3.3.2020

Neuaufstellung bei Bischofskonferenz

 

Gestern ist die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eröffnet worden. Es steht auch die Wahl des neuen Vorsitzenden der DBK an, weil Kardinal Reinhard Marx nicht mehr für diesen Posten kandidiert. Bei der Bild spekulierte man schon über die Gründe dieses „überraschenden“ Rückzugs. Was bezeichnenderweise gar nicht zur Sprache kam: Marx hatte Anfang dieses Jahres eigenmächtig – zum dritten Mal – 50.000 Euro aus Kirchensteuermitteln in die umstrittene Seenotrettung gesteckt. Man wird beizeiten sicherlich einschätzen können, zu wie vielen Kirchenaustritten das geführt hat, falls man’s wissen will. Jetzt zu einer anderen Spekulation zu Marx‘ Rückzug aus dem Posten des DBK-Vorsitzenden: Die zuletzt „gespendeten“ 50.000 Euro gingen an das Bündnis „United 4 Rescue“. Dazu schreibt die Welt in einem Nebensatz: „Die katholische Deutsche Bischofskonferenz, deren Vorsitzender Kardinal Marx ist, hatte erklärt, sich nicht an dem Bündnis zu beteiligen.“ Was folgte daraus? 

 

Über einen weiteren möglichen Grund für den Rückzug spricht die FAZ: Es habe sich schon lange Unmut über die Amtsführung von Reinhard Kardinal Marx angestaut. Noch forscher urteilt die Tagespost: „Das dominante Auftreten des neuen Vorsitzenden in der Konferenz konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie angreifbar sich Marx durch seine wenig ausgeprägte Fähigkeit machte, zwischen unterschiedlichen Auffassungen in den Reihen der Bischöfe zu vermitteln … Marxens burschikoser Stil, in dem er die Konferenz vor vollendete Tatsachen stellte, mobilisierte Abwehrkräfte.“ Theologisch Tiefergehendes sei ausgeblieben. „Unbehagen sollte fortan das Leitmotiv sein, das wie Pech und Schwefel an der Amtszeit von Kardinal Marx klebte: Über spontane Äußerungen (‚Wir sind keine Filialen von Rom!‘) und das Ablegen des Kreuzes auf dem Jerusalemer Tempelberg, mit denen er die kirchliche Öffentlichkeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus befremdete … Die Gottesfrage schien vergleichsweise nebensächlich.“ 

 

Die DBK stehe nun vor einer „Richtungsentscheidung“: „Marx ist für seine liberale Haltung bekannt – wird sich nun der konservative Flügel durchsetzen?“, liest man bei T-Online. Ist ja alles eine Frage der Formulierung. Die „liberale“ Haltung mag nicht wirklich passen zum offenbar autoritären Durchregieren des stets medienzugewandten Kardinals. Auch seine eigenen Formulierungen zur Eröffnung der Konferenz provozieren zu Alternativen. „Gelingt es uns, nicht das Bisherige krampfhaft zu verteidigen, unsere Macht festzuhalten, in den politischen Machtsphären verhaftet zu bleiben, sondern Menschen des Aufbruchs zu werden?“ Würde man statt „das Bisherige krampfhaft zu verteidigen“ etwa „traditionelle Überlieferungen leidenschaftlich pflegen“ formulieren, dann beinhaltete das jedenfalls keine Abwertung des konservativen Flügels; stünde aber nicht zu Diensten der Political Correctness.  

 

Nachtrag: "Bischöfe wählen den 58-jährigen Limburger Bischof Bätzing im Rahmen ihrer Frühjahrsvollversammlung in Mainz zum Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx ... Der Westerwälder gilt als volksnah und umgänglich. Der Bischof ist ein entschiedener Verfechter des Synodalen Weges." Bätzing betonte: "Ich bin kein zweiter Marx." Dass er allerdings nicht minder der Political Correctness zu Diensten steht, wird im weiteren Beitrag deutlich. Zu erwartende künftige Wortmeldungen von Kritikern des "Synodalen Weges" werden hier nachgetragen.

 

Siehe auch zum "Synodalen Weg" den Kommentar von Bischof Athanasius Schneider: Der "katholische Charakter" müsse ebenso geschützt werden wie jene Priester und Bischöfe in Deutschland, "die an die Peripherie gestellt wurden und deren Stimme langsam erstickt wird durch die 'Nomenklatura' einer neuen ungläubigen und gnostischen Kaste sogenannter 'wissenschaftlicher' Theologen, kirchlicher Apparatschiks und jener Bischöfen, die sich der ideologischen Diktatur der Massenmedien und der Politik anpassten."

 

Nachtrag vom 6.3.: Tagespost-Kommentar: "Chance zur Entweltlichung der Kirche in Deutsch-land vertan - Unter dem neuen Vorsitzenden Bätzing wird ein Kurs gefestigt, in dem der Missionsgedanke zugunsten medialer Präsenz zurückgeschraubt wird ... Die Institution wird in der Öffentlichkeit, wenn überhaupt, oft nur noch als quasi politische Organisation wahrge-nommen ... Das Bestreben, durch den Synodalen Weg gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu zeigen, zieht sich wie ein basso continuo durch die Initiative. Es gibt auch andere Stimmen wie den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der seine Predigt unter das Zeichen des biblischen Missionsauftrags stellte. Aber die Mehrheit der Hirten betrachtet die Medien als erwünschte Druckkulisse und unentbehrliche Verbündete auf dem Weg zu sogenannten Reformen. Eine breite Berichterstattung wird als Beweis für die Angemessenheit des Synodalen Wegs gewertet, ohne Argumente auf Stichhaltigkeit hin zu überprüfen. Die Aufgabe des biblisch begründeten Missionsbegriffs zugunsten eines konturlosen Rede von Evangelisierung zeichnet sich bereit ab."


6.2.2020

Der Entchristlichung das Wort geredet

 

Die Antisemiten an den politischen Rändern dürften sich über die Rasanz freuen, mit der das Urteil zur „Wittenberger Judensau“ medial abgefrühstückt wurde. Zwei Fliegen für sie mit einer Klappe: Zum einen bleibt die Schmähskulptur öffentlich hängen mit (scheinbar) mehrheitlicher Rechtfertigung. Zum anderen ist wieder kräftig abgeledert worden gegen das Christentum. Schon wittern wieder diverse Gruppen, dass es mit der „Entchristlichung des öffentlichen und privaten Lebens“ vorangeht. Genau wie im Nationalsozialismus. Damals gab es eine „Abwehrstelle gegen antichristliche Propaganda“, eingerichtet von der Deutschen Bischofskonferenz. Heute hält man sich an die Schweigespirale. Oder kümmert sich jemand um die „wachsende Plage massiver Kirchenschändungen in Europa“? Jedenfalls hat es der Nationalsozialismus „in der kurzen, aber wirkmächtigen Zeit nicht geschafft, den Glauben der meisten Katholiken … oder die Wertebindung des sog. ‚katholischen Milieus‘ entscheidend zu schwächen.“ 

 

Die extreme Linke hatte das schon zuvor erfolglos versucht. Wladimir I. Lenin ließ 1909 veröffentlichen: „Die Sozialdemokratie ist unbedingt verpflichtet, ihr Verhältnis zur Religion klar darzulegen. Die ganze Weltanschauung der Sozialdemokratie ist auf dem wissenschaftlichen Sozialismus, d.h. dem Marxismus aufgebaut … eines Materialismus, der unbedingt atheistisch und jeder Religion entschieden feind ist … Zugleich verurteilte Engels jedoch wiederholt die Versuche von Leuten, die ‚linker‘ oder ‚revolutionärer‘ sein wollten als die Sozialdemokratie, in das Programm der Arbeiterpartei ein direktes Bekenntnis zum Atheismus im Sinne einer Kriegs-erklärung an die Religion hineinzubringen … eine solche Kriegsansage sei das beste Mittel, das Interesse für die Religion zu beleben und das wirkliche Absterben der Religion zu erschweren.“ 

 

Historische Aufarbeitung aus diesen Perspektiven verlangt niemand. Warum nicht?

 

 

Nachtrag vom 3.3.: "In Bremen hat die Partei 'Die Linke' verhindert, dass ein christliches Sozialwerk Träger einer neuen Kindertagesstätte wird ... Generell habe 'Die Linke' nichts gegen kirchliche Träger: 'Aber wir wollen keine evangelikale Indoktrination der Kinder. Schließlich sind einige dieser Träger homophob eingestellt, und das passt nicht in das Weltbild, welches Kindern im jungen Alter vermittelt werden sollte'." (sic! apropos Indoktrination) "Wie der Geschäftsführer des Oldenburger Sozialwerks, Stefan Sinnhuber, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, sind die Vorwürfe 'völlig aus der Luft gegriffen'."