral

 

„Natürlich würde Jesus die Flüchtlinge einladen, aber zusammen mit den Pegida-Demonstranten, und vielleicht würden sich diese beiden Gruppen, wenn sie ins Gespräch kämen, viel besser miteinander verstehen, als so manchem Polarisierer unter den Kirchenführern lieb wäre…Die Kirche verfügt, anders als die aufs Tagesgeschäft fixierten politischen Parteien, über jahrhundertealte, reiche Erfahrungen und tiefe Energiequellen. Sie hätte es nicht nötig gehabt, der unheiligen Allianz aus Staat und Medien beizutreten...“

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Oliver Zimski.

 

Der ganze hervorragende Text auf achgut.com:

Falsche Propheten: Die Kirchenführer in der Flüchtlingskrise 


16.2.2015

Leserbrief zur Religionsdiffamierung

 

Sehr geehrter Herr …,

können Sie wirklich nur über religiöse Karikaturen lachen? Und warum gerade darüber?