24.12.2016

Religion als Angebot

 

„Unser Junge war nie religiös“, zitiert n-tv die Mutter des Attentäters Anis Amri. Das war auch nicht anzunehmen. Gewalt und Aggression liegt im jeweiligen Menschen begründet und nicht in der Religion, verstanden als Rückbindung an die Schöpfung.

 

Eine aufschlussreiche Analyse dazu bietet ein Interview in der Zeit vom März 2005 mit dem Religionsphilosophen René Girard (1923-2015), der eine klare Grenze zieht zwischen nichtarchaischer und archaisch verstandener "Religion". „Der gesamte Geist unserer religiösen Kultur opponiert gegen das gewaltsame Opfer und eine vermeintlich heilige Gewalt“, befand er, während archaische Religion das „Blutopfer und Sündenbocksystem“ zelebriert. Girard erinnerte sich an Zeiten, „in denen die Politik in Religion umschlug, zum Beispiel im Kommunismus“. Der radikale Islamismus habe „Ähnlichkeiten mit älteren Bewegungen, die die Politik theologisiert haben, und das empfinde ich als äußerst bedrohlich“.

 

Der Religionsphilosoph geht von einem Gewaltkern im Menschen selbst aus. Dieser wehre sich heftig gegen eine Religion, die Gewaltanwendung verbietet, bezieht er sich auf das Christentum: „Derjenige, der uns die eigene Gewalt vor Augen führt und enthüllt, sitzt plötzlich auf der Anklagebank.“ Deshalb sei das Christentum der perfekte Sündenbock. „Auch Jesus war ein freiwilliger Sündenbock. Er hat uns eine Religion hinterlassen, die den Gewalt- und Opfermechanismus in unserem Zusammenleben bloßgelegt hat. Deshalb provoziert er die Menschen, die christliche Religion auf alle mögliche Art und Weise zu leugnen und zu Grabe zu tragen.“

 

Der dahinter stehende Mechanismus hat ganz offenbar bei etlichen Menschen bis heute keinerlei Emanzipation erfahren. Missstände und eine womöglich eigene Beteiligung daran werden verleugnet, Überbringer unangenehmer Botschaften sehen sich als Sündenböcke instrumentalisiert. Im Grunde alles nur einer hochmütig begründeten Eitelkeit wegen. Dabei könnte man diesem Hochmut, der ja letztendlich doch nur Unwohlsein verursacht, mittels nichtarchaischer Religionen durchaus wirkungsvoll begegnen. Das Angebot steht.  


18.12.2016

Ein Wort zum 4. Advent

 

Am Ende die Rechnung: „Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne und für all die Tage, die Abende und die Nächte. Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; bitte die Rechnung. Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht: Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, so weit die Erde reicht: Es war mir ein Vergnügen!“

 

Lothar Zenetti, geb. 1926, diamantenes Priesterjubiläum: 2012


11.12.2016

Ein Wort zum 3. Advent

 

„Würden wir nichts anderes sehen als auf den Weg, so wären wir bald am Ziel.“

 

Hl. Teresa von Avila, 1515-1582, Klostergründerin und Schutzpatronin der Schachspieler 


4.12.2016

Ein Wort zum 2. Advent

 

"Wir werden eingetaucht und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen, wir werden durch-nässt bis auf die Herzhaut. Der Wunsch nach der Landschaft diesseits der Tränengrenze taugt nicht, der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten, der Wunsch, verschont zu bleiben, taugt nicht. Es taugt die Bitte, dass bei Sonnenaufgang die Taube den Zweig vom Ölbaum bringe. Dass die Frucht so bunt wie die Blüte sei, dass noch die Blätter der Rose am Boden eine leuchtende Krone bilden. Und dass wir aus der Flut, dass wir aus der Löwengrube ... immer versehrter und immer heiler stets von Neuem zu uns selbst entlassen werden."

 

Hilde Domin, 1909-2006, Letztveröffentlichung als 90-Jährige: "Der Baum blüht trotzdem" 


27.11.2016

Ein Wort zum 1. Advent       

 

Der Verzicht auf Fragen, Suchen, Lauschen bringt „den Menschen ab von seiner Höhe, er ermöglicht die unmenschliche Erscheinung der Masse, der Herde, des getriebenen... Menschen, des ewigen Objektes fremder Entscheidungen und Vergewaltigungen. Es bleibt der Mensch, der von sich und seinen Weiten und Größen keine Ahnung hat und schließlich doch nur eine Karikatur, einen Restbestand des eigentlichen Menschen darstellt.“ 

 

Alfred Delp, 1907-1945 (hingerichtet in Berlin-Plötzensee), in: Der Mensch vor sich selbst.  


11.11.2016

Kirchenobere verstecken ihr Kreuz

 

Das gehört festgehalten: Erst legen die Vorsitzenden der beiden großen Kirchen Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx beim Besuch der Al-Aksa-Moschee und der jüdischen Klagemauer ihre Kreuze ab. Auf Kritik erklärt Bedford-Strohm, muslimische und jüdische Begleiter hätten darum gebeten die Kreuze nicht offen zu tragen, um nicht zu provozieren. Jetzt weist der israelische Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar empört zurück, dass es von jüdischer Seite die Bitte gegeben hat: „Ich fordere Sie hiermit auf, es öffentlich zu machen, welcher Sicherheitsdienst von jüdischer Seite aus bei Ihrem Besuch der Klagemauer in Jerusalem“ dies gefordert haben soll. Schließlich sei es schon peinlich genug, vor „radikal-arabisch-muslimischen Gastgebern auf dem Felsendom“ einzuknicken. Seitens EKD wird nun getan, was jahrelang eingeübt: man gibt sich politisch korrekt, sprich: man transformiert die Sachfrage von Shalicar in eine „polemisch geführte Debatte“ und einen „inszenierten Kulturkampf“, obwohl es doch um „Respekt“ und „Zurückhaltung“ gehen müsse. Im Übrigen sei die Aufforderung die Kreuze abzunehmen nicht durch Sicherheitskräfte, sondern durch dortige Vertreter der Religionen erfolgt. Freilich schwer nachweisbar. Dafür könnte eine Meldung von 2007 sprechen: Ein Rabbiner verweigert einer Gruppe österreichischer Bischöfe den Zutritt zur Klagemauer, weil sie ihre Amtskreuze nicht verbergen wollten. Bis 2014 allerdings schien man dort einen toleranteren Umgang zu pflegen: Papst Franziskus steht mit offen getragenem Kreuz im Beisein eines Rabbiners und eines Islamgelehrten an der Klagemauer – wie auf diesem Bild zu sehen. Ist nun der Papst respektlos? 


17.10.2016

Bundesweit Gewalt gegen Christen

 

Das christliche Hilfswerk Open Doors hat 500 weitere und damit insgesamt 743 Fälle von religiös motivierter Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften erfasst. Zeitraum: Februar bis September 2016. Die ausführliche Erhebung steht hier im Netz. Sie dokumentiert auch die Relativierung des Problems auf Bundes-, Landes- und Kirchenleitungsebene wie etwa die Ablehnung eines von der CDU eingebrachten Antrags im thüringischen Landtag mit dem Titel „Interreligiöse Kompetenz und Toleranz stärken – Christliche Werte schützen und antichristliche Gewalt ächten und ahnden“. Open-Doors-Chef Markus Rode: Die Situation ist „unfassbar dramatisch“. Ebenfalls kaum fassbar: Einen Offenen Brief des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg (ÖRBB) vom März dieses Jahres an Berlins Bürgermeister und Sozialsenator, in dem „Anlass zu großer Sorge“ wegen gewalttätiger Übergriffe gegen Christen geäußert wurde, hat der ÖRBB wegen vorgeworfener Kritik an Muslimen wieder von seiner Homepage genommen.  

 

Nachtrag zur Christenverfolgung weltweit vom 20.10.2016: Siehe auch: "Das ewige Morden in Syrien: Jetzt sind die Christen dort auch von Kurden bedroht."


5.8.2016

Wohltuende Ehrlichkeit

 

„Nicht jeder Flüchtling ist prinzipiell ein IS-Gewalttäter, wie auch nicht jeder Flüchtling ein ‚guter Mensch’ ist“: Man habe sich „vielleicht im letzten Jahr etwas naiv verhalten“, konstatiert der evangelische Bischof von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, gegenüber idea. Vertreter des Islam sollten sich von Terroranschlägen distanzieren. Zugleich sollten Christen deutlich sagen, „dass es hier in Deutschland zivilisiert nach den Maßstäben eines Rechtsstaats zugeht“. Ob letzteres überhaupt noch zutrifft, sei einmal dahin gestellt.


15.7.2016

Kirchen: „Offene Gesprächsverweigerung“

 

Klartext zur Situation geflüchteter Christen in deutschen Unterkünften gibt es gerade wieder beim Onlinemagazin Idea zu lesen. Nachdem die Kirchenspitzen Drangsalierungen inklusive Todesdrohungen gegenüber ihrer eigenen Klientel bagatellisierten, sagt nun der Berliner Pfarrer Gottfried Martens: „Die Stellungnahme der beiden großen Kirchen ist das Ergebnis einer offenen Gesprächsverweigerung gegenüber den Opfern von religiös motivierten Übergriffen in den Unterkünften.“ Man sei dort „offenkundig darauf aus, die Probleme der bedrohten religiösen Minderheiten auszusitzen“; es kämen schon kaum noch christliche Flüchtlinge an. Martens steht mit seinen Beobachtungen nicht alleine, wie etwa dieser Bericht in der Welt zu „fäkalen Missständen“ und weiteren Unsäglichkeiten aufzeigt.   


31.5.2016

Versäumnis mit Folgen

 

Nachdem amtierende Bischöfe der beiden großen Kirchen sowie diverse Zeitungen die Studie des christlichen Hilfswerks Open Doors zu Übergriffen auf christliche Flüchtlinge in die unseriöse Ecke drängten, warnt jetzt der Vorsitzende der Christlichen Polizeivereinigung (CPV) Holger Clas davor, wegen möglicher Schwächen der Studie das Thema zu verharmlosen. „Zu glauben, dass die islamischen Flüchtlinge mit der Ankunft in Deutschland automatisch die Werte des deutschen Grundgesetzes übernähmen, sei naiv“, zitiert ihn das Magazin idea. Laut Erfahrungen der Polizisten vor Ort sei die Bedrohung religiöser Minderheiten durch Muslime real, hieß es auch beim CPV-Bundestreffen. Ihre „Beobachtungen decken sich mit den Kernaussagen" der Studie. Indessen erinnerte der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland an die ARD-Dokumentation „Syrische Christen in Not“ aus dem Jahr 2013, in der sie bereits auf die Angriffe hinwiesen. Für eine effektivere Kommunikation wolle man künftig mit Open Doors kooperieren. 

 

Zur Sachlage bringt die Welt einen lesenswerten, weil sehr differenzierenden Beitrag, der auch auf die Folgen der unverantwortlichen Verharmlosung für die bedrohten Christen eingeht. Man darf sich schon darüber wundern, dass sich die Kirchenleitungen im Rahmen dieser nur schwer beweisbaren Lage partout nicht auf den assoziierenden Menschenverstand verlassen wollen und in der Folge den Täterschutz bestärken. In einem Fall von acht ermordeten Christen in Pakistan 2009 beschrieb der Bischof Joseph Coutts ein ganz ähnliches, von Bequemlichkeit und Feigheit bestimmtes Vorgehen seitens Verantwortlicher. Gegenüber „Kirche in Not“ beklagte er, dass es „die örtlichen Behörden versäumt hätten, gegen die Ursachen der Gewaltausbrüche vorzugehen. Die Ausschreitungen hätten sich für jedermann sichtbar bereits seit längerem angebahnt“. Während der Angriffe sei die Polizei viel zu spät und nur halbherzig gegen die Gewalttäter vorgegangen. „Im Nachhinein erhalten wir nun von den Behörden Beileidsbekundungen, Entschuldigungen und Versprechungen für eine bessere Zukunft“, so der Bischof – anstatt von angemessenem Schutz und „Vorkehrungen, damit so etwas nicht noch einmal geschieht“.  


17.5.2016

Die Sintflut erst nach mir

 

An Pfingsten veröffentlichte der Deutschlandfunk ein Interview mit dem scheidenden Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, früher auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: „Sie sprechen nicht mehr vom ‚christlichen Abendland‘, weil die Falschen dieses Wort jetzt benutzen?“ „Lehmann: Ja. Also, ich rede da lieber von Europa zum Beispiel.“ Der Katholik also, der nicht mehr vom christlichen Abendland sprechen will – vom Islam aber schon, obwohl auch dieses Wort „die Falschen“ benutzen und sich deshalb eigentlich der Nahe Osten als Ausweichwort anböte – und seine besten Gespräche im politischen Bereich stets mit den Grünen führte, hat „keine Angst“ vor dem Islam, weil er dessen Poesie aus dem Iran kennt. Und Angst habe man nur vor etwas, das man nicht kennt. Unverschleierte Models im Iran sowie deren Manager und Fotografen werden wohl ihre gegenteilige Erfahrung mit der Angst haben. Etliche von ihnen wurden gerade wegen Verbreitung einer antiislamischen Kultur verhaftet. Doch wegen solch störender Details muss es sich ja ein Pensionär nach vollbrachter Karriere mit den Medien nicht verscherzen. 


12.5.2016

Notfallhotline für bedrohte Christen

 

Christenverfolgung mitten in Deutschland und amtliche Bischöfe sprechen verniedlichend von „etwaigem intoleranten Verhalten gegenüber Christen“. In Heimen von Caritas und Maltesern gebe es religiöse Konflikte bislang „nur punktuell“. Ihre Folgerung: „Ein Massenphänomen sei Diskriminierung christlicher Flüchtlinge bislang nicht.“ Außerdem: „Einer bundesweiten Umfrage zufolge würden christliche Flüchtlinge aber derzeit nicht allgemein angefeindet und bedroht.“ Und überhaupt müsse man verhindern, dass sich „verallgemeinernde Verdächtigungen breit machen, die bereits begierig von Rechtspopulisten aufgegriffen werden“. Hintergrund: Die Christen in verantwortlicher Position stören sich am eingebrachten Antrag im Thüringer Landtag „Religionsfreiheit schützen - Übergriffe auf christliche Asylbewerber verhindern“. Warum? Weil er von der AfD kommt – man könnte fast meinen, diese stünde ihnen näher als bedrohte Christen.

 

Zum Vergleich die Meldung in einem Schweizer Medium: Der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland unterhält eine Notfallhotline, bei der an Spitzentagen bis zu 100 Anrufe betroffener Christen, häufig wegen gewaltsamer Übergriffe durch Muslime, eingingen. Laut Aktion für verfolgte Christen und Notleidende ist das nur die Spitze des Eisbergs. Man schätze die Dunkelziffer auf mehrere zehntausend Fälle. Eine Erhebung von Open Doors: 88 Prozent der christlichen Flüchtlinge erfahren Verfolgung durch muslimische Mitflüchtlinge. Der Pfarrer einer Selbständigen Kirche in Berlin-Steglitz berichtet: „Und selbst wenn Christen Übergriffe zur Anzeige brächten, reagierten die Täter häufig mit einer Gegenanzeige.“ Die Verfahren werden regelmäßig aus Mangel an Beweisen eingestellt. „Dadurch gelten Christen schnell als Störenfriede und müssten negative Auswirkungen auf ihr laufendes Asylverfahren befürchten.“ Die Erfahrung: Eine Anzeige führt zu noch stärkerer Bedrohung und weiteren Übergriffen. „Resignierend sei zudem, dass der muslimische Wachschutz mehrmals selbst zum Täter geworden sei und muslimische Übersetzer die Schilderungen der Vorfälle nicht wahrheitsgemäß übersetzten.“ Das Vertrauen vieler christlicher Flüchtlinge in den deutschen Rechtsstaat sei wegen ausbleibender Hilfe der Behörden schwer erschüttert.

 

Nachtrag:

Das Portal evangelisch.de, das sich seinerzeit auch brav in das Mainstreambashing gegen Christian Wulff einreihte, berichtet kirchenpolitisch korrekt: „Evangelische und katholische Kirche haben Vorwürfe, sie würden Drangsalierungen christlicher Flüchtlinge in deutschen Asylheimen bagatellisieren, zurückgewiesen.“ Worin die Zurückweisung besteht, erschließt sich im Folgetext nicht. Angesichts der Fakten, dass Christen bespuckt und zusammengeschlagen werden, wird sogar die Bagatellisierung im Folgetext erneut wiederholt: Meldungen von Christen, „die sich bedrängt fühlen“, nehme man sehr ernst. Nach Umfragen in den Unterkünften den eigenen Landeskirchen könne aber nicht von systematischer Christenfeindlichkeit gesprochen werden. Man verweist auf die „unzureichende Datenlage“ zum Thema und „hegt Zweifel an den Schlussfolgerungen“ von Open Doors. „Eine Quantifizierung des Problems, wie von den Organisationen vorgenommen, halte man aufgrund der selbst vorliegenden Informationen nicht für möglich.“ Das beruhigt die christlichen Flüchtlinge sicherlich ungemein, dass die Informationen der Amtskirchen eine Quantifizierung ihres Problems nicht hergeben, also die Angelegenheit gar nicht weitreichend schlimm ist. Langsam wird es ekelhaft.


29.4.2016

Politische Klarheit dazumal

 

Die Welt titelt im Februar 2002 zur Vorstellung der Islamischen Charta: „Kirchen und Politiker bleiben skeptisch.“ Die grüne Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Christa Nickels, gibt sich nicht mit der Beteuerung zufrieden, dass ein klerikaler Gottesstaat nicht angestrebt wird: „Ich möchte eine ganz klare Absage an die islamische Rechtsordnung, die Scharia.“ Zum Thema Zwangsverheiratung: „Ich möchte hören, dass man diese Praxis eindeutig zurückweist.“ Und noch eine klare Frage: „Ist die Charta mit ihrem Ja zum Grundgesetz eine moslemische Diaspora-Erklärung, oder ist dieses Bekenntnis das Produkt eigener, tiefer Überzeugung?“ Außerdem Dr. Wolfgang Schäuble noch im Sommer 2009: „Aber das bedeutet nicht, dass wir den neu zu uns Hinzugekommenen zuliebe all das aufgeben sollten, was traditionell zu unserer eigenen Kultur gehört…Ich bezweifle auch ausdrücklich, dass uns eine solche Abstinenz irgendeinen Ansehensgewinn bei unseren islamischen Mitbürgern oder in islamischen Ländern bringen würde.“ Geändert hat sich nicht die Sachlage, sondern nur der Umgang damit. Warum eigentlich?


15.4.2016

Warnungen syrisch-orthodoxer Christen

 

Aufgrund ihrer Lebenserfahrung aus Krisenregionen wäre es angebracht, die Stimmen syrisch-orthodoxer Christen zur Flüchtlingskrise zu berücksichtigen. Ganz schnörkellos äußerte sich jetzt Dionysos Isa Gürbüz, syrisch-orthodoxer Bischof in der Schweiz, im Tagesanzeiger: „In 20, 30 Jahren wird es in Europa eine muslimische Mehrheit geben. Die Hälfte der europäischen Frauen wird dann einen Hijab tragen.“ Seine Begründung: „Die Anzahl kinderreicher Muslime würde schnell wachsen, die Macht übernehmen und mit der Verfolgung anfangen.“ Was im Nahen Osten geschieht, werde auch in Europa passieren, das habe ihn die Geschichte der Christenverfolgung gelehrt. Letztlich akzeptiere der Islam keine Demokratie. Es sei ihm „ein dringendes Anliegen“, gerade politisch korrekte Kirchen zur Wachsamkeit aufzurufen. „Es sei naiv zu glauben, dass sich die Millionen von Flüchtlingen, die jetzt über die Türkei nach Europa kämen, alle anpassen und mit den Christen in Europa in Frieden zusammenleben würden.“ Gürbüz betonte, nicht zum Hass aufzurufen. Auch andere christliche Bischöfe aus dem Nahen Osten seien diesbezüglich misstrauisch.

 

So auch Hatune Dogan, eine syrisch-orthodoxe Klosterschwester und Leiterin der Stiftung „Helfende Hände“: „Wir dürfen nicht die Wölfe ins Land lassen und die Schafe draußen lassen“, sagte sie dem Stadt-Kurier. Die Türen für Flüchtlinge sollten offen bleiben, insbesondere für traumatisierte Kinder und Frauen. Es würden aber nicht alle Syrer verfolgt und Politiker sollten darauf achten, wem sie Unterschlupf gewähren. „Im Zeichen des Koran passieren unglaubliche Gräueltaten.“ Daher fordert sie die Schließung der Koranschulen in Deutschland. Ihre Erfahrung mit einer befreundeten Familie: Seit deren Sohn die Koranschule besucht, spricht er nicht mehr mit den Nachbarn, da er jetzt „ein echter Moslem“ sei, die deutsche Familie aber „ungläubig und schmutzig“. Der Koran verbiete Freundschaft mit Ungläubigen; „schlimmer noch, man müsse sie töten“ und das Kind nehme ernst, was ihm gelehrt wird, so Schwester Hatune. Auch sie betonte, nicht alle Moslems angreifen zu wollen: „Ich rede hier von der Familie der Salafisten – vom Islamischen Staat bis zu Boko Haram und Al Kaida.“ Um der Bildung von Parallelgesellschaften entgegenzuwirken ist für sie klar: „Wer sich nicht an unseren demokratischen Gesetze hält, hat hier nichts zu suchen.“ Klartext sprach die Ordensschwester bereits 2011 beim Kongress „Christenverfolgung heute“: Die an Christen verübten unvorstellbaren Gräuel islamischer Extremisten würden von hiesigen Medien verschwiegen oder verharmlost. Redaktionen befürchteten wohl, ins Kreuzfeuer islamischer Extremisten zu geraten.


22.2.2016

Religion muss Religion sein

 

Mit unserem Bundesfinanzminister habe ich mich noch nicht näher auseinandergesetzt. Die Worte, die Wolfgang Schäuble aber im Rahmen seiner Kritik an der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wählte, sind spitze: Christen sollten lernen, dass „Religion, um politisch zu sein, erst einmal Religion sein muss“, zitiert ihn die FAZ. Politisch engagierter Protestantismus sei zwar wichtig, aber manchmal „entsteht der Eindruck, es gehe in der evangelischen Kirche primär um Politik, als seien politische Überzeugungen ein festeres Band als der gemeinsame Glaube“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Die schamlose Anbiederung der EKD an das linksgrüne Establishment wird deshalb nicht eingestellt, dafür hat man die personalbezogenen Weichen schon zu lange in diese Richtung einrosten lassen.

 

Auf katholischer Seite gibt es – noch – Intellektuelle, die anspruchsvolle und unabhängige Gedankengänge entwickeln können und wollen. Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist diese Auseinandersetzung zwischen dem Schweizer Theologen Martin Grichting und dem „Kulturzwinglianer“ René Scheu über Jesus als „sozialistisches Blumenkind“ und das „Evangelium als Marketinginstrument“: ein Plädoyer für das liberal verstandene Individuum und gegen politische Gängelei seitens kirchlicher Hierarchie. Und: ein sprachlicher Genuss.  


10.2.2016

Das entlarvende Argument des Jahres...

 

kommt von einem evangelischen Pfarrer: Läge er einen moralischen Anspruch an die Herkunft von Spendengeld, dann könne er "bald gar kein Geld mehr annehmen", meint Hans Mörtter, der unlängst in Köln einen evangelisch-islamischen Gottesdienst durchführte. Die Annahme einer vom Bordell Pascha (Motto des Besitzers: Eine Frau kommt auf die Welt, um einem Mann zu dienen und zu gehorchen) angebotenen Spende kommt aber nach interner Kritik vielleicht doch nicht zustande. Mal sehen...


5.2.2016

Dichte Schotten statt bunter Vielfalt

 

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild' ich einen Arbeitskreis: Offenbar gibt es an der Technischen Universität Dortmund schon so viele davon, dass selbst dieses Ablenkungsmanöver nicht mehr zur Befriedung der Angelegenheit angedacht wird: Nach monatelangem Streit um die Nutzung des "Raums der Stille" wird dieser nun einfach geschlossen und umfunktioniert; für die Forschung oder als Babyraum. Im Vorfeld versahen muslimische Studenten einen Großteil des Raums mit Gebetsteppichen und forderten Frauen auf, Kopftücher und kein Parfüm zu tragen. Was nun in der Rechtfertigung des Rektorats vor allem wie eine Distanzierung von überheblichen Forderungen seitens Muslimen wirkt - der Raum dürfe nicht von ihnen für eigene Zwecke umfunktioniert werden -, ist durch die Schließung des Raums de facto eine Preisgabe eigener Werte beziehungsweise Traditionen. Die Verbannung religiöser Rückzugsräume aus der Öffentlichkeit wegen fehlender Bereitschaft die Vielfalt zu managen mag manchen Atheisten entgegenkommen. Vielleicht aber denken sie eines Tages, wenn es um mehr geht als das, auch anders darüber.  

 

Siehe auch: Diskriminierung im Namen Allahs – Uni Essen schließt Gebetsraum