4.2.2019

Wo führt das hin?

 

Jetzt also dort, wo ich selbst kürzlich gewesen bin: Im Ikea in Hamburg-Schnelsen wird „ein völlig unbescholtener junger Mann“ hinterrücks niedergestochen. Auf die merkwürdige und kaum aussagekräftige dpa-Meldung hin, die auch die Welt übernommen hat, reagiert das Gros der Leser nur noch zynisch. Hier einige der Zuschriften, um die Stimmung im Land, aber auch das Erfahrungsrepertoire informierter Leser zu dokumentieren:  

 

„Das wichtigste im Artikel fehlt wieder, die Biographie des Ikea Gründers Ingvar Kamprad.“ – „Wenn ohnehin schon alle relevanten Informationen weggelassen werden, dann bitte auch das Geschlecht. Das tut nämlich zur Tat nichts zur Sache und ich fühle mich als Mann pauschal verdächtigt. Künftig also bitte: ‚Mensch sticht Mensch nieder‘.“ – „Ist der Urheber des Artikels auch wirklich ganz sicher, dass es ein Mann war? Heutzutage gibt es ja viele verschiedene Geschlechter…“ – „Warum geniert sich Welt Online so sehr, die zur Fahndung ausgegebene Personenbeschreibung zu veröffentlichen? Möchte man denn nicht dazu beitragen, dass der Täter erwischt wird?“ – „Ist ja nicht das erste Mal. Besser, wir gewöhnen uns schnell daran, dann ist es nicht mehr schlimm.“ – „Das Opfer hat den Täter bestimmt provoziert...“ – „Samstag im Möbelhaus, wenn das nicht strafmildernd bewertet wird, was dann?“ – „Man wird der auffallend häufig anzutreffenden Gewaltbereitschaft unter Einmännern nicht dadurch Herr, dass man Statistiken fälscht, sondern einzig durch harte Strafen und konsequente Abschiebungen. Deutsche Behörden und einige wohlmeinende Mitbürger versenden seit 2015 immer wieder falsche Signale an diese Klientel, die als Schwäche und Freifahrtschein wahrgenommen werden. Für die gesellschaftliche Akzeptanz des wichtigen Asylrechts ist das eine Katastrophe.“ – „Es bedarf mittlerweile offenbar nicht mal mehr eines Streits, um Opfer einer solchen Attacke zu werden. Es geschieht einfach so, grundlos, aus dem Nichts heraus, hinterrücks.“ 

 

Die Hamburger Polizei reagiert für die Öffentlichkeit im politkorrekten Stil: „Bislang stellt es sich als eine völlig ungewöhnliche Tat dar“, so ein Kripomann. „In der Regel stehen bei solchen schweren Verbrechen Täter und Opfer in irgendeiner Beziehung.“ Wenn man ansonsten in allen Lebensbereichen präventiv agiert, gerade hier aber nicht zu Achtsamkeit aufruft, dann wirkt diese Beschwichtigung der neu eingetretenen Gefahrenlage geradezu makaber. Unvermittelte Attacken auf Leib und Leben sind keine „völlig ungewöhnlichen Taten“ mehr. Beispiele:

 

Bad König: „Ein Mann spaziert abends alleine durch den Park, als er plötzlich grundlos attackiert wird … Der 64-Jährige ... musste in einem Krankenhaus behandelt werden.“

 

Heimersdorf: „Jugendliche prügeln Schüler in Köln krankenhausreif.“

 

Köln: „Die Polizei sucht einen Mann, der einem 26-Jährigen beim Aussteigen aus der KVB-Bahn Linie 4 gegen den Kopf getreten hat … schlug der unbekannte Angreifer den 26-Jährigen unvermittelt von der Seite nieder und trat ihm auf dem Bahnsteig ins Gesicht.“

 

Bremen: „Mann sticht 33-Jährigem in Bremer Innenstadt unvermittelt ins Bein.“

 

Schwenningen: „Heute Morgen ... ist ein Mann an der Volksbank in der Bärenstraße im Beisein seiner Freundin von einem Fremden ins Gesicht geschlagen worden. Der Täter war mit einem weiteren Unbekannten unterwegs, als er unvermittelt auf den 21-Jährigen losging.“

 

Duisburg: „Wie die Polizei berichtet, war der Mann nach eigenen Angaben gegen 22 Uhr in der Parkanlage am Franz-Lenze-Platz unterwegs, als das Quartett unvermittelt auf ihn einschlug. Erst, als das Opfer am Boden lag, ließen die Schläger von ihm ab.“

 

Rinteln: „Gefährliche Körperverletzung am helllichten Tag … Das Opfer wartete demnach im Bereich des Unterstandes der Haltestelle auf seinen Bus, als die beiden Täter an ihn herantraten. Während einer der Täter den 40-Jährigen von hinten festhielt, schlug ihn der andere nach Angaben des Opfers ins Gesicht. Anschließend entfernten sich beide Täter. Als besonders verwerflich ist laut Polizei anzusehen, dass man sich hier offensichtlich gezielt an einem gesundheitlich eingeschränkten Opfer vergriffen hat.“

 

Sinsheim: „Ein 20-jähriger Mann wurde am frühen Dienstagmorgen in Sinsheim grundlos von einem unbekannten Mann geschlagen … kamen ihm auf dem Gehweg zwei unbekannte Männer entgegen. Als er mit diesen auf gleicher Höhe war, rempelte ihn der größere der beiden bewusst an und schlug ihm anschließend mit der flachen Hand ins Gesicht.“ 

 

Jügesheim: „An der Schulbushaltestelle ... wurde ein 15-jähriger Schüler am Mittwoch gegen 7. 30 Uhr krankenhausreif geschlagen … Der Jugendliche kämpft um sein Augenlicht … ‚Aus dem Nichts heraus‘ sei ihr Sohn angegriffen worden, berichtet die Mutter des Opfers. Ein Junge, der mit ausgestiegen sei, habe seinen Schulranzen abgesetzt und ihren Sohn unvermittelt ins Gesicht geschlagen … Die Mutter des Opfers berichtet von einem Gefühl der Ohnmacht: ‚Wir sind verzweifelt und fühlen uns allein gelassen. Wo soll das alles noch hinführen‘?“

 

Werl: "Gegen 16:30 Uhr beobachteten Zeugen einen augenscheinlich alkoholisierten Mann in der Werler Fußgängerzone, der im 'Vorbeigehen' einen älteren Herrn mit einem gezielten Faustschlag niederstreckte. Ein couragierter Zeuge sprach den Täter auf sein Verhalten an, worauf dieser ein Messer aus seiner Jackentasche zog und den Zeugen damit bedrohte." 

 

Die Frage der Mutter ist punktgenau: Wo soll das alles noch hinführen? Und warum interessiert das nicht alle Mütter, Väter, Politiker und Verantwortliche? Zählt nur die eigene kleine Welt?

 

Nachtrag: Die Polizei Hamburg teilt mit: "Die Polizei hat am heutigen Tage einen 26-jährigen Deutschen vorläufig festgenommen, der im Verdacht steht, am vergangenen Samstag einen 22-jährigen Mann in einem Möbelgeschäft in Hamburg-Schnelsen schwer verletzt zu haben. Der Tatverdächtige offenbarte sich einem Betreuer gegenüber, der darauf die Polizei verständigte."

 

Nachtrag vom 5.2.: "Abgelehnte Asylbewerber ziehen prügelnd durch Regensburg ... Ein 75-Jähriger wird schwer verletzt. Die Attacken erinnern an den Fall von Amberg, aber auch vor einen Übergriff auf einen Polizisten vor einem Jahr."