Bericht vom 28.10.2020 der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz –

Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale 

Fortschreibung der KI-Strategie der Bundesregierung vom 19.2.2021


30.1.2021

Macht durch Supercomputing

 

Zwecks Einordnung der allgemeinen und künftigen Lage sollte man zumindest schon mal gehört haben, dass bereits seit 1986 eine International Supercomputing Conference – heute heißt sie ISC High Performance – jährlich in Deutschland stattfindet. Die internationale wissenschaftliche Konferenz präsentiert Themen zu Supercomputer und Hochleistungsrechnen. Das Supercomputing wird auch für die Krankheitsforschung genutzt; insbesondere für Simulationen. 

 

Was dann doch überrascht: Das Projekt Folding@home hat laut eigener Aussage „den leistungsstärksten Supercomputer der Welt geschaffen“. Man wolle damit Sars-CoV-2/Covid-19 besser verstehen, Therapien entwickeln und auf „ein wirksames, patentfreies Medikament“ hinarbeiten – via Simulationen von Proteinfaltung und anderen Arten von Molekulardynamik.

Ein bereits erreichtes Ziel: „Zunächst haben wir neuartige Proteinstrukturen aufgedeckt, die der Forschungsgemeinschaft bisher unzugänglich waren.“ Gelungen ist diese hochkomplexe Berechnung durch Spenden von ungenutzter Rechenleistung, auch von Privatleuten. Die Corona-Krise habe die Zahl der freiwilligen Mitrechner explodieren lassen. Es entstand inzwischen ein riesiges Cluster an weltweit verteilten Computern. Unter anderen beteiligt sich die Gamer-Szene daran. Hier steht ein Erklärvideo von PC Welt dazu. Das Vorgehen: Man installiert die Software von Folding@home und bestimmt selbst, wann und wie viel Rechenleistung man spendet.

 

Beteiligt sind Wissenschaftler der Universität Standford sowie Greg Bowman, Professor für Biochemie an der Washington University in St. Louis, als Direktor des Projekts. Im Interview mit der Zeit hält Bowman die entstandene Chance zum Supercomputing für bahnbrechend: „Die Berechnung unserer einfacheren Probleme würden auf einem normalen Rechner hundert Jahre brauchen. Bei komplizierteren wäre es schnell eine Million Jahre. Mit den Algorithmen, die wir entwickelt haben, brechen wir im Grunde unlösbare Berechnungen in kleine Teile herunter. Diese Arbeitseinheiten, wie wir sie nennen, können unabhängig voneinander auf Hunderten Rechnern parallel verarbeitet werden.“ Folding@home laufe nun auf mehr als 3,5 Millionen Geräten. „Verrückt ist das. Die Rechenleistung, die uns derzeit zur Verfügung steht, schätzen wir als größer ein als das, was die Top-100- bis Top-500-Supercomputer zusammen können.“ 

 

Ebenso unvorstellbar wie diese Rechenleistung ist die potenzielle Macht, die sich daraus geriert. Sicherheitsbedenken sind aber kaum thematisiert; die beteiligten Leute wirken ja auch so sympathisch. Selbst Heise schreibt dazu nur lapidar: „Die Verantwortlichen versprechen, die gewonnenen Daten nicht zu verkaufen oder in irgendeiner Weise damit Geld zu verdienen, sondern die Ergebnisse der Forschung zur Verfügung zu stellen.“ Bestenfalls sieht man sich auch Artikel zum Supercomputing an, die vor Corona entstanden. Die Augsburger Allgemeine zum Beispiel titelte 2018: „Rechnen ist Macht: Wozu die neuen Super-Computer fähig sind.“ Es gehe auch um Wettbewerbsfähigkeit: „Die strategische Bedeutung des Hochleistungsrechnens hat inzwischen auch die Europäische Kommission erkannt. Das eigens gegründete Unternehmen EuroHPC mit Sitz in Luxemburg soll nun ... mit einem Budget von anfangs 1,4 Milliarden Euro den Rückstand auf die Weltspitze aufholen. Bis 2021 soll das EU-Unternehmen zwei Super-computer anschaffen, die zu den fünf schnellsten der Welt gehören und noch mindestens zwei weitere, die zu den 25 besten gehören.“ Entsprechende Technologie solle auch europäisch sein. So geht dann also moderne Aufrüstung für den guten Zweck.

 

Die aktuelle Liste der Top500-Supercomputer ist hier zu finden. Weitere Projekte, die im Rahmen von Künstlicher Intelligenz gegen das Coronavirus kämpfen, hat Thyssenkrupp gelistet. Die interessierenden Themen für die ISC 2021 kann man dort einsehen.

 

Nachtrag vom 4.2.: "Hochleistungsrechner und Quantencomputing haben das Potential, die Digitalisierung aller Lebensbereiche disruptiv zu verändern..." (i.F. Antwort Bundesregierung)