1.6.2020

Eine Pfingstbitte…

 

…von der bemerkenswerten Benediktinerin Silja Walter: „Lösch doch das Heute, lösch das Morgen und Übermorgen aus, damit Pfingsten in der ganzen Länge, Breite, Höhe und Tiefe die Schöpfung durchbraust, durchwühlt, anzündet und das ewige Jetzt zum Brennen bringt.“ 


30.5.2020

Annäherung durch Beweglichkeit

 

Ausgerechnet zu Pfingsten, wenn der Heilige Geist in die Menschen fährt, erscheint das Buch „Freiheit“ von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. In diesem Video äußert sich der Theologe dazu. Das Buch dient erneut der Polarisierung im Sinne von Verstärkung der Meinungsverschie-denheiten mit der Folge, dass sich die zwei in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Gruppen in der Katholischen Kirche, nämlich die konservativen Traditionalisten und die Reformer, nur noch intensiver in ihren Lagern verschanzen. Das ist ganz sicher nicht gemeint mit der Beweglichkeit, für die der Heilige Geist symbolisch ebenfalls steht. Es gibt auch mehr als nur zwei Betrachtungsperspektiven. Die Mitte ist mal wieder, wie auch in sonstigen gesellschaftlichen Haltungsfragen, hinuntergefallen. Man kann einige der Marx’schen Äußerungen richtig finden. Zum Beispiel, dass jeder einen eigenen Zugang zu Gott finden darf. Strengen Dogmatikern ist das eventuell zu beliebig. Daraus folgt jedoch nicht die Notwendigkeit, dogmatische Traditionalisten zu bekämpfen. Geistige Beweglichkeit bedeutet, dass man offen bleibt und als Reformer immer wieder mal in die Welt der Konservativen eintaucht, um nicht zu starr zu werden in der eigenen Haltung oder einem banalen Freund-Feind-Denken anheimzufallen.    

 

Genau das aber scheint der Erzbischof nicht zu berücksichtigen. Ein Beitrag bei TAG24 beschreibt das unter dem Titel „Kardinal Marx will Katholische Kirche umkrempeln“ so: „Wenige Monate nach seinem Rückzug vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz fordert der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine grundlegende Erneuerung der katholischen Kirche … geht mit konservativen Widersachern hart ins Gericht … Zu der Erneuerung, die er fordert, gehört es für ihn zwingend, moderne Freiheiten als gesellschaftliche Errungenschaft zu betrachten.“ Marx richtet demnach – ist dafür nicht Gott zuständig? Und wo bleibt die Freiheit für Traditionalisten, wenn sie nicht jede als „gesellschaftliche Errungenschaft“ gepriesene Entwicklung gutheißen?  TAG24 zitiert aus dem Buch: Es gehe „nicht an, die Freiheitsgeschichte der modernen Welt als Irrweg zu verdammen“. Abgesehen von der denunziatorischen Wirkung dieser Formulierung – wohl kaum ein Traditionalist wird im Zuge seiner kritischen Haltung gleich die gesamte Freiheitsgeschichte als Irrweg betrachten – schwingt geradezu eine subtile Drohung mit wenn die Rede davon ist, es gehe nicht an. Unter freiheitlichen Gesichtspunkten ginge selbst das an. Später heißt es in der Marx’schen Kampfschrift: Eine Kirche, „die in einer rein negativen Sicht der Moderne verharrt … ist nicht nur überholt, sondern sogar zu verhindern. Dass solche Stimmen zum Teil vermehrt zu hören sind, beunruhigt mich.“ Schon wieder die Hyperbel als Stilmittel, die das andere Lager als geradezu gefährlich dastehen lässt. 

 

Worum geht es dem Erzbischof, der als treibende Kraft des „Synodalen Weges“ gilt und eine „Akkumulation von Kapitalvermögen“ nicht mag? Man kann ja beileibe nicht annehmen, dass er die Institution, die er vertritt, positiv verteidigt. Bei Domradio heißt es in einem Artikel zum Buch: „Warum aber haben so viele Zeitgenossen den Eindruck, der Glaube führe zum Gegenteil von Freiheit, zu Fremdbestimmung und Unterwerfung? Für Marx ist klar: Hier handelt es sich nicht nur um Missverständnisse. Die Kirche hat ihren eigenen Anteil daran, und den muss sie aufarbeiten. Das ist für den 66-Jährigen der stärkste Antrieb für Reformen.“ Wer verharrt nun hier in überholten Sichtweisen? Das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960ern hat bereits zu tiefgreifenden Veränderungen geführt. Reicht das nicht? Ist es nie genug? Marx bedient damit lediglich die gepflegten Vorurteile religiös unerfahrener Atheisten. Warum?

 

Man siehe etwa die Klarstellungen von Manfred Lütz bei „phoenix persönlich“: Atheisten sollten nicht nur „die Märchen über das Christentum“ kennen. Denn die Hexenverfolgung hat die weltliche Justiz durchgeführt, bis diese von Kirchenleuten beendet worden ist, so Lütz, der sich darüber wundert: Die Gerüchte über das Christentum, die von Diktatoren des 20. Jahrhunderts, „den Hitlers und Honeckers“, in die Welt gesetzt wurden, sind heute noch in den Köpfen der Leute: „Alles andere, was Hitler und Honecker so gesagt haben, das glaubt man ja nicht mehr. Aber das, was über das Christentum vermittelt wurde, das denken Menschen immer noch.“ Zum Vorurteil, Hexenprozesse hätten in ihrer großen Masse vor geistlichen Inquisitionsgerichten stattgefunden, lese man gerne auch diesen Beitrag. Wollte man positive geschichtliche Aspekte von Christen in den Vordergrund stellen, was eigentlich von einem Erzbischof erwartbar ist, könnte man auch öfters der zahlreichen christlichen Widerstandskämpfer gedenken.   

 

Noch was Persönliches: Ich habe hier eher Traditionalisten verteidigt, obwohl die strengen Dogmatiker unter ihnen auch mich in meiner individuell beweglichen Pflege meiner Gottes-beziehung, aus der ich unbegrenzt Kraft und Hoffnung schöpfe, nicht wirklich existieren lassen wollen. Wäre es aktuell so, dass diese Gruppierung in der medialen Öffentlichkeit die Oberhand hätte, dann wäre der vorliegende Beitrag eine Verteidigungsschrift für die Reformer geworden. Beide Gruppen haben teils recht und teils unrecht. Da, wo man endlich aufhörte gnadenlos und pauschal zu richten, liegt die Versöhnung. Jedenfalls hält mich niemand mehr auf. Ein Bekenntnis bei „Hour of Power“ formuliert: „…Ich bin nicht das, was andere über mich sagen. Ich bin ein geliebtes Kind Gottes. Das ist es, was ich bin. Niemand kann mir das nehmen…“


14.5.2020

Die Heilige Corona

 

Der Vereinigung 17. Juni 1953 ist nicht entgangen, dass heute katholischer Gedenktag der Heiligen Corona ist. Die auffälligste Parallele zur aktuellen Krise ist: Genaues weiß man nicht. Das liest sich im Ökumenischen Heiligenlexikon dann so: „* 161 oder 287 (?) † 177 oder 303 (?) in Damaskus in Syrien oder in Antiochia, heute Antakya in der Türkei oder in Alexandria in Ägypten oder auf Sizilien in Italien oder in Marseille in Frankreich.“


1.5.2020

Predigt zum 1. Mai 

 

Gerade lief eine super Andacht vom überkonfessionellen Missionswerk Karlsruhe zum Thema "Besiege den Goliat in deinem Leben": in der Mediathek von Bibel TV zum Anschauen


16.4.2020

Katholiken enttäuscht

 

Das ist bemerkenswert: Das Bundesverfassungsgericht beschloss am 10. April: „Gottesdienst-verbot bedarf als überaus schwerwiegender Eingriff in die Glaubensfreiheit einer fortlaufenden strengen Prüfung seiner Verhältnismäßigkeit anhand der jeweils aktuellen Erkenntnisse.“ Damit wies es einen Antrag auf vorläufige Außervollzugsetzung der Regelung der Corona-Verordnung, die unter anderem ein Verbot von Zusammenkünften in Kirchen enthält, ab. Doch trotz der geforderten „strengen Prüfung der Verhältnismäßigkeit“ verkündeten die Regierungsvertreter bei der gestrigen Pressekonferenz zu den Lockerungen der Beschränkungen, etwa für kleinere Geschäfte: Es sei „weiter dringend geboten, sich auf die Vermittlung von religiösen Inhalten auf medialem Weg zu beschränken“. Zusammenkünfte in Kirchen dürfen also zunächst weiter nicht stattfinden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz äußert sich dazu so:

 

„Mit Enttäuschung nehme ich allerdings zur Kenntnis, dass das Verbot von öffentlichen Gottesdiensten aller Religionsgemeinschaften derzeit erhalten bleiben soll. Angesichts von ersten Lockerungsmaßnahmen in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens kann ich das nicht nachvollziehen, erst recht nicht nach der sehr deutlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der vergangenen Woche zu den schwerwiegenden Eingriffen in die Religionsfreiheit. Als katholische Kirche werden wir in das für kommenden Freitag im Bundesministerium des Innern geplante Gespräch einen Lösungsvorschlag einbringen, wie wir Religionsausübung und Infektionsschutz gleichermaßen gewährleisten können.“ Nicht verwunderlich, dass hingegen der für seine regierungstreue und politische Motivation bekannte EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm das weitere Versammlungsverbot in Kirchen unterstützt. Ihm reicht die ausdrückliche Würdigung der Bundeskanzlerin, „dass die Kirchen am gerade zurückliegenden Osterfest vielfältige Wege gefunden haben, Gottesdienste zu feiern, ohne sich in den Kirchen zu versammeln und damit das Infektionsrisiko zu erhöhen". Merkels Lob für die Kirchen avanciert aus dieser verkürzten Sicht zum Predigtersatz. Katholischerseits sieht man sich nämlich „durchaus in der Lage, die Hygiene-Standards und Abstandsregeln einzuhalten“.

 

Nachtrag: Ein Staatsrechtler meint: "Wer Schulen öffnet, muss auch Gottesdienste erlauben" - "ein Totalverbot von Gottesdiensten ist aus meiner Sicht spätestens seit den neuen Beschlüssen des Bundes nicht mehr verhältnismäßig ... Ich bin davon überzeugt, dass das Verbot von Gottesdiensten keinen Bestand mehr in Karlsruhe haben wird, sobald man den Schulunterricht wieder zulässt ... Ich bin aber genauso wie die Deutsche Bischofskonferenz enttäuscht darüber, dass die Bundeskanzlerin nicht schon am Mittwoch ein klares Signal für die Anerkennung der zentralen Bedeutung der öffentlichen Religionsausübung für die Gläubigen gesetzt hat." 

 

Nachtrag vom 17.4.: "Kirchen aus Sorge vor Ramadan-Chaos geschlossen - Nach Bild-Informationen sprach sich in der Schaltkonferenz gestern nur NRW-Ministerpräsident Armin Laschet für eine sofortige Öffnung von Gotteshäusern und die Zulassung von Gottesdiensten unter bestimmten Auflagen aus, konnte sich aber gegen die Kanzlerin und mehrere Ministerpräsidenten nicht durchsetzen..." Siehe auch: "Nach einem Gespräch im Bundesinnenministerium bereiten sich Vertreter der großen Religionsgemeinschaften auf eine Lockerung der Versammlungs- und Gottesdienstverbote vor. Wann und in welcher Form es wieder zu christlichen Gottesdiensten kommt, war am Freitag allerdings noch unklar ... Die katholischen deutschen Bischöfe hatten für die Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste bereits in einem Papier Vorschläge vorgelegt." (Das steht auf dieser Seite als PDF) Kommentar bei idea: "Hebt das Gottesdienstverbot auf! - Der katholische Kantor Johannes Schmerbeck (Bühl) hat deshalb eine bis 22. April laufende Petition an den Bundestag initiiert. Sie fordert Bund und Länder auf, 'die Kirchen als Orte des Gebetes zu schützen und deren Öffnung weiterhin zu gewährleisten'. Die Petition evangelischer und katholischer Christen zur Aufhebung des momentanen totalen Gottesdienstverbotes ist zu begrüßen, zumal die Kirchenleitungen die staatlichen Verordnungen bisher vorbehaltlos unterstützen." Eine weitere Petition steht dort.

 

Nachtrag vom 29.4.: "Die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat mit heutigem Beschluss das Verbot von Gottesdiensten in Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie von Zusammenkünften anderer Glaubensgemeinschaften zur gemeinsamen Religionsausübung nach der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen im Wege der einstweiligen Anordnung insoweit vorläufig außer Vollzug gesetzt, als danach ausgeschlossen ist, auf Antrag im Einzelfall Ausnahmen von dem Verbot zuzulassen."


3.3.2020

Neuaufstellung bei Bischofskonferenz

 

Gestern ist die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eröffnet worden. Es steht auch die Wahl des neuen Vorsitzenden der DBK an, weil Kardinal Reinhard Marx nicht mehr für diesen Posten kandidiert. Bei der Bild spekulierte man schon über die Gründe dieses „überraschenden“ Rückzugs. Was bezeichnenderweise gar nicht zur Sprache kam: Marx hatte Anfang dieses Jahres eigenmächtig – zum dritten Mal – 50.000 Euro aus Kirchensteuermitteln in die umstrittene Seenotrettung gesteckt. Man wird beizeiten sicherlich einschätzen können, zu wie vielen Kirchenaustritten das geführt hat, falls man’s wissen will. Jetzt zu einer anderen Spekulation zu Marx‘ Rückzug aus dem Posten des DBK-Vorsitzenden: Die zuletzt „gespendeten“ 50.000 Euro gingen an das Bündnis „United 4 Rescue“. Dazu schreibt die Welt in einem Nebensatz: „Die katholische Deutsche Bischofskonferenz, deren Vorsitzender Kardinal Marx ist, hatte erklärt, sich nicht an dem Bündnis zu beteiligen.“ Was folgte daraus? 

 

Über einen weiteren möglichen Grund für den Rückzug spricht die FAZ: Es habe sich schon lange Unmut über die Amtsführung von Reinhard Kardinal Marx angestaut. Noch forscher urteilt die Tagespost: „Das dominante Auftreten des neuen Vorsitzenden in der Konferenz konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie angreifbar sich Marx durch seine wenig ausgeprägte Fähigkeit machte, zwischen unterschiedlichen Auffassungen in den Reihen der Bischöfe zu vermitteln … Marxens burschikoser Stil, in dem er die Konferenz vor vollendete Tatsachen stellte, mobilisierte Abwehrkräfte.“ Theologisch Tiefergehendes sei ausgeblieben. „Unbehagen sollte fortan das Leitmotiv sein, das wie Pech und Schwefel an der Amtszeit von Kardinal Marx klebte: Über spontane Äußerungen (‚Wir sind keine Filialen von Rom!‘) und das Ablegen des Kreuzes auf dem Jerusalemer Tempelberg, mit denen er die kirchliche Öffentlichkeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus befremdete … Die Gottesfrage schien vergleichsweise nebensächlich.“ 

 

Die DBK stehe nun vor einer „Richtungsentscheidung“: „Marx ist für seine liberale Haltung bekannt – wird sich nun der konservative Flügel durchsetzen?“, liest man bei T-Online. Ist ja alles eine Frage der Formulierung. Die „liberale“ Haltung mag nicht wirklich passen zum offenbar autoritären Durchregieren des stets medienzugewandten Kardinals. Auch seine eigenen Formulierungen zur Eröffnung der Konferenz provozieren zu Alternativen. „Gelingt es uns, nicht das Bisherige krampfhaft zu verteidigen, unsere Macht festzuhalten, in den politischen Machtsphären verhaftet zu bleiben, sondern Menschen des Aufbruchs zu werden?“ Würde man statt „das Bisherige krampfhaft zu verteidigen“ etwa „traditionelle Überlieferungen leidenschaftlich pflegen“ formulieren, dann beinhaltete das jedenfalls keine Abwertung des konservativen Flügels; stünde aber nicht zu Diensten der Political Correctness.  

 

Nachtrag: "Bischöfe wählen den 58-jährigen Limburger Bischof Bätzing im Rahmen ihrer Frühjahrsvollversammlung in Mainz zum Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx ... Der Westerwälder gilt als volksnah und umgänglich. Der Bischof ist ein entschiedener Verfechter des Synodalen Weges." Bätzing betonte: "Ich bin kein zweiter Marx." Dass er allerdings nicht minder der Political Correctness zu Diensten steht, wird im weiteren Beitrag deutlich. Zu erwartende künftige Wortmeldungen von Kritikern des "Synodalen Weges" werden hier nachgetragen.

 

Siehe auch zum "Synodalen Weg" den Kommentar von Bischof Athanasius Schneider: Der "katholische Charakter" müsse ebenso geschützt werden wie jene Priester und Bischöfe in Deutschland, "die an die Peripherie gestellt wurden und deren Stimme langsam erstickt wird durch die 'Nomenklatura' einer neuen ungläubigen und gnostischen Kaste sogenannter 'wissenschaftlicher' Theologen, kirchlicher Apparatschiks und jener Bischöfen, die sich der ideologischen Diktatur der Massenmedien und der Politik anpassten."

 

Nachtrag vom 6.3.: Tagespost-Kommentar: "Chance zur Entweltlichung der Kirche in Deutsch-land vertan - Unter dem neuen Vorsitzenden Bätzing wird ein Kurs gefestigt, in dem der Missionsgedanke zugunsten medialer Präsenz zurückgeschraubt wird ... Die Institution wird in der Öffentlichkeit, wenn überhaupt, oft nur noch als quasi politische Organisation wahrge-nommen ... Das Bestreben, durch den Synodalen Weg gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu zeigen, zieht sich wie ein basso continuo durch die Initiative. Es gibt auch andere Stimmen wie den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der seine Predigt unter das Zeichen des biblischen Missionsauftrags stellte. Aber die Mehrheit der Hirten betrachtet die Medien als erwünschte Druckkulisse und unentbehrliche Verbündete auf dem Weg zu sogenannten Reformen. Eine breite Berichterstattung wird als Beweis für die Angemessenheit des Synodalen Wegs gewertet, ohne Argumente auf Stichhaltigkeit hin zu überprüfen. Die Aufgabe des biblisch begründeten Missionsbegriffs zugunsten eines konturlosen Rede von Evangelisierung zeichnet sich bereit ab."


6.2.2020

Der Entchristlichung das Wort geredet

 

Die Antisemiten an den politischen Rändern dürften sich über die Rasanz freuen, mit der das Urteil zur „Wittenberger Judensau“ medial abgefrühstückt wurde. Zwei Fliegen für sie mit einer Klappe: Zum einen bleibt die Schmähskulptur öffentlich hängen mit (scheinbar) mehrheitlicher Rechtfertigung. Zum anderen ist wieder kräftig abgeledert worden gegen das Christentum. Schon wittern wieder diverse Gruppen, dass es mit der „Entchristlichung des öffentlichen und privaten Lebens“ vorangeht. Genau wie im Nationalsozialismus. Damals gab es eine „Abwehrstelle gegen antichristliche Propaganda“, eingerichtet von der Deutschen Bischofskonferenz. Heute hält man sich an die Schweigespirale. Oder kümmert sich jemand um die „wachsende Plage massiver Kirchenschändungen in Europa“? Jedenfalls hat es der Nationalsozialismus „in der kurzen, aber wirkmächtigen Zeit nicht geschafft, den Glauben der meisten Katholiken … oder die Wertebindung des sog. ‚katholischen Milieus‘ entscheidend zu schwächen.“ 

 

Die extreme Linke hatte das schon zuvor erfolglos versucht. Wladimir I. Lenin ließ 1909 veröffentlichen: „Die Sozialdemokratie ist unbedingt verpflichtet, ihr Verhältnis zur Religion klar darzulegen. Die ganze Weltanschauung der Sozialdemokratie ist auf dem wissenschaftlichen Sozialismus, d.h. dem Marxismus aufgebaut … eines Materialismus, der unbedingt atheistisch und jeder Religion entschieden feind ist … Zugleich verurteilte Engels jedoch wiederholt die Versuche von Leuten, die ‚linker‘ oder ‚revolutionärer‘ sein wollten als die Sozialdemokratie, in das Programm der Arbeiterpartei ein direktes Bekenntnis zum Atheismus im Sinne einer Kriegs-erklärung an die Religion hineinzubringen … eine solche Kriegsansage sei das beste Mittel, das Interesse für die Religion zu beleben und das wirkliche Absterben der Religion zu erschweren.“ 

 

Historische Aufarbeitung aus diesen Perspektiven verlangt niemand. Warum nicht?

 

Nachtrag vom 3.3.: "In Bremen hat die Partei 'Die Linke' verhindert, dass ein christliches Sozialwerk Träger einer neuen Kindertagesstätte wird ... Generell habe 'Die Linke' nichts gegen kirchliche Träger: 'Aber wir wollen keine evangelikale Indoktrination der Kinder. Schließlich sind einige dieser Träger homophob eingestellt, und das passt nicht in das Weltbild, welches Kindern im jungen Alter vermittelt werden sollte'." (sic! apropos Indoktrination) "Wie der Geschäftsführer des Oldenburger Sozialwerks, Stefan Sinnhuber, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, sind die Vorwürfe 'völlig aus der Luft gegriffen'."