16.7.2018

Rechtsstaat: Welche Version darf es sein?

 

Das „Stück aus dem Tollhaus“ um die Abschiebung des Gefährders Sami A. nach Tunesien spaltet die Ansichten dazu selbst innerhalb der Parteien, wie der Beitrag bei der Welt verdeutlicht. „Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte eigentlich ein Abschiebeverbot für diesen Fall erlassen.“ Dem Gefährder drohe vielleicht Folter in Tunesien, man solle ihn zurückholen. Während Wolfgang Kubicki von der FDP zur aufgekommenen Empörung über dieses Urteil meint, „rechtsstaatliche Grundsätze“ würden nun einem „gesunden Volksempfinden“ geopfert, bereitet sein Parteikollege vom Flüchtlingsministerium NRW eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht vor. Die tunesische Justiz will derweil den ehemaligen Leibwächter Osama bin Ladens für das Strafverfahren erst mal behalten. 

 

Die Abschiebung sei im Interesse der deutschen Sicherheitslage „verantwortbar und richtig“, sagt Armin Schuster von der CDU: Die tunesische Regierung entwickle sich demokratisch, die Todesstrafe werde nicht vollzogen und Folter nicht geduldet. Die Welt informiert weiter: „Anfang Mai hatte die tunesische Regierung zugesichert, Sami A. drohe keine Folter.“ Wie kommt dann das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zu seinem Urteil? Und warum urteilen andere Gerichte in ähnlich gelagerten Fällen anders?  

 

Ende März lehnte das Bundesverwaltungsgericht den Eilantrag eines islamistischen Gefährders zur Verhinderung seiner Abschiebung nach Tunesien ab. „Aufgrund eines Auslieferungsersuchens der tunesischen Behörden, in dem ihm unter anderem die Beteiligung an dem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis mit mehreren Toten im März 2015 zur Last gelegt wurde, wurde er festgenommen.“ 2017 ordnete Hessen, gestützt auf § 58a Aufenthaltsgesetz, seine Abschiebung wegen (drohender) terroristischer Aktivitäten an.

 

„Dem Antragsteller drohe indes aufgrund des in Tunesien seit Jahren bestehenden Moratoriums, dessen Einhaltung die tunesischen Behörden betont haben, nicht die Vollstreckung der Todesstrafe.“ Weiter zu den Auskünften des Auswärtigen Amts: Jede Todesstrafe werde durch Ausübung des Gnadenrechts des Staatspräsidenten in eine lebenslange oder zeitige Freiheitsstrafe umgewandelt. Für eine lebenslange Freiheitsstrafe bestünden gesetzliche Regeln, wonach der Verurteilte zu gegebener Zeit eine Überprüfung seiner Strafe mit Aussicht auf Entlassung bewirken könne. 

 

Damit drohe dem Antragsteller keine Gefahr im Sinne von Artikel 3 Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK). Das nachinstanzliche Bundesverfassungsgericht (BVerfG) bestätigte Anfang Mai diese Einschätzung. 

 

Man kann sich jetzt – nicht zuletzt angesichts der Überlastung der Gerichte – fragen, ob in jedem Fall erneut die Zusicherung desselben Zielabschiebelandes zur Einhaltung der EMRK eingeholt werden muss. Eine unbefriedigende Antwort findet sich in diesem Urteil: Im Juli 2017 rügte ein algerischer Gefährder mit „seiner“ (merkwürdige Anwälte tummeln sich in diesem Land) Verfassungsbeschwerde „die formelle und materielle Verfassungswidrigkeit des § 58a AufenthG“. Das BVerfG zerstreute verfassungsrechtliche Bedenken und konkretisierte: „Welche konkreten Anforderungen an eine solche Zusicherung zu stellen sind, lässt sich nicht abstrakt beantworten, sondern hängt insbesondere von den Bedingungen im Abschiebezielstaat und den Umständen des Einzelfalles ab.“ Die Justiz hat also wieder reichlich Interpretationsspielraum.

 

Der Fall eines russischen „radikal-islamistischen Gefährders“ zeigt indes auf, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt: „Abschiebungsverbote stehen der Anordnung nicht entgegen. Das Bundesverwaltungsgericht hat an seiner im vorläufigen Rechtsschutzverfahren getroffenen Einschätzung festgehalten, dass dem Kläger in der Russischen Föderation im Zeitpunkt der Abschiebung jedenfalls dann keine Folter … gedroht hat, wenn er - wie geschehen - nicht in den Nordkaukasus abgeschoben wird. Es war ihm möglich und zumutbar, außerhalb seiner Herkunftsregion Aufenthalt zu nehmen und sich eine Lebensgrundlage aufzubauen.“ Im Sinne der Sicherheit ist das eine gangbare Lösung.

 

Zum Thema Folter in Tunesien schrieb übrigens n-tv Anfang Mai: „Islamistische Gefährder aus Tunesien können nicht in ihre Heimat abgeschoben werden, weil ihnen dort Folter drohen soll. In Tunesien wundert man sich über diese Argumentation … der tunesische Minister für Menschenrechte, Medi Ben Gharbia, weist Vorwürfe, wonach in tunesischen Gefängnissen gefoltert werden könnte, entschieden zurück. ‚Ich kann Ihnen versichern und ich kann garantieren: Bei uns gibt es keine Folter‘ … ‚Es ist absurd, dass ein deutsches Gericht behauptet, einem tunesischen Staatsbürger könnte hier Folter drohen.‘ Anders sehen das Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Folter sei weiterhin in tunesischen Gefängnissen allgegenwärtig.“ Und je nachdem, wem man jetzt glaubt, darauf basiert dann die Grundlage für unsere Rechtsprechung?

 

Weiteres zu hiesigen Gefährdern mit Schutzstatus: hier und dort. Mehr zur Diskussion um Gefährder und § 58a Aufenthaltsgesetz im vergangen Jahr steht auf dieser Seite.

 

Nachtrag: "Sami A.s tunesischer Anwalt fordert die sofortige Rückführung seines Mandanten nach Deutschland ... bei den Vorwürfen gegen Sami A. handele es sich um 'Lügen, die man jetzt hier in Tunesien erfindet, um ihn festzuhalten' ... Wenn Sami A. tatsächlich der Bodyguard des 2011 getöteten Al-Qaida-Führers Osama Bin Laden gewesen wäre, 'hätten die USA ihn nie frei durch Deutschland laufen lassen'." (?) Und konkreter zum Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen: "Entscheidend stellte die Kammer darauf ab, dass die Abschiebung zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Beschlusses der für die asylrecht-liche Bewertung des Sachverhalts zuständigen 7a. Kammer an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch nicht abgeschlossen war und deshalb abzubrechen gewesen wäre." 


13.7.2018

Notwendige neue Strafrechtsdebatte

 

Die österreichische Regierung peilt an, das Strafrecht bei Gewalt- und Sexualverbrechen zu verschärfen. Daran arbeitet eine Taskforce nach dem Prinzip „Zero Tolerance“. Die Recherche-Plattform Addendum hat die Hintergrunddebatte ins Visier genommen: „Was soll das Strafrecht, unabhängig von Strafrahmen und richterlicher Praxis, eigentlich bewirken?“ Inwiefern geht es um Prävention, um Rache, um Reue? Sind höhere Strafen sinnvoll? 

 

Für die eigene Meinungsbildung zum Thema bietet es sich an, sich an den vier Motiven zu orientieren, die Addendum ausgemacht hat: Vergeltung, Abschreckung, Rehabilitation und Unschädlichmachen. An dieser Stelle ist zudem eine aufschlussreiche Doku eingestellt, die gestern im österreichischen Servus TV gelaufen ist. Verdeutlicht wird darin das Hickhack zwischen Politik und Justiz sowie das Verhältnis von Strafrecht und Gerechtigkeit. Ein gesamtgesellschaftliches Einverständnis lässt sich wohl kaum erzielen, so das Fazit. 

 

Eine weitergehende Strafrechtsdebatte wird im Übrigen aufgrund veränderter Zusammen-setzung der Gesellschaft nicht ausbleiben können. Das rührt aus neuen Fallkonstellationen her und aus dem Import eines „anderen Rechts- und Gesellschaftsverständnisses“, wie es ein Sicherheitsexperte im Oktober 2015 formulierte. Allen voran in Deutschland wird man mit dem bisher reproduzierten naiven Menschenbild der Lage nicht gerecht. Aktuelles Beispiel:

 

„Ein 19-jähriger Westafrikaner soll seinen Abschiebe-Flug durch Würgen eines anderen Passagiers verhindert haben.“ Er leistete zudem „heftigen Widerstand“ gegen die Polizisten. Die angesetzte Gerichtsverhandlung wurde indes aufgehoben. Der Beschuldigte ist nicht mehr auffindbar. Er blieb nämlich nach dem Vorfall auf freiem Fuß. Begründung der Staatsanwaltschaft: Für einen Haftbefehl reiche der Vorwurf nicht. „Zumal es sich um einen Heranwachsenden handele ... Das wäre unverhältnismäßig gewesen.“        


16.4.2018

BA-Weisung zur Vielehe

 

„Jobcenter dürfen Kinderehen sowie Zweit- und Drittfrauen bei Vielehen von Muslimen beim Bezug von Hartz IV nicht mehr als Bedarfsgemeinschaft anerkennen“, so die Welt. Ein erster Leserkommentar dazu: „Verblüffend, dass es jemals anders war oder sein könnte.“

 

Eine Weisung der Bundesagentur für Arbeit mit Stand vom 4. April konkretisiert: „In einer BG (Bedarfsgemeinschaft) kann nur eine Person als Partner der oder des eLb (erwerbs-fähiger Leistungsberechtigter) berücksichtigt werden. Das islamische Recht sieht die Möglichkeit von Vielehen vor (bis zu vier Frauen), die in Deutschland nur nach religiösem Recht (ggfs unter Mitwirkung eines Imams) abgeschlossen werden können. Die ‚Zweit- oder Drittfrau‘ bildet im SGB II regelmäßig keine BG mit dem ‚Ehegatten‘. Einer Berücksichtigung als Partnerin ... steht entgegen, dass nach dem Wortlaut nur eine Ehegattin mit dem eLb eine BG bilden kann. Auch eine Berücksichtigung nach § 7 Absatz 3 Nummer 3 Buchstabe c SGB II scheidet aus (?), da eine Partnerschaft in einer eheähnlichen Lebens-gemeinschaft keine weitere Lebensgemeinschaft gleicher Art zulässt.“ (Seite 34, PDF 44)

 

Ein zweiter Leserkommentar folgert daraus für die weiteren Frauen: „Dann gibt es jetzt das Anrecht auf den vollen Satz + je eigener Wohnung.“ Und ein Dritter meint: „Bei der eigenen Bevölkerung hingegen werden, unbesehen von Ehe oder nicht, regelmäßig BG's unterstellt mit der Begründung der Vorteilsnahme durch gemeinsames Wirtschaften – selbst wenn Bürger lediglich aus Wohnungsnot heraus in einer Wohngemeinschaft leben (müssen). Das Amt muss nicht beweisen, dass tatsächlich zusammen gewirtschaftet wird. Hierfür wurde … das Prinzip der Beweislastumkehr eingeführt. Die Betroffenen müssen beweisen, dass sie nicht zusammen wirtschaften. Bei der eigenen Bevölkerung wird also auf Biegen und Brechen im wahrsten Sinne des Wortes gespart.“

 

Übrigens kämpfen laut tagesschau in Indien die Frauen jetzt gegen Vielehe. Die ist auch dort eigentlich verboten. „Doch für Muslime gibt es eine Ausnahme: In persönlichen Angelegenheiten gilt für sie die Scharia.“ Grund: Der zu Kolonialzeiten von den Briten eingeführte Minderheitenschutz.

 

Nachtrag vom 18.4.: Antwort der Bundesregierung: "In den von der 'Welt' vom 3. Februar 2018 zitierten Fallgestaltungen erfolgte die Einreise der Zweitehefrau nicht auf der Grundlage des Ehegattennachzuges i. S. v. § 30 AufenthG ... Die Rechtsfrage, ob eine nach dem deutschen Internationalen Privatrecht im Ausland wirksam geschlossene Mehrehe eine Einbürgerung in den deutschen Staatsverband ausschließt, liegt gegenwärtig dem Bundesverwaltungsgericht zur Entscheidung vor (BVerwG 1 C 15.17)." 

 

Nachtrag vom 14.6.: Aus dieser Antwort der Bundesregierung: "Es gibt keine Rechtsgrundlage für den Nachzug einer weiteren Ehefrau eines Ausländers zu diesem Ehemann in die Bundesrepublik Deutschland, wenn der Ausländer bereits gemeinsam mit einer Ehefrau im Bundesgebiet lebt (§ 30 Absatz 4 AufenthG)." 

 

Nachtrag vom 25.6.: Antwort der Bundesregierung: Anzahl von Vielehen in Deutschland ist unbekannt: "Nach Deutschland eingereiste Personen müssen (bei deutscher Staatsange-hörigkeit) und können (bei ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit) ihre im Ausland geschlossene Ehe grundsätzlich nicht im Standesamt nachbeurkunden lassen."


28.3.2018

Leserkommentar des Tages

 

"Dennoch hat das Urteil möglicherweise einen gewissen Charme, wenn bei 'Fake News' dieser Beweis immer zu erbringen ist. So kann ja jetzt auch z.B. Herr Maas umgekehrt jedesmal, wenn er von 'Fake News' spricht, ohne präzise dies im Sinne des Urteils nachweisen zu können mit einer Unterlassungserklärung konfrontiert werden. Somit ist der Begriff 'Fake News' in Deutschland de facto aus dem Verkehr gezogen."

 

Hintergrund: Ein Stern-Redakteur verklagt - mit beim Hamburger Landgericht aktuell erfolgreichem Ausgang - einen ehrenamtlichen Blogger, weil der ihn wegen einer unglaub-würdigen Geschichte eines angeblich twitternden Mädchens aus Syrien "Fake-News-Produ-zent" nennt. Der Blogger darf zwar schreiben, dass er stutzig ist. Im Verfahren gehe es aber nicht um die Wahrheit, sondern um Begriffe wie "Fake-News-Produzent", die bereits das Hanseatische Oberlandesgericht als unwahre Tatsachenbehauptung einstufte. Der Begriff beinhalte nämlich die Unterstellung, der Stern-Redakteur habe absichtlich die Unwahrheit verbreitet. Das kann der Blogger aber nicht nachweisen.


27.3.2018

Eine Justizposse

 

Die Bundesnetzagentur im Juni 2017: Man verhänge keine Bußgelder gegen Firmen, die keine Daten speichern. Trotzdem gilt seit 1. Juli 2017 § 113b Telekommunikationsgesetz:  Anbieter sind verpflichtet, Telefonverbindungen zehn Wochen sowie Internetverbindungs-daten und Handystandorte vier Wochen zu speichern. Eine Münchner Firma fürchtet Speicherkosten von monatlich 10.000 Euro, klagt gegen die Speicherpflicht und bekommt Recht. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster: das neue Gesetz widerspricht EU-Recht. Das Gesetz gilt aber weiter. Die Telekom meint dessen ungeachtet: nach der OVG-Entscheidung besteht keine Speicherpflicht mehr und gibt die Standort-Handydaten geflohener Mörder nicht heraus – „obwohl es entsprechende Beschlüsse des Amtsgerichts gab“. Die Staatsanwaltschaft Detmold: Wegen versuchter Strafvereitelung werden jetzt die Erfolgsaussichten einer Strafanzeige gegen die Telekom geprüft.        Blaulicht Presseportal 

 

Nachtrag vom 24.4.: Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass die Telekom nicht verpflichtet ist, im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung die Verbindungsdaten ihrer Kunden zu speichern. Das sei mit EU-Recht nicht vereinbar.


22.3.2018

Rechtsfrieden?

 

Am heutigen „Tag der Kriminalitätsopfer“ ist das Urteil im Mordfall der 19-jährigen Maria L. gefallen. Zur Höchststrafe für Hussein K. sowie zur Gefängnisstrafe für zwei Raser, aufgrund deren Verschulden eine ebenfalls 19-jährige Studentin starb, schreibt Gisela Friedrichsen unter dem Titel „Diese zwei Urteile schaffen Rechtsfrieden“: „Zahnlos sind die deutschen Gerichte nicht.“ Die „selbst ernannten Justizkritiker“ seien widerlegt.

Lesermeinungen dazu: „Rechtsfrieden hergestellt? Durch zwei Urteile? Das soll wohl ein Witz sein.“ - „Erstaunliche Ansicht! ‚Rechtsfrieden‘ wurde also geschaffen durch angemessene und richtige Urteile und Überprüfungen! Was für eine (merkwürdige) Zeit ...“ - „Zwei ... Urteile, die weit davon entfernt sind, rechtskräftig zu sein, schaffen also Rechtsfrieden. Warten wir mal die Revisionen ab ...“ 

 

Nachtrag: Gerhard Strate beim Cicero: "An die Herstellung von Rechtsfrieden ist nicht zu denken, wo angebliche oder tatsächliche Fälle in außergerichtlichen Pressetribunalen ver-handelt werden ... Die Ära, in der seriöse Medien die Grenzen ihrer Zuständigkeit kannten, scheint bald der Vergangenheit anzugehören. In Zeiten der kollektiven Gesinnungskuschelei ist es um die Neutralität von Journalisten schlecht bestellt ... Wehe dem, der als Beschul-digter in die Fänge solch scheinbar edler, hilfreicher und guter Medienschaffender gerät." 

 

Nachtrag vom 5.4.Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sorgt sich über die aktuelle Situation Deutschlands: „Die Aufgabe des Staates ist es, für Recht und Ordnung zu sorgen. Diese Handlungsfähigkeit war in den letzten Jahren oft nicht mehr ausreichend gegeben.“ 

 

Nachtrag vom 15.4.: "Berlins Justizsenator (Grüne) ist für vorzeitige Entlassung von Strafgefangenen. Sie würden 'auch unsere Gefängnisse entlasten', so Dirk Behrendt."  

 

Nachtrag vom 25.4.: "Gericht schont Intensivtäter": er Algerier rubte Leute und Wohnungen aus und entstellte einem Jugendlichen das Gesicht mit einem Messer. Der deutsche Richter zur milderen Strafe: "Als Ausländer leiden Sie unter erhöhter Haftempfindlichkeit."

 

Nachtrag vom 6.5.: Ein 29-Jähriger touchierte mit seinem Mercedes ein anderes Auto. Ein Polizist wollte den Fahrer ansprechen. "Der gab Gas, fuhr den Beamten an, der erst auf der Motorhaube, dann auf der Fahrbahn landete. Dann war der Mercedes durch die Stadt gerast, der Fahrer soll diverse Ampelsignale und Vorfahrtsregeln ignoriert" und schließlich die Kontrolle über den Wagen verloren haben. Gegen den 29-Jährigen erließ ein Richter Haftbefehl, dessen Vollstreckung nun außer Vollzug gesetzt wurde. "Die Polizei reagiert mit Entsetzen." Bereits am Vortag hatte ein Audifahrer einen Beamten angefahren. Siehe auch: "BMW-Fahrer (in Hafturlaub) gibt Gas und schleift Polizisten mit."

 

Nachtrag vom 15.5.: Ergebnis einer Umfrage: "43 Prozent haben eher geringes oder gar kein Vertrauen mehr in die Arbeit der Justiz ... Überhaupt ist es im Land um das Vertrauen der Bürger in seine Institutionen nicht besonders gut bestellt." 

 

Nachtrag vom 18.5.: Bedrohliche Gemengelage am Landgericht Bremen: Ein Berg unerledigter Altverfahren und gleichzeitig eine Rekordzahl an Neueingängen. "Im Mai 2016 war es beispielsweise vorgekommen, dass zwei Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen werden mussten, weil die gesetzliche Höchstdauer der Haft überschritten wurde und es nicht rechtzeitig zum Verfahren gekommen war."

 

Nachtrag vom 2.6.: Die Zeit unterstellt: "Der neue Law-and-Order-Fetischismus - Wir sind wir, die anderen sind der Feind: Deutsche Unionspolitiker kapern den Begriff 'Rechtsstaat' und schaffen gefährliche politische Realitäten." Ein Leserkommentar dazu: "Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass es schon eine heiße Nummer ist, bei 'Rechtsstaat' auf 'Fetischismus' zu verweisen, nur weil eine offenbar größer werdende Anzahl von Bürgern Wert darauf legt, dass Regeln auch durchgesetzt werden … wenn die Radikalinskis weiter Oberwasser bekommen, dann liegt das auch wesentlich daran, dass man sich zu lange geweigert hat Regeln zu befolgen, die nicht in die eigene politische Agenda passen." 

 

Nachtrag vom 23.6.: Rechtsfrieden? "EU-Rechtsgutachter will Straftäter nicht abschieben." Außerdem: "Ein Gericht stoppte die Abschiebung dieses Mörders." WeiteresDer Asylbe-werber aus Ghana, der in der Siegaue ein zeltendes Paar mit einer Axtsäge bedrohte, die junge Frau vergewaltigte, der im Prozess "ständig gepöbelt", im Gefängnis Beamte angegriffen und in seiner Zelle Feuer gelegt hat, bekommt womöglich ein neues, geringeres Strafmaß. Dazu verdonnerte der Bundesgerichtshof die 10. Bonner Strafkammer. Diese müsse die Möglichkeit der verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten erneut prüfen. 


15.3.2018

SPD: Juristische Pläne

 

Legal Tribune Online hat den rechtspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, zu deren Vorhaben interviewt. Unter anderem soll wegen steigender Strafanzeigen gegen Ärzte eine Gesetzesänderung zur Aufhebung des § 219a (Werbung für Schwangerschaftsabbruch) noch vor der Sommerpause in Kraft treten. "Reißerische Werbung für den Schwangerschaftsabbruch soll hingegen auch weiterhin verboten bleiben." Außerdem geplant: eine Erhöhung der geltenden Bußgeldobergrenze von bis zu zehn Millionen Euro für Unternehmen, "die sich mit ihrem Verhalten gegenüber den anderen, fair agierenden Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen". Zum  Netzwerkdurch-setzungsgesetz: eine komplette Neufassung ist nicht geplant: "Am Gesetz wollen wir nichts ändern. Prüfen müssen wir jedoch, ob wir einen Wiederherstellungsanspruch einführen sollten, der es Nutzern ermöglicht, zu Unrecht gelöschte Beiträge wieder zu veröffentlichen – gegebenenfalls auch im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes." Und das Verbrennen von israelischen Flaggen in der Öffentlichkeit versuche man unter Strafe zu stellen.   


13.3.2018

Narrenschiff Justiz

 

Dieser Fall übertrifft jede Fantasie: Mutmaßlicher Islamist, der seinen Kollegen gegenüber gedroht haben soll "Ihr werdet alle sterben", klagt gegen VW und bekommt Recht. Über den "Menschenrechtsanwalt" Hans-Eberhard Schultz, der auf dem Bild Samir B. zum Gerichtssaal begleitet, ist übrigens im Netz einiges zu finden: zum Beispiel hier oder dort


28.2.2018

Spenden aus der Justizkasse

 

Das ist mal eine interessante Arbeit, welche die Recherche-Plattform Correctiv präsentiert: „Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat jetzt doch die Empfänger von 150 Millionen Euro Bußgeld-Spenden in NRW veröffentlicht. Correctiv hatte zuvor berichtet, wie NRW die Spendenlisten aus den Jahren 2014 bis 2016 geheim hielt.“ Die 150 Millionen Euro stammen aus Strafverfahren, die gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt wurden. „Die Bußgelder aus eingestellten Strafverfahren fließen entweder in die Staatskasse. Oder Richter und Staatsanwälte verteilen sie an private Organisationen wie zum Beispiel Opferhilfen oder Sportvereine.“ Einziges Kriterium: Gemeinnützigkeit. Bei mangelnder Transparenz, wie bisher noch in Baden-Württemberg und in Thüringen, könne es zu Vetternwirtschaft kommen: „So in München: 2014 spendeten dort Richter an einen Verein, der Ausgrabungen in Ägypten unterstützte. Unter den Vereinsvorständen fanden sich auch Richter.“

 

In einer Datenbank ist nun einsehbar, welche Vereine die Justiz seit 2007 förderte. Für das Jahr 2016 gibt es etwa in NRW 2.427 Treffer. Dabei fällt auf, dass neben kleineren Vereinen, denen man die Zuwendungen aus der Justizkasse sicherlich gönnt, auch große, etablierte Organisationen profitieren; und zwar nicht zu knapp: Brot für die Welt im Diakonischen Werk der EKD wurde mit 312.510 Euro bedacht, der Deutsche Caritasverband mit 71.000 Euro, Greenpeace mit 305.500 Euro. Zum Vergleich: Das Deutsche Taubblindenwerk bekam 2016 gerade mal 50 Euro überwiesen. Im Jahr 2015 profitierten auch die UNO-Flüchtlingshilfe von 637.542,66 Euro und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger von 350.200 Euro aus der NRW-Justizkasse. Im ganzen Zeitraum 2007 bis 2016 ist die Staatskasse bundesweit größte Profiteurin mit 121.788.666,12 Euro. 

 

Auf dieser Website in der rechten Spalte kann man die Suche nach Bundesland und Zuwendungsjahr eingrenzen. Die Trefferliste ist absteigend nach Betragshöhe sortiert.