4.4.2019

Wahnwitz des Tages

 

"In Großbritannien hat ein Sachbearbeiter des Innenministeriums den Asylantrag eines iranischen Christen mit der Begründung zurückgewiesen, das Christentum sei nicht friedlich, sondern blutrünstig." Bezug: Altes Testament. Nach heftiger Kritik wird der Fall erneut geprüft.


1.4.2019

Politkorrekte Gebete

 

Das war mein allerletzter Veranstaltungsbesuch bei der zeitgeisthörigen Gesellschaft. Die Leute sind nur noch zwanghaft in ihrem Drang, politkorrekte Glaubensbekenntnisse unterzubringen – auch dort, wo das thematisch mindestens fragwürdig ist. Es ging um Toleranz und Religion. Eingeladen hatte ein christlicher Verein. Der vortragende Theologe nach einem Beispiel: Er würde ja nie (Betonung auf nie) zu jemandem sagen: Deine Meinung ist mir widerwärtig – um dann inne zu halten und mit introvertiertem Augenschwenk zu ergänzen: „Es sei denn, wenn ich mit einem Faschisten rede.“ Sicher richtig. Und was ist mit den kommunistischen Diktatoren in Nordkorea, das auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex steht und Christen als „feindselige Elemente“ betrachtet? Ein weiteres Beispiel musste dann unbedingt – fernab der Thematik – mit einem verächtlichen Hinweis auf Kritiker der Klimapolitik umschmückt sein. Die glaubten ja, „böse Meinungsmacher“ würden sich das alles nur ausdenken. Wie es um Sachlichkeit und freundliche, tolerante Zugewandtheit des Marburger Theologen in einer Stresssituation bestellt ist, zeigte sich dann auf meine Frage nach einer Definition von Religion in Abgrenzung zur politischen Ideologie. Direkt im Anschluss fuhr ich zum Saturn, um mir endlich einen kabellosen Staubsauger zu kaufen. Der normale sachgerechte Austausch mit dem netten Verkäufer hat mir vergleichsweise so gut getan, dass ich dort eine Extrarunde Probestaubsaugen drehte. 

 

Der Weltverfolgungsindex stammt übrigens vom christlichen Hilfswerk Open Doors. Die Trivialisierung der Christenverfolgung betreiben zum Beispiel die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – geht aus der „Kritik an Methoden und Ergebnissen des Weltverfolgungsindex“ bei Wikipedia hervor. Vor drei Jahren gab es außerdem Angriffe auf die Seriosität einer Studie von Open Doors zu Übergriffen auf christliche Flüchtlinge in hiesigen Asylunterkünften. Die Artikel dazu vom 12.5.2016, vom 31.5.2016, vom 15.7.2016  und vom 17.10.2016 finden sich auf dieser Website. Interessant sind die Ausführungen des Open Doors-Chefs Markus Rode bei der Bundestagsanhörung zum elften Menschenrechtsbericht am 6. Mai 2015. Seine Beiträge im Video: Minuten 24:10 bis 32:43, Minuten 1:04:03 bis 1:10:48, Minuten 2:17:57 bis 2:27:30 und Minuten 2:49:55 bis 2:52:06. Er meinte etwa: „Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass man an dieser Stelle versucht das Ganze niedrig zu halten, dass man versucht, diese ganze Thematik der Konfrontation zwischen Religionen komplett auszublenden, damit das Ganze nicht noch mehr zündelt.“ Nur denen, die es konkret betrifft, sei damit nicht geholfen. Bei der Anhörung zum zwölften Menschenrechtsbericht am 22. März 2017 war Rode dann nicht mehr als Sachverständiger geladen. Die Anhörungen finden zweijährlich statt; die nächste in einigen Wochen. 

 

Präventiv kann es nicht schaden, das Video der Anhörung zu sichern. 


29.3.2019

Religion für Kampfschrift missbraucht

 

Da bleibt einem echt die Spucke weg: Sogenannte „Forscher“ geben sich – laut Onlinemagazin idea „im Auftrag der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung“ – dafür her, „politischen Entscheidungsträgern“ ein Pamphlet  zum Thema „Religion und Rechtspopulismus“ an die Hand zu reichen, das vor plumpen Unterstellungen strotzt vom Anfang bis zum Ende. Belege fehlen. Die „Argumentation kompakt“ zeichnet sich dadurch aus, politisch Andersdenkenden kurzer-hand pauschal Glauben und religiöse Bindung abzusprechen: „Rechtspopulisten nehmen das Christentum primär aus strategischen Gründen in Anspruch.“ Die „Forscher“ folgern: „Wer Politik aus christlicher Verantwortung heraus gestalten will, sollte die identitätspolitische Falle, in die Rechtspopulisten die Religion stoßen wollen, tunlichst vermeiden.“ Zuletzt wird Christen dann angeraten, was sie zu tun haben, um als solche ernst genommen zu sein: „Christliche Identität zeichnet sich heute vornehmlich darin aus, im Namen der eigenen Vielgestalt sowie der historisch erbrachten Differenzierungsleistungen jeder rechtspopulistischen Identitätspolitik mitsamt ihren simplen Polarisierungen entgegenzuwirken.“ Linkspopulistische Politik soll also Religion ersetzen. Man kann sich das Ding als sensitiver Mensch kaum in Gänze antun. Es ist menschenverachtend, den Bereich höchstpersönlicher religiöser Bindungen und Empfindungen für eine durchsichtige politische Kampfschrift zu instrumentalisieren.