28.11.2016

Krätze: Ahnungslosigkeit des Tages

 

Krätze auf dem Vormarsch: „Es gibt keine Erklärung für diesen Anstieg“, sagt der Sprecher der Städteregion Aachen Detlef Funken. Es geht ohnehin nicht wirklich um die Gesundheit der Bevölkerung, wie diesem Streit in Berlin zu entnehmen ist. Noch vor einem Jahr konnte man sich den Anstieg der Skabies übrigens noch erklären, wie etwa hier: "Durch die Verzögerung von Behandlungen und der anfänglichen Vermutung, es handle sich bei der Krätze um Einzelfälle, hat sich das Risiko der Ansteckung erhöht." 

 

Nachtrag vom 26.11.2017: Wie sich die Sache entwickelt hat: "Essener Ärzte und Apotheker berichten von extrem hohen Krätze-Fallzahlen und Arzneiknappheit...Eugen Lang führt die dramatische Zunahme auf die Einwanderung von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren zurück. „Seitdem haben wir ein Riesenproblem“, sagt der Spezialist. In seiner Praxis verteilt er Broschüren in den gängigen Sprachen, der Nutzen sei allerdings gering: „Ich habe das Gefühl, dass die Anleitungen und Anweisungen oft gar nicht umgesetzt werden.“ Von Kollegen kenne er ähnlich hohe Fall-Zahlen und Verhaltensweisen." 


3.8.2016

Ein Kreuzchen an der falschen Stelle

 

„Mit der Aufnahme von Hunderttausenden von Menschen“ wurde eine „außergewöhnliche humanitäre und logistische Leistung erbracht“, schreibt die Bundesregierung in einer Antwort zur gesundheitlichen Versorgung Geflüchteter. Im Rahmen dieser Herausforderung kann es schon mal vorkommen, dass ein Kreuzchen im Formular an die falsche Stelle rutscht: In Köln hat deshalb ein Jugendlicher aus Afghanistan „fast ein halbes Jahr lang mit einer offenen Tuberkulose unter 200 anderen Flüchtlingen gelebt. Und das, obwohl seine ansteckende Krankheit in Düsseldorf früh erkannt worden war“, berichtet der WDR. Der Kölner Stadtanzeiger zitiert dazu die Leiterin des Gesundheitsamts: „Wir haben immer wieder erhebliche Probleme, Informationen über die uns zugewiesenen Flüchtlinge zu bekommen.“ Neben Turnhallenbewohnern mussten sich auch Ehrenamtler und eine Schulklasse, die der Jugendliche besuchte, testen lassen. Einige Flüchtlingshelfer stellten ihr Engagement aus Angst vor Ansteckung ein. Vom Gesundheitsamt ist dazu zu hören: „Der Großteil der Asylbewerber ist gesund.“ So don't worry, be happy.


14.4.2016

Tuberkulose: Kaum lösbare Problematik

 

Die verantwortungslose Beschwichtigung der Bevölkerung seitens der Politik spricht mal wieder Bände: 2015 gab es 30 Prozent mehr Lungenkranke als davor, schreibt die SHZ. Trotzdem: „Das Gesundheitsministerium gibt Entwarnung, denn die von Flüchtlingen eingeschleppten Erreger werden schnell erkannt und die Patienten behandelt.“ Nicht zuletzt angesichts abertausender unregistrierter und verschwundener Flüchtlinge in Deutschland wäre das geradezu lachhaft, wenn die Sache nicht so ernst wäre. 

 

Die FAZ klärt in diesem Fall realistisch auf: Es bestehe dringender Handlungsbedarf, denn der Tuberkuloseerreger ist der weltweit tödlichste Krankheitskeim. „Ungefähr zwei Milliarden Menschen tragen das Tuberkulose-Bakterium in sich, ausbrechen wird die Krankheit bei etwa zehn Prozent von ihnen. Ihre Behandlung jedoch stellt Ärzte, Patienten und das Gesundheitssystem vor riesige Probleme.“ Bis zu drei Jahre kann die Behandlung bei extrem resistenten Keimen dauern. „Rund 14.000 Tabletten müssen Erkrankte einnehmen - bei einer Heilungschance von nur 50 Prozent und gravierenden Nebenwirkungen.“ Die Kosten dafür sind exorbitant, angespannte Gesundheitsbudgets könne dies in den Bankrott treiben. Die ökonomischen Auswirkungen der Seuche werden „völlig unterschätzt“. Die Welt schreibt zur Sachlage: Die Zahl der Tuberkulosefälle sprang innerhalb eines Jahres von gut 4500 (2014) auf über 5850. Professor Christoph Lange vom Forschungszentrum Borstel sieht weitere künftige Risiken in der „Gesundheitsmigration“: „Es gibt sogar Schlepper, die bringen solche Menschen bis kurz vor die Krankenhäuser.“ 

 

Dass die Behandlung auch aus bürokratischer Sicht problematisch ist, erklärt die Apotheker Zeitung in einem Fall aus der Praxis: Eine Apotheke erhält eine Verordnung über Penicillin V für einen Asylbewerber. Als Kostenträger ist das Sozialamt angegeben. Die Verordnung wird beliefert. Später erhält die Apotheke die Verordnung von der Abrechnungsstelle ohne Vergütung zurück. Der Kostenträger lehne die Bezahlung ab, weil sich der Status des Asylbewerbers geändert hat. „Dieser erhalte bereits seit dem 1. Dezember 2015 (Rezeptdatum 14. Dezember 2015!) keine Asylleistungen mehr, da er mittlerweile einen Aufenthaltstitel habe.“ Auch der Arzt blieb auf seinen Kosten sitzen. Eine Überprüfung des Status bei Verordnungen für Asylbewerber stehe bei niedrigpreisigen Medikamenten „in keinem Verhältnis zum Aufwand“. Die Absetzung sei „unter unentgeltliche soziale Hilfe zu verbuchen“, schlagen Experten vor. Ab einem Erstattungsbetrag von 1.000 Euro empfiehlt der Bayerische Apothekerverband den Apotheken dennoch, mit dem Kostenträger vorab Rücksprache zu halten. Das aber stoße in der Praxis an Grenzen. Abends oder samstags sind die Stellen schlecht zu erreichen. Da Verordnungen etwa für Antibiotika oder Mittel gegen Tuberkulose keinen Aufschub erlauben, wird das Kostenrisiko wohl vorerst bei den Apothekern verbleiben. Bei Tuberkulosemittel gehe es in der Regel um über 300 Euro.