Auf dieser Seite sind Abmahn-Fälle zum Urheberrecht dokumentiert. 


10.4.2019

Internet: Macht doch alles selbst

 

Will man nun die Grundfeste des Internet, nämlich Austausch von Informationen und Effizienz von Ressourcen, aushebeln? „Wer Ärger mit Urheberrechtsverletzungen auf der Homepage von vornherein aus dem Weg gehen will, sollte am besten niemals fremdes Material nutzen“, schlussfolgert der Rechtsanwalt Thomas Hollweck nach einer Abmahnaktion weiter: „Das ist in den meisten Fällen auch gar nicht notwendig, denn Fotos können selbst geschossen, Texte selbst geschrieben, Logos selbst designt und Karten selbst gezeichnet werden.“ (!?)

 

Der Fall: Lutz Krause, sportlich engagiert, veröffentlichte auf seiner Website zum Drachenboot-Festival einen Ausschnitt aus einer Falk-Landkarte, „damit auch Ortsunkundige den Unterbacher See finden und bei der Regatta zuschauen können“, berichtet Computerbild. Aber Anwälte hatten „die Karte im Internet aufgespürt“ (!) und baten Herrn Krause nachträglich zur Kasse: 560,74 Euro für den Ausschnitt und das Fehlen des Copyright-Hinweises. Dazu kommen 255,85 Euro Anwaltskosten und eine Unterlassungserklärung. Denn der genutzte Ausschnitt gehe „auf eine persönliche, geistige Schöpfung des Hamburger Kartografen Gerhard Falk“ zurück. Er darf nicht ohne Lizenz genutzt werden. „Lutz Krause hätte mit der Firma Mairdumont Netletix, die die Falk-Karten herausgibt, einen Vertrag schließen und für die Nutzung des Ausschnitts mehrere Hundert Euro zahlen müssen.“ (!) Der Firma seien nämlich „möglicherweise Folgeaufträge entgangen“. Und „der Gefahr weiterer unerlaubter Nutzungen“ habe er Vorschub geleistet.

 

Hollweck: Die Forderung ist zu hoch. „Krause habe die Karte verwendet, weil er sie gut fand.“ Ein Hinweis auf die Copyright-Verletzung hätte es auch getan. Für Google Maps übrigens gilt, wie für Stadtpläne, ebenfalls Urheberrecht. Für die Verwendung der Karten sind Bedingungen aufgestellt. „Solange man bei Google Maps die zur Verfügung gestellte Programmschnittstelle verwendet, ist eine Verwendung auf der eigenen Homepage aber problemlos möglich.“

 

Siehe auch: Landgericht Köln verdonnert FragDenStaat zum Löschen d. Glyphosat-Gutachtens.

 

Nachtrag: Petitionsausschuss sieht Handlungsbedarf im Missbrauch des Abmahnrechts.