19.3.2019

Bundesbehörden arbeiten mit Fördermitteln

 

Finanzpolitischen Laien kann das schon komisch vorkommen: Beim Bundespolizeipräsidium, und offenbar nicht nur dort, gibt es ein „Team Drittelmittelakquise“. „Dessen Aufgabe sei es, Finanzierungsquellen aus nationalen und europäischen Mitteln für die Bundespolizei zu ermitteln und in Projekte umzusetzen. Die intensivere Nutzung der ja umfangreich zur Verfügung stehenden Fördermittel der EU und des Bundes könnten … für viele Behörden ein Mosaikstein sein, zusätzliche Mittel zu generieren. … Schließlich könnte auf diesem Weg in vielen Fällen der Steuerzahler vor zusätzlichen Belastungen verschont“ werden, schreibt die FDP in ihrer Anfrage. Die Bundesregierung beeilt sich in der Vorbemerkung ihrer Antwort festzustellen: „Die Bundesbehörden werden für die Durchführung ihrer Aufgaben mit den dafür notwendigen Planstellen und Stellen sowie den dazugehörigen Personal- und Sachmitteln bedarfsgerecht ausgestattet … Die Bundesregierung nimmt die Vorbemerkung der Fragesteller daher zur Kenntnis. Sie stimmt den darin enthaltenen Wertungen allerdings nicht zu.“ 

 

Die Frage, welche der bundeszugehörigen Behörden über Abteilungen verfügen, die Akquise von Drittmitteln betreiben, und in welchem Umfang Fördermittel des Bundes und der EU akquiriert werden konnten, hat sie freilich trotzdem zu beantworten. Wer sich für das Ergebnis der Fördermittelakquise durch Bundesbehörden interessiert, sehe sich die Tabellen ab Seite 6 genauer an – empfehlenswert mit besonderem Fokus auf die gewaltigen Sprünge der EU-Erstattungszahlungen bis 2018 etwa bei der Deutschen Welle (Seite 6) oder beim, dem Bundesinnenministerium untergeordneten Bundespolizeipräsidium (Seite 9). Das Bundeskriminalamt mit seiner Akquise für die Bereiche Sicherheit und Grenze im Rahmen des Inneren Sicherheitsfonds (ISF) erhielt hingegen eine wesentlich aufgestockte Fördersumme im Jahr 2015. Die wurde bis 2018 wieder stark zurückgefahren. Mehr Infos zur entsprechenden Förderdatenbank gibt es dort. Die Tabellen könnten auch als Gradmesser dafür dienen, welchen Stellenwert die einzelnen Politikfelder beim Bund und bei der EU tatsächlich haben. 


21.2.2019

Linke Militanz hofiert Ultranationalisten

 

Der kurdische Kampf gegen die IS-Terrormiliz ist sicherlich unentbehrlich. Dass hierzulande die Linken schon seit mindestens zehn Jahren als undifferenziertes „Sprachrohr“ der kurdischen Minderheit fungieren und zwar wegen des „großen Potentials an Wählern“, sollte man dennoch weiter kritisch beobachten. Ein kleiner Verein in Neumünster erhielt gerade vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums folgende Projektförderung: „Beratungsmaßnahme und Distanzierungsunterstützung im Kontext linker Militanz und kurdischem Extremismus.“ Man sucht jetzt für eine Teilzeitstelle „eine hartnäckige, geduldige und einfühlsame Person“, die zum Themenfeld „kurdischer Ultranationalismus“ mitarbeitet und Perspektiven bietet für jene, „die sich von extremistischen Einstellungsmustern distanzieren wollen“. Voraussetzungen unter anderem: „Kurdische Sprachkenntnisse“ und „Bereitschaft zur Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen und mit abgeschottetem Klientel“. Während man sonst also stets alles was national klingt in der rechtsextremen Ecke verortet und täglich nach Integration ruft, bestehen hier plötzlich keinerlei Berührungsängste mit ultranationalistischen, abgeschotteten Personengruppen. So verquer zu denken ist gar nicht möglich. Es kann nur so sein, dass die hoch gehaltenen Prinzipien gar nicht ernst gemeint sind.

 

Siehe auch: "In Großstädten wie Berlin und Bremen haben sich kriminelle Clans aus arabischen und kurdischen Familien gebildet. Die Behörden kommen gegen diese nur mit großem Aufwand an, sagt BKA-Chef Münch. Ein Problem, das sich noch auszuweiten droht."


13.2.2019

PKK-Umtriebe zu lange verharmlost

 

Der Bundesinnenminister verbietet Verlage der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) - ausführlich: Focus - und ein Kurdenmarsch in Karlsruhe wird abgebrochen: "Teilnehmer skandieren verbotene Parolen und attackieren Polizeibeamte." Warum das Thema PKK diese plötzliche Relevanz bekommt, wird sich wohl erschließen. Derweil verweise ich nochmal auf meine Beiträge aus dem Jahr 2017 inklusive bekannter Verbindungen zu Bundestagsabgeordneten.

 

Siehe auch: PKK lädt "Antifaschist*innen" zum Widerstand ein.


11.2.2019

Zum bundesdeutschen Gipfelwesen

 

Eine unterhaltsame Anfrage der FDP: „In der noch jungen 19. Legislaturperiode schauen wir nach u. a. dem Wohngipfel, dem Mobilfunkgipfel, dem Lokalmedien-Gipfel und vier Dieselgipfeln auf eine ganze Reihe von Gipfeln der Bundesregierung auf nationaler Ebene zurück. Bereits heute sehen wir mit dem Digitalgipfel, dem nächsten Dieselgipfel und dem für Januar 2019 angekündigten Strompreis-Gipfel einer sicher nicht abschließenden Kette weiterer Gipfel entgegen.“ Und die goldrichtige Folgerung: „Die Diskrepanz von geschürter Erwartung und Ergebnis ist geeignet, beim Wähler Frustration“ zu verstärken.  


6.2.2019

Politik: Berater trotz Mitarbeiter

 

Trotz fragwürdiger Effizienz und bei über 20.000 eigenen Mitarbeitern bei Bundesministerien „hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2006 mindestens 1,2 Milliarden Euro für mehr als 6.000 Beraterverträge ausgegeben“, erfährt man von der NZZ. Die Summe könnte auch deutlich höher liegen: Auf eine parlamentarische Anfrage hin heißt es, die Angaben der einzelnen Ressorts seien unvollständig und nicht vergleichbar. Das Verteidigungsministerium betreffend kursieren außerdem diverse Angaben. Bei teils über 1.500 Euro liegen die Tagessätze der dortigen externen Berater, die ganz unbürokratisch in das Verteidigungsministerium hineinspazieren können: „Für Mitarbeiter externer Firmen seien dort mehr als tausend Hausausweise ausgestellt worden.“ Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen muss sich derzeit vor einem Untersuchungs-ausschuss verantworten. Vorwürfe: unkorrekte Auftragsvergabe und Vetternwirtschaft.

 

Zwar engagieren laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater andere Staaten noch deutlich häufiger Berater. Die Information gehörte allerdings ins Verhältnis zur Anzahl regierungseigener Mitarbeiter gesetzt. Dass die Berater mit ihrem übertriebenen Gehalt hier trotz der „wundersamen Job-Vermehrung der Ministerien“ eingestellt werden, darf misstrauisch machen. Die Bundesregierung stellte schon 2017 „massiv Personal ein“, wie die WiWo damals berichtete: „Rund 19.000 Quadratmeter Nutzfläche weist die wuchtige Regierungszentrale mitten in Berlin auf, sie ist damit die größte der Welt. Und doch ist der mächtige Klotz – Spitzname: ‚Waschmaschine‘ – längst viel zu klein geworden … Allein Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stockte die Zahl ihrer Mitarbeiter seit Ende 2013 um 100 Personen auf“ – bei einer Beschäftigtenzahl von 650 Personen im Kanzleramt. Was machen die Leute dort alle, wenn sie nicht gerade als „Lunch-Läufer“ unterwegs sind? Beratertermine koordinieren? 

 

Siehe auch: "Noch NIE hatte eine Bundesregierung so viel Geld wie diese GroKo: 1,4 Billionen Euro für vier Jahre. Doch selbst das ist nicht genug! Finanzminister Olaf Scholz (60, SPD) blickt bis 2023 in ein 25-Milliarden-Loch ... Und die GroKo blähte ihren Beamtenapparat auf: 20.000 zusätzliche Stellen in zwei Jahren. Gekürzt wurde nirgends!"  

 

Nachtrag vom 11.2.: Die rund 280 Kommissionen, Beiräte und Arbeitskreise einbezogen: "Die Bundesregierung lässt sich von mehr als 3.000 Experten beraten" für "mindestens 23 Millionen Euro pro Jahr". In den Regierungsgremien sitzen Tausende Lobbyvertreter. Konkretes zum Auftragsvolumen der Ministerien seit 2006: siehe dort. 

 

Nachtrag vom 15.2.: "Die Bundesregierung hat mindestens 722 Millionen Euro im Jahr 2017 für private 'Beratungs- und Unterstützungsleistungen' bezahlt, rund fünfmal mehr, als im Beraterbericht für 2017 ausgewiesen..." Auch Bild: "Groko-Verschwendung - Ausgaben von Kanzleramt und Bundesministerien für externe Berater, Gutachter und Forschungsaufträge sind noch viel höher als bisher bekannt: rund 700 Millionen Euro Steuergeld" jährlich.