2.1.2021

Integrität stärken!

 

Leider finde ich den Film im Internet nicht, da mir der Titel unbekannt ist. Es geht, wie mir ein Bekannter – fast schon ein wenig traumatisiert davon – erzählte, um einen Typ, der einen Toten entsorgen will und hierfür um Unterstützung in der Nachbarschaft wirbt. Höflich, im schicken Anzug, zwischen den Zeilen um Diskretion bittend. Und die meisten der braven Bürger sind ob dessen seriösen Erscheinungsbildes gleich beeindruckt und sofort hilfsbereit. Ohne irgendeiner Nachfrage, etwa ob er denn den Toten umgebracht hat. Die Nachbarn wollen es gar nicht wissen. Sie helfen einfach dabei, einen Toten zu entsorgen. Weil eine seriös scheinende Type sie darum fragt in einer Weise, als sei das ganz normal. Vielleicht spielt auch ein faszinierter Hauch von abenteuerlicher Komplizenschaft eine Rolle im sonst wenig angeregten Innenleben der Leute.

    

Etwas plakativ wohl, der Film, eine Analyse der psychischen Vorgänge in solch grotesken Situationen könnte jedenfalls zum besseren Verstehen des vergangenen und kommenden Corona-Jahres beitragen. Die augenscheinlichste Parallele liegt in der Weigerung, inhaltliche Verarbeitung von Sachverhalten und Detailfragen zu leisten, ja überhaupt zuzulassen. Die Menge springt einfach auf jeden öffentlich vorbeirauschenden Zug auf. Erstaunlich respektive geradezu tragisch ist, dass den Konsequenzen selbst dann nicht ausreichend Aufmerksamkeit zuteilwird, wenn sie erheblich negative Wirkungen auf die nächste Generation, also auf das Leben der eigenen Kinder, zeitigen werden. Vertrauen und Loyalität gebührt demnach letztgültig irgend-welchen fremden Menschen an den Schalthebeln der Macht. Das Motiv der Vielen, sich stets auf die Seite der scheinbar Stärkeren zu schlagen, speist sich letztlich aus der Angst ums Alleinsein und ins gesellschaftliche Abseits gedrängt zu werden. Weil die große Masse diesen Preis nicht zu zahlen bereit ist, profitieren egoistische Taktierer von ständig zunehmenden Machtzuwächsen. Man lässt sie alles machen, verlangt keine Leistungsnachweise oder Maßhaltung und selbst bei offenkundigen Widersprüchen oder Vergehen geht man großzügig darüber hinweg. Der Fantasie sind stetig weniger Grenzen gesetzt bei der Spekulation über die Frage, wie weit das Gros der Bürger, das alles für bare Münze nimmt und ungeprüft zulässt, noch mitgeht. Was interessierte Kreise auf solchem Nährboden alles anpflanzen könnten ist historisch hinreichend bekannt. 

 

Ein Geschehenlassen – ob durch aktive Mithilfe wie im Film oder passiv als Ergebnis von Fahrlässigkeit – entbindet indessen nicht von Verantwortung und Schuld. Unbekümmert damit weiterleben mag jenen gelingen, die nicht wirklich bei sich sind. Aus der Kognitionswissenschaft betrachtet: „Mit Gedankenlosigkeit oder Mindlessness bezeichnet man … eine Art passiv zu denken, bei der man auf alles, was an Reizen von innen oder von außen kommt, unreflektiert reagiert und nicht aktiv überlegt, ob das auch richtig oder vollständig ist … Man fragt nicht nach oder hinterfragt nicht für sich … Wir reagieren also widerstandslos auf Reize statt aktiv Entscheidungen zu treffen, was wir denken, weshalb dieser Zustand auch ‚inaktiver geistiger Zustand‘ genannt wird … Eine programmierte Maschine quasi, die auf Autopilot steht.“ Genau hier, in der Entmenschlichung, liegt der Schrecken begraben. Das sollte Anlass genug sein, sich vom Heer der Gedankenlosen zu distanzieren. Andernfalls bezahlt man nämlich auch einen Preis: den der persönlichen Integrität. Es könnte ein Vorsatz fürs neue Jahr sein zu reflektieren, ob diese nicht doch mehr wert ist, als die Zugehörigkeit zu einer Schar aus korrumpierbaren, wertbefreiten Autopiloten. Was hat man überhaupt von solchen Kontakten? 

 

Wie man die persönliche Integrität stärken kann erfährt man in diesem Erklärvideo.

 

Ergänzung vom 3.1.: Der negative Einschlag im Beitrag ist kürzlich erlebten schlechten zwischenmenschlichen Erfahrungen geschuldet. Schadensbegrenzung, auch um etwas versöhnlicher ins neue Jahr zu gehen, bietet diese heutige Predigt (ab Minute 21:44).