29.1.2020

Coronavirus: ernste Gefahr?

 

Tja, was nun glauben, nachdem etablierte und öffentlich-rechtliche Medien Vertrauen verspielt haben? Liegt mit dem Coronavirus eine sehr ernst zu nehmende Gefahr vor oder wird nur eine nächste Kampagne aus intransparenter Motivation heraus geritten? Die Tagesschau titelt reißerisch mit dem Zitat eines Virologen der Berliner Charité: „Es könnte eine Pandemie auf uns zukommen“. Der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt: „Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden.“ Gemäßigter erscheint die Neue Zürcher Zeitung mit zwei möglichen Szenarien: „Szenario 1: milde Erkrankung, aber einfache Übertragung“ oder „Szenario 2: schwerere Erkrankung, aber geringe Übertragung“. Das Fazit: „In beiden Fällen dürfte das, was der deutsche Seuchenexperte Wendtner für Deutschland sagt, auch auf die Schweiz zutreffen: dass das neue Coronavirus für die Bürger mit hoher Wahrscheinlichkeit keine signifikante Gefährdung darstellt. Zum Vergleich nennt der Experte die über 20.000 Personen, die jährlich in Deutschland an der Grippe sterben.“ Ein Virologe von der Uni Münster indessen „hofft, dass die derzeitige Coronavirus-Epidemie, so katastrophal sie für die Betroffenen ist, jetzt bessere Möglichkeiten für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen schafft: ‚Was so eine Situation mit sich bringt, ist, dass dann auch Finanzierungen eher möglich sind‘.“ Im Übrigen gibt es einen Ort, an dem das Pendel deutlich in Richtung Beunruhigung ausschlägt: die Börse. „Coronavirus: Investoren steigen weltweit aus Aktien aus“, lautet die Überschrift bei den Deutschen Wirtschafts-Nachrichten. 

 

Nachtrag: "Lufthansa streicht alle Flüge nach China!" Die Zeit titelt: "Die ganze Welt muss jetzt in Alarmbereitschaft sein". Das Medium stellt einen Ticker sowie eine stets aktuelle Übersicht der offiziellen Fallzahlen weltweit bereit. Außerdem: "Die Bundeswehr wird ... Deutsche und ihre Angehörigen aus der chinesischen Provinz Hubei ausfliegen, von der aus sich das neuartige Coronavirus ausbreitet. Die Entscheidung für einen Evakuierungsflug mit einem Flugzeug der Luftwaffe sei bereits am Montag vom Krisenstab des Auswärtigen Amts getroffen worden."

 

Nachtrag vom 31.1.: "Die WHO ruft wegen des Coronavirus eine internationale Notlage aus". RP Online meint: "Die Notstand-Erklärung ... ist keine Panikmache." Siehe auch: "USA warnen vor Reisen nach China, Zahl der Infektionen steigt auf über 9.600 Fälle." Und während die Politik über die gute Vorbereitung schwärmt, heißt es bei der Zeit: "Die deutschen Kliniken sind nach Angaben der Pandemiebeauftragten für das Coronavirus unzureichend ausgestattet."

 

Nachtrag vom 2.2.: "Die chinesische Zentralbank will die Wirtschaft des Landes mit Milliardensummen vor den Folgen des sich ausbreitenden neuartigen Coronavirus‘ stützen. Zur Öffnung der Finanzmärkte sollen nach Angaben der Zentralbank morgen 1,2 Trillionen Yuan – umgerechnet 156 Milliarden Euro – bereitgestellt werden." Siehe auch: "Inzwischen mehr als 300 Virus-Tote und 14.000 Infektionen in China." Und: Länder holen Staatsbürger nach Hause.

 

Nachtrag vom 13.2.: Die NZZ listet auf, wo und in welchem Ausmaß sich das Coronavirus verbreitet. Und ein Risikoforscher meint: Aufregung stehe "in keinem Verhältnis zur Realität".