16.1.2018

Obdachlose Familien im exponierten Humanismus

 

„Bis vor kurzem war Obdachlosigkeit in Berlin ein Randphänomen. Heute sind ganze Fa-milien betroffen. Und es wird immer schlimmer.“ Was die Morgenpost bereits im November berichtete, ist haarsträubend angesichts des kurz darauf eröffneten, 17 Millionen Euro kostspieligen „schönsten Tempohome“ mit beheizter Abwasserleitung, großzügiger Sonnenterrasse im Zentrum und begrünten Raucherecken in selbiger Stadt. „Wir müssen 20 bis 30 Familien pro Monat ablehnen“, sagt eine Sozialarbeiterin: „Bei uns geht es nicht allein um Roma-Familien. Das Problem ist in der deutschen Mittelschicht angekommen.“ Mit 30.000 Menschen in Notunterkünften im Jahr 2016 hat sich die dramatische Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Schätzungsweise 50.000 sind es im Jahr 2017. Es gebe jetzt mehr Verteilungskämpfe als früher. Ach was. Wie das bloß kommt?

 

„Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftliches Konflikt-potenzial birgt“, wird der Präsident des Deutschen Caritasverbandes von der Volksstimme zitiert, der sich vor der klaren Erklärung drückt, welche die Welt aktuell liefert: „Die Flüchtlingskrise hat nicht vieles, sondern alles verändert und verschärft die Wohnungskrise.“ Dem Vorstand des Rings Deutscher Makler Berlin-Brandenburg (RDM) ist klar, dass Flüchtlinge in Wohnungen ziehen und folglich die Nachfrage vergrößern. „Vor allem in den großen Städten dürfte es schwierig werden, diesen zusätzlichen Bedarf zu decken.“ Beim RDM-Neujahrsempfang „vermied“ es der Bundesjustizminister, „vor dem Hintergrund der anstehenden Koalitionsverhandlungen detailliert auf die Wohnungspolitik einzugehen“. 

 

Leserkommentare dazu: „Man muss sich den Wahnsinn mal klar machen: Nur durch den Zuzug der letzten zwei Jahre müsste man eineinhalb mal Köln bauen, um genügend Wohnraum zu haben! Und fast alle benötigen eine Ersteinrichtung der Wohnung. Dazu kommen die laufenden monatlichen Kosten für Hartz IV, Gesundheitsversorgung und Sprach-, Integrationskurse / Ausbildung. Wenn jährlich 200.000 dazukommen, entspricht das einer weiteren mittleren Großstadt, die man jedes Jahr aus dem Nichts neu bauen müsste.“ Eine ausgewogene Mischung aus Pessimismus und Optimismus bietet diese Leserzuschrift: „In wenigen Jahren will hier eh niemand mehr freiwillig gut und gerne leben, dann gehen die Mieten auch wieder runter. Abwarten.“