15.2.2020

Philosophie des Digitalen

 

Bei der Digitalisierung von Privatleben und Gesellschaft gebührt der philosophischen Dimension größere Berücksichtigung, meint das Philosophie Magazin. Schließlich ändern sich damit auch Beziehungen und Menschenbilder. Das sind Grundsatzfragen. Von der Veranstaltungsreihe „Netzdialoge! Philosophie des Digitalen“ stehen einige Ausschnitte im Netz: zum Beispiel hier zur Einführung in die Angelegenheit oder dort zu „Vertrauen oder Transparenz?“ Am 20. Februar geht es dann im Berliner Literaturforum im Brecht-Haus um das Thema „Ein Netz – Eine Welt?“ Eine interessante, geradezu politisch inkorrekte Frage dazu: „Wo drohen Verluste von Pluralität und Souveränität, wenn sich Kulturen auf dem Weg zur ‚Einen Welt‘ angleichen? Der Abend sucht Antworten aus der Perspektive der politischen Philosophie.“ Der Verlag „der blaue reiter“ behandelt die Sache aus verschiedenen Perspektiven. Zum Beispiel unter der Frage: „Digitalisierung alter Kulturtechniken oder digitale Kultur? - Die Digitalisierung gilt vielen als Bedrohung unserer Kultur. Aber was genau ist Kultur und was davon ist bedroht? Sind Maschinen und insbesondere ‚intelligente Maschinen‘ als Stoff gewordener Ausdruck des menschlichen Geistes nicht selbst eine kulturelle Leistung?“ Scheint wohl so zu sein: Eine herausragende Stellung in der Geschichte des Binärsystems mit den Ziffern 1 und 0 als Grund-lage digitaler Prozesse nimmt schon der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716) ein. „Aus dem unveröffentlichten Nachlass wissen wir, dass auch der erste Entwurf einer mit dem Binärsystem arbeitenden Rechenmaschine auf Leibniz zurückgeht“, erfährt man in dieser spannenden Ausführung von Herbert Breger. Leibniz befasste sich damit wohl im Rahmen seines Großprojektes einer „characteristica universalis“. Man kann beim Thema vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen; ist aber garantiert keine sinnlose Zeitvergeudung.


25.1.2020

Abstoßende Hybris

 

Eine Stimmung zum Davonlaufen, wo in religiös unmusikalischen Zirkeln, politisch wie beruflich und privat, Prahlerei und Personenkult hoffähig gemacht werden. Man soll zwar sein Licht nicht unter den Scheffel stellen – jenes der Anderen aber auch nicht. Ausschlaggebend sind das Motiv und die Maßhaltung. Die Grenze der Angemessenheit ist da überschritten, wo eine demütig-dankbare Haltung für in die Wiege gelegte Chancen zugunsten einer Hybris zurücktreten muss, wo man sich selbst zum Maßstab erhebt. Die narzisstisch ausgeprägte Variante überlebt nur durch ein applaudierendes Publikum; der Götzendienerschaft (heute: Fangemeinde), die sich schon damals um das Goldene Kalb herum versammelte und sich unreflektiert hinreißen ließ. Gruselig, dieses Ungehaltensein. Jedenfalls blieb ich bei einer Recherche zum Thema bei einer Zeichnung über den Hochmut von Pieter Bruegel dem Älteren hängen (vergrößern durch Mausklick). Der flämische Künstler (vermutlich 1525 – 1569) beeindruckt durch seine Detailliertheit. In diesem Video zu einem weiteren Werk von ihm kann man sich davon überzeugen. Mehr Bilder im Überblick finden sich dort. Auf die oben erwähnte Zeichnung ist auch die Erzdiözese Wien gestoßen, die sie zu einem Beitrag über „Hochmut oder Hybris“ eingestellt hat. Ansonsten ist mir keine spezielle Interpretation dazu im Netz begegnet. Dafür aber eine allgemeine Erklärung zu seiner Kunst sowie ein englischsprachiger Vortrag eines offenbar leidenschaftlichen Bruegel-Kenners. Wer sich für den Künstler aus der Perspektive der nachfolgenden Generation von Hieronymus Bosch interessiert, wird hier fündig.