21.3.2019

Wo bleibt die Studie zum Studienvertrauen?

 

Forschungsergebnisse der Welle 2018 im Rahmen der „Langzeitstudie Medienvertrauen“ (Uni Mainz) befördern zutage: „44 Prozent der Deutschen vertrauen etablierten Medien in wichtigen Fragen – der höchste bisher gemessene Wert. 22 Prozent äußern grundsätzliches Misstrauen.“

 

Zum Befund 2 liest man: „Jeder vierte Bürger in Deutschland hält die Medien nicht für vertrauenswürdig und wirft ihnen gezielte Manipulation vor.“ 25 Prozent der Bevölkerung meinen: „Die Medien arbeiten mit der Politik Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren.“ Den Vorwurf, Medien belügen die Bevölkerung systematisch, teilen aktuell 16 Prozent. Befund 3 ergibt: Immer mehr Deutsche, 2018 nämlich 27 Prozent, sehen sich von etablierten Nachrichtenmedien nicht gut repräsentiert. „Von 36 auf 43 Prozent gestiegen ist auch die Wahrnehmung, dass die Medien die gesellschaftlichen Zustände ganz anders darstellen, als es die Bürger in ihrem eigenen Umfeld wahrnehmen.“ Beim Befund 6 wird bezüglich der Themen differenziert: Zwar vertrauen 44 Prozent der Deutschen etablierten Medien bei wichtigen Fragen. „Dagegen stimmen nur 20 bis 25 Prozent den Aussagen zu, dass die Berichterstattung der Medien über den Islam und über die Kriminalität von Flüchtlingen vertrauenswürdig ist.“ 

 

Misstrauisch macht die Art der Präsentation. So formuliert die Uni Mainz zum Beispiel: „Die ‚Lügenpresse‘-Debatte hinterlässt Spuren: Pauschale Kritik und Polemik haben sich in den vergangenen Jahren verfestigt.“ Damit wird pauschal unterstellt, die Bürger seien zu ihrer Einstellung nur wegen der „Lügenpresse-Debatte“ gekommen und nicht, unabhängig davon, aufgrund eigenständiger Analyse dessen, was ihnen vorgesetzt wird. Eigentlich unverschämt. Ressourcenorientiert ist davon auszugehen, dass etliche Bürger in Sachen Meinungsbildung mehr unabhängige Reife an den Tag legen, als die „Forscher“ selbst. Eine Studie dazu steht aus. Ebenso dazu, inwiefern das ständige undifferenzierte Herumsticheln etablierter Medien an der Seriosität von Online-Medien via unterstellter, selten belegter Fake News „viele Menschen nachhaltig vorsichtig und misstrauisch gegenüber Online-Nachrichten“ hat werden lassen.   


12.3.2019

Entsetzte ARD-Zuschauer

 

„Ich schäme mich für die ARD!“ – nur eines der entsetzten Statements zum Tatort am Sonntag, der Sexszenen eines Älteren mit einer Minderjährigen und den Mord an einem Hund besonders eindrücklich zeigte. „Auf Twitter laufen die Zuschauer wegen der Szenen Sturm.“ Fakt ist auch:  Filme werden stets mit Blick auf bestimmte Zielgruppen produziert. Die schon länger hier leben-de Mehrheitsgesellschaft ist das offenbar nicht – sofern sie sich neuen Vorlieben nicht anpasst.


22.2.2019

Framing Manual: ARD belohnt loyale Genossin

 

Tja, diesmal hat sich die ARD wohl verzockt mit ihrem Kauf des Ratgebers zur Erziehung kritischer Bürger; neudeutsch: Framing Manual. Neben all den Fragwürdigkeiten rund um das vorgebliche Berkeley International Framing Institute der Sprach- und Kognitionsforscherin Elisabeth Wehling sollte jeder Tagesschau und heute journal sehende Bürger das Manual selbst durchlesen. Hier steht es komplett im Netz und dokumentiert damit die Abschaffung des Nachrichtenjournalismus im 21. Jahrhundert: „Denken und sprechen Sie nicht primär in Form von Faktenlisten und einzelnen Details“, sondern über die moralischen Prämissen, ist dort etwa zu lesen. Streckenweise erinnern die Wortgeschwülste zur Loyalität ab Seite 60 an DDR-Volkspädagogik, die ins moralische Framing auf Seite 85 mündet: „Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will.“ Kein Wunder, dass das entsprechende Sprachrohr „neues deutschland“ zum Thema titelt: „Keine Manipulation der Zuschauer - Netzwoche: Warum sich Konservative und Rechte zu Unrecht über ein ARD-Papier aufregen.“ 

 

Für das Manual und begleitende Workshops hat die öffentlich-rechtliche ARD 120.000 Euro hingeblättert. Viel Geld vor dem Hintergrund, dass sich die ARD-Redakteure lediglich eine der vielen Talkshows im Netz mit der Sprachwissenschaftlerin hätten ansehen müssen. Unter einer Aufzeichnung der Heinrich Böll Stiftung vor rund drei Jahren zum Thema „Politisches Framing“ kommentierte ein Leser vor einem Jahr: „Leider ernüchternd. Manipulatoren tauschen sich öffentlich aus. Die liebe Frau Dr. Wehling erweist sich als Oppenheimer der Neurolinguistik und gibt der Elite die Gebrauchsanleitung zur Optimierung ihrer Manipulationswerkzeuge in die Hand.“ Auf die aktuell lancierte These von einer „Inszenierung von Wissenschaftlichkeit“ seitens einer „Hochstaplerin“, auf die Medien und Politik hereinfallen, ist im Übrigen nur teilweise was zu geben. Wenn es um Machtkonsolidierung geht, weiß die ARD schon sehr genau, was sie, und vor allem mit wem, tut. Wehling hat sich über die letzten Jahre hinweg als loyale Genossin des öffentlich-rechtlichen Wohlfühlsprechs qualifiziert und ist dafür nun belohnt worden. Schließlich „hat sich gezeigt, dass Bestrafung unerwünschten Verhaltens auf die Dauer eine weniger wirksame Kontrolle zeitigt als Belohnung (und dadurch Förderung) erwünschten Verhaltens … durch gewaltlose Manipulation der Umwelt und der Gedanken und Gefühle … Die von der Regierung ausgeübte fast völlige Kontrolle wird durch systematisches Verstärken erwünschten Verhaltens erzielt … durch die wirksameren Mittel des Belohnens und wissenschaftlichen Manipulierens.“ (Aldous Huxley: Wiedersehen mit der schönen neuen Welt)  

 

Nachtrag vom 23.2.: "Die öffentlich-rechtlichen Sender haben noch mehr Leistungen der Sprach-Expertin Elisabeth Wehling in Anspruch genommen als bisher bekannt war. Bild erfuhr: Auch das ZDF ließ sich von ... Wehling beraten ... Für ihren Vortrag habe Wehling 'eine Aufwandsentschädidung erhalten'. Wie hoch diese war, teilte das ZDF nicht mit."

 

Nachtrag vom 25.2.WDR-Intendant distanziert sich von ARD-Framing-Papier und wendet sich gegen interne Sprachpolizei: "Wenn nur noch bestimmte Worte benutzt werden sollen, mache ich nicht mehr mit." Senderchef Buhrow wird in gut zehn Monaten den ARD-Vorsitz übernehmen.

 

Nachtrag vom 27.2.: "Elisabeth Wehling: 'Ich bin schockiert über die Vorwürfe'."


1.2.2019

Allgemeine Einschätzung?

 

Eine Ulknudel beim RND* bemüht in seinem Beitrag zur „rechtspublizistischen Grauzone“ die Allgemeinheit plus Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), um die Publizisten Henryk M. Broder, Matthias Matussek und Don Alphonso zu diskreditieren. Und weiter: „Als Medien in der Grauzone zum Rechtspopulismus gelten Kritikern schließlich ‚Tichys Einblick‘, … das Magazin ‚Cicero‘ und die ‚Neue Züricher Zeitung‘. Die ‚Achse des Guten‘ und die ‚Junge Freiheit‘ haben die Grenze nach allgemeiner Einschätzung überschritten.“ Die traditionsschwere Neue Zürcher Zeitung (ohne „i“!) so zu verorten bedarf keiner weiteren Kommentierung. Eine Frage drängt sich aber auf: Wer trifft mit welcher Legitimation eine „allgemeine Einschätzung“ und was ist diese wert? Ein Internet-User hat eine Antwort gepostet, die eigentlich alles erklärt. Bei „Gute Frage“ im Netz zur Frage „Was bedeutet allgemeine Einschätzung?“ heißt es dazu: „Ich würde es als vorzeitige Meinungsbildung definieren. Also das Bilden einer Meinung, ohne präzise Kenntnisse über eine Sache zu haben.“

 

*RND = RedaktionsNetzwerk Deutschland. Selbstdarstellung: "Seit dem Jahr 2013 recherchiert und produziert das RedaktionsNetzwerk Deutschland überregionale Inhalte für mehrere Dutzend regionale Tageszeitungen. Die Redaktion erreicht mit ihren Nachrichten, Reportagen, Servicebeiträgen und Meinungsstücken täglich viele Millionen Leserinnen und Leser. Die Redakteurinnen und Redakteure im RND-Newsroom in Hannover sowie in der Hauptstadtredaktion RND Berlin stehen dabei für Qualitätsjournalismus."


15.1.2019

Medienpolitischer Neujahrsgruß

 

Im Neujahrsgruß des BDZV-Präsidenten Dr. Mathias Döpfner findet sich löblicherweise einige Selbstkritik. Das wird auch Zeit. Eine Studie stellte schon vor sechs Jahren fest: „Deutschlands Medienmacher sind im internationalen Vergleich Schlusslicht in Sachen Kritikkultur.“ Auslöser von Döpfners Reflexion ist: „Relotius ist ein Produkt unserer Branche. Er hat die Anleitung für Journalismus, mit dem man spielend Preise gewinnt, gelehrt, vorgelebt bekommen.“ Nötig sei jetzt eine Lektion in Demut. „Wir müssen ablegen, was die Branche lähmt: Selbstzufriedenheit, Besserwisserei, Nachgiebigkeit mit politisch Gleichgesinnten, unfaire Kritik gegenüber jenen, die anders denken als man selbst; Auszeichnungen, wenn überhaupt, dann für echte Rechercheleistungen. Nicht für schön gedrechselte Sätze, deren Wahrheitsgehalt zweifelhaft ist.“ Schade, dass der Neujahrsgruß nicht an dieser Stelle, nach dem dritten Absatz, einfach endet.   


4.1.2019

Die begrenzte Süddeutsche

 

Einen längeren, betont sachlich gehaltenen Beitrag zum Thema „Straffällige Asylbewerber – Wer wann gehen muss“ zu bringen, ohne Artikel 33 der Genfer Flüchtlingskonvention zu erwähnen, ist für eine große Zeitung wie die Süddeutsche wieder mal eine defigurierte Fehlleistung. Die stets vor sich her getragene Weltläufigkeit endet regelmäßig schon dort, wo einzelne Reglungen in internationalen Abkommen nicht in das begrenzte Denkschema hineinpassen. Leute zu diffamieren, die trotzdem darauf hinweisen, bezeugt die Schäbigkeit solcher Charaktere. Boris Palmer zum Beispiel wehrt sich an dieser Stelle gegen unsachliche Anwürfe.


3.1.2019

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz,

 

die deutsche Tagesschau hat gerade eine „Analyse“ veröffentlicht, in der es heißt, Sie seien als „Brückenbauer“ im Rahmen des EU-Ratsvorsitzes „grandios gescheitert“ – „wohl auch aus innenpolitischem Kalkül“. Als Begründung wird angeführt: Die Finanztransaktionssteuer, die Digitalsteuer und der nächste EU-Haushalt seien auf unbestimmte Zeit vertagt. Auch in der Flüchtlings- und Asylpolitik hätten Sie „nicht sonderlich viel zustande gebracht“: Die Idee mit den „Ausschiffungsplattformen in Nordafrika, in die Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gebracht werden sollten“, sei „stillschweigend begraben“ worden. Und die Aufstockung der Grenzschutzagentur Frontex auf 10.000 Mann trete auf der Stelle – „zu viel ist unklar“. 

 

Und weiter in der Tagesschau-Analyse: „Der Tiefpunkt der österreichischen Ratspräsidentschaft war der Ausstieg aus dem Migrationspakt der Vereinten Nationen - auf Druck der rechtsgerichteten FPÖ. Damit hat nämlich ausgerechnet der amtierende europäische Klassensprecher die EU zerlegt, in vielen Ländern für hitzige Diskussionen gesorgt und letztendlich die Regierung in Belgien gesprengt - und das alles wegen eines innenpolitischen Manövers. Sebastian Kurz wollte ‚Ein Europa, das schützt‘. ‚Ein Europa, das dicht macht‘, wäre als Motto ehrlicher gewesen. Die EU bleibt jedenfalls in der Migrationspolitik auch nach der österreichischen Ratspräsidentschaft tief gespalten. Und eine Brücke ist nirgendwo in Sicht.“  

 

Es interessiert mich, was in unserem Nachbarland und in der EU tatsächlich vorgeht. Daher wäre es hilfreich für mich, auch Ihre Sicht auf die Dinge zu erfahren: Aus welchem „innenpolitischem Manöver“ heraus haben Sie agiert? Was sind die Folgen davon, dass der „nächste EU-Haushalt auf unbestimmte Zeit vertagt“ ist und warum wurde er vertagt? Weshalb haben Sie die „Ausschiffungsplattformen“ für Nordafrika „stillschweigend begraben“? Was genau ist „unklar“ bei der Aufstockung von Frontex? Sind Sie nur auf „Druck der FPÖ“ aus dem UN-Migrationspakt ausgestiegen? Was halten Sie von dem Vorwurf an Sie, damit „die EU zerlegt“ und „die Regierung in Belgien gesprengt“ zu haben? Warum haben Sie nicht das Motto „Ein Europa, das dicht macht“ gewählt? Und ist eine Brücke wirklich „nirgendwo in Sicht“?

 

Ich wäre sehr dankbar für diese Erläuterungen von Ihnen bzw. von Ihrem Team. 

5.1.2019

Antwort

 

Sehr geehrte Frau Baumstark, danke für Ihre Nachricht. Wir senden Ihnen gerne den Link zur Homepage www.eu2018.at, in dem Sie die Sicht der österreichischen Bundesregierung auf das Halbjahr unserer EU-Präsidentschaft auch in Form einer Bilanz und natürlich viel weitere öffentliche Informationen finden, die Sie gerne auch nützen können.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Team Kurz