Kurz vor Weihnachten 2018: Nach dem Auffliegen des Fake-Reporters Relotius kommen endlich etliche Leute, die sich schon lange insgeheim ärgern über die praktizierten Gepflogenheiten in der Medienbranche,

aus der Deckung. Diese Seite dient der Dokumentation von enttarnten Unsäglichkeiten.


21.12.2018: "Highlights der Relotius-Fälschungen" zum Beispiel: Einer Widerstandskämpferin der Weißen Rose wurde ein Statement zur Causa Chemnitz in den Mund gelegt. Aufklärungsbe-

dürftig sei: "Relotius gehörte zum Autorenteam, welches eine Reportage über die umstrittene NGO Mission Lifeline schrieb. Der emotionale Text beeinflusste im Sommer die Debatte über vermeintliche Seenotrettung von Migranten maßgeblich. Zahlreiche Prominente solidarisierten sich mit 'Lifeline' und deren Kapitän. Die katholischen Bischöfe von München‐Freising und Paderborn spendeten 5.000 Euro aus Kirchenmitteln an die Gruppe." Helmut Markwort meint: „Hier wurde ein Fantast für Gesinnung und nicht für Fakten prämiert.“ Die DWN schreiben: "Renommierter Reporter des Wall Street Journal erhebt schwere Vorwürfe gegen den Spiegel ... Auch Sportreporter soll Geschichte erfunden haben." Ein Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, der einen Blogger vertritt, der vom stern "unerbittlich" mit Klagen verfolgt wird, weil er "ein jeglichem journalistischen Handwerk spottendes Rührstück" des Magazins über ein angeblich aus dem Syrienkrieg twitterndes Mädchen kritisierte, resümiert: "Mit seiner kreativen Berichterstattung bewegte sich Relotius sogar innerhalb der Maßstäbe des Deutschen Presserats." Der befand nämlich, "dass die Berichterstattung so differenziert sei, dass daraus nicht der Eindruck entstehe, Bana habe allein getwittert“ (?!). "Ziffer 3, der zufolge veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen seien, ging der Presserat erst gar nicht ein." 

Skepsis bei Meedia, "dass beim Spiegel nun bald die große Umdenke einsetzt, sind einerseits die immer noch durchscheinenden Schwärmereien der Spiegel-Top-Journalisten für den gefallenen Reporter. Und andererseits die beiläufig eingestreuten Selbst-Bestätigungen, trotzdem irgendwie schon alles richtig gemacht zu haben ... ans Eingemachte, ans Grundsätzliche möchte man dann lieber doch nicht gehen." Außerdem hätte man "den Braten früher riechen können". Posener: "Leute aus Fergus Falls riefen am 6. April an, um dem @DerSPIEGEL zu sagen, dass #Relotius lauter Lügen über sie verbreitete. Das passte aber der Redaktion nicht, vermutlich weil die Lügen in ihr Weltbild passten, also passierte: nichts. Das ist der eigentliche Skandal." Hentschel: "Eure Scheinheiligkeit kotzt mich ehrlich an ... Hinweise auf eure Fälschungen wurden im #sponforum konsequent blockiert." Meedia an anderer Stelle: "Doch auch der Branche und ihren zahlreichen, nahezu inflationär ausgelobten Preisen gehört in der Causa Claas Relotius ein Kapitel gewidmet ... sind gerade einige der renommiertesten Wettbewerbe zu einer Selbstbeweihräucherung mit sektenhaften Zügen mutiert ... Relotius dürfte mehr Preise und Auszeichnungen eingeheimst haben als so mancher Popstar ... Es ist schwer, die Übersicht darüber zu behalten, welche Branche aus Film, Musik und Journalismus sich am meisten Preise zuwirft – auch, weil man sich gegenseitig gerne auszeichnet ... Die Website Journalistenpreise.de zählt mehr als 700. Das ist Wahnsinn ... Nur die wenigsten Preise kann man als wirklich unabhängig bezeichnen, oftmals stecken Verbände, privatwirtschaftlich finanzierte Stiftungen oder direkt Konzerne dahinter..." Und sonst: "Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat sich wegen des Betrugs-falls beim 'Spiegel' besorgt gezeigt und eine unabhängige Untersuchung gefordert", weil es in einigen der gefälschten Berichte um US-Politik und Teile der amerikanischen Bevölkerung ging.

 

22.12.2018: Die Zeit: "Bereits 2017 waren beim 'Spiegel' hausintern massive Widersprüche in einer Reportage von Claas Relotius aufgefallen. Doch die Hinweise von Kollegen blieben folgenlos." Die FAZ: "'Spiegel'-Reporter Moreno wurde offenbar mit Rauswurf gedroht." Die Welt: "Relotius als Dauer-Preisträger - Wer das Weltbild bestätigte, stand bald auf der Bühne ... 'Wie es dem Claas Relotius jetzt wohl geht' ... Man müsse jetzt vorsichtig mit ihm umgehen. Wirklich? ... Hat der Reporter der 'Süddeutschen Zeitung' nach dem inneren Befinden des Angeklagten Jörg Kachelmann gefragt ... Welche Gnade wurde Christian Wulff zuteil?" Die NZZ: "Medienbetrieb setzt Anreize für Betrüger. Er lässt sich vom schönen Wort blenden und verachtet 'Langweiler', die seriös, aber unspektakulär die Weltlage reflektieren." Betrug: "keineswegs eine Ausnahme..." Und noch eine Info: "Spätestens, als der Autor darum bat, Texte nicht ins Englische zu übersetzen oder online zu veröffentlichen, hätte er auffliegen müssen." Neue Zuspitzung im Fall "des Skandal-Reporters ... wird das Magazin jetzt Strafanzeige gegen den Autor stellen. Grund: Es besteht der Verdacht, dass er möglicherweise Spendengelder veruntreut hat ... habe Relotius Leser per E-Mail angeschrieben und sie gebeten, ihm Spenden für 'Waisenkinder in der Türkei' auf ein Privatkonto zu überweisen." Zum konkreten Vorgehen des mehrfachen Preisträgers und über sein hartnäckiges Weiterlügen: siehe beim Spiegel.

 

23.12.2018: NZZ: "Relotius hat ein ganzes System hinters Licht geführt. Und zwar nicht erst, seitdem der Erfolg eingesetzt hat. Auf der Website der Hamburger Journalistenschule, die er besucht hat, erwähnt er Arbeiten für den 'Guardian'." Dort hieß es auf Anfrage: "Wir prüfen all unsere Systeme, aber wir haben keine Hinweise, dass er jemals für den 'Guardian' geschrieben oder gearbeitet hat." Interview mit Jörg Thadeuz: Journalistische Arbeit: "Wer belehren möchte, sollte es im Kollegium eines Gymnasiums probieren. Die Beschwörer von Haltung finden bestimmt eine NGO, bei der sie laut, moralisch und generell im Recht sein können ... Wir Medienleute können uns aber selbst fragen: Warum konnte sich Relotius darauf verlassen, Preise zu gewinnen, wenn er Geschichten über dumpfe Amerikaner erfindet? Warum war es so erfolgreich, die Welt journalistisch genau so zu bestätigen, wie sie eine Vorsitzende der Grünen ohnehin sieht? Warum lassen wir uns lieber von einem Betrüger was Passendes erfinden, als zuzulassen, dass die Welt unpassend kompliziert ist?" Und allerdings: "Die Aufarbeitung wird laut Kritikern just von der Gesellschaftsredaktion betrieben – dort, wo das journalistische Talent jahrelang mit Stolz verhätschelt wurde."

 

25.12.2018: Auch Kuba-Bericht gefälscht? "Finanziert wurde der Arbeitsaufenthalt durch ein Stipendium der Heinz-Kuehn-Stiftung, einer Einrichtung der Landesregierung" von NRW. Das Kuratorium der Stiftung leitet Ministerpräsident Armin Laschet.

 

27.12.2018: Gerhard Strate: Wer bevormundender Haltungsschreiberei das Wort redet, legt die Axt an die Wurzel der Pressefreiheit. "Er maßt sich und der journalistischen Zunft an, zu bestimmen, welche Haltung die einzig 'richtige' wäre und in der Folge Kollegen mit der 'falschen' Haltung aufs Abstellgleis zu befördern. Dass eine derartige fatale Verschiebung der Koordinaten des Anstands bei vielen großen Medien längst erfolgt ist, zeigt die weiterhin rasant anwachsende Zahl von Journalistenpreisen ... In der Person von Claas Relotius findet der Haltungsjournalismus als Konzept einen seiner würdigsten Vertreter." Ulrich Schulze: "Das Grundproblem des Journalismus, wenigstens in Deutschland, besteht darin, dass man sogenann-ten Leitmedien und 'Edelfedern' offenbar einfach alles abnimmt ... Auffällig an den Beispielen ist, um welche Medien es sich handelt: Spiegel und SZ, sozusagen ... der BVB der Journalisten-Bundesliga. Unantastbar. Und nicht nur das. Bei der Rolle des Reporter-Forums und des dort ausgelobten Reporterpreises, den Relotius mit gerade 33 Jahren schon viermal gewonnen hatte, wird auch deutlich, dass man sich bei den Leitmedien wechselseitig 'hilft', wenn es darum geht, die vermeintliche Untastbarkeit des Edelfeder-Journalismus zu verteidigen. Der dritte Komplex betrifft die Flut der Journalistenpreise. Die Szene feiert sich selbst; die Medien inszenieren sich, statt nüchtern über andere zu berichten ... Es gibt nur zwei logische Folgen aus diesem Medien-Skandal: Schafft den Begriff Leitmedien, schafft die Bezeichnung 'Edelfedern' und schafft endlich die Inzucht der Journalistenpreise ab. Und dann geht wieder ans Handwerk: Demut, Respekt, Recherche, Nachricht – und dann, vielleicht, ein Kommentar. Bisher läuft es ja anders herum: Meinung first. Aber die meisten Leserinnen und Leser sind in der Lage, sich ihre Meinung selbst zu bilden; sie brauchen das vorgefertigte Lebensmuster der 'Edelfedern' nicht." Außerdem: "Im Fälschungsskandal um einen ehemaligen Spiegel-Reporter hat der Journalist bestritten, von ihm gesammelte Spenden für sich persönlich verwendet zu haben ... Tatsächlich habe ihr Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt 7.000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9.000 Euro aufgestockt und im Oktober 2016 an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak überwiesen ... Er werde allen Spendern ihr Geld vollständig zurückerstatten."

 

28.12.2018: "Deutsche Bischofskonferenz erkennt Claas Relotius Medienpreis ab - 'Wir hätten es begrüßt, wenn Herr Relotius angeboten hätte, den Preis und auch das Preisgeld von sich aus zurückzugeben', sagte der Vorsitzende des Medienverbands." Siehe auch: "Die Kernfrage lautet: Wie sehr steht der Spiegel sich beim Bemühen um eine neue Fehler-Kultur selbst im Weg?" - mit Details zur Führungsriege. Ein Ratschlag aus der Schweiz: "Schauen Sie sich die Lebensläufe der Journalisten an. Und wenn daraus hervorgeht, dass die Betreffenden längere Zeit auf einer Regionalredaktion tätig waren, dürfen Sie das als gutes Zeichen werten. Regionaljournalismus ist für Adepten der Branche die beste und effektivste Lauterkeitsschule..." Außerdem: Personelle Konsequenzen beim Spiegel? Und noch ein Bericht dazu, "wie schwierig es war, die 'Spiegel'-Redaktion von Relotius‘ Fälschungen zu überzeugen – trotz Videobeweisen".

 

29.12.2018: "Unter dem Hashtag #sagenwasist erzählen Reporter, wie sie zu Manipulationen an Texten gedrängt wurden. Ronja von Wurmb-Seibel berichtet von einem Vorgesetzten, der ihr mit auf den beruflichen Weg gegeben haben soll: 'Das Gute am Auslandsjournalismus ist ja, dass niemand rausfinden wird, ob der Mann in Kabul das wirklich gesagt hat.' Redakteure hätten sie auch dazu drängen wollen, Explosionen zu zeigen, wo keine gewesen seien. Dutzende Kollegen hätten sich in den vergangenen Tagen mit ähnlichen Geschichten an sie gewandt." Stichwort "Preishörigkeit": "Das Prinzip 'Wer hat, dem wird gegeben' muss hinterfragt werden." 

 

1.1.2019: "Das, was den Skandal erst ermöglicht hat, wird kaum berührt, ja, so scheint es, verlegen beschwiegen. Wäre der 'Spiegel', ein linksliberales, oft rechthaberisches Blatt, etwas pluralistischer verfasst; gäbe es auf dieser Redaktion mehr Leute, die konservativ eingestellt sind – hätte man Relotius nicht früher überführt?" Er habe die Vorurteile des durchschnittlichen Journalisten bedient. "Flüchtlinge sind grundsätzlich bessere Menschen, ... progressive Leute leben in der Stadt, Verstockte auf dem Land, und Trump ist ein Desaster. Relotius schrieb, was man hören wollte, er log vor, was seine Vorgesetzten und Kollegen bereits glaubten." Außerdem: "ARD-Legende Ulrich Wickert fordert von dem Reporter die Rückgabe sämtlicher Preisgelder ... Wickerts Stiftung hatte Relotius dieses Jahr mit dem Peter-Scholl-Latour-Preis (Preisgeld: 6.000 Euro) geehrt, die Auszeichnung aber nachträglich aberkannt. Nach Bild-Recherchen kassierte Relotius in den vergangenen Jahren Preisgelder von bis zu 40.000 Euro."

 

2.1.2019: "Wer sich die Begründung von journalistischen Preisen ansieht, erkennt, dass es um Haltungsnoten geht ... Gesinnung wird mitprämiert, egal ob bei AfD, Klimawandel, Syrien, Trump oder #metoo ... Bei allem Gruppendruck, Kollegenapplaus ...: Journalistisches Ethos ist wie alle Moral vor allem Sache des Einzelnen. Relotius hat irgendwann beschlossen, unmoralisch zu handeln." Einzelfall- und Systemthese schlössen sich nicht aus. Außerdem: "Die Journaille in Deutschland grübelt nun, was sie aus dem Fall Relotius lernen kann und muss. In der Hochzeit der Flüchtlingskrise vor drei Jahren haben viele Blätter – auch wir – den Fehler gemacht, zu spät erkannt zu haben, wann die Willkommenskultur bei immer mehr Menschen in Angst umgeschlagen ist, dass wir es im Merkelschen Sinne vielleicht doch nicht schaffen."

 

3.1.2019: "Der 'Spiegel' zeigt nicht nur eine bedenkliche Selbstüberschätzung, sondern verliert die Perspektive auf das, was ist ... Das zweite strukturelle Problem liegt in der Menge der Primadonnen und Ränkeschmiede, die beim «Spiegel» arbeiten ... Und zu allem Ungemach: Glaubt wirklich jemand, Relotius sei der Einzige gewesen, der den Haltungs-Sound bediente?" Außerdem: "Natürlich stellen sich im Fall Relotius auch Fragen nach dem Personenkult, dem der Journalismus (ähnlich wie der Literaturbetrieb) immer mehr zu erliegen scheint ... Man begreift sich zusehends als politische 'Vierte Gewalt', in dem man die drei Gewalten miteinander vereint und damit Ermittler, Ankläger und Richter in einer Person ist. Damit fallen immer mehr die Neutralitäts- und Objektivitätsschranken. Journalisten begreifen sich als politische Aktivisten ... Das erzeugte journalistische Produkt scheint eher nebensächlich zu sein ... Über einige der Geschichten von Relotius ... kann ich nur den Kopf schütteln ... was hier vorliegt, ist eine Mischung aus Heftchenroman, Kolportage und Gesinnungskitsch ... Die intellektuelle Redlichkeit scheint mit der 'richtigen' Gesinnung unwichtig zu werden; Moral gilt nur für den Anderen ... Die Karawane wird nach einigem Lamentieren weiterziehen. Das kennt man von ähnlichen Fällen. Schon liest man trotzige Gewissheiten..." 

 

4.1.2019: "Die Texte, die Relotius im 'Spiegel' und anderen Blättern untergebracht hat, sind keine Belege für die Macht einer 'Lügenpresse', sondern sie zeigen, wie Propaganda über 'Fake News' funktioniert: im Sammeln und notfalls im Erfinden von Details, die vor allem das eigene Vorurteil, die eigene Sicht auf die Welt stützen. Es ist die Hybris, selbst alles zu wissen, gemischt mit der Feigheit, den Leuten nach dem Munde zu schreiben." Außerdem: "Mut braucht es vor allem dort, wo man zur eigenen Gruppe auf Distanz geht." Siehe auch: "Wenn Politiker Fehler begehen, verlangen Journalisten sofort personelle Konsequenzen. In der Affäre um erfundene Reportagen beim 'Spiegel' halten sich die Kollegen mit Rücktrittsforderungen zurück. Die Medien messen offenkundig mit zweierlei Mass."

 

5.1.2019: "Dass diese eklatanten Betrügereien erst zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung entlarvt wurden, zeugt von der Ignoranz weiter Teile der deutschen Elite gegenüber Amerika. Relotius ... konnte mit seinen Betrügereien deshalb so lange durchkommen, weil er die Vorurteile von Leuten bestätigte, die sich als Weltbürger geben, aber in Wirklichkeit ebenso provinziell sind wie die republikanisch gesinnten Hinterwäldler ihrer Phantasie. Der Spiegel wird zwar internat-ional als zuverlässige Nachrichtenquelle geachtet, doch er verbreitet seit langem schon einen kruden und sensationslüsternen Antiamerikanismus ... Arbeiten von Relotius lesen sich genau wie das, was man von einem schnöseligen, verweichlichten, selbstgerechten, moralische Über-legenheit vortäuschenden und Latte macchiato schlürfenden Europäer über Amerika zu hören erwartet." Und Helmut Markwort: "Er pflegte mit seinen Texten die anti-amerikanische Haltung des Blattes und lieferte über Flüchtlinge keine realitätsnahen Konflikte, sondern sentimentale Märchen von bemitleidenswerten Kindern, denen die gute Fee Angela Merkel im Traum erscheint. Zum rührenden Flüchtlingskitsch auf der einen Seite erfand er in Amerika Wähler von Donald Trump, die an der Grenze Mexikaner jagen. Die primitiv gezeichneten Typen passten zu den Titelbildern des 'Spiegel', auf denen der amerikanische Präsident nacheinander als Killer der Freiheit, als Ku-Klux-Klan-Mitglied und als Rückentwicklung zum Affen dargestellt wurde."

 

8.1.2019: "Die Legende des Jungen, der angeblich den Krieg in Syrien auslöste." Außerdem: "Auf Drängen der 'Süddeutschen Zeitung': Reporter-Forum entfernt Texte von Claas Relotius aus Liste der Preisträger ... Das diesjährige Reporter-Forum wird von Mai auf März vorgezogen, um möglichst bald über die Konsequenzen aus dem Fall Relotius zu diskutieren. Die nächsten Reporter-Preise werden im Dezember vergeben." ARD-Moderator Alexander Bommes: "Jeder Einzelne habe die Chance, darüber zu bestimmen, wer oder wie er sein wolle und ob die Arbeitsbedingungen den eigenen Werten entsprechen. 'Was das Nutzen dieser Chance verhindert, das ist die Kernfrage'." Siehe auch: "Wenn die politische Meinung stimmt, sind Fake News egal."

 

9.1.2019: "Harald Schmidt sieht Wahrheit und Objektivität in der deutschen Gesellschaft als verschwindende Eigenschaften ... Klassischer Journalismus wird heute für Leute gemacht, die entweder selbst Journalisten sind oder die damit aufgewachsen sind, dass man montags den 'Spiegel‘ kauft ... Die Diskussion über die Relotius-Fälschungen sei auch nur eine für die Branche. Den Rest der Bevölkerung interessiere das 'null'. 'Wenn ich hier draußen jedem, der den Namen Robert Menasse kennt, 100 Euro gebe, komme ich mit Gewinn zurück. Sehen Sie sich doch Umfragen an, was die Leute interessiert. Die sind vollauf damit beschäftigt, sich Katzen-ohren aufzumontieren bei Instagram'.“ Ein Erfahrungsbericht: "Der kleine Europareporter reist allein. Seine Reisen bezahlt niemand, er finanziert sie von seinen kleinen Zeitungshonoraren, daher übernachtet er in den billigsten Dreckslöchern oder auch schon mal im Auto. Er fährt fast ausschließlich in Gegenden, in denen er mit den Menschen in ihrer Muttersprache reden kann. Er hat dafür jahrelang nichts anderes getan als Sprachen zu büffeln. Die Herstellungskosten seiner Reportagen liegen im unteren dreistelligen Bereich, die von Relotius im unteren fünfstelligen..." Außerdem: "Wie Schweizer Medien auf den Fall Relotius reagieren."

 

11.1.2019: Redakteurin der Süddeutschen: "Relotius ist ein Einzelfall." Freie Journalisten hingegen: "Ich habe schon mit Redaktionen zusammengearbeitet, die sich Geschichten mit Protagonisten am Reißbrett ausgedacht haben." Ein anderer Freiberufler: "Einmal habe er ein Interview an die bearbeitende Redakteurin geschickt. Als er es zurückbekam, hatte ihm die Redakteurin eine erfundene Antwort in sein Interview redigiert - eine Antwort, die sein Interviewpartner gar nicht gegeben hatte ... als ob es das normalste der Welt wäre." So viel Wahrheit verträgt der NDR offenbar nicht und bringt kurzerhand die Whistleblower in Verruf: "Unter dem Hashtag #SagenWasIst schrieben Journalisten von Redaktionen, die von ihren Reportern unzulässige Zuspitzungen verlangten, sogar Explosionen erfinden wollten. Manche Reporter berichten auch von eigenen Verfehlungen. Mittlerweile allerdings haben politische Aktivisten den Hashtag gekapert, um unter diesem Stichwort den Journalismus insgesamt in Misskredit zu bringen." Der Nachweis dazu fehlt. Außerdem: "Spiegel und der für Claas Relotius zuständige Mitarbeiter in der Dokumentation trennen sich." Und: Es gibt jetzt den "True Story Award" - Der Preis ist eingebettet in ein Reportagen-Festival im September in Bern.

 

12.1.2019: Götz Aly nervt "dieses vermeintlich hautnah schildernde Geschreibsel, das heutzu-tage im Journalismus als Storytelling verherrlicht wird". Er fragt sich: "Wer überhäufte Claas Relotius mit Preisen? ... die Creme des deutschen Journalismus: hochmögende Moderatorinnen und Moderatoren, Spitzenreporter und -reporterinnen, Chefredakteure und Chefredakteurinnen ... Die Tatsache, dass die Namen der Laudatoren, die Jury-Begründungen und die Lobreden auf den Preisträger Relotius aus dem Internet getilgt sind, finde ich antiaufklärerisch. Nur wer diese Texte kompakt veröffentlicht und die Namen der jeweils Beteiligten nennt, zeigt ein ernsthaftes Interesse, aus diesem, den deutschen Journalismus schwer belastenden Betrugsfall zu lernen." Achgut dazu: "Auf Facebook zirkuliert die vollständige Version von Alys Artikel, bevor" die Namen der Jurys, die Lügenwerke von Relotius zigfach auszeichneten, kollegialer Rücksicht-nahme durch die Berliner Zeitung zum Opfer fielen: Gehard Fürst (Bischof, Diözese Rottenburg-Stuttgart), Tina Hassel (ARD), Brigitte Huber (Chefredakteurin, Brigitte), Claus Kleber (ZDF), Friedrich Küppersbusch (TV-Produzent), Markus Lanz (Moderator), Caren Miosga (ARD), Ines Pohl (Chefredakteurin, Deutsche Welle), Evelyn Roll (Journalistin, Autorin), Theo Sommer (vormals Chefredakteur der Zeit), Jörg Thadeusz (Moderator, WDR), Ulrich Wickert (Stifter).  

 

14.1.2019: Mathias Döpfner: "Wenn das jetzt ordentlich aufgeklärt wird, Konsequenzen jenseits der Bauernopfer gezogen werden und die Menschen nicht das Gefühl haben, dass es hier falsche Branchensolidarität gibt, dann birgt das Ganze auch eine große Chance zur Katharsis. Der Fall geht die gesamte Medienbranche an, nicht nur eine Zeitschrift." Er beklagt auch "ein zunehmend intolerantes Meinungsklima und eine intellektuelle Unfähigkeit, mit anderen Meinungen sowie unterschiedlichen Auffassungen weltoffen und zivilisiert umzugehen. Es ist traurig, wenn sich ausgerechnet Journalisten so eine Haltung zu eigen machen ... die Krise des Journalismus ist im Wesentlichen eine intellektuelle, eine inhaltliche Krise. Journalismus war nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer ganz anderen Relevanz und Brisanz – im Sinne der Wiederherstellung von Demokratie und dem wehrhaften 'Nie Wieder'-Impuls – mit einer ganz anderen Ernsthaftigkeit grundiert. Die Hoch- und Zeitgeistphase von den 70er bis in die 90er Jahre hat dann zur Selbstzufriedenheit und Überheblichkeit geführt." 

 

16.1.2019: Vorbildlich, ohne jede Ablenkung: "10 Jahre Leadersnet...und wie Claas uns dazu bewogen hat, unseren Stil in der Berichterstattung zu überdenken ... Nach dem Skandal zu Weihnachten mit den Fake Spiegel-Geschichten von Claas Relotius haben wir uns bei der Leadersnet für 2019 das Ziel gesetzt jede noch so kleine Ausschmückung die nicht zu einhundert Prozent den Tatsachen entspricht zu unterlassen." Ein Relativierungsversuch hingegen beim Standard: "Das Konzept der Objektivität spricht dem Journalisten seine Menschlichkeit ab" - diese radikale Objektivität hat kein Mensch gefordert.