8.7.2017

Die zarte Lücke

 

Das perfekte Sinnbild des Gegenteils zur G20-Gewaltorgie ist Michelangelos „Erschaffung Adams“. Einen Auszug des Deckenfreskos in der Sixtinischen Kapelle in Vatikanstadt kennt vermutlich fast jeder. Er zeigt die beiden Hände mit den ausgestreckten Zeigefingern, die sich fast berühren. Hier ist er zu sehen. Der betrachtende Mensch kann sich wohl kaum erwehren die Berührung gedanklich zu vollenden respektive vorwegzunehmen; obwohl der Abstand als Lücke deutlich sichtbar bleibt. Wer es vermag, der kann einmal bei günstiger Gelegenheit mit aller verfügbaren Offenheit in diese Lücke eintauchen, die so zart anmutet und so viel zu versprechen scheint. Das ist erfüllend und ungemein immunisierend. Es vergegenwärtigt zudem, wie tief besagte Zeitgenossen gesunken sind und was sie, bar jeder Ahnung, entbehren. Goethe schrieb übrigens 1787: „Ohne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag.“


28.6.2017

Kamerun: Mordserie an Bischöfen

 

Ganz so bequem werden Verantwortliche in Kamerun den Fall wohl nicht abschließen können: „Bischof Jean Marie Benoît Bala hat nicht Selbstmord begangen, er wurde brutal ermordet“: meldet sich die Kameruner Bischofskonferenz lautstark zu Wort. „Die Leiche des Bischofs von Bafia wurde am 2. Juni im Fluss Sanaga gefunden. Der Kirchenmann war seit dem Vormittag des 31. März vermisst worden, nachdem sein Fahrzeug auf einer Brücke gefunden worden war.“ Der Catholic Herald berichtet, dass bereits Anfang Juni am Körper des charismatischen 58-jährigen Geistlichen Folterspuren gefunden wurden. Trotzdem kolportierten dortige Medien die These vom Suizid. Die Bischöfe in Kamerun verweisen auf eine Mordserie an katholischen Geistlichen und Ordensleuten seit den 1990er Jahren – kein einziger davon wurde aufgeklärt. Radio Vatikan ergänzt: „Anonymen Quellen zufolge hatte Bischof Bala Hintergründe über ungeklärte Priestermorde aufgedeckt, was ihm zum Verhängnis geworden sein könnte.“ In Kamerun sind laut Auswärtigem Amt circa 25 Prozent Katholiken, 25 Prozent Protestanten und 20 Prozent Muslime. Weitere, gut dargestellte Hintergrundinfos zu Kamerun bietet das Länder-Informations-Portal.


4./5.6.2017

Pfingstgottesdienst       flüchtlingspolitikfrei


4.6.2017

Offener Brief an Repräsentanten des Evangelischen Kirchentags

 

Siehe auch den Beitrag eines Studenten: Ich erlaubte mir, "am Breitscheidplatz einen Zettel mit der Aufschrift 'Demokratie verteidigen – Islamisten stoppen!!! Ja zu einer multireligiösen Stadt, Nein zur Verhöhnung der Anschlagsopfer durch Islamisten' anzubringen. Nachdem mir zunächst Mitglieder der Kirche, in der ich selbst Mitglied bin, mit einer Anzeige drohten, prüfte die Polizei 20 Minuten lang, ob meine Zettel gegen die Auflagen für den Gedenkort verstoßen".


13.4.2017

Die Gelegenheit in der Zeit 

 

Ostern erinnert an die Möglichkeit der Erneuerung. Wer in diesen Tagen über einen Neubeginn nachdenken möchte, dem könnte die Vergegenwärtigung von Chronos – der griechische Gott mit der geflügelten Sanduhr – und Kairos – der Gott der günstigen Gelegenheit und des rechten Augenblicks – als Leitfaden dienen. Hier findet sich eine philosophische und dort eine christliche Betrachtung dazu.  


11.4.2017

Nivellierer als Strippenzieher

 

Ein interessantes Urteil: „Islamisches Kulturzentrum darf von Innenminister des Landes Bremen als ‚salafistisch‘ bezeichnet werden“, so das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen nach einem Beschluss vom Dezember 2015: „Zwar verlange die Religionsfreiheit vom Staat besondere Zurückhaltung. Daher seien diffamierende, diskriminierende oder verfälschende Darstellungen einer religiösen Gemeinschaft zu unterlassen. Jedoch enthalte die Beschreibung ‚salafistisch‘ keine diffamierenden oder verfälschenden Darstellungen.“

 

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung versuchte sich Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber drei Monate vorher an der Präsentation einer Typologie zum komplexen Phänomen Salafismus. Sein Fazit: „Alle genannten Handlungsstile des Salafismus können auch dem Fundamentalismus zugerechnet werden“ mit „einer deutlichen und hohen Extremismusintensität.“ Geht man nach dieser Definition und führt sich das aktuelle Sprachdiktat vor Augen, dann dürfte wohl der Beschluss des OVG Bremen heute keinen Bestand mehr haben.

 

Um die Hintergründe der Debatte vollumfänglich zu erfassen, darf im Übrigen nicht untergehen, was ein Leser beim Tagesspiegel so formulierte: „Es ist nur zu offensichtlich, dass Viele die Gunst der Stunde nutzen wollen, um sich auf diese Weise aller Religionen zu entledigen…Wenn dem Islam seitens unserer Mehrheitsgesellschaft erst einmal seine Existenzberichtigung aberkannt wurde, dann wird auch dem traditionellen Christen-  und Judentum auf Dauer keine Existenzberechtigung mehr eingeräumt werden. Wieder ein Schritt hin zur großen ideologischen Monokultur. Keine Ländergrenzen mehr, keine Nationen, keine Religionen, keine Kulturen…“  


30.3.2017

Heringssalat bald überall?

 

Wenn man in Berlin eine Veranstaltung zum ausgewiesenen Thema rund um die christliche Religion besucht, kann es schon mal vorkommen, dass sich dort Atheisten dazu setzen, die sich dann darüber beschweren, dass es hier nur um christliche Religion geht und nicht um andere Religionen oder um Atheismus. Selbst erlebt, und nicht nur einmal. Zu solchen Zeitgenossen gehört auch Volker Beck von den Grünen. Laut Idea hatte der Politiker das christliche Hilfswerk für verfolgte Christen „Open Doors“ dahin gehend kritisiert, dass es diesem nur um Christen gehe und nicht um alle religiös Verfolgten. Der gleiche Duktus wäre die Grünen dafür zu kritisieren, dass es diesen nur um ihre eigenen politischen Positionen geht und nicht um die aller politischen Parteien. Es entspräche auch solch einer Einstellung in ein Schreibwarengeschäft zu gehen und sich dann zu beschweren, dass man dort keinen Heringssalat kaufen kann nach dem Motto: Jeder hat sich um alles zu kümmern. Die Welt wartet gespannt auf die nächste Ausweitung des Antidiskriminierungsgesetzes.