24.8.2018

Terre des Femmes: „Den Kopf frei haben!“

 

Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ ist erfahrungsgemäß gut informiert, erörtert Positionen ausführlich und steht dann auch zu den erarbeiteten Positionen. Mit ihrer aktuellen Unterschriftenaktion „Den Kopf frei haben!“ – laut Welt mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit in der Hauptversammlung beschlossen – will der Verein unter Bezug auf die UN-Kinderrechtskonvention ein Verbot der Mädchenverschleierung im öffentlichen Raum, vor allem in Schulen, bis hin zur Volljährigkeit erreichen. Begründung: „Die Frühverschleierung konditioniert Mädchen in einem Ausmaß, dass sie das Kopftuch später nicht mehr ablegen können … Uns geht es um den Schutz der Rechte der Mädchen und ihrer freien, selbstbestimmten Entfaltung in der Gesamtgesellschaft. Die Verschleierung von Mädchen aller Altersstufen – ein zunehmendes Phänomen in vielen Schulen und sogar in Kindergärten – steht für eine Diskriminierung und Sexualisierung von Minderjährigen.“ Erst die Freiheit vom „Kinderkopftuch“ ermögliche unter anderem „spontane Bewegungen beim Spielen“, „unverhülltes, selbstbestimmtes Denken und Handeln“ sowie „ein unverkrampftes Verhältnis zur eigenen Sexualität“. Verhüllung hingegen fördere Gesundheitsrisiken wie Vitamin D-Mangel durch Lichtentzug oder Entwicklungsstörungen durch Bewegungsmangel. Auf sozialer Ebene führe der „Drill zu einer traditionell minderwertigen Rollen-Identität als Frau“ zur Verinnerlichung des „Feindbildes Mann“ als „stetige sexuelle Bedrohung“. 

 

Frauenrechtlerinnen wie Necla Kelek sehen die zunehmende Verschleierung von Mädchen als einen Versuch der fundamentalistischen Einflussnahme, die man nicht kleinreden dürfe. Demnach ist die Verschleierung weniger ein religiöses, als vielmehr ein politisches Symbol. Die Direktorin des Forschungszentrums Globaler Islam in der Welt: Vor 20 Jahren gab es Mädchen mit Kopftüchern an Grundschulen noch nicht. Auch wenn genaue Zahlen fehlten: Inzwischen sei das Phänomen vielerorts zu sehen. „Die Mädchen sollen schon als Kinder lernen, sich als Frauen zu unterwerfen.“ Der CDU-Politiker Ali Ertan Toprak meint sogar, es handle sich um eine „rechtsextremistische Ideologie“, die den öffentlichen Raum immer stärker besetze. „Viele Linksliberale wollten das nicht wahrhaben.“

 

Die Terre des Femmes-Initiative ist mutig angesichts der absehbaren Diffamierung insbesondere seitens der öffentlich-rechtlichen Medien. Obwohl sich Terre des Femmes unmissverständlich von der AfD abgrenzt, verkündet die Tagesschau in einem hinterfotzig gefärbten Beitrag: „Eine Partei hat Terre des Femmes allerdings auf ihrer Seite: die AfD.“ Die Lancierung der „Kritik“ des kommissarischen Leiters der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, man müsse dann in der Konsequenz jegliche religiöse Symbolik an Schulen verbieten, verdeutlicht dessen Weigerung anzunehmen, dass Terre des Femmes sich gegen Verschleierung als politisches Symbol bei Kindern wendet. Und Ziellosigkeit offenbart der Bundesbeauftragte für Religionsfreiheit: „Ich rate Kindergärten und Schulen, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, ob das Tragen des Kopftuchs sinnvoll ist.“ Schön, wenn man mal darüber plaudert, lobhudelt die Tagesschau auch ihre Grünen und Linken, die „den Dialog suchen“ – und sich derweil dem schwierigen Prozess der Positionierung entziehen.  

 

Dass die Unterschriftenaktion bisher schleppend verläuft, weil große Plattformen für Petitionen „aus Angst vor Beifall von der falschen Seite“ nicht für sie werben, also: weil ihnen politische Machtspiele wichtiger sind als der Einsatz für das Menschen-recht von Kindern auf möglichst freie Entfaltung, lässt sich ändern: Die Petition kann hier unterschrieben werden. Zu den Erstunterzeichnern der Petition gehören neben Frauenrechtlerinnen wie Seyran Ates auch Boris Palmer und Ahmad Mansour. Die Unterschriften werden im Oktober 2018 dem Bundesjustizministerium übergeben.


26.7.2018

Frauenverachtung: Die Front ist noch breiter

 

Ein – laut Thüringer Polizei – osteuropäischer Mann hat letzte Nacht am Erfurter Bahnhof einen Unbeteiligten mit einem Messer schwer verletzt. Hintergrund: „Bei der Flucht des Mannes soll es sich nach MDR-Informationen um eine Geiselnahme handeln. Der Mann hat anscheinend seine Ex-Freundin aus ihrer Wohnung geholt und versucht nun mit ihr als Geisel zu verschwinden.“ Es ist ein weiterer Fall von Gewalt, wie sie seitens patriarchalisch sozialisierter Männer üblich ist. Es wird sich zeigen, ob das auch in diesem Fall zutrifft. In Bezug auf die Erfassung der neuen gesellschaftlichen Lage ist es falsch, sich immer nur auf (fast) rein muslimische Länder zu konzentrieren. Diese einseitige Sicht wird auch in kritischen und rechtsliberalen Netzwerken gepflegt, wie etwa ein Leserbrief auf diesen Artikel hin zeigt: „Der Fall in Viersen (Täter war ein Bulgare) hatte ausnahmsweise mal nix mit den Anhängern einer vorderasiatischen Eroberungsideologie zu tun. Da ging es eher um Mitglieder einer oft mobilen ethnischen Minderheit, die hauptsächlich vom Balkan kommt.“ Es ist dazu folgende Klarstellung nötig:

 

„Bulgarien ist die Heimat von etwa 970.000 Muslimen, was einem Anteil von 12,2 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.“ Nicht nur dort, sondern auch andere Balkanländer sind durch den radikalen Islamismus mit seinem menschenverachtenden Frauenbild herausgefordert. „Emanzipation und Gleichberechtigung sind in Osteuropa bloße Lügengebäude“, sagt sogar eine Journalistin, hier im Hinblick auf die Nachwirkungen des Kommunismus in diesen Gesellschaften. Auch Kinderehen finden in Balkanländern statt; dieses Video zeigt zum Beispiel die Tradition bei den Roma im EU-Land Rumänien. Pauschalierung bezüglich der Balkanländer ist sicher nicht angebracht. Es wird dort auch aufgeklärte Leute geben, die Wert auf freiheitliche Zivilisation legen und entsprechend zusammenleben. Es ist indessen nicht davon auszugehen, dass jene es sind, die hierher einwandern – in ein Land, dessen Vertreter mitsamt ihrer linksautoritären Hofpresse es offenbar kaum schnell genug gehen kann, vormoderne Zeiten zu etablieren und europäische Vielfalt auszumerzen – jedenfalls als Konsequenz der herrschenden Migrationspolitik. 

 

Nachtrag: Die Welt schreibt jetzt, der Täter komme aus Litauen. 

 

Nachtrag vom 29.7.: Der flüchtige Gewalttäter ist gefasst. "Er werde unverzüglich einem Haftrichter vorgeführt." Vorwürfe: versuchter Mord und Freiheitsberaubung. 


14.6.2018

Sture Verblendung

 

In punkto Relativierung der bedrohlichen Lage im Land gerät man immer offensichtlicher ins widersprüchliche Stottern, wie der Beitrag über die irrelevante Ansicht der völlig unbe-kannten Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer in Deutschlandfunkkultur zeigt. Man kann halt um keinen noch so hohen Preis im Raum stehen lassen, was eine andere Islamforsche-rin, nämlich Susanne Schröter in der FAZ, kundtut: „Gewalt gegen Frauen lässt sich nicht entschuldigen und auch nicht beschwichtigen. Warum ist die Diskussion aber so merkwür-dig verdruckst, sobald dabei muslimische Männer im Spiel sind? … Sexuelle Gewalt durch junge Männer aus bestimmten Regionen der Erde ist kein Einzelfall mehr, den man mit der lapidaren Erklärung, dass absolute Sicherheit unrealistisch sei und es in jeder Gesellschaft Vergehen gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht gebe, beiseiteschieben könnte.“


8.6.2018

Leben geht vor Instrumentalisierung

 

Da wider Erwarten der grausame Sexualmord an Susanna Topthema bei der gestrigen Tagesschau war – in den Tagesthemen wurde erklärt warum –, erfolgt hier noch einmal eine Äußerung zum Thema. Auf dieser Homepage ist oft genug auf die erodierende Sicherheitslage für Mädchen und Frauen hingewiesen worden, zum Beispiel auf dieser Seite oder in jener Rubrik. Es ermüdet ungemein, trotzdem immer wieder von Politik und Medien mit Beschwichtigungen vollgesülzt zu werden in einer Situation, in der es unbedingt darauf ankommen muss, die potenziellen Opfer zu mehr Vorsicht zu ermahnen. Was jenen passierte, die das voraussichtig getan haben, zeigt unter vielen anderen das vom Spiegel gegründete Jugendmagazin Bento auf: in einer fortgesetzten, hasserfüllten Diffamierungskampagne gegen den Vorsitzenden des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, Jürgen Mannke, der schließlich zum Rücktritt gezwungen wurde. Wenn auch der Begriff „Immigranteninvasion“ unglücklich gewählt war, ging es ihm in der Hauptsache darum zu sagen: „Wie können wir unsere jungen Mädchen im Alter ab zwölf Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen“, da diese nicht immer mit ehrlichen Absichten kämen? Dass man das nicht ernst zu nehmen hätte, verlautbart Bento zum Beispiel hier oder dort.

 

Mannke hatte Recht. Hingegen outen sich Aktivisten, denen es an wichtigster Stelle darum geht willkürlich festgestellte Instrumentalisierung durch politisch unerwünschte Gruppen anzuprangern als Ignoranten, die dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit maximal zweithöchste Priorität einräumen; zumindest solange es sich nicht um Zugewanderte handelt. Man kann daraus ablesen, in welcher Maskerade Rassismus heute auftritt. Eine leichte Besserung ist nun bei einigen Kommentatoren in Sicht. Der Tagesspiegel schreibt: „Besonders traurig in allen drei Fällen ist auch, dass die Mädchen selbst, die späteren Opfer, keine der vielen auf Distanz bedachten Vorbehalte gegen ‚die Flüchtlinge‘ hatten. Sie waren interessiert, neugierig, sind auf die Fremden zugegangen, haben versucht, sie kennenzulernen, sich mit ihnen angefreundet. So funktioniert im Normalfall Integration – es gibt sie in Deutschland hunderttausendfach. Ebenso wie jetzt die drei toten Mädchen.“ Beschränken kann man sich darauf leider nicht.

 

Wer es aushält, kann sich – neben einigen „bedeckten“ Berichten und glücklicherweise nicht noch schlimmeren Folgen – die Fälle in Ahaus, in Mönchengladbach (Festnahme), in Hannover, in Dresden, in Prien, in Weißensberg, in Teningen, in Gelsenkirchen, in Leipzig oder in Regensburg vor Augen führen. Es gibt noch etliche ungeklärte Fälle. Sie zeugen davon, dass man sich in punkto Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit umstellen muss. Das wird mindestens auf lange Sicht so bleiben und betrifft nicht nur Frauen und außerdem auch den Straßenverkehr. Der Grund: Der unkontrollierte Zuzug von vorzugsweise Männern aus patriarchalischen Gesellschaften, denen Menschenrechte am Arsch vorbei gehen. Wenn die ausgespro-chene Klarheit dazu führt, dass alle Zugewanderten unter Verdacht geraten, dann ist das tatsächlich nicht wünschenswert. Bei mir im Wohnbereich sowie bei der Arbeit treffe ich immer wieder auf zugewanderte Menschen, die höflich und hilfsbereit sind. Wenn es nicht gänzlich verhinderbar ist, werden sie auch mit dem Generalverdacht einiger Personen in ihrem Umfeld leben. Die Opfer leben gar nicht mehr. 

 

Nachtrag: "Der Verdächtige im Mordfall Susanna ist im Nordirak gefasst worden. Laut Auswärtigem Amt gibt es mit dem Irak kein generelles Auslieferungsabkommen. Eine Auslieferung sei aber in Einzelfällen möglich." Menschenrechtler forderten die irakischen Behörden auf, den mutmaßlichen Mörder von Susanna nach Deutschland auszuliefern." Und: "Bundespolizei darf Pass und Flugticket nicht abgleichen."

 

Nachtrag vom 10.6.: Siehe auch diese Einschätzung: "Nach dem Fall Susanna muss Deutschland sein modernes Frauenbild verteidigen, sagt die Islam-Forscherin Susanne Schröter ... Die deutsche Gesellschaft muss sich ... Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen. 'Das ist jetzt kein Einzelfall mehr' ... Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten ... 'Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt.' Weder vor der deutschen Gesellschaft, noch vor Frauen oder Polizisten, so die Forscherin. Er habe das Mädchen als reines Sexualobjekt gesehen ... Nach diesen Normen sind wir alle Schlampen – weil wir uns nicht verschleiern, weil wir im Sommer Haut zeigen ... 'Man sollte mal den Ernst der Lage begreifen', sagte Schröter." Sonst drohe Polarisierung.


15.5.2018

Ist Noura zu retten?

 

Dieser Petitionstext hat es in sich. Es geht um die 19-jährige Noura Hussein, die in wenigen Tagen „aller Voraussicht nach tot sein“ wird, wie der Schweizer Blick prognostiziert. Kurz vor ihrer angeordneten Zwangsverheiratung flieht die damals 16-jährige Sudanesin zu ihrer Tante, um ihre Ausbildung abzuschließen. Drei Jahre später lockt sie ihr eigener Vater mittels einer glatten Lüge und widerlichen Heuchelei zurück nach Hause, wo sie schnurstracks in die Arme ihres Ehemannes und das Hochzeitszeremonie läuft. Weil sie sich ihm tagelang sexuell verweigert, holt dieser drei Verwandte zu „Hilfe“. Die halten Noura fest, während der Ehemann sie vergewaltigt, so ihre Aussage. Als der Triebtäter am Folgetag wieder übergriffig wird, sticht Noura zu. Nach ihrer mutmaßlichen Notwehr mit tödlichem Ausgang verrät ihre Familie sie an die Polizei und lässt sie dann verächtlich fallen. Im April verhängt das Gericht die Todesstrafe über Noura. Vergewaltigung unter Eheleuten gibt es nämlich laut sudanesischem Gesetz nicht und außerdem wünscht sich die Familie des toten Ehemannes den Tod ihrer Schwiegertochter. So weit, so abartig, in jeder Hinsicht. 

 

Mehrere Kampagnen bemühen sich um Nouras Rettung und sorgen damit für Öffentlichkeit bezüglich des dortigen Frauenbildes, das trotz Gegenreaktionen sämtliche zivilisatorische Errungenschaften missen lässt. Im Sudan sind laut Blick.ch 88 Prozent der Mädchen und Frauen genitalverstümmelt. Mädchen dürfen ab zehn Jahren verheiratet werden. Das Land weigert sich, die Konvention zur Abschaffung jeder Diskriminierung von Frauen zu unterschreiben. Das Länder-Informations-Portal beschreibt den Allgemeinzustand wie folgt: „Die Lage der Menschenrechte im Sudan wird als katastrophal eingestuft. Der Regierung und regierungsnahen Organisationen werden eine systematische Missachtung der grundlegendsten Menschenrechte vorgeworfen.“ Die Todesstrafe findet ebenso Anwendung wie Steinigung. Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist drastisch eingeschränkt. „Der nationale Geheimdienst NISS setzt eine starke Pressezensur durch und reagiert bei Demonstrationen mit Verhaftungswellen.“ Verbreitet sind sexuelle Gewalt, Kinderarbeit, Rekrutierung von Kindersoldaten, Berufsverbote für Journalisten  und sklavereiähnliche Abhängigkeitsverhältnisse. „Die Korruption im Land ist allgegenwärtig und durchzieht sämtliche Sektoren der Wirtschaft und des Staatsapparates.“  

 

Eine Leserzuschrift: „Ja, dieses Mädchen verdient Schutz und ‚refugees welcome‘ – im Gegensatz zu vielen anderen. Aber in D wundert mich beinahe nichts mehr. Andere Mörder, pardon Totschläger, mit Migrationshintergrund genießen großes juristisches Verständnis für oft brutale Taten aufgrund der ‚kulturellen Unterschiede‘. Ob das in diesem Fall genauso wäre? Säkularisation, die Aufklärung der letzten 200 Jahre und die Emanzipation der letzten 50 Jahre scheinen immer mehr dem Anbiedern an eine anachronistische Religion geopfert zu werden, und dies unlogischerweise (?) ausgerechnet aus der linken Ecke kommend. Petition unterschreiben!“

 

NZZ: Bis 25. Mai haben ihre Anwälte Zeit, gegen das Urteil Einspruch einzulegen.

 

Nachtrag vom 24.5.: Heute wurden in Berlin über 1.000.000 weltweite Unterschriften gegen Nouras Hinrichtung an die sudanesische Botschaft übergeben.

 

Nachtrag vom 27.6.: "Medienberichten zufolge wurde das Todesurteil von Noura Hussein aufgehoben. Ihr Rechts-Team teilte CNN mit, dass ihre Strafe durch 5 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 337.000 Sudanesischen Pfund (rund 16.000 Euro) ersetzt wurde ... Jetzt, da wir Noura vor der Todesstrafe bewahrt haben, müssen wir den Druck aufrechterhalten und sie komplett befreien. Der Kampf ist noch nicht vorbei, denn die Familie von Nouras Ehemann besteht immer noch auf das Todesurteil und plant Berufung einzulegen." 

 

Nachtrag vom 23.8.: "Wir haben gerade erfahren, dass der Staatsanwalt einen Antrag auf Wiederinkraftsetzung der Todesstrafe für Noura gestellt hat. Dies ist eine äußerst alarmierende Nachricht. Nicht nur für Nouras Leben, sondern auch für" andere Opfer von Zwangsheiraten und Vergewaltigungen im Sudan.


23.3.2018

Die Frau als verstümmelter Besitz

 

Während sich eine SPDlerin durch harmlose Bilder eines Künstlers „sexistisch belästigt“ fühlt und sofort entsprechende Konsequenzen gezogen werden, entwickelt sich hierzulande eine weitere gewaltfördernde Parallelstruktur. Es geht um Genitalverstümmelung. Folgende Aufklärung dazu muss man aushalten: „Die Weltgesundheitsorganisation nennt unterschiedliche Formen der Genitalverstümmelung. Je nach Praxis werden Klitoris, Klitorisvorhaut sowie innere und äußere Schamlippen entfernt. Um die Vaginalöffnung zu verengen, werden die großen Schamlippen über der Harnröhre und der Scheide zusammengenäht – mit Akaziendornen. Dazu werden meistens primitive Werkzeuge wie unsterile Rasierklingen oder Glasscherben verwendet. Ein Drittel der Mädchen stirbt unmittelbar an den Folgen dieser Tortur.“ Die Öffnung sei manchmal kleiner als der kleine Finger, sagt eine Gynäkologin. „Im Heimatland wird die kleine Öffnung oft von den Ehemännern in der Hochzeitsnacht mit einem Messer erweitert.“ Laut Deutscher Stiftung Weltbevölkerung  handle es sich um eine traditionelle Praktik vor allem in Afrika und im Mittleren Osten, wie die Welt ausführt. Zweck: Die Stärkung der Rolle des muslimischen Mannes und die Garantie der Treue der Frau, für die Geschlechtsverkehr fortan nichts weiter ist als eine Tortur.

 

Die Angelegenheit kann nicht schöngeredet werden, wie man in der Politik begriffen hat. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht von „barbarischer Praxis“, „schwerer Menschenrechtsverletzung“ und einer „Mauer des Schweigens“. Weniger deutlich wird kommuniziert, dass man sich diese gewalttätige Tradition mitsamt des dahinter stehenden Bildes der Frau als Besitz infolge der verantwortungslosen Zuwanderungsmanie seit 2015 verstärkt ins Land geholt hat und weiter holt. Inzwischen sind hier mehrere tausend Mädchen aus Zuwandererfamilien von Genitalverstümmelung bedroht. Allein in München betreffe dies 800 junge Mädchen zwischen vier und acht Jahren. Eine dortige Frauenärztin behandle fast täglich beschnittene Frauen. Die brutale Beschneidung ist seit Ende September 2013 via § 226a Strafgesetzbuch verboten. Nichtsdestotrotz sind zahlreiche Fälle dokumentiert. In Hessen etwa wurden 2016 Genitalverstümmelungen in 572 Fällen diagnostiziert. Wie viele davon im Heimatland vorgenommen wurden und wie viele hierzulande geht aus der Presse nicht eindeutig hervor. Es handelt sich zudem nur um jene von gesetzlich Versicherten, deren Daten von der Kassenärztlichen Vereinigung verarbeitet werden „ – sofern sie ein Arzt notiert hat“. Schon die Verabredung zum Eingriff in einer Arztpraxis sei strafbar: „Falls sich Eltern mit einem solchen Ansinnen an einen Mediziner wendeten, sei dies als ‚versuchte Anstiftung zu einem Verbrechen‘ zu werten. Daher dürften der Arzt oder das Praxispersonal Polizei oder Jugendamt einschalten. ‚Schweigepflicht hin oder her‘.“ 

 

In dieser Broschüre beklagten Frauenverbände bereits 2007: „Bislang haben Ärzte/innen zwar das Recht, ihre Schweigepflicht im Falle einer drohenden Genitalverstümmelung zu brechen. Eine explizite Meldepflicht wie in Frankreich gibt es in Deutschland jedoch leider noch nicht.“ Die Folge: „Aus Deutschland ist uns kein bewiesener Fall bekannt. In Paris ist jedoch eine Beschneiderin angeklagt und verurteilt worden“, brachte die Süddeutsche Zeitung im Sommer 2017 in Erfahrung. Der Landtag von Baden-Württemberg lehnte kürzlich eine ausnahmslose Meldepflicht ab. Seitens der Bundesärztekammer heißt es immerhin in den „Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung“: Wird nach der Entbindung „trotz eingehender Aufklärung die Wiederherstellung, also die Infibulation, verlangt, muss der Arzt die Behandlung ablehnen“.

 

Hintergründe der Beschneidungspraxis sind intransparent: Sicherheitsbehörden sprechen von einer „Schweigespirale“ und „Parallelstrukturen“. Die „Community“ verfüge hierzulande über eigene Ärzte, die via Mundpropaganda solche Beschneidungen durchführen, so ein von der Welt zitierter leitender Beamter des Düsseldorfer Landeskriminalamts. Strafverfolger hätten aber bei diesen kriminellen Praktiken „keinen Fuß in die Tür bekommen“. Ein Leser drückt das so aus: „… außer reden können wir gar nichts machen. Und die betreffende Klientel weiß das.“

 

Nachtrag: Zum Verweis eines Lesers auf den Kampf des Menschenrechtlers Rüdiger Nehberg gegen weibliche Genitalverstümmelung: siehe dort (für starke Nerven).