21.6.2019

EKD: Aktivismus in Dortmund

 

Beim hippigen Polit-Event unter dem irreführenden Label „Deutscher Evangelischer Kirchentag“ stehen bekanntlich schon längst nicht mehr überlieferte christliche Glaubensinhalte und existenzielle Sinnfragen im Vordergrund. In Dortmund geht es gerade um Klimawandel, um den „neuen Konservatismus“ oder um Seenotrettung. „Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wird mit dem Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, am Donnerstag über die Seenotrettung im Mittelmeer diskutieren“, so evangelisch.de zur gestrigen Veranstaltung. Bedford-Strohm (SPD) benutzte in diesem Sinne das Podium für seine persönlichen fragwürdigen Beziehungen.

 

Einen aufgeklärten Anstrich gibt man sich mit dem Workshop „Vulven malen“. Über die sexistische Reduktion von Frauen auf das Geschlecht, die nicht zuletzt den Werberat regelmäßig auf den Plan ruft, regt sich in diesem Kontext plötzlich keiner der Dauerempörten mehr auf. Die Heuchelei komplettiert Katrin Göring-Eckardt (Grüne) in sichtlicher Einmütigkeit mit dem ZDF: „Kein Podium für Hetze“ zum Ausschluss von AfD-Vertretern, während sich der Kirchentag zuerst mit einer Duldung von radikalen Antisemiten auf seinem Gelände durchmogeln wollte.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Hass und Hetze aus der linksextremen Szene für Spaltung sorgt. In der Dokumentation zum Kirchentag 1989 in Berlin etwa steht: „Ein geplantes Podiums-gespräch konnte allerdings erstmals in der Geschichte des Kirchentages nicht wie geplant durchgeführt werden, weil die Toleranz gegenüber der Meinung Andersdenkender und die Bereitschaft zum Zuhören fehlte: Am 10. Juni sollte ... unter dem Titel 'Menschenrechte sind unteilbar' ein Gespräch u. a. mit einem Vertreter der 'Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte' (IGFM) stattfinden. Kritiker aus dem Kreis der Lateinamerika- und Südafrika-Solidaritätsgruppen, die der IGFM vorwarfen, sie sympathisiere mit dem südafrikanischen Apartheid-System und mit den nikaraguanischen Contras, besetzten das Podium und erzwangen den Abbruch.“ Kritik am aktuellen theatralischen Spektakel ist nur leise vernehmbar. Etwa vom kirchenpolitischen Sprecher der FDP Stefan Ruppert, der dem Kirchentag „grüne Einseitigkeit“ vorwarf. Viel zu wenig, um dieser institutionellen Irreführung entgegenzutreten. Es muss auch um die Sinnhaftigkeit der Ökumene gehen, wenn sich Teile davon politisch radikalisieren.

 

Nachtrag: Tabea und Lea waren beim "Vulven malen". Motivation für ihre Teilnahme: "Penisse sieht man eigentlich überall ... aber Frauen werden fast nie mit ihrem Geschlecht gezeigt." (?)

 

Nachtrag vom 15.7.: "Nur massive Kritik verhindert im letzten Moment die Einladung von BDS-Aktivisten zum Evangelischen Kirchentag - Auf dem Ticket der Linkspartei-Stiftung sollten ursprünglich zwei besonders antisemitische BDS-Referenten auf dem" Kongress reden.

 

Nachtrag vom 13.8.: EKD: "Nur mehr 3 Prozent besuchen den Gottesdienst am Sonntag, jetzt legt eine eigene Studie den Gemeinden nahe, die Gottesdienst abzuschaffen."

 

Weitere Aussagen von Kirchenvertretern in anderen Kontexten

 

4.8.: "Bischof hält Anti-Israel-Rede ... Am 1. August sprach Hans-Jürgen Abromeit auf der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz ... Laut Abromeit würden die Deutschen sich zu sehr mit Israel solidarisieren – und achteten deswegen zu wenig auf 'palästinensische Sicherheitsinteressen'. Wegen des 'historischen Schuldbewusstseins' der Deutschen gebe es eine Überidentifikation mit dem Staat Israel ... Dass aus dem Gaza-Streifen immer wieder Raketen von militanten Palästinensern auf israelische Städte abgefeuert werden, ist für den evangelischen Würdenträger dagegen offenbar nicht so wichtig. Auch die Vernichtungsdrohungen islamistischer Terrorgruppen, sämtliche Juden auszurotten, waren für den Bischof offenbar kein Grund, Verständnis für israelische Sicherheitsinteressen aufzubringen." 


3.5.2019

„Nichts für Menschenfreunde“

 

Der schauerliche Empörungsritt über die Spenden für den Wiederaufbau der Pariser Notre Dame scheint den vorgeblichen Moralisten schon wieder langweilig geworden zu sein. Man tanzt wohl bereits auf der nächsten Luftblase herum. Dass sogar Pfarrer keinerlei tiefere Bindung an das religionshistorische Zeugnis verspüren ist deprimierend. Umso positiver sticht eine aktuelle Analyse der Welt in Auge und Herz: „Die anhaltende Spendenbereitschaft für dieses sakrale Gebäude besagt, dass Empathie eben viele Gesichter hat. Ein gefährdetes Kulturgut dieser Dimension ist eben nicht nur ein Gebäude, sondern eine Idee, ein Monument, ein Wahrzeichen, eine Erinnerung wie kaum eines auf der Welt, was seine Schönheit als auch seine Verletzbarkeit anbelangt.  Es weckt tiefe Gefühle und Trauer auch in laizistischen Gesellschaften, ohne dass derart empfindende Menschen die anderen Probleme der Welt ignorieren würden. Wer ihnen dies unterstellte, erwies seiner Sache einen Bärendienst, denn Kunstfeindschaft ist nichts für Menschenfreunde.“ Die heuer vorgeblichen „Menschenfreunde“, stets hoch zu Ross mit Schild und Schwert gegen jede christliche Regung – „Also, nieder mit der Religion, es lebe der Atheismus“, schallt es immer noch nach –, diese Menschenfreunde reagieren auf den Beitrag zum Beispiel so: „Gibt schlimmeres als eine Kirche die abfackelt, Geschichte hin oder her“ oder so: „Ich kann auch etwas spenden, naehmlich einen 5 Liter Kanister mit Benzin.“ Was will man noch mit solchen Leuten anfangen respektive was kann man von ihnen erwarten? Laut Polizei soll ein Kurzschluss die Ursache für den Brand in Notre Dame gewesen sein. „In der Kirche sieht es dramatisch aus“, erfährt man vom Deutschlandfunk. Innerhalb von fünf Jahren, wie es der französische Präsident Emmanuel Macron ankündigte, wird das mit dem Wiederaufbau nichts werden. Hier nochmal ein Hinweis auf das schöne private, 2014 veröffentlichte Video über die Kathedrale; mit detaillierten Szenen von außen und innen (ab Minute 3:55 im Video). 


9.4.2019

Mutiger Klartext des Tages

 

Es ist falsch, „das Wort Gottes zu benutzen, um die Migration zu fördern“. Das Streben der Kirche in Europa ist auf das Schärfste zu verurteilen. Und die Bestrebungen in der EU, die Nationen mit ihren vielfältigen Charakteren loswerden zu wollen, ist „blanker Wahnsinn“. Der Westen verschwindet, wenn er auf diesem fatalen Weg weitergeht. Der Untergang des christlichen Europas ist aber kein gutes Zeichen für die Zukunft der Welt.

 

Der guineisch-stämmige vatikanische Kardinal Robert Sarah – ganz im Gegensatz zu seinem Chef, Papst Franziskus, an dieser Stelle, auf jener Website und außerdem dort.


4.4.2019

Wahnwitz des Tages

 

"In Großbritannien hat ein Sachbearbeiter des Innenministeriums den Asylantrag eines iranischen Christen mit der Begründung zurückgewiesen, das Christentum sei nicht friedlich, sondern blutrünstig." Bezug: Altes Testament. Nach heftiger Kritik wird der Fall erneut geprüft.


1.4.2019

Politkorrekte Gebete

 

Das war mein allerletzter Veranstaltungsbesuch bei der zeitgeisthörigen Gesellschaft. Die Leute sind nur noch zwanghaft in ihrem Drang, politkorrekte Glaubensbekenntnisse unterzubringen – auch dort, wo das thematisch mindestens fragwürdig ist. Es ging um Toleranz und Religion. Eingeladen hatte ein christlicher Verein. Der vortragende Theologe nach einem Beispiel: Er würde ja nie (Betonung auf nie) zu jemandem sagen: Deine Meinung ist mir widerwärtig – um dann inne zu halten und mit introvertiertem Augenschwenk zu ergänzen: „Es sei denn, wenn ich mit einem Faschisten rede.“ Sicher richtig. Und was ist mit den kommunistischen Diktatoren in Nordkorea, das auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex steht und Christen als „feindselige Elemente“ betrachtet? Ein weiteres Beispiel musste dann unbedingt – fernab der Thematik – mit einem verächtlichen Hinweis auf Kritiker der Klimapolitik umschmückt sein. Die glaubten ja, „böse Meinungsmacher“ würden sich das alles nur ausdenken. Wie es um Sachlichkeit und freundliche, tolerante Zugewandtheit des Marburger Theologen in einer Stresssituation bestellt ist, zeigte sich dann auf meine Frage nach einer Definition von Religion in Abgrenzung zur politischen Ideologie. Direkt im Anschluss fuhr ich zum Saturn, um mir endlich einen kabellosen Staubsauger zu kaufen. Der normale sachgerechte Austausch mit dem netten Verkäufer hat mir vergleichsweise so gut getan, dass ich dort eine Extrarunde Probestaubsaugen drehte. 

 

Der Weltverfolgungsindex stammt übrigens vom christlichen Hilfswerk Open Doors. Die Trivialisierung der Christenverfolgung betreiben zum Beispiel die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – geht aus der „Kritik an Methoden und Ergebnissen des Weltverfolgungsindex“ bei Wikipedia hervor. Vor drei Jahren gab es außerdem Angriffe auf die Seriosität einer Studie von Open Doors zu Übergriffen auf christliche Flüchtlinge in hiesigen Asylunterkünften. Die Artikel dazu vom 12.5.2016, vom 31.5.2016, vom 15.7.2016  und vom 17.10.2016 finden sich auf dieser Website. Interessant sind die Ausführungen des Open Doors-Chefs Markus Rode bei der Bundestagsanhörung zum elften Menschenrechtsbericht am 6. Mai 2015. Seine Beiträge im Video: Minuten 24:10 bis 32:43, Minuten 1:04:03 bis 1:10:48, Minuten 2:17:57 bis 2:27:30 und Minuten 2:49:55 bis 2:52:06. Er meinte etwa: „Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass man an dieser Stelle versucht das Ganze niedrig zu halten, dass man versucht, diese ganze Thematik der Konfrontation zwischen Religionen komplett auszublenden, damit das Ganze nicht noch mehr zündelt.“ Nur denen, die es konkret betrifft, sei damit nicht geholfen. Bei der Anhörung zum zwölften Menschenrechtsbericht am 22. März 2017 war Rode dann nicht mehr als Sachverständiger geladen. Die Anhörungen finden zweijährlich statt; die nächste in einigen Wochen. 

 

Präventiv kann es nicht schaden, das Video der Anhörung zu sichern. 


29.3.2019

Religion für Kampfschrift missbraucht

 

Da bleibt einem echt die Spucke weg: Sogenannte „Forscher“ geben sich – laut Onlinemagazin idea „im Auftrag der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung“ – dafür her, „politischen Entscheidungsträgern“ ein Pamphlet  zum Thema „Religion und Rechtspopulismus“ an die Hand zu reichen, das vor plumpen Unterstellungen strotzt vom Anfang bis zum Ende. Belege fehlen. Die „Argumentation kompakt“ zeichnet sich dadurch aus, politisch Andersdenkenden kurzer-hand pauschal Glauben und religiöse Bindung abzusprechen: „Rechtspopulisten nehmen das Christentum primär aus strategischen Gründen in Anspruch.“ Die „Forscher“ folgern: „Wer Politik aus christlicher Verantwortung heraus gestalten will, sollte die identitätspolitische Falle, in die Rechtspopulisten die Religion stoßen wollen, tunlichst vermeiden.“ Zuletzt wird Christen dann angeraten, was sie zu tun haben, um als solche ernst genommen zu sein: „Christliche Identität zeichnet sich heute vornehmlich darin aus, im Namen der eigenen Vielgestalt sowie der historisch erbrachten Differenzierungsleistungen jeder rechtspopulistischen Identitätspolitik mitsamt ihren simplen Polarisierungen entgegenzuwirken.“ Linkspopulistische Politik soll also Religion ersetzen. Man kann sich das Ding als sensitiver Mensch kaum in Gänze antun. Es ist menschenverachtend, den Bereich höchstpersönlicher religiöser Bindungen und Empfindungen für eine durchsichtige politische Kampfschrift zu instrumentalisieren.