14.6.2019

Ausstellung zur Vollverschleierung

 

Über den „Feldzug gegen Terre des Femmes“ nach deren Kritik an der „Kopftuch-Konferenz“ an der Goethe-Uni steht weiter unten auf dieser Seite ein Bericht. Unter dem Motto „Munaqabba – über Frauen mit Vollverschleierung in Deutschland“ startet nun am 21. Juni eine Ausstellung in Köln. Auch hierzu gibt es bereits einen Offenen Brief von mehr als 50 Personen, unter anderen unterstützt vom Iranisch-Deutschen Frauenverein Köln; gerichtet an das Land NRW als Förderer der Ausstellung. Hauptkritik: „Das in patriarchalischen islamischen Ländern existierende und angestrebte Frauenbild“ werde nach Deutschland getragen und unkritisch, sogar positiv wertend wiedergegeben. Gefragt wird zudem nach Sinn und Intention der Ausstellung sowie nach dem politischen Mandat der Förderung, so Report K ausführlich in einem ausgewogenen Beitrag. Bei dem Event werde „jede Art von Hijab zum Probieren zur Verfügung gestellt“. „Auch eine Podiumsdiskussion sei geplant und man kooperiere mit ‚Köln spricht‘.“ Protest gegen die Ausstellung lässt auch der Zentralrat der Ex-Muslime verlauten. Dass man dort „Auschwitz und die Gaskammern“ vergleichend bemüht, ist der Sache ganz sicher nicht zuträglich.

 

Nachtrag vom 20.6.: Ausführliches Interview bei Report K.: "Selina Pfrüner erläutert Ihre Intention ... Es wird hier EIN Aspekt des Phänomens beleuchtet, nämlich das der hier freiwillig in Deutschland in Vollverschleierung lebenden Frauen. Dabei geht es nicht darum für irgendetwas zu werben oder gegen irgendetwas zu propagieren, sondern darum, sich aus einer anderen Perspektive mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und zwar in einer Form, in der nicht nur ÜBER diese Frauen kommuniziert wird, sondern sie auch selbst gehört werden..." 

 

Nachtrag vom 4.8.: "Das Islamische Zentrum München empfiehlt, 'widerspenstige' Ehefrauen zu schlagen." Das Schlagen habe "symbolischen Charakter". "Stadträte sind schockiert."


8.4.2019

Hatespeech statt Gewaltprävention

 

Das geht also schon länger so mit den Anwürfen gegen die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Bei Emma konnte man im Juni 2017 über Unterwanderungsversuche seitens „Feminismen ohne Grenzen“ lesen: „33 von 2.000 Mitgliedern proben die Revolte – auch gegen den neu gewählten Vorstand. Terre des Femmes soll in Zukunft das Gegenteil vom Bekannten vertreten“, was da ist: „Frauenrechte ohne multikulturelle Relativierung und Kampf gegen die Akzeptanz der Prostitution.“ Die 33 Frauen hätten sich eines politisch bekannten Manövers bedient: „Eine Minderheit von Aktivistinnen attackiert die Arbeit der Mehrheit via öffentlicher Diskreditierung.“ Es gehe um Rivalitäten, Posten und politische Positionen. Aus einem – gelöschten oder nie publizierten (?) – Offenen Brief zitierte die taz: Beschlüsse wie das Verbot des Kinderkopftuchs reproduzierten „rassistische Ressentiments“ und legitimierten „rechtspopu-listische Tendenzen in der Gesellschaft“. Man wolle aber Terre des Femmes nicht diffamieren. (!) Trotzdem sogleich die nächste Unterstellung: „Pauschalisierenden und undifferenzierten Umgang mit dem Islam kritisieren wir in scharfer Form“: sagte Katharina Kunze, eine der Unterzeichnerinnen, die sich damit einen Posten in der „Saar-Connection“ verdiente:  „Katharina Kunze ist neue Frauenbeauftragte der Landeshauptstadt Saarbrücken“; seit August 2018.

 

Die Emma fand es damals „erstaunlich“, dass 33 von rund 2.000 Mitfrauen rückwirkend zentrale Positionen infrage stellen respektive Gegenteiliges fordern: „Sollten diese Frauen dann nicht einfach ihren eigenen Verein gründen? … Terre des Femmes ist die letzte der großen Frauen-organisationen in Deutschland, die eine klare Haltung gegen Islamismus und Prostitution hat.“ Dennoch kämen seit einiger Zeit Frauen in den Verein, „deren politische Positionen eigentlich im Widerspruch zu den Grundsätzen von Terre des Femmes stehen“. Es ginge wohl um Änderung der Mehrheitsverhältnisse bei Abstimmungen. Als Menschenrechtsorganisation bleibe man aber dabei: „Kulturrelativismus, der Frauenfeindlichkeit im Namen einer Religion oder einer Kultur legitimiert, hat bei uns keinen Platz.“ Die Journalistin Ingrid Staehle initiierte Terre des Femmes 1981 in Hamburg aufgrund von Berichten über Ehrenmorde und Genitalverstümmelung. „Ihr Impuls war also von Anfang an der Kampf gegen die Entrechtung der Frauen in patriarchalen Kulturen.“ Rassismus-Vorwürfe seien daher „absurd“. Die unterwanderungsaktiven Frauen wollten versuchen, die DNA von Terre des Femmes „kulturrelativistisch aufzuweichen und den Kurs umzusteuern“ und seien nun frustriert, dass sie das nicht schaffen, so Staehle damals. 

 

Kulturrelativismus: Wirklich?

 

Man sollte sich an dieser Stelle folgende Definition ansehen: „Der Kulturrelativismus legt Wert auf die Koexistenz von Kulturen, die als gleichwertig angesehen werden sollen“; ohne qualitativen oder bewertenden Vergleich, um Normen und Werte anderer Kulturen zu verstehen. „Ein großer Kritikpunkt ergibt sich dadurch, dass der Kulturrelativismus kein universelles Wertesystem anerkennt, da dies bedeuten würde, dass einzelne kulturelle Standpunkte nicht berücksichtigt werden würden. Somit kann von einem kulturrelativistischen Standpunkt auch das Paradigma der Menschenrechte nicht vertreten werden.“ (!) Der Kulturrelativismus könne auch alles Mögliche entschuldigen. „Wenn Mitglieder einer Kultur entgegen moralischer Vorstellungen oder dem Gesetz einer anderen Kultur handeln, kann dies als kulturelle Ausprägung und in der Kultur begründet verziehen werden. Beispielhaft hierfür wäre in Deutschland der Umgang mit den sogenannten Ehrenmorden, die mit westlichen Wertvorstellungen nicht zu vereinbaren sind. Es stellt sich die Frage bis zu welchem Ausmaß der kulturelle Hintergrund hier Akzeptanz erfahren sollte.“ Eine Leserin des Migazin formuliert entsprechend: „Das Gegenteil von Kulturrelativismus ist nicht Ethnozentrismus, sondern Universalismus. Nimmt man als Beispiel die Menschenrechte, sind diese sie laut universalistischer Lehre für jeden Menschen auf diesem Planeten gültig, im Kulturrelativismus ist dies nicht der Fall, sondern alle Kulturen sind in dem, wie sie die Menschenrechte interpretieren oder auch gar ganz abschaffen gleichwertig, es gibt kein gut und kein schlecht, alles ist irgendwie relativ und Menschenrechte sind damit nicht allgemein gültig. Daher ist Kulturrelativismus in meinen Augen nichts anderes als kultureller Rassismus.“

 

Die Konfliktlinie lässt sich in eine Frage hinein formulieren. Was steht als Wichtigstes an: Ideologisch motivierter Kulturrelativismus oder praktisch orientierte Gewaltprävention? Unstrittig ist sicher, dass bei Terre des Femmes Letzteres die Hauptrolle spielt. Was die andere Seite antreibt, bliebe klar zu benennen und zu ächten. Es geht den Angreiferinnen nämlich keineswegs um Gleichwertigkeit der Kulturen. Das springt aktuell besonders ins Auge aus mehreren Artikeln zur muslimischen Modenschau in Frankfurt. Man kann dazu durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Das in der Menschenrechtserklärung verbriefte Recht auf individuelle Entfaltung wird man aus liberaler Sicht jenen erwachsenen Musliminnen, die sich freiwillig verschleiern, nicht absprechen wollen. Es ist auch zu konstatieren, dass die Schau „explizit die Unterdrückung von Frauen“ thematisiert und Frauen zeigt, die sich gegen Bekleidungsvorschriften wehren. Wer Verschleierung zuvorderst als geschlechterpolitisches Unterdrückungssymbol betrachtet, mit dem schon minderjährige Mädchen eingeschränkt sozialisiert sowie als verführende Sexualwesen markiert werden und daher ihre Reize vor Männern zu verbergen haben, kann sich auf selbigen Aspekt der Menschenrechtserklärung berufen. Das ist ein typisches menschenrechtliches Dilemma. Ein klares Ergebnis ließe sich nur dann diskursiv erzielen, wenn die Gesellschaft eine Entscheidung hinsichtlich der Gewichtung träfe – zugunsten dieses oder jenes Aspekts. Der vorgeblich „moderne Feminismus“ entzieht sich dem gänzlich; macht dieser Beitrag der Kirche Hamburg deutlich: „Über das Kopftuch zu sprechen, bringt den Feminismus nicht weiter — weder im Allgemeinen noch im Speziellen.“

 

Die weiße Frau als Feindbild

 

Zur Modenschau nun schreibt die Frankfurter Rundschau: Die Diskussion dominierten „Akteure des rechten Spektrums“ und „Fürsprecherinnen eines überholten Altfeminismus“. „Alles weiße Frauen, nehme ich an“, wird eine Kolumnistin zitiert. Das „konservativ-feministische Lager“ würde den muslimischen Modestil „kolonialisieren“ und zwar in „eurozentrischer“ Weise. Dabei wirkten die Bilder muslimischer Bloggerinnen „geradezu beschämend auf westliche Besucherinnen“ der Schau. „Dass durch die Inszenierung der radikale Islam allerdings gestärkt und die Unterdrückung der Frau verherrlicht würden, ist eine Legende, der sich nahtlos einreiht in die krude Behauptung einer „Islamisierung des Abendlandes“. Ein direkt folgendes Zitat von Frankfurts Kulturdezernentin stellt dann klar, dass das „Abendland“ offenbar bereits islamisiert ist: „Dies ist eine Ausstellung über etwas, das existiert, und nicht über etwas, das herbeigesehnt wird.“ Dem Beitrag angehängt ist schließlich eine persönliche Erklärung zu Terre des Femmes.

 

Von Kulturrelativismus bleibt da nicht wirklich was übrig. Die Darstellung benutzt vielmehr rassistische Stereotype; von wegen die westliche Frau habe sich zu schämen. Während der Autor zwischen den Zeilen die Höherwertigkeit muslimischer Frauen proklamiert, dient die krude Unterstellung der Kolonialisierung der Umkehr seiner eigenen Verfehlung. Tatsächlich geht es den Kritikern der Modenschau nicht, wie dem Autor, um die Bewertung einer Kultur, sondern zuvorderst um systemische Gewaltprävention. Das gleiche rassistische Stereotyp bedient bezüglich des Kinderkopftuchs das „Netzwerk rassismuskritische Migrationspädagogik“ mit seinen akademischen Mitläuferinnen: Der „stark von westlichen, christlich geprägten, weißen Frauen des Bildungsbürgertums“ geprägte Feminismus wolle eine „koloniale Tradition“ fortsetzen, indem sie andere Frauen „entschleiern“. Antwort von Terre des Femmes

 

Beim Migazin springt man auf den rassistisch begründeten Gedankenzug auf: „Damit schließt sich Terre des Femmes der langen, bis heute anhaltenden kolonialen Tradition an, Schwarzen und People of Color Emanzipation, Fortschritt und Entwicklung abzusprechen. Sie tragen damit einmal mehr zur Festigung des Bildes bei, dass Schwarze und People of Color von ‚weißen‘ Menschen gerettet werden müssen und sichern damit auch in Zukunft die ‚weiße‘ Vorherrschaft.“ Selbst wenn man der willkürlich festgesetzten Doktrin des Ignoranzjournalismus – „Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße“ – folgen wollte: Die aufgezählten Darstellungen entsprechen exakt den Diskriminierungskriterien von Herkunft, Religion, Hautfarbe und sozialem Status. Wer auch nur zwischen den Zeilen, ohne jede Berücksichtigung von individuellen Besonderheiten, abwertend von „westlichen, christlich geprägten, weißen Frauen des Bildungsbürgertums“ die Rede hält, betreibt mindestens Hatespeech im Rahmen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Wo bleibt hier die Maas’sche Kampftruppe gegen Hatespeech?

 

Wer Terre des Femmes unterstützt

 

An Terre des Femmes werden sich die Hatespeakerinnen und Hatespeaker indessen die Zähne ausbeißen. Die Organisation steht nämlich keineswegs isoliert mit ihrem gewaltpräventiven Feminismus. Eindeutige Unterstützung kam nach den Anwürfen im Juni 2017 zum Beispiel von den Störenfriedas im Rahmen einer äußerst lesenswerten Analyse: „Trotzdem bin ich gestern Terre des Femmes beigetreten.“ Grund: Der Offene Brief, der die Grundhaltung von Terre des Femmes kritisiert und „gleich die Rassismuskarte“ zieht, um sich damit „maximale Aufmerksamkeit“ zu sichern. „Bewirkt hat der Brief bei mir – und einigen anderen –  allerdings etwas ganz anderes, als sich seine Verfasserinnen vermutlich gewünscht haben. Mir ist dadurch deutlich geworden, wie wichtig die Arbeit von Terre des Femmes ist.“ Und weiter: „Sich mit einem offenen Brief an die Presse zu wenden, ohne vorab das Gespräch zu suchen, zielt darauf ab, durch öffentlichen Druck von außen demokratische Prozesse zu unterwandern.“ Der Kampf gegen Rassismus sei hier bestenfalls ein Vorwand. Eine ähnliche Kritik an der muslimischen Modenschau wie jene der aktuell beschossenen Frauenrechtsorganisation kommt übrigens von den großteils iranisch-stämmigen „Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung“, von mehr als 100 Unterzeichnenden eines Protestbriefs aus deutschsprachigen Ländern an den Museumsleiter sowie vom Zentralrat der Ex-Muslime, der eine mehrtägige Protestaktion vor dem Museum ankündigte. Mehr dazu in dieser ausführlichen Darstellung bei Heise/Telepolis.


2.4.2019

Feldzug gegen Terre des Femmes

 

Die entzügige akademische Präpotenz hat also in der Petition „Den Kopf frei haben“ von Terre des Femmes wieder einen Anlass gefunden, eine rassistische Erzählung zu konstruieren. Man kann ja Kopf und Sinne nie voll genug damit bekommen. Die orgasmusträchtige Formulierung der „westlichen, christlich geprägten, weißen Frauen des Bildungsbürgertums“ musste ebenfalls unbedingt untergebracht werden, um klar zu stellen, wer heute eine gruppenbezogene Menschen-feindlichkeit gehörig verdient hat. Kleines störendes Detail: Den Feminismus von Terre des Femmes prägten tatsächlich „patriarchatskritische Aktivistinnen vor allem aus Nordafrika, Iran, Saudi-Arabien, Türkei und Osteuropa“, wie es in der klugen Stellungnahme der Frauenrechts-organisation heißt. Trotzdem kann man auch beim Migazin nicht darauf verzichten, sich an neokolonialistischen Fantasien zu ergötzen: „Enttäuscht über das Unverständnis einer gemein-nützigen Menschenrechtsorganisation gegenüber Frauen, die nicht in ihre ‚weiße‘ Feminismus-definition passen ... Sie tragen damit einmal mehr zur Festigung des Bildes bei, dass Schwarze und People of Color von ‚weißen‘ Menschen gerettet werden müssen und sichern damit auch in Zukunft die ‚weiße‘ Vorherrschaft ... Durch ihre Präsentation eines vermeintlich homogenen Frauenbildes lässt sich für uns darauf schließen, dass ihre Organisation auch ‚weiß‘ und christlich dominiert ist.“ Igitt! Man distanziere sich explizit von dieser Organisation und jener Petition.  Die übrigens steht hier zur Unterzeichnung. Siehe auch die Kritik an einer Modefirma.

 

Nachtrag vom 3.4.: "Islam-Wissenschaftler laufen Sturm gegen Kopftuch-Schau" - Naila Chikhi (Terre des Femmes): "Mit der Ausstellung biedern sich wohlmeinende westliche Gruppen an frauenverachtende politische Strömungen einer Religion an. Unreflektiert dienen sie der islamistischen Botschaft, die nur die verschleierte Frau als sittsam darstellt." Der Museumsleiter hingegen erklärt: Die Exponate "zeigen keine einzige Burka ... Das Thema Frauenrechte klammern wir überhaupt nicht aus. Es gibt viele Fotografien und Beiträge von Künstlerinnen wie zum Beispiel Shirin Neshat, die explizit die Unterdrückung von Frauen thematisieren, die, wenn sie sich gegen diese Bekleidungsvorschriften wehren, um ihr Leben oder um ihre Unversehrtheit fürchten müssen." Was bei der Ausstellung zu sehen ist erläutert dieser Beitrag.

 

Nachtrag vom 15.4.: Gastkommentar von Necla Kelek: "Nicht die Ausgrenzung von Frauen durch Kleidung oder Stigmatisierung von Kindern als Sexualwesen wird problematisiert, nicht die Herrschaft der Männer über die Frauen, sondern das Recht, anders zu sein. Selbstbe-stimmung wird reduziert auf die Freiheit, Form und Farbe des Kopftuches zu wählen. Nicht die Vermittlung von Freiheitswerten, sondern die eines gleichmacherischen Kulturrelativismus ist die Position von einer nicht kleinen Zahl von Lehrenden an den Universitäten." Bassam Tibi: Alle nichteuropäischen Kulturen sind schützenswert, "auch wenn sie gegen die universellen Menschenrechte verstoßen". Siehe auch: Iranerin wegen Kopftuch-Protest verurteilt.

 

Nachtrag vom 7.5.: "Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen bei Kopftuch-Konferenz an Goethe-Universität ." Frank A. Meyer meinte übrigens kürzlich zum Thema "Das Kopftuch und die Linke": "Einst zählte die Befreiung der Frau zum historischen Auftrag der Linken. Heute ist die Kleider-Apartheid der Frau im Islam für sie Ausdruck einer zu respektierenden Kultur. Einst gehörte der Kampf gegen den Rassismus zum Selbstverständnis der Linken. Heute verteidigt sie den Rassismus gegen Frauen im Islam und diffamiert die Kritiker der Scharia-Religion als Rassisten. Vielleicht war die Linke nie die Bewegung der fortentwickelten Aufklärung." 

 

Nachtrag vom 10.5.: Alice Schwarzer wirft Muslimin nach Kopftuch-Konferenz Diffamierungs-kampagne vor. "In Deutschland habe sich eine 'falsche Toleranz' und 'verordnete Fremdenliebe' entwickelt ... Das Kopftuch sei die 'Flagge des politischen Islams'." Bild dazu am 13.5.: "Neuer Tiefpunkt deutscher Debatten-Kultur. Wieder wird bestätigt: Wer den politischen Islam kritisiert, gilt schnell als Rassist. Opfer der neuesten Diffamierungswelle im Internet: Frauenrechtlerin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer (76) ... Islamismus-Experte Ahmad Mansour ist besorgt: 'So eine Aufregung wie gegen Alice Schwarzer sucht man vergeblich, wenn es um Imame, Theologen, Familien und Gesellschaften geht, die tagtäglich weltweit versuchen, Frauen mit Angst und sozialem Druck zur Verhüllung ihrer Haare zu zwingen'."

 

Nachtrag vom 16.5.: "Beschlossen! Kopftuchverbot an Österreichs Grundschulen..." Außerdem zum österreichischen "Gewaltschutz-Paket" Sebastian Kurz: "Wer sich an Frauen und Kindern vergeht, hat keine Milde, sondern harte Strafen verdient." Maßnahmen gelten ab Anfang 2020.


11.3.2019

„Gewalt nicht Teil irgendeiner Kultur“  

Rückblick auf den Hamburger Migrantinnen-Marsch

 

Der erste Dank geht auch an die Männer: an jene, die sich dem Migrantinnen-Marsch am Internationalen Frauentag in Hamburg aus Solidarität anschließen: „Wir freuen uns, dass ihr hier seid und uns unterstützt“, so Hourvash Pourkian von „International Women in Power“. Zusammen mit der „Initiative an der Basis“ initiierte die gebürtige Iranerin die Demo unter dem Motto „Gleichberechtigt, selbstbestimmt, frei“ für die Rechte von Frauen und Mädchen. 

 

Bildungsministerin im Kartoffelsack erschossen

 

Selbstbewusste Frauen finden sich da am Gänsemarkt zusammen. Eine sagt kompromisslos ins Mikrofon: „Seit 40 Jahren kämpfen wir gegen das islamische Regime im Iran. Wir werden das so lange tun, bis es untergeht.“ Ein Gedicht ist zu hören, gewissermaßen eine Ode an die Freiheit. Andere tragen Schilder, die von entsetzlichen Schicksalen erzählen. Man sieht etwa das Foto von Parsa, einer Bildungsministerin, die man 1980 im Iran in einen Kartoffelsack steckte und dann erschoss. Woanders ist das Bild eines wunderschönen Mädchens zu sehen. Darunter steht: „Basem Donjawaisi – im Alter von 7 Jahren im Iran vergewaltigt und ermordet.“ Andere Schilder definieren das Selbstverständnis der Demo: „Für Frauen, nicht gegen Männer“ etwa oder „Keine Toleranz den Intoleranten.“ Am Mikrofon ist derweil wieder die Initiatorin der Demo. Sie erinnert an die Frauenrechtlerin und Kinderpsychiaterin Homa Darabi, die sich in einer stark frequentierten Teheraner Einkaufsstraße selbst verbrannte. Ihr Entschluss, auf diese Weise gegen die brutale Unterdrückung zu protestieren, war bestärkt worden, als man eine 16-Jährige wegen Tragens von Lippenstift kurzerhand erschossen hatte. 

 

Eine weitere Rednerin ist einerseits beeindruckt von der starken Familientradition im Iran. Sie weiß aber auch: Einige Mädchen überleben die Hochzeitsnacht nicht. Sie verbluten innerlich. Hintergrund: Mädchen dürfen laut iranischem Zivilgesetz ab dem 13. Lebensjahr verheiratet werden. Das Iran Journal ergänzt: „Überdies können Eltern von Mädchen unter 13 Jahren von einem Richter die ‚Heiratsreife‘ ihrer Tochter bestätigen lassen. So können selbst Mädchen im Alter von sieben oder acht Jahren ganz legal von ihren Eltern verheiratet werden“ (!) – gegen hohes Brautgeld. Zur Einordnung: „1974 hatte der damalige Machthaber Schah Mohammad-Re-za Pahlavi durch ein neues Familienschutzgesetz das Heiratsalter für beide Geschlechter auf 18 Jahre angehoben. Doch gleich nach der islamischen Revolution wurde diese Reform rückgängig gemacht.“ Zur Sprache kommt dennoch, dass nicht allein Männer an der gewalttätigen Lage schuld sind. Von einem Fall ist die Rede, als eine Muslima ihre Tochter an den Haaren so lange durchs Zimmer gezogen hat, bis der Kopf blutete – nur weil sie Fahrrad fahren wollte wie ein Junge. Es entspricht durchaus dem dortigen Erziehungsideal, heranwachsenden Mädchen solche Flausen nachhaltig auszutreiben. Pourkian bedauert diese fatale Vorstellung von Erziehung, aus der Prinzen statt Männer hervorgehen, während Frauen zum Schweigen verdammt sind.

 

Kämpfen um jeden Zipfel Haar

 

Mit mehrfach lautstarkem „Nein!“ zu Steinigungen, Genitalverstümmelungen, Verfolgung von Nicht-Muslimen oder der Zusammenarbeit mit dem politischen Islam zieht der Demonstrations-zug weiter zum Rathausplatz. Dort trifft er auf weitere Fraueninitiativen. Die konzentrieren sich allerdings auf die ewig selbe „antikapitalistische“ Leier aus der sozialistischen Mottenkiste. Es ödet an. Daran ändert auch der offenbar unbedingt unterzubringende Neusprech von den „nicht-binären, trans und inter Personen“ nichts, die doch aus Protest ihre Arbeit niederlegen sollten. Hintergrund: Tatsächlich profitiert diese Community bereits erheblich von bundesweiten Interessenvertretungen und bevorzugter Politik. Allein schon das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt „derzeit neun unterschiedliche Träger mit einer Laufzeit von fünf Jahren (Anfang 2015 bis Ende 2019) und mit maximal 130.000 Euro pro Jahr für Maßnahmen“, die zur „Akzeptanz gleichgeschlechtlicher, trans- und intergeschlechtlicher Lebensweisen beitragen“ (siehe hier auf Seite 24). Warum halten sie nicht Maß um der gerechten Verteilung willen?

 

Männliche Anwesenheit ist hier außerdem unerwünscht. Das mit dem von Pourkian und anderen Frauen gewünschten „Schulterschluss“ ist insofern an diesem  Tag nicht wirklich umsetzbar. Zwei Welten eher, die aufeinandertreffen. Die einen surfen auf der ideologischen Zeitgeistwelle. Rebecca Sommer von der „Initiative an der Basis“ weiß indessen aus direkter Lebenserfahrung der Mitglieder zu berichten: „Wir sind diejenigen, die unmittelbar in ihrer alltäglichen Praxis erleben, was das friedliche und freie Zusammenleben in unserer demokratischen säkularen Gesellschaft bereichert, aber auch gefährdet und bedroht.“ Warum sie den Migrantinnen-Marsch unterstützt? „Weil wir an der Basis hautnah mitbekommen, wie schon kleine Mädchen mit Kopftuch zur Schule kommen und von ihren Brüdern kontrolliert und beherrscht werden“, warnt sie schließlich: „Wir verlieren unsere Freiheit, Stück für Stück … Genau so hat es im Iran angefangen … Dort kämpfen die Frauen um jedes Stückchen Freiheit, um jeden Zipfel Haar, der unter dem Kopftuch gebannt – nein – verbannt ist!“ Die Initiative fordert Unterstützung für die Opfer, hinsehende Medien und handelnde Politik.

 

Ein kleines Weilchen noch hält man sich am Rathausplatz auf. Die Migrantinnen lassen an Luftballons geheftete Bilder von geschändeten und ermordeten Frauen in die Luft steigen. Nach musikalisch begleiteten interkulturellen Kreistänzen ist der Energielevel wieder hoch genug, um weiterzuziehen; durch die Mönckebergstraße am Hauptbahnhof vorbei bis zum Jungfernstieg. Der Demonstrationszug ist zwischenzeitlich von anfangs rund 50 auf bis zu 150 Personen angewachsen. Eine Demonstrantin mit Kontakten zum Iran erzählt von einem kürzlich vermissten 15-jährigen Mädchen, deren Leiche man später im Fluss findet. Ohne Niere. Man hört auch von einer 16-Jährigen, die den Steinigungstod erleiden musste, weil ihr Schleier verrutscht war und ein Mann daraufhin ihr Haar gesehen hat. Es ist unfassbar schlimm.

 

Ein Mädchen als Prestigeobjekt

 

Ein kurdischer Mitdemonstrant kann nicht begreifen, was ein Mann davon hat, ein minderjähriges Mädchen zu heiraten: Wenn Frauen nicht frei sind, dann sind Männer auch nicht frei.“ Den Übergriff auf Mädchen empfindet er als „Unverschämtheit“. Das habe mit der „Männerdominanz“ in islamisch geprägten Ländern zu tun. Und mit konkurrierendem Prestigegehabe. Junge Damen wollten natürlich nicht mit alten Männern ins Bett gehen. „Diese Männer aber sind stolz, weil sie meinen, damit ihre Potenz zu beweisen.“ Nach dem Motto: Seht her, ich kann noch. Auf die Frage, was das für ein Stolz sein soll, über ein wehrloses Mädchen herzufallen, anstatt eine erwachsene Frau zu erobern, weiß dieser Herr auch keine Antwort. Mit Logik und gesundem Menschenverstand kommt man da nicht weit. Der entsprechende Ehrbegriff scheint untrennbar verknüpft mit der voremanzipierten Kultur, soweit man dies überhaupt so benennen kann. Denn „Gewalt sollte nicht Teil irgendeiner Kultur sein“, so ein Wunsch der Frauen. Es dürfe auch nicht sein, dass Religion als Privatsache in dieser Weise politisiert wird. „Die Probleme muss man offen in der Gesellschaft diskutieren.“ Es bleibt die Frage: „1979-2019: Europas Feigheit gegenüber dem Iran - 87 Frauen wurden vom gemäßigten iranischen Präsidenten Rouhani erhängt. Wo ist Europa? Wo sind die Feministinnen?“

 

Interessant zu wissen: Der Migrantinnen-Marsch, der mit seinem Zug durch die  Mönckeberg-straße große Aufmerksamkeit bekam, erfährt diese nicht entsprechend in der Berichterstattung der üblichen Medien. Den größten Raum bekommen hier sämtliche politkorrekte Initiativen. Zur beschriebenen Demo heißt es im Hamburger Abendblatt lediglich: FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein: „Wir begrüßen es ... ausdrücklich, wenn heute Migrantinnen in Hamburg für die Rechte von Frauen demonstrieren, die unter dem Diktat der Scharia leiden. Die Demonstrantinnen sind zum großen Teil selbst muslimischen Glaubens und bestens integriert", also Vorbild für viele. Und weiter: „In einer ersten verschickten Version des Statements hatte die Fraktionschefin noch deutlich härtere Worte gewählt, entschärfte diese aber kurz darauf in einer geänderten Fassung.“ Die Welt erwähnt den Migrantinnen-Marsch nicht. Aus der Reihe tanzt diesmal die FAZ, die das Problem erkannt hat und titelt: "Vom Frauen- zum Gendertag" - "Die Frauen müssen aufpassen, dass ihnen der Weltfrauentag nicht aus der Hand geschlagen wird. Denn es geht an diesem Tag längst nicht mehr nur um Frauen, sondern, wie in Hamburg, um 'Frauen, Lesben, nicht-binäre, trans und inter Personen', sprich: um Genderpolitik, in der die Gleichberechtigung der Frauen ein Punkt unter vielen ist – und nur, wenn am Ende nicht Gerechtigkeit, sondern Gendergerechtigkeit steht. Dagegen zu argumentieren, ist gerade für Frauen schwierig, weil es dann sofort hieße, man dürfe eine diskriminierte Gruppe nicht gegen die andere ausspielen. Die meisten Frauen in der Welt haben allerdings andere Probleme als die identitätspolitischen Komplexe westlicher Intellektueller..." !

 

Siehe auch zur Radikalisierung im Iran: "Massenmörder und Folter-Fan" - "Im Iran wurde Ebrahim Raisi (58) zum Chef des Justizsystems ernannt. Raisi solle einen Wandel herbeiführen, der den 'Erfordernissen, Fortschritten und Herausforderungen' im 40. Jahr der islamischen Revolution entspreche", erklärte Khamenei. AußerdemHeiratsantrag in einer Einkaufspassage im Iran ist „unmoralisch und unislamisch“. Das Paar wurde festgenommen. „Auf Kaution kamen beide bis zum Gerichtstermin vorläufig frei. Bis dahin wird es keine Hochzeit geben. Traditionell werden im Iran Heiratsanträge von den Eltern des Mannes bei den Eltern der Frau gemacht, die dann die Entscheidung treffen. Seit Jahrzehnten wird dieser Brauch jedoch von vielen jungen Paaren besonders in den Großstädten nicht mehr ernst genommen.“ Und: "Iranische Menschenrechtlerin Sotudeh zu sieben Jahren Haft verurteilt."


5.3.2019

Migrantinnen: „Absage an die Gewalt“

Hamburger Protestmarsch am Internationalen Frauentag

 

Es gibt schon Zugewanderte aus patriarchalischen Ländern, die sich erreichen lassen.  Jedenfalls im Rahmen des Projekts „SwitchMind“ des Integrationsvereins „Kulturbrücke Hamburg“. „Wir sprechen die Bewohner in den Unterkünften direkt an und vermitteln ihnen: Wenn es euren Frauen gut geht, weil sie angstfrei und gleichberechtigt leben können, dann profitiert auch ihr von der verbesserten Lebensqualität“, erläuterte die Vorsitzende der Kulturbrücke und Initiatorin von „International Women in Power“, Hourvash Pourkian, bei einer Pressekonferenz zur Ankündigung des Migrantinnen-Marschs am 8. März. Einige Zugewanderte lassen sich von der gebürtigen Iranerin, die seit 1975 in Hamburg lebt, überzeugen. Wieder manche von ihnen mögen anschließend als Multiplikatoren in ihrem Umfeld im emanzipatorischen Sinne wirken. Es sind jedenfalls ein paar Tropfen auf den heißen Stein.

 

Migrantinnen-Marsch in Hamburg

 

Zusammen mit der „Initiative an der Basis“ ist der Beitrag der engagierten Frauen zum Internationalen Frauentag am 8. März, zusammen mit Migrantinnen und interessierten Frauen ohne Migrationshintergrund durch Hamburg zu marschieren. Treffpunkt ist am kommenden Freitag um 15 Uhr am Gänsemarkt. Nach diversen Redebeiträgen geht es ab 16 Uhr zu einer Kundgebung auf den Rathausmarkt. Für 16:30 Uhr ist der Weitermarsch zum Jungfernstieg geplant, wo um 17 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet. Der Protestmarsch richtet sich gegen Unterdrückung und Gewalt. Das Motto: „Gleichberechtigt, selbstbestimmt, frei“ für die Rechte von Frauen und Mädchen. Die Forderung nach gleichen Rechten konkretisiert sich wie folgt: Trennung von Staat und Religion sowie ein Stopp der islamischen Scharia, der Verheiratung Minderjähriger, der Zwangsverschleierung, der Verfolgung von Nicht-Muslimen, der Zwangsprostitution, der Zusammenarbeit mit dem politischen Islam und der Hinrichtung von Homosexuellen und politischen Gefangenen. Offene Unterstützung gibt es für die Petition „Den Kopf frei haben“ von Terre des Femmes für ein gesetzliches Verbot des „Kinderkopftuchs“ im öffentlichen Raum und insbesondere in Ausbildungsinstitutionen für minderjährige Mädchen.

 

Der solidarische Fokus liege dieses Jahr auf iranischen, afghanischen und kurdischen Frauen. Sie sind „seit Jahrzehnten nur halb so viel wert wie ein Mann und werden auch in unserer deutschen Gesellschaft in ihren Rechten verletzt“, zitiert der Einladungsflyer außerdem Amnesty Interna-tional: „Die Scharia ist nach der iranischen Verfassung die Quelle allen Rechts. Seit 2015 ist es Männern im Iran erlaubt, ihre Adoptivtöchter ab 13 Jahren zu heiraten. Sogar unter 13 können Mädchen mit rechtlicher Erlaubnis verheiratet werden.“ Das gesamte Zusammenleben scheint in dem Land vergiftet zu sein. Viele, die einstmals für Ajatollah Chomeini stritten, leiden heute  an Depressionen. Ganz zu schweigen von barbarischen Steinigungen an Homosexuellen oder Ehebrecherinnen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte erläutert an dieser Stelle den „gesetzmäßigen“ Ablauf der Steinigung. Aus Rücksicht auf sensible Gemüter wird hier nicht daraus zitiert. Auszüge aus den Strafgesetzen der Islamischen Republik Iran sind dort gelistet.

 

Iran vor der weggefegten Emanzipation

 

„Man kann es sich kaum noch vorstellen, aber als Jugendliche bin ich im Iran noch im Bikini Motorrad gefahren“, erzählte Hourvash Pourkian: „Und heute darf man noch nicht mal verschleiert Fahrrad fahren.“ Die Hippie-Zeit hatte die Diplom-Betriebswirtin in ihrer Heimat noch auf ganz westliche Art ausleben können, geht aus einem Artikel vom Sommer 2018 bei der Zeitschrift Emma hervor (hier gänzlich eingestellt). Dort verriet sie ihre Prognose zur möglichen Entwicklung im Iran: „Wenn Europa sich Trump anschließt und auch aus dem Atom-Deal aussteigt, dann ist es in einem Jahr mit dem Regime vorbei. Sie konnten sich bisher nur mit den Milliarden von Obama weiterfinanzieren.“ Das tägliche menschenverachtende Trump-Bashing, insbesondere von deutschen Journalisten, von Politikerinnen jenseits von Gut und Böse sowie von entrückten Karnevalisten macht solche Hoffnung wohl zunichte. Die gemeingefährlich abgedriftete deutsche Gesellschaft erarbeitet sich lieber Fleißpunkte bei islamischen Regimes.

 

Nachdem Ajatollah Chomeini als Staatsoberhaupt seit 1979 „ein brutales Regime“ in Form eines „Gottesstaats nach islamischem Recht“ eingeführt hat, wie es in diesem Text von 2009 heißt, radikalisiert sich die Männerdominanz immer noch weiter. In der Presseinformation der International Women in Power liest man: „Mit großer Besorgnis beobachten wir seit Jahrzehnten die schwindende Freiheit von Frauen und Mädchen in der islamischen Welt, aber zunehmend auch in Europa. Während hier in Deutschland  das Kopftuch sogar als ein Zeichen der femininen Selbstbestimmung gefeiert wird, landen Aktivistinnen, die im Iran ohne Kopftuch auf die Straße gehen, im Gefängnis.“ Das Kopftuch komme ganz klar aus dem patriarchalischen System und diene der Kontrolle über die Frau, begründete Pourkian nochmals ihre Fürsprache für die Petition von Terre des Femmes auch mit dem Hinweis, dass für Mädchen im Iran bereits ab dem achten Lebensjahr das Kopftuch ein Muss ist. 

 

Frausein als Ordnungswidrigkeit

 

Ältere Geschlechtsgenossinnen setzen die Mädchen zum Teil auch hier unter Druck. Wenn die Kinder kein Kopftuch aufsetzen, würden sie von erwachsenen Muslima diskriminiert und „richtig angemacht“. Man müsse hier, zum Beispiel bei Elternabenden, gegen diese Zwänge streiten. Die Kulturbrücke setzt dabei auf lösungsorientierten Dialog und Aufklärung. Bezüglich der Persönlichkeitsentwicklung der zugewanderten Mädchen muss man geduldig sein, so Rebecca Sommer von der Initiative an der Basis: „Wir betreuen sehr viele Mädchen, deren „Onkels“ die Vormundschaft haben. Anfangs sagen die zwangsverheirateten Mädchen noch, sie wollen mit ihren Ehemännern zusammen sein.“ Wenn es gelingt, sie für einige Monate lang etwa mit Hilfe des Jugendamts zu separieren, dann ändern sie ihre Einstellung: „Die Mädchen realisieren schließlich, welche Möglichkeiten sie außerhalb der Ehe sonst noch haben.“

 

Weitere zur Pressekonferenz geladene Migrantinnen erzählten vom Alltag im Iran: Schon wenn eine Frau, trotz Verschleierung, mit Hund im Park spazieren geht, dann fällt sie auf und begeht damit eine Ordnungswidrigkeit. Sittenpolizisten und Religionswächterinnen patrouillieren ständig. Wenn eine „auffällige“ Frau in den Streifenwagen zitiert wird, dann komme es dort sehr häufig zu Vergewaltigung. Wer nicht Freiwild sein will, bleibe am besten zuhause, ist vielfach die Devise. Oder geht studieren. Das nämlich ist erlaubt und für junge Frauen die einzige Möglichkeit, aus dem Haus zu kommen und nebenbei Zeit zu schinden vor der Heirat. Das sei auch der Grund für den hohen Frauenanteil an iranischen Unis. Arbeitslos blieben viele dann nach dem Studium trotzdem. Ohnehin sei man nicht frei in der Berufswahl. Fahrradfahren in der Öffentlichkeit ist Frauen seit November 2017 (!) offiziell verboten.  

 

„Ich entwickle enorme Ängste“

 

Die Damen machten in der Pressekonferenz ihr Unverständnis darüber deutlich, was hierzulande inzwischen alles erlaubt ist. Letzten Oktober zum Beispiel seien etliche Anwohner entsetzt gewesen, als sie auf einem zentralen Platz in Hamburg mit den öffentlich zelebrierten, blutigen Selbstgeißelungen im Rahmen des Aschura-Festes konfrontiert waren. Bei Wikipedia liest man dazu: „Das deutsche Bundesland Hamburg erklärte 2012 Aschura – und gleichzeitig das Opferfest und das Fest des Fastenbrechens zum Ende des Ramadan – zu Feiertagen. Damit waren diese Feiertage dem Reformationstag, Fronleichnam und dem Buß- und Bettag gleichgestellt.“ Das Stadtportal hamburg.de als offizielle Internetpräsenz für die Freie und Hansestadt Hamburg kündigt auf seiner Website für September 2019 an: „Die Aschura-Rituale finden entsprechend in den ersten zehn Tagen dieses Monats statt.“ Dazu gehören „öffentliche Prozessionen, in denen die Teilnehmer sich auf die Brust schlagen oder sich selber geißeln“. Gelebte Toleranz im 21. Jahrhundert ist vor allem gewalttätig. 

 

Für Elli Alibek, zuständig für Public Relations bei der Kulturbrücke, ist es „unglaublich, was hier passiert“: „Ich entwickle enorme Ängste und wenn man das ausspricht, wird man in Deutschland sofort als AfD-Anhängerin stigmatisiert“, zeigte sie sich sichtlich schockiert. Die Kultur, die sich hier zunehmend breit macht, ist in der Tat monströs. Bei Auspeitschungen etwa steht die Vorgabe über allem, dass solange gepeitscht wird, bis der Knochen zu sehen ist. „Ob die ausgepeitschte Person dabei stirbt, ist egal.“ Wer sich über diese Praxis beschwert, wird bedroht. Mit Blick auf frühere Sanktionen gegen Südafrika blieb die Frage unbeantwortet im Raum, wieso nicht ebenfalls Länder, die derartige Menschenrechtsverletzungen begehen, sanktioniert werden. Letztlich wollen die Mitstreiterinnen der Kulturbrücke und der Initiative an der Basis schlichtweg die im Grundgesetz fixierten demokratischen Werte verwirklicht wissen: „Wer zu uns kommt, muss diese Werte respektieren. Es gibt Pflichten und Rechte.“ Dazu passe nicht, wenn Geistliche in Moscheen die Scharia propagieren oder „islamische Leute die Demokratie ausnutzen“. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, so Pourkian, sondern die Vielfalt an Sprachen und Kulturen – unter humanitärer und gewaltloser, die Freiheit schätzender Sicht. 

 

Hinweis: Vor zwei Jahren gab es einen ähnlichen Marsch in Hamburg, der unter anderem von der Schura boykottiert und von der Presse negativ begleitet wurde – wegen der Kopftuchkritik. Pourkian wurde damals aufgefordert, die Frauenrechtlerin Necla Kelek wieder auszuladen. Dem hat sie sich verweigert. Über die Reaktionen auf den diesjährigen Marsch wird nachberichtet. 

 

Siehe auch zum Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) in Verbindung zur Schura: "Propagandazentrum des Iran: Behörden warnen vor Islam-Verein - Hamburg bleibt stur ... IZH ist in zentralen islamischen Dachverbänden vertreten, um sich dort in führender Position seinen Einfluss zu sichern: In Hamburg im 'Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg' (Schura), auf Bundesebene im 'Zentralrat der Muslime in Deutschland' ... Senat hat einen Staatsvertrag mit einer aus dem Ausland gesteuerten Institution geschlossen, die nach einhelliger Meinung von Bundesregierung und Verfassungsschutz eine Ideologie verbreitet, die nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar ist, und zudem das Ziel verfolgt, selbige mittels einer islamischen Revolution zu beseitigen. Obwohl sich diese Institution nun wiederholt an antisemitischen Kundgebungen beteiligt, sieht der Senat keinen Anlass für eine Intervention." (!)

 

Siehe außerdem Kontraste: "Gefährliche Iran-Politik - Wie die Bundesregierung sich bei den Mullahs anbiedert": ... "Man will den Iran anscheinend nicht verärgern ... und zur Revolutionsfeier in der iranischen Botschaft in Berlin erscheint der Staatsminister Nils Annen persönlich. Und das, obwohl Irans Führung unverhohlen mit der vollständigen Vernichtung Israels droht." Der Wehrbeauftragte a.D. Reinhold Robbe (SPD): "Hier tut man so, sowohl in Brüssel als auch in Berlin, als wenn wir es hier mit redlichen und demokratisch und rechtsstaatlich eingestellten Partnern zu tun haben. Das ist mitnichten der Fall."