7.12.2019

Geistliche Nahrung zum 2. Advent…

 

…heute für jene, die es nicht gut getroffen haben, entweder mit ihrem originären Umfeld oder später im Leben; für jene, die sich vielleicht von Vertrauenspersonen verraten und verkauft sehen, die als Symptomträger innerhalb eines niederträchtigen Systems als Angriffsfläche für Aggressionen respektive für subtilere Abschätzigkeiten missbraucht oder mit aller Gewalt und trotz evident gegenteiliger Faktenlage in die Rolle der Unzulänglichen gedrängt werden von denen, die sich als Täter und Mitspieler schuldig machten und weiterhin machen: Man darf solche giftigen Gebilde, welche immer es auch sind, verlassen und wird sogar dazu aufgefordert: etwa im Markusevangelium 6, 7-13: „Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.“ Hintergrund Via Matthäus 7, Vers 6 ist überliefert: „…eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen ... und euch zerreißen.“ 

 

Die Sache ist damit freilich nicht erledigt. Denn die Herausforderung ist: sich alles zum Besten dienen zu lassen, ganz gleich, wo man nach den womöglich Jahrzehnte lang andauernden Demütigungen oder Irrungen und Wirrungen steht. Diese Predigt zur Josefsgeschichte erläutert dazu: „…dass Gott für die Seinen die Hand im Spiel hatte und einen Sinn draus gemacht hat aus allen wirren Fäden…“ Im 1. Mose, 50, 20 heißt es entsprechend: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen…“ Auf literarischem Wege hat es Christa Spilling-Nöker so formuliert: „Manchmal stellt sich mir mitten am Tag ein Engel in den Weg, an dem kein Vorbeikommen ist. Unsichtbar durchkreuzt er all meine Pläne und zwingt mich, eine andere Richtung einzuschlagen. Erst sehr viel später vermag ich zu sagen: Gott sei Dank.“ Man muss bei diesem Gedankenspiel nicht gleich radikal werden und alles auf jede nur erdenkliche Situation beziehen. Aber eine sinnvolle Aufgabe bis Weihnachten könnte sein: Erlebnisse, bei denen einem übel mitgespielt wurde, im Rückblick betrachten und nachvollziehen, ob längerfristig gesehen genau daraus sogar auch Vorteile erwachsen sind. Also: was hätte ich heute nicht oder wo wäre ich heute nicht, wenn mir das damals nicht genau so widerfahren wäre? 

 

Wer möchte, kann morgen die zweite Adventskerze anzünden und gleich damit anfangen. In der Zielsetzung darf man sich gerne nach Dietrich Bonhoeffer bescheiden: „Es kommt wohl nur darauf an, ob man dem Fragment unseres Lebens noch ansieht, wie das Ganze eigentlich angelegt und gedacht war und aus welchem Material es besteht. Es gibt schließlich Fragmente, die nur noch auf den Kehrrichthaufen gehören und solche, die bedeutsam sind auf Jahrhunderte hinaus, weil ihre Vollendung nur eine göttliche Sache sein kann, also Fragmente, die Fragmente sein müssen – ich denke zum Beispiel an die Kunst der Fuge. Wenn unser Leben auch nur ein entfernter Abglanz eines solchen Fragmentes ist, in dem wenigstens eine kurze Zeit lang die sich immer stärker häufenden, verschiedenen Themata zusammenstimmen und in dem großen Kontrapunkt vom Anfang bis zum Ende durchgehalten wird, … dann wollen wir uns auch über unser fragmentarisches Leben nicht beklagen, sondern daran sogar froh werden.“


30.11.2019

Geistliche Nahrung zum 1. Advent

 

Das ist mal ein schön zu lesender Text für den morgigen 1. Advent: Er stammt von einer Nonne aus dem Benediktinerinnenkloster St. Hildegard und geht ums „wirklich zuhause sein im Zuhause, in mir selbst zuhause sein“, um ganz wach den Augenblick zu leben. Die Autorin ist „an dem kleinen Platz im Kloster“ hingestellt worden und schreibt: „Unser Kloster hat viele Gitter. Sie fallen auf, stören manche. Sie sind nicht dazu da, um uns einzusperren. Wir können durch das Tor hinausgehen. Eher bieten sie einen gewissen Schutz, wie auch die Klausur, der abgegrenzte Bereich der Sammlung und Ruhe dienen soll. Aber durch die Gitter hindurch nehmen wir trotzdem Anteil am öffentlichen Leben, indem wir uns informieren und versuchen, die Zeichen der Zeit für unser Leben zu deuten, oder für andere zu bitten, dass sie die Zeichen der Zeit in ihrem Leben verstehen.“ Das Gebet von Silja Walter, an dem sich der Beitrag entlang hangelt, ist am Textende in Gänze eingestellt: „Jemand muss dich erwarten … Jemand muss dich kommen sehen … durch die Gitter deiner Worte, deiner Werke, ... durch die Gitter des Geschehens … Zuhause sein also, um dich kommen zu sehen … Wachen ist unser Dienst, wachen. Auch für die Welt. Sie ist oft so leichtsinnig … Denkt sie daran, dass du kommst? … Jemand muss es glauben, zuhause sein um Mitternacht, um dir das Tor zu öffnen und dich einzulassen ... Und jemand muss dich aushalten, dich ertragen, ohne davonzulaufen.“ 


7.11.2019

„Graue Eminenz“ stützt Salvini

 

Ein Affront gegen Papst Franziskus oder ließ er sich einfach nur von der Ermunterung unserer Bundeskanzlerin, seine Meinung zu sagen, inspirieren? Der 88-jährige Camillo Ruini, italienischer Kardinal, Erzbischof und Vertrauter Benedikts XVI., ist seit 2008 im Ruhestand, gilt laut FAZ aber noch „als graue Eminenz der katholischen Kirche des Landes“. Eben jener gab gerade dem „Corriere della Sera“ ein „explosives Interview“ – aus heutiger explosionsbereiter Perspektive; früher wäre das als normale Meinungsäußerung durchgegangen. Ruini meint schlichtweg: Es gebe auch eine Kirche, die bei dem Ex-Innenminister Matteo Salvini ist. Er teile nicht das rein negative Bild von ihm. Salvini habe noch Perspektiven vor sich, er müsse aber reifen und daher erscheine der Dialog der Kirche mit ihm als Pflicht. Die Nächstenliebe gelte. Probleme, die Migrationen heute mit sich bringen, seien aber nicht zu unterschätzen. Im Übrigen verliere der linke politische Katholizismus an Bedeutung. Die fortschreitende Entchristianisierung, auch in Italien, fordere dazu auf, innerhalb der Kirche Gegenkräfte zu mobilisieren. Bis dato sei jedenfalls – aus Mangel an Voraussetzungen – nicht der Zeitpunkt gekommen, um eine katholische Partei zu gründen. Salvini dankte dem Kardinal für die „Worte, die zur Konfrontation, Offenheit, Reflexion und Begegnung einladen“ und ergänzte: „Italien ist entweder Christ oder nicht. Es ist eine Sache, diejenigen willkommen zu heißen, die vor dem Krieg fliehen, eine andere, so zu tun, als gäbe es in Italien Raum, Heimat und Arbeit für alle, was aber nicht da ist und zur Konfrontation führt.“ Die Positionen der Lega-Partei wie etwa Recht auf Leben und Schutz der Familie stünden absolut fest.                                            Übersetzungshilfe


1.+2.11.2019

Allerheiligen+Allerseelen: Musik zum Eintauchen


2.9.2019

Hörenswertes zur Wahrheit

 

Die unselige Praxis der Relativierungen selbst evidenter Fakten fußt auf ideologischen Lehren wie dem Sozialkonstruktivismus. Dagegen gab es gestern in einer Predigt eine charmante Wider-rede: Dort, wo man bequemerweise mit „deine Wahrheit“ und „meine Wahrheit“ hantiert, müsse es eigentlich darum gehen ganz klar festzustellen, wer recht und wer unrecht hat. „Wahrheit wird nicht erschaffen, sondern entdeckt … Wir müssen erkennen, dass die Dinge entweder wahr oder falsch sind … Die Wahrheit ist die Wurzel der Stabilität unserer Gesellschaft. Es gibt nicht Ihre Wahrheit und meine Wahrheit.“ Vielmehr ginge es den Leuten häufig darum, die Wahrheit zu umgehen. „Sie wollen es nicht wissen.“ Gerne nachzuhören ab Minute 12:07 in dieser Videosequenz (rechts unter dem Reiter "Video" den Unterpunkt "Predigt" anklicken).


30.8.2019

Politisierte Religionen: wozu?

 

Es wäre schon angebracht zielgerichteter darüber zu debattieren, inwiefern man hierzulande eine Mixtur von Religion und Politik weitertreiben oder lieber begrenzt wissen will. Die Klüngelei der christlichen Kirchen mit Sea Watch & Co. ist schon fragwürdig genug. Auch auf muslimischer Seite wirbt man inzwischen ganz offen für die Verzahnung mit politischen Akteuren, wie zum Beispiel in dieser Stellenausschreibung ersichtlich ist: „Für die Muslimische Akademie Heidelberg i. G. (MAHD) suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Projektleitung (m/w/d) für das Projekt ‚Aus dem Glauben heraus?! Politische Bildung in muslimisch-konfessioneller Trägerschaft‘ in Vollzeit.“ Zur Stellenbeschreibung: „In jüngster Zeit sind zahlreiche muslimische Bildungsinitiativen entstanden, die sich in der politischen Bildungsarbeit verorten. Diese haben ein großes Potential als Multiplikatoren in die muslimische Community, welche bisher von der politischen Bildung nur schwer erreicht wird, zu fungieren. Hierfür ist das Feld der neuen muslimischen Akteure der politischen Bildung gezielt zu entwickeln.“ Zu den Aufgaben gehört, „muslimische Akteure der politischen Bildung zu stärken und im Feld der politischen Bildungsarbeit zu etablieren“. Ob das ausgeschriebene Profil den Anforderungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) entspricht, wird hier nicht weiter erörtert: „Sie sind eine dynamische und starke Persönlichkeit muslimischen Bekenntnisses, nicht über 34 Jahre alt, haben einen Migrationshintergrund…“

 

Die Website der „Initiative Heidelberger Muslime“ ist recht nett gestaltet und mit einigen Aussagen, etwa zur Kritik an der maßlosen Konsumgesellschaft, kann man gerne konform gehen. Beim Beitrag „Re-Thinking Islam…“ kommt wohl manch einer dann doch ins Grübeln: „Verstärkt wird es auch um die städtebauliche Verortung der MAHD gehen – mit dem Ziel, im Rahmen der IBA Heidelberg bis 2022 einen Bau zu realisieren.“ Präsentiert wurde der Plan bereits im vergangenen Jahr und zwar Dr. Michael Blume aus dem Staatsministerium Baden-Württemberg, dem Architekten der Moschee in Penzberg, Alen Jasarevic, Dr. Mounir Azzaoui von der Stiftung Mercator und Christoph Müller-Hofstede von der Bundeszentrale für politische Bildung. Die wachsende Initiative versteht sich übrigens als „Graswurzelbewegung“ und bekam bereits einen Preis in Höhe von 3.000 Euro vom Bündnis für Demokratie und Toleranz überreicht: im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer, im Beisein des Oberbürgermeisters. Zu ihren Kooperationspartnern zählen unter anderen die Evangelische Landeskirche in Baden, die Evangelische Akademie Bad Boll, das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Über solch mächtige wie finanzstarke Lobby würde sich die eine oder andere Senioreninitiative, die in der Diskriminierungshierarchie inzwischen auf den untersten Plätzen um Aufmerksamkeit ringen, sicherlich auch freuen.


21.6.2019

EKD: Aktivismus in Dortmund

 

Beim hippigen Polit-Event unter dem irreführenden Label „Deutscher Evangelischer Kirchentag“ stehen bekanntlich schon längst nicht mehr überlieferte christliche Glaubensinhalte und existenzielle Sinnfragen im Vordergrund. In Dortmund geht es gerade um Klimawandel, um den „neuen Konservatismus“ oder um Seenotrettung. „Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wird mit dem Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, am Donnerstag über die Seenotrettung im Mittelmeer diskutieren“, so evangelisch.de zur gestrigen Veranstaltung. Bedford-Strohm (SPD) benutzte in diesem Sinne das Podium für seine persönlichen fragwürdigen Beziehungen.

 

Einen aufgeklärten Anstrich gibt man sich mit dem Workshop „Vulven malen“. Über die sexistische Reduktion von Frauen auf das Geschlecht, die nicht zuletzt den Werberat regelmäßig auf den Plan ruft, regt sich in diesem Kontext plötzlich keiner der Dauerempörten mehr auf. Die Heuchelei komplettiert Katrin Göring-Eckardt (Grüne) in sichtlicher Einmütigkeit mit dem ZDF: „Kein Podium für Hetze“ zum Ausschluss von AfD-Vertretern, während sich der Kirchentag zuerst mit einer Duldung von radikalen Antisemiten auf seinem Gelände durchmogeln wollte.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Hass und Hetze aus der linksextremen Szene für Spaltung sorgt. In der Dokumentation zum Kirchentag 1989 in Berlin etwa steht: „Ein geplantes Podiums-gespräch konnte allerdings erstmals in der Geschichte des Kirchentages nicht wie geplant durchgeführt werden, weil die Toleranz gegenüber der Meinung Andersdenkender und die Bereitschaft zum Zuhören fehlte: Am 10. Juni sollte ... unter dem Titel 'Menschenrechte sind unteilbar' ein Gespräch u. a. mit einem Vertreter der 'Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte' (IGFM) stattfinden. Kritiker aus dem Kreis der Lateinamerika- und Südafrika-Solidaritätsgruppen, die der IGFM vorwarfen, sie sympathisiere mit dem südafrikanischen Apartheid-System und mit den nikaraguanischen Contras, besetzten das Podium und erzwangen den Abbruch.“ Kritik am aktuellen theatralischen Spektakel ist nur leise vernehmbar. Etwa vom kirchenpolitischen Sprecher der FDP Stefan Ruppert, der dem Kirchentag „grüne Einseitigkeit“ vorwarf. Viel zu wenig, um dieser institutionellen Irreführung entgegenzutreten. Es muss auch um die Sinnhaftigkeit der Ökumene gehen, wenn sich Teile davon politisch radikalisieren.

 

Nachtrag: Tabea und Lea waren beim "Vulven malen". Motivation für ihre Teilnahme: "Penisse sieht man eigentlich überall ... aber Frauen werden fast nie mit ihrem Geschlecht gezeigt." (?)

 

Nachtrag vom 15.7.: "Nur massive Kritik verhindert im letzten Moment die Einladung von BDS-Aktivisten zum Evangelischen Kirchentag - Auf dem Ticket der Linkspartei-Stiftung sollten ursprünglich zwei besonders antisemitische BDS-Referenten auf dem" Kongress reden.

 

Nachtrag vom 13.8.: EKD: "Nur mehr 3 Prozent besuchen den Gottesdienst am Sonntag, jetzt legt eine eigene Studie den Gemeinden nahe, die Gottesdienst abzuschaffen."

 

Weitere Aussagen von Kirchenvertretern in anderen Kontexten

 

4.8.: "Bischof hält Anti-Israel-Rede ... Am 1. August sprach Hans-Jürgen Abromeit auf der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz ... Laut Abromeit würden die Deutschen sich zu sehr mit Israel solidarisieren – und achteten deswegen zu wenig auf 'palästinensische Sicherheitsinteressen'. Wegen des 'historischen Schuldbewusstseins' der Deutschen gebe es eine Überidentifikation mit dem Staat Israel ... Dass aus dem Gaza-Streifen immer wieder Raketen von militanten Palästinensern auf israelische Städte abgefeuert werden, ist für den evangelischen Würdenträger dagegen offenbar nicht so wichtig. Auch die Vernichtungsdrohungen islamistischer Terrorgruppen, sämtliche Juden auszurotten, waren für den Bischof offenbar kein Grund, Verständnis für israelische Sicherheitsinteressen aufzubringen." 

 

13.9.: "Die katholischen Bischöfe in Deutschland und Papst Franziskus stehen vor einem handfesten Konflikt. Es geht um den Umgang mit gleich vier Themen: Macht, priesterliche Lebensform, Sexualmoral – und Frauen ... gab Franziskus durch die Blume zu verstehen, dass er die Kirche in Deutschland in der Gefahr sieht, sich auf der Suche nach Reformen dem 'Zeitgeist anzupassen und sich 'von der Weltkirche zu trennen'." 

 

15.9.: "Streit über 'Synodalen Weg': Marx weist römischen Kardinal in die Schranken ... Nicht gelten lassen will Marx den Verdacht, die Bischöfe ignorierten über der Beschäftigung mit Themen wie Macht, Frauen, Sexualmoral und Lebensform der Priester ihre eigentliche Aufgabe." Deutlicher beim Focus: "In einem Gutachten lässt der Vatikan kaum ein gutes Haar am geplanten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland ... Einen ersten Warnschuss aus Rom gab's schon im Sommer: Da warnte Papst Franziskus die deutschen Glaubensbrüder und -schwestern in einem Brief vor Alleingängen." Dass Papst Franziskus selbst von der katholischen Lehre abweicht kritisierten zu Ostern traditionelle Gläubige mittels einer Petition.

 

27.9.: Tagesschau.de frohlockt, dass sich die deutschen Bischöfe gegen die Mahnung aus Rom stellen. Kein Wort davon, dass es auch inländische Kritik an der Abkehr der Traditionen gibt. 


19.6.2019

Test des Tages

 

Das christliche Medienmagazin idea bringt eine Pro-Kontra-Gegenüberstellung zum Thema: „Paktiert die evangelische Kirche mit dem links-grünen Zeitgeist?“ Testfrage: Wer von den beiden – der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai und der Kulturbeauftragte des Rates der EKD – argumentiert hier inhaltlich-konstruktiv und wer populistisch-destruktiv?


3.5.2019

„Nichts für Menschenfreunde“

 

Der schauerliche Empörungsritt über die Spenden für den Wiederaufbau der Pariser Notre Dame scheint den vorgeblichen Moralisten schon wieder langweilig geworden zu sein. Man tanzt wohl bereits auf der nächsten Luftblase herum. Dass sogar Pfarrer keinerlei tiefere Bindung an das religionshistorische Zeugnis verspüren ist deprimierend. Umso positiver sticht eine aktuelle Analyse der Welt in Auge und Herz: „Die anhaltende Spendenbereitschaft für dieses sakrale Gebäude besagt, dass Empathie eben viele Gesichter hat. Ein gefährdetes Kulturgut dieser Dimension ist eben nicht nur ein Gebäude, sondern eine Idee, ein Monument, ein Wahrzeichen, eine Erinnerung wie kaum eines auf der Welt, was seine Schönheit als auch seine Verletzbarkeit anbelangt.  Es weckt tiefe Gefühle und Trauer auch in laizistischen Gesellschaften, ohne dass derart empfindende Menschen die anderen Probleme der Welt ignorieren würden. Wer ihnen dies unterstellte, erwies seiner Sache einen Bärendienst, denn Kunstfeindschaft ist nichts für Menschenfreunde.“ Die heuer vorgeblichen „Menschenfreunde“, stets hoch zu Ross mit Schild und Schwert gegen jede christliche Regung – „Also, nieder mit der Religion, es lebe der Atheismus“, schallt es immer noch nach –, diese Menschenfreunde reagieren auf den Beitrag zum Beispiel so: „Gibt schlimmeres als eine Kirche die abfackelt, Geschichte hin oder her“ oder so: „Ich kann auch etwas spenden, naehmlich einen 5 Liter Kanister mit Benzin.“ Was will man noch mit solchen Leuten anfangen respektive was kann man von ihnen erwarten? Laut Polizei soll ein Kurzschluss die Ursache für den Brand in Notre Dame gewesen sein. „In der Kirche sieht es dramatisch aus“, erfährt man vom Deutschlandfunk. Innerhalb von fünf Jahren, wie es der französische Präsident Emmanuel Macron ankündigte, wird das mit dem Wiederaufbau nichts werden. Hier nochmal ein Hinweis auf das schöne private, 2014 veröffentlichte Video über die Kathedrale; mit detaillierten Szenen von außen und innen (ab Minute 3:55 im Video). 


9.4.2019

Mutiger Klartext des Tages

 

Es ist falsch, „das Wort Gottes zu benutzen, um die Migration zu fördern“. Das Streben der Kirche in Europa ist auf das Schärfste zu verurteilen. Und die Bestrebungen in der EU, die Nationen mit ihren vielfältigen Charakteren loswerden zu wollen, ist „blanker Wahnsinn“. Der Westen verschwindet, wenn er auf diesem fatalen Weg weitergeht. Der Untergang des christlichen Europas ist aber kein gutes Zeichen für die Zukunft der Welt.

 

Der guineisch-stämmige vatikanische Kardinal Robert Sarah – ganz im Gegensatz zu seinem Chef, Papst Franziskus, an dieser Stelle, auf jener Website und außerdem dort.


4.4.2019

Wahnwitz des Tages

 

"In Großbritannien hat ein Sachbearbeiter des Innenministeriums den Asylantrag eines iranischen Christen mit der Begründung zurückgewiesen, das Christentum sei nicht friedlich, sondern blutrünstig." Bezug: Altes Testament. Nach heftiger Kritik wird der Fall erneut geprüft.


1.4.2019

Politkorrekte Gebete

 

Das war mein allerletzter Veranstaltungsbesuch bei der zeitgeisthörigen Gesellschaft. Die Leute sind nur noch zwanghaft in ihrem Drang, politkorrekte Glaubensbekenntnisse unterzubringen – auch dort, wo das thematisch mindestens fragwürdig ist. Es ging um Toleranz und Religion. Eingeladen hatte ein christlicher Verein. Der vortragende Theologe nach einem Beispiel: Er würde ja nie (Betonung auf nie) zu jemandem sagen: Deine Meinung ist mir widerwärtig – um dann inne zu halten und mit introvertiertem Augenschwenk zu ergänzen: „Es sei denn, wenn ich mit einem Faschisten rede.“ Sicher richtig. Und was ist mit den kommunistischen Diktatoren in Nordkorea, das auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex steht und Christen als „feindselige Elemente“ betrachtet? Ein weiteres Beispiel musste dann unbedingt – fernab der Thematik – mit einem verächtlichen Hinweis auf Kritiker der Klimapolitik umschmückt sein. Die glaubten ja, „böse Meinungsmacher“ würden sich das alles nur ausdenken. Wie es um Sachlichkeit und freundliche, tolerante Zugewandtheit des Marburger Theologen in einer Stresssituation bestellt ist, zeigte sich dann auf meine Frage nach einer Definition von Religion in Abgrenzung zur politischen Ideologie. Direkt im Anschluss fuhr ich zum Saturn, um mir endlich einen kabellosen Staubsauger zu kaufen. Der normale sachgerechte Austausch mit dem netten Verkäufer hat mir vergleichsweise so gut getan, dass ich dort eine Extrarunde Probestaubsaugen drehte. 

 

Der Weltverfolgungsindex stammt übrigens vom christlichen Hilfswerk Open Doors. Die Trivialisierung der Christenverfolgung betreiben zum Beispiel die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – geht aus der „Kritik an Methoden und Ergebnissen des Weltverfolgungsindex“ bei Wikipedia hervor. Vor drei Jahren gab es außerdem Angriffe auf die Seriosität einer Studie von Open Doors zu Übergriffen auf christliche Flüchtlinge in hiesigen Asylunterkünften. Die Artikel dazu vom 12.5.2016, vom 31.5.2016, vom 15.7.2016  und vom 17.10.2016 finden sich auf dieser Website. Interessant sind die Ausführungen des Open Doors-Chefs Markus Rode bei der Bundestagsanhörung zum elften Menschenrechtsbericht am 6. Mai 2015. Seine Beiträge im Video: Minuten 24:10 bis 32:43, Minuten 1:04:03 bis 1:10:48, Minuten 2:17:57 bis 2:27:30 und Minuten 2:49:55 bis 2:52:06. Er meinte etwa: „Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass man an dieser Stelle versucht das Ganze niedrig zu halten, dass man versucht, diese ganze Thematik der Konfrontation zwischen Religionen komplett auszublenden, damit das Ganze nicht noch mehr zündelt.“ Nur denen, die es konkret betrifft, sei damit nicht geholfen. Bei der Anhörung zum zwölften Menschenrechtsbericht am 22. März 2017 war Rode dann nicht mehr als Sachverständiger geladen. Die Anhörungen finden zweijährlich statt; die nächste in einigen Wochen. 

 

Präventiv kann es nicht schaden, das Video der Anhörung zu sichern. 


29.3.2019

Religion für Kampfschrift missbraucht

 

Da bleibt einem echt die Spucke weg: Sogenannte „Forscher“ geben sich – laut Onlinemagazin idea „im Auftrag der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung“ – dafür her, „politischen Entscheidungsträgern“ ein Pamphlet  zum Thema „Religion und Rechtspopulismus“ an die Hand zu reichen, das vor plumpen Unterstellungen strotzt vom Anfang bis zum Ende. Belege fehlen. Die „Argumentation kompakt“ zeichnet sich dadurch aus, politisch Andersdenkenden kurzer-hand pauschal Glauben und religiöse Bindung abzusprechen: „Rechtspopulisten nehmen das Christentum primär aus strategischen Gründen in Anspruch.“ Die „Forscher“ folgern: „Wer Politik aus christlicher Verantwortung heraus gestalten will, sollte die identitätspolitische Falle, in die Rechtspopulisten die Religion stoßen wollen, tunlichst vermeiden.“ Zuletzt wird Christen dann angeraten, was sie zu tun haben, um als solche ernst genommen zu sein: „Christliche Identität zeichnet sich heute vornehmlich darin aus, im Namen der eigenen Vielgestalt sowie der historisch erbrachten Differenzierungsleistungen jeder rechtspopulistischen Identitätspolitik mitsamt ihren simplen Polarisierungen entgegenzuwirken.“ Linkspopulistische Politik soll also Religion ersetzen. Man kann sich das Ding als sensitiver Mensch kaum in Gänze antun. Es ist menschenverachtend, den Bereich höchstpersönlicher religiöser Bindungen und Empfindungen für eine durchsichtige politische Kampfschrift zu instrumentalisieren.