Ausführliche Analyse von Ines Kappstein zur Wirksamkeit des Mund-Nasen-Schutzes.  

23.8.2020

Zur Dimension der Maskenpflicht mit Nachträgen

 

Der SWR hat einen Soziologen gefragt: „Wie reagiere ich auf eine Person, die keine Corona-Schutzmaske trägt?“  Der Soziologe heißt Stefan Kaufmann, ist außerplanmäßiger Professor in Freiburg und erstellt schon mal Gutachten für das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz oder für das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dem SWR sagte er: „Gewohnheiten umzustellen sei nicht einfach … ‚Bis sich eine Gesellschaft dauerhaft in solchen Gewohnheiten umstellt, braucht es eine Weile.‘ Und wenn die Maskenpflicht auf Dauer bleibe, werde dies sehr lange als Einschränkung in der kulturellen Wahrnehmung behalten.“

 

In dieser Deutlichkeit ist das eine neue Dimension. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußert sich bislang intransparenter: „Selbst wenn ein Impfstoff gefunden wird, beende das nicht schlagartig die Pandemie“, so Tedros Adhanom Ghebreyesus. Deshalb müsse man „Werkzeuge nutzen, die wir zur Verfügung haben“ – ergo Maske tragen etcetera. Kein Staat könne Corona „einfach überwinden, bevor wir keinen Impfstoff haben“. „Aber es gibt keine Garantie, dass das auch gelingt.“ Die WHO legte derweil neue Richtlinien für das Tragen von Masken vor: „Kinder ab zwölf Jahren sollten unter denselben Umständen Masken tragen wie Erwachsene - besonders, wenn sie den Mindestabstand von einem Meter nicht einhalten können und die Infektionsrate in der Region hoch ist.“ Das Regelwerk entstand in Kooperation mit dem Kinderhilfswerk UNICEF. „Kinder unter fünf Jahren sollten laut WHO und UNICEF keinen Mund-Nase-Schutz tragen.“ Teenager spielten nämlich bei der Virusübertragung eine aktivere Rolle als jüngere Kinder. Eine japanische Studie beweist, dass es noch aberwitziger geht: „Superspreader“ seien Frauen unter 30 ohne Symptome, die man am besten „provisorisch zu isolieren“ habe.

 

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer denkt anders herum: „Wenn Kinder im Unterricht Masken tragen, um die Pandemie einzudämmen, dann sollte das für Erwachsene am Arbeitsplatz möglicherweise auch gelten … Viele Unternehmen hätten die Maskenpflicht am Arbeitsplatz ja schon eingeführt … Das könnte auf jeden Fall ein Schritt sein, der auch bundesweit verpflichtend wird, jedenfalls wenn damit die Schließung ganzer Branchen verhindert werden könnte.“ Der Druck auf die Lokalpolitik ist nicht zu übersehen: Nach einigem Hü und Hott (s. dazu die Nachträge zum u.s. Beitrag „Erstickende Maskenpflicht“) der Bildungsministerin Karin Prien heißt es nun aus Kiel: „Ab Montag (24.8.) gilt in Schleswig-Holstein eine Maskenpflicht an Schulen. Schüler und Lehrer aller Jahrgänge müssen demnach auf dem Schulgelände eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen - auch Schüler vor Vollendung ihres sechsten Lebensjahres.“ Immerhin gilt die Maskenpflicht nicht, wie in NRW, im Unterrichtsraum oder beim Sport.

 

Der immens rigorose Aufwand trägt fundamentalistische Züge. Nicht nur Kohorten von Polizisten durchstreifen die öffentlichen Verkehrsmittel und fordern von „Maskenmuffeln“ sofort horrendes Bußgeld, auch dann, wenn nur die Nase zum Atmen von frischem Sauerstoff frei ist.  Ärztekammern drohen mit berufsrechtlichen Maßnahmen, wenn Ärzte (in angeblich hoher Anzahl) Gefälligkeitsatteste ausstellen. Dass bezüglich Attest-Kunden einer Ärztin aus dem oberbayerischen Bad Kohlgrub „unter den beschlagnahmten Daten“ auch „sehr bekannte Namen aus der Bundesrepublik“ waren: ein Schmankerl am Rande. Der Nachweis der Fälschung sei schwierig – vermittelt dem Bürger: Lungenkranke behaupten das vielleicht nur. Die eigentlich bis zum Anschlag überlastete Justiz hat jedenfalls plötzlich Kapazitäten frei: „Wenn es Impfunfähigkeitsbescheinigungen gibt, an deren Berechtigung Zweifel bestehen, bezieht die Ärztekammer Thüringen in einzelnen Fällen bereits die Staatsanwaltschaft ein.“ Doch nicht nur behördlicherseits wird Druck ausgeübt. Selbstherrliche Kontrollfreaks sind auch ohne Verordnung von oben aktiv, wie der Verein Motherhood zu berichten weiß: „Wir haben von einigen Frauen erfahren, die auch während der Geburt eine Maske tragen mussten. Für diese Regelung gibt es jedoch keine Empfehlung von gynäkologischen Fachgesellschaften oder der Weltgesundheitsorganisation.“ In der Krise sieht man, wie die Mitbürger tatsächlich ticken.

 

Eine seltsame Kehrtwende ist das mit der uferlosen Radikalisierung der Maskenpflicht. Noch im April schrieb der österreichische Kurier: „Sechs renommierte Gesundheitsorganisationen sehen die ‚Maskenpflicht‘ für Gesunde aber skeptisch.“ Die WHO empfahl das Tragen von Masken „nur in speziellen Fällen“: „Wenn Sie Husten, Fieber und Atemschwierigkeiten haben, tragen Sie eine Maske und suchen Sie medizinische Versorgung auf. Wenn Sie diese Symptome nicht haben, brauchen Sie auch keine Maske tragen, da es keine Beweise gibt, dass sie Menschen schützt, die nicht krank sind. Die Organisation warnt aber auch vor dem Tragen einer Maske, denn das Tragen könne ‚ein falsches Gefühl des Schutzes vermitteln und eine Infektionsquelle sein, wenn sie nicht richtig verwendet wird‘. Diese Meinung teilen auch das US-Zentrum für Krankheitskontrolle (CDC), die Berliner Charite, das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI), das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES).“

 

Die österreichische Rechercheplattform Addendum erinnerte Ende Juli daran: „Bis heute gibt es allerdings keine wissenschaftliche Einigkeit über ihren Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Die Corona-Datenbank der WHO, die aktuell rund 44.000 Studien und wissenschaftliche Artikel umfasst, enthält 577 Arbeiten, die sich mit Nutzen und Risiken des Mund-Nasen-Schutzes auseinandersetzen. Während viele Studien zu dem Ergebnis kommen, die Maskenpflicht können zu einer Verlangsamung des Infektionsgeschehens beitragen, gibt es zahlreiche andere, die zu deutlich pessimistischeren Einschätzungen kommen.“ Was dem gesunden Menschenverstand entspricht, von etablierten Medien aber hochnäsig bagatellisiert wird: Eine „Studie des Universitätsklinikums Leipzig kommt zudem zu dem Ergebnis, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes die körperliche Belastbarkeit gesunder Menschen erheblich vermindert. Vor allem bei körperlich anstrengender Arbeit stelle die Maske eine Belastung dar und führe zu einer merklichen Beeinträchtigung des Wohlbefindens.“ Jedem Kleinkind leuchtet das ein.

 

Addendum moniert des Weiteren, dass nicht zwischen Infizierten und Erkrankten unterschieden wird. Zwischen positiv Getesteten und Infizierten übrigens auch nicht. „Dabei wäre genau diese Zahl für unseren Umgang mit der Pandemie entscheidend.“ Der Mediziner Andreas Sönnichsen: „Rund ein Prozent der Tests sind falsch-positiv, daraus erschließt sich, dass die Zahlen am Dashboard viel zu hoch sind und umso höher werden, je mehr Tests durchgeführt werden … Das Coronavirus ist nicht so gefährlich wie ursprünglich gedacht, und wir wissen nun besser, wie man die Patienten behandeln muss.“ Die Existenz von Grippe und anderen potenziell tödlichen Erkrankungen nehme man auch einfach hin. Wir müssten „anfangen zu akzeptieren, dass es nun auch noch Covid-19 gibt … aber die derzeitige Strategie kostet uns als Bevölkerung mehr gesunde Lebensjahre, als Covid-Tote gerettet werden“. Solche Aspekte liegen nicht im Fokus des WHO-Chefs. Der „erwartet weitreichende Veränderungen“: „Auch in der Geschichte zeigt sich, dass Krankheitsausbrüche und Pandemien Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme verändert haben.“ Bei einer akuten Pandemie sollten solcherlei Überlegungen eigentlich hinten anstehen.  Stattdessen liegt der politische Kulturkampf im Fokus. Kein Wunder, bei seiner Vitae. Die Tigray People’s Liberation Front war übrigens eine „marxistisch-leninistische Befreiungsbewegung“ und ist heute eine „offiziell demokratisch-sozialistische“ Partei. Da stellt sich insgesamt nur noch die Frage, wie die künftige Kultur, die der WHO-Chef erwartet, dann heißt. 

 

Nachtrag: "Im Stuttgarter Landtag müssen Politiker auch weiterhin keine Masken zum Schutz vor dem Coronavirus tragen." Die Verwaltung empfiehlt es aber. Nachtrag vom 30.8.: Wolfgang Schäuble: "Wir sollten auch im Bundestag immer Masken tragen." Außerdem"Die Kritik an der Maskenpflicht in Schulen wächst. Die Oberärztin der Kinderambulanz ... in Herdecke, Dr. med. Karin Michael, hat sie in einem offen Brief an die NRW-Schulministerin zusammengefasst. Diesen Brief haben mehr als 100 Mediziner, Sozialarbeiter und Lehrer aus ganz Deutschland unterschrieben. - Negative Einflüsse auf Kinderpsyche befürchtet - Die Maskenpflicht könne zudem Angststörungen, wie Waschzwang oder Schlafstörungen verstärken." 

 

Nachtrag vom 24.8.: NRW-Gesundheitsminister "Karl-Josef Laumann (CDU) lehnt eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz ab. Statistiken zufolge gingen nur rund sechs Prozent der Corona-Neuansteckungen auf den Arbeitsplatz zurück." Außerdem: Audio einer Mutter.

 

Nachtrag vom 27.8.: "Nordrhein-Westfalen setzt die umstrittene Maskenpflicht im Unterricht für Kinder und Jugendliche an weiterführenden Schulen aus." Lokalkompass kommentierte zuvor: "Die dauernde Maskenpflicht für alle Schüler in weiterführenden Schulen ist unzumutbar und verstößt zudem gegen den Gleichheitsgrundsatz." Im Netz äußerte sich ein verzweifelter Vater: Schüler dürften die Maske während des Unterrichts noch nicht mal absetzen, um was zu trinken.

Siehe auch"Normen­kontrolleilantrag gegen Mund-Nasen-Bedeckungen in Schulen unzulässig - Schüler sehen ihre Gesundheit und Konzentrations­fähigkeit beeinträchtigt."

 

Nachtrag vom 28.8.: Kanzleramtsminister "Helge Braun droht Maskenverweigerern - Die Politik hat es beschlossen: Das Tragen von Masken wird zur heiligen Pflicht erklärt." Braun erklärte bei Maybrit Illner, man werde streng durchgreifen. "Alle nicken nachdrücklich." Siehe außerdem: "...gesundheitsgefährdende Mund-Nasen-Schutz-Masken sind weder wirksam noch sicher."

 

Nachtrag vom 31.8.: Zahlreiche importierte Corona-Schutzmasken haben sich bei Qualitäts-prüfungen als mangelhaft erwiesen. Mehr als 3.000 Laborprüfungen habe es gegeben. 20 Prozent der Masken haben das Checklisten-Verfahren nicht bestanden. Bei der Laborprüfung für Masken, die das Checklisten-Verfahren bestanden haben, fielen 40 Prozent durch.

 

Nachtrag vom 2.9.: "Eine Gruppe von Ärzten und Forschern - darunter der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel vom UKE und der ehemalige Hamburger Staatsrat Matthias Gruhl - stößt eine neue Debatte über die Maskenpflicht an. In einem jetzt veröffentlichten Thesenpapier kommt sie zu dem Schluss, dass es bislang keine wissenschaftlich fundierten Antworten auf die Frage gibt, wann Corona-Schutzmasken sinnvoll sind und wann nicht ... es gehe nicht um ein Entweder-Oder zur Maskenpflicht, sondern allein um die Frage, in welchen Situationen ein Restrisiko einer Ansteckung hingenommen werden sollte." Unterstützung bekommt die Gruppe vom Virologen Jonas Schmidt-Chanasit. "Einige Politiker, so ihre Kritik, würden diese zweite Welle herbeireden - ebenfalls ohne eine wissenschaftliche Grundlage." OVG Schleswig: "Richter sehen im Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung keine maßgeblichen allgemei-nen Gesundheitsgefahren für den Maskenträger" (das sollte man sich merken). VG Wiesbaden: "Gericht verbietet 'dringende Empfehlung' zur Maske im Unterricht." Zwar sei die Schule verpflichtet einen Hygieneplan aufzustellen, "für die dringende Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch im Unterricht gäbe es allerdings keine Rechtsgrundlage". Die "dringende Empfehlung der Schule" gehe über eine einfache Bitte oder Empfehlung hinaus. "Nach Auffassung des Gerichts würde so eine Form von Zwang ausgeübt, so dass im Falle einer Abweichung mit 'Sanktionen' oder gar diskriminierendem Verhalten durch die Lehrer zu rechnen sei. Das Tragen von Masken im Unterricht dürfe nur eine Ausnahme und nicht der Regelfall sein. Gegen den Beschluss kann binnen zwei Wochen Rechtsmittel eingelegt werden."

 

Nachtrag vom 3.9.: "Papst segnet ohne Maske!" Bild dazu weiter: "Auch in Zeiten der – abgeklungenen – Pandemie gilt: Dieser Papst kennt keine Berührungsängste!" Außerdem: "Die oberste Medizinerin Kanadas hat zum Schutz gegen das Coronavirus das Tragen einer Maske auch beim Sex empfohlen. Wer Sex mit jemandem habe, der nicht im eigenen Haushalt wohne oder der zu den Corona-Risikogruppen zähle, solle dabei einen Mund-Nasen-Schutz tragen."

 

Nachtrag vom 7.9.2020: "Wegezoll für die 'neue Normalität' ... Schon die direkten gesundheit-lichen Folgen durch die erschwerte Atmung, die Rückatmung verbrauchter Luft, die Entstehung von Hautreizungen und Ausschlägen hinter der feuchten Maske, dem ein völlig zweifelhafter möglicher Nutzen gegenübersteht, hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Ablehnung jedes derartigen Forschungsplans geführt ... Zu ähnlichen Ergebnissen hinsichtlich der nicht vorhandenen Evidenz der sogenannten Alltagsmasken kam schon zehn Jahre vorher, im September 2009, das Europäische CDC in einem Leitfaden ... Eine Arbeit von Bae, Kim & Kim (2020) kommt zum Schluss, 'dass keine der untersuchten Masken (auch nicht die chirurgische Maske) eine effektive Filterleistung erzielte' ... Forschungsstand ist mindestens widersprüchlich ... Eine Dissertation aus dem Jahr 2005 hält ... fest: 'Es ist eine Tatsache, dass das Operationspersonal, vor allem bei längeren Operationen, über Müdigkeit und wiederholtes Gähnen klagt ... Das Ergebnis dieser Studie zeigt bei beiden untersuchten Maskentypen einen signifikanten Anstieg des Partialdruckes für Kohlendioxid im Blut der Probanden' ... gibt es einen RKI-Befund, der die virenpräventive Wirkung des Maskenzwangs massiv in Frage stellt ... So bleibt also festzuhalten, dass der Nutzen eines Mund-Nasenschutzes längst nicht in dem Maße erwiesen ist, wie es Politik und Medien behaupten. Über den Sinn der eigentümlichen Gewissheiten kann nur spekuliert werden ... können sich fremde Interessen einlagern."

Stigmatisierung: "Inzwischen gebe es viele Werkstätten, die für Menschen, die von der Maskenpflicht befreit wurden, eine Armbinde nähen." (!) Außerdem: "Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat einen Eilantrag gegen die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen abgelehnt. Eine Mutter hatte den Antrag im Namen ihres zehn Jahre alten Sohnes gestellt ... Die Einschränkungen durch das Tragen einer Maske seien hinnehmbar ... Gegen den Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs gibt es keine Rechtsmittel."

 

Nachtrag vom 15.9.: "Am Südpol herrscht strikte Maskenpflicht - Nach ihrer Ankunft in der amerikanischen McMurdo-Station ... müssen die Forscher nun zwei Wochen lang eine Maske tragen. Die strikten Vorsichtsmaßnahmen haben einen Grund: Die Antarktis ist bis heute der einzige Corona-freie Kontinent der Erde." Ärzte vermuten Covid-19-Immunisierung durch Maskenpflicht. Grund: Das Virus kann Nase-Mund-Bedeckungen durchdringen. VG Koblenz: "Lehrkräfte können den Kontakt mit anderen Schülern auf dem Schulgelände unterbinden, wenn ein Schüler auf dem Schulgelände keine geeignete Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) trägt."

 

Nachtrag vom 16.9.: "VG Neustadt hat entschieden, dass ein Schüler einer Schule in Speyer auf dem Schulgelände kein Gesichtsvisier ('Face Shield') statt einer Alltagsmaske tragen darf ... wies sein Vater mit Schreiben vom 2. September 2020 an den Schulleiter des Gymnasiums unter Vorlage eines ärztlichen Attestes vom 1. September 2020 darauf hin, dass der Antragsteller aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen könne. Er bitte darum, dass der Antragsteller mit einem Visier am Unterricht teilnehmen könne. Der Schulleiter des Gymnasiums den Antrag mit der Begründung ab, dass vom Antragsteller vorgelegte ärztliche Attest erscheine derzeit nicht geeignet, um von der Maskenpflicht zu befreien, da es an einer schlüssigen ärztlichen Begründung fehle. Es werde anheimgestellt, die bestehenden Bedenken zu zerstreuen.

Dagegen legte der Antragsteller Widerspruch ein und suchte ferner mit der Begründung um vorläufigen gerichtlichen Rechtsschutz nach, das Face-Shield sei eine Mund-Nasen-Bedeckung im Sinne der Zehnten Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz. Im Übrigen ergebe sich aus dem ärztlichen Attest vom 1. September 2020, dass er aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Maske tragen könne und die Verwendung eines Face-Shields ausreichend sei." Das VG lehnte den Eilantrag des Antragstellers ab: "Der Antragsteller habe keinen Anordnungsanspruch glaubhaft gemacht ... Zwar habe er das nach dem Hygieneplan-Corona erforderliche ärztliche Attest vorgelegt. Diesem fehle es jedoch an Aussagekraft. Aus dem Attest müsste sich nachvollziehbar mindestens ergeben, auf welcher Grundlage der Hausarzt seine Diagnose gestellt habe und wie sich die Krankheit im konkreten Fall darstelle..." (!)

 

Nachtrag vom 22.9.: Datenschutz passé und Untergrabung des Vertrauens in Ärzte: "Ein pauschales Arzt-Attest ist laut einem Beschluss des VG Würzburg für die Befreiung von der Maskenpflicht in Schulen zu wenig ... 'Es fehlt', so das VG, in solchen Fällen 'an der konkreten Diagnose eines Krankheitsbildes' ... Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Gefälligkeitsatteste die Maskenpflicht und deren Wirksamkeit unterliefen." Siehe auch: "Wer keine Maske trägt, der kommt am AG Reutlingen nicht weiter als bis zur Pforte. Weil ein Mann deshalb seine Verhandlung verpasste, behandelte ihn das Gericht so, als sei er unentschuldigt ferngeblieben."  

 

Nachtrag vom 24.9.: "Drosten zu Masken: 'Reine Spekulation' - Unglaubliche Aussagen im Bundestag – und völliges Schweigen" - Video aus dem Gesundheitsausschuss ab Minute 8:15. Außerdem: "Einsätze der Bundespolizei zur Durchsetzung der Maskenpflicht ... Ergänzend kann die Bundespolizei dort, wo geboten, im Rahmen des sog. 'Ersten Zugriffs' der zuständigen Verwaltungsbehörde des Landes die Personaldaten des betroffenen Fahrgastes zur Ahndung einer Ordnungswidrigkeit anlässlich des nicht oder nicht vollständigen Bedeckens von Mund und Nase im öffentlichen Schienenpersonenverkehr ... übermitteln."

 

Nachtrag vom 27.9.: "Städte- und Gemeindebund will Ausweitung der Maskenpflicht."

 

Nachtrag vom 29.9.: SPD fordert: "bundesweite Maskenpflicht auf belebten Straßen und Plätzen." Sachsen-Anhalt: "Das Land der Maskengegner..." VG Düsseldorf: "Schulleitung in NRW kann Schüler nicht wegen Verletzung der Maskenpflicht vom Unterricht ausschließen - Befugnis kann Infektions­schutz­behörde zustehen ... Zwar könne bei Vorliegen einer konkreten Gesundheitsgefahr ein Unterrichtsausschluss ... gestützt werden ... Eine solche Gefahr habe hier aber nicht vorgelegen. Der Schüler habe weder unter einer Corona-Infektion noch einer anderen ansteckenden Krankheit gelitten. Die Vorschrift bezwecke auch nicht die Abwehr abstrakter Gefahren, wie etwa die Verletzung von Pflichten, die der Gesundheitsvorsorge dienen..." 

Siehe auch: "Kontroverse über Masken geht weiter – Nutzen oder Gefährdung unklar ... Die vielzitierte WHO-Metastudie über Gesichtsmasken, die eine 80%ige Risikoreduzierung behauptete und maßgeblich an der globalen Veränderung der Gesichtsmaskenpolitik beteiligt war, hat sich als ernsthaft fehlerhaft und 'im Wesentlichen nutzlos' erwiesen. Die WHO-Metastudie täuschte Gesundheitsbehörden, 'Experten' und die Medien auf der ganzen Welt."

 

Nachtrag vom 30.9.: ZDF-Drehscheibe: "Maske trainiert die Atemmuskulatur und verbessert Kondition!" China: "Mehrere Todesfälle wegen Corona-Maske im Sportunterricht."  Schüler: "ab der fünften Klasse müssen nach den Herbstferien in Schleswig-Holstein für zwei Wochen auch im Unterricht Masken tragen." Maskenpflicht: "in Berliner Büros: Droht bei Verweigerung die Kündigung?" München: Maskenpflicht in der Innenstadt wieder aufgehoben.

 

Nachtrag vom 4.10.: Zur Wiedervorlage, wenn der gesunde Menschenverstand wieder funktioniert: BR24: "#Faktenfuchs: Warum Maskentragen für Kinder unbedenklich ist ... Masken führt nicht zu steigendem CO2-Gehalt im Blut." Ähnliche Kampagnen quer durch die Medien.

 

Nachtrag vom 11.10.: "...Derzeit befinden sich insgesamt im Bundesbestand ca. 1,1 Mrd. Masken (Stand: 37. KW). Davon sind rund 517 Mio. Masken auslieferungsfähig..."

 

Nachtrag vom 22.10.: "Laut Düsseldorfer Presseamt darf die Maske für den Nikotingenuss nicht abgesetzt werden. Auch für das Essen einer Bratwurst gibt es bereits Vorschriften  ... Antwort der Stadt: 'Die Maske darf zum Rauchen innerhalb der betroffenen Bereiche nicht abgesetzt werden.' Beim Essen verhalte es sich so, dass beim Abbeißen kurzzeitig die Maske heruntergezogen werden dürfe. Kauen könne man allerdings mit Maske, daher müsse diese nach dem Abbeißen wieder aufgesetzt werden." GEW fordert: "generelle Maskenpflicht" in Schulen. Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt ab Minute 6:25 in diesem Video: Es gebe keine wissenschaftliche Evidenz darüber, dass Alltagsmasken hilfreich sind. "Die Viren werden damit nicht aufgehalten … Ich glaube, dass man den Mund-Nasen-Schutz da tragen kann, wo man den Abstand nicht wahren kann." Das Tragen etwa auf einem öffentlichen Marktplatz sei aber medizinischer Unsinn. Das Maskenthema sei extrem polemisch diskutiert. "Ich finde, dass wir darüber nachdenken dürfen in dieser Gesellschaft, ob die Vermummung, und sich vermummt gegenüber zu treten, ein Standard werden soll und muss." Es mache was mit der Gesellschaft, wenn in den 1970er Jahren im Rahmen der Terrorbekämpfung ein Vermummungsverbot durchgesetzt wurde, und nun ein Vermummungsgebot herrscht. Er sei aber kein genereller Maskengegner. Karl Lauterbach fordert nun Reinhardt zum Rücktritt auf. Nachtrag: "Zwei Tage, nachdem er den Nutzen von Alltagsmasken (Anm. der Redaktion: Stoff- und OP-Masken ohne Filter) bei der Bekämpfung der Pandemie in Zweifel gezogen hat, ist ... Klaus Reinhardt zurückgerudert. 'Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spricht für einen Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes'." Diese Info ist einseitig. Bezüglich dieser Studie heißt es: "Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit."  


Siehe hierzu auch die "Maskenpflicht Karte": Wo noch nicht mal ärztliche Atteste akzeptiert werden (dürfte in einem Rechtsstaat eigentlich strafrechtlich relevant sein) und wo man hingegen bei Gesundheitsproblemen maskenfrei einkaufen kann. Video einer Anwältin

15.8.2020

Erstickende Maskenpflicht 

 

Corona stärkt den Zusammenhalt, heißt es nun unter Bezug auf eine Studie der  regierungs-treuen Bertelsmann Stiftung. Schon alleine Recherchen zur Maskenpflicht zufolge ist das Gegenteil der Fall. Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen müssen sich im ÖPNV oder beim Einkaufen ohne Maske trotz ärztlichem Attest auf Anfeindungen ihrer Mitmenschen gefasst machen, mancherorts dürfen sie auch nicht ins Geschäft. Alternatives Abstandhalten wird von Inhabern des Hausrechts in solchen Fällen nicht in Betracht gezogen. Es geht ausschließlich um die exzessiv rigorose Pflichterfüllung, losgelöst von jeglicher Umsicht und Logik. Etablierte Medien forcieren diese Aufhetzung etwa mit wiederholtem Posting von Artikeln über gefakte ärztliche Atteste – die es im Einzelfall geben mag, aber ganz sicher nicht die Regel sind.    

 

Die Ausstellung der Atteste im Wortlaut ist uneinheitlich. Das reicht von „aus medizinischen Gründen unzumutbar eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen“ – teils mit spezifischer Diagnose, womit man noch weit vor die Datenschutzgrundverordnung zurückfällt – bis hin zu „sollte von der Maskenpflicht befreit werden“, obwohl gravierende Atemnot bei Nasenbedeckung angenommen werden kann. Eine differenzierte Abwägung ist offenbar nicht vorgesehen. So ist es sicherlich vielen Lungenkranken möglich den Mundschutz eine Weile zu tragen, solange die Nase zum Atmen von frischem Sauerstoff frei bleibt. Ein Attest aber könne nur vom Mund-Nasen-Schutz als Ganzes befreien, so die Aussage eines Hausarztes. Warum? Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund dafür. Denn vor allem beim Sprechen werden Tröpfchen und Aerosole ausgestoßen. Niesen fällt in aller Regel nicht an, wenn man nicht erkältet ist; und falls doch, bleibt die Armbeuge. Wie üblich geworden hierzulande muss aber alles radikal sein. Ganz oder gar nicht. Betroffene werden sich jedenfalls nicht darauf verlassen können, dass sie mit einem laschen Wortlaut im Attest weit kommen. Die Interpretation der Richtigkeit angewandter Ausnahmeregelungen von der Corona-Verordnung obliegt nämlich, jedenfalls in der praktischen Konsequenz, medizinischen und juristischen Laien wie Geschäfteinhabern oder Zugschaffnern. Die Regierung setzt der Bevölkerung also unkonkrete Vorgaben vor und guckt dann seelenruhig zu, wie sich die Bürger untereinander darum spalten. Ein Richard von Weizsäcker als Bundespräsident hätte sich schon längst versöhnlich zu Wort gemeldet und um Verständnis geworben, wenn Personen aus medizinischen Gründen die Nase frei haben müssen.   

 

Die Mainstreammedien produzieren derweil ihre fragwürdigen Helden: zum Beispiel ein Orthopäde und Notfallmediziner, der einer Patientin unter anderem antwortete, dass „nach seiner Ansicht auch chronisch lungenkranke Patienten vom Maskentragen profitierten, indem sie sich selbst und andere vor Infektionen schützen“. Die Bagatellisierung von Atemnot aus der Feder eines Arztes als weiterer Baustein hin zu einer zynischen Gesellschaft. Entkopplung von Recht und Gesetz erscheint da nurmehr als Nebenwirkung: „Der Arzt wird jetzt gefeiert: Teilweise im Minutentakt bekam die Praxis Lob und Fünf-Sterne-Bewertungen – fast überwiegend von Menschen, die nie dort gewesen sind.“ (!) Die Einordnung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zur Abweisung lungenkranker Kunden in Geschäften trotz Attest kommt übrigens nicht minder zynisch daher: „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Kund_innen davor, wegen einer Behinderung benachteiligt zu werden … Wenn Kund_innen wegen einer vorübergehenden Erkrankung keine Maske tragen können oder wegen einer chronischen Erkrankung, die sie normalerweise nicht an der gesellschaftlichen Teilhabe hindert, können sie sich nicht auf das AGG berufen … Eine ausnahmslose Durchsetzung der Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, hat zunächst eine gegenüber Menschen mit beispielsweise behinderungsbedingten Atemwegserkrankungen, Epilepsien usw. mittelbar benachteiligende Wirkung … Eine mittelbare Benachteiligung liegt allerdings dann nicht vor, wenn die Maskenpflicht sachlich gerechtfertigt werden kann und diese Regelung angemessen und erforderlich ist.“ Die Gesundheit des einzelnen Menschen, soweit es sich nicht um Corona handelt, zählt also entgegen aller Schlachtrufe wie „Bleiben Sie gesund“ gar nichts. 

 

Corona stärkt Zusammenhalt ausschließlich unter Konformisten, die gedankenlos im Kollektiv alles sofort hinnehmen und übereifrig, bis hin zur Skrupellosigkeit, befolgen. Persönliche Verantwortung war gestern. Wie weit diese nebulöse Kampftruppe noch geht ist nicht abzusehen.

 

Siehe auch: "Kasernenton" statt Empathie: Erneut schockiert eine amtliche "Anordnung zur häuslichen Absonderung", diesmal vom Landkreis Ludwigslust-Parchim: Eine entsetzte Mutter: "Es kann mich niemand zwingen, zwei Meter Abstand zu meinem Kind zu halten." Die Drohung: "Sollten Sie den Ihre Absonderung betreffenden Anordnungen nicht nachkommen, so hat die Absonderung zwangsweise durch Unterbringung in einer geeigneten abgeschlossenen Einrich-tung zu erfolgen." Können Kinder unter Corona-Verdacht aus der Familie gerissen werden? "Im Zweifel: ja!" Siehe auch: "Schulamt Neuruppin hat einen Schulleiter gestoppt, der sich in einem Schreiben an die Eltern gegen die Maskenpflicht in seiner Grundschule in Rathenow gewandt hatte." Zu möglichen Konsequenzen für den Schulleiter wollte sich die Sprecherin nicht äußern.  Video von Bild: "Vater hat Schnauze voll von Maskenpflicht an der Schule." Außerdem: "Bild-Reporter zum Corona-Irrsinn - 'Ich hab' die Nase voll!' - Kann es sein, dass Corona nicht nur die Lungen befällt, sondern auch den Verstand derer, die den Kampf gegen das Virus organisieren? 

Behörden ... schließen ein Gymnasium, die Realschule nebenan macht Unterricht nach Plan..." 

 

Nachtrag vom 20.8.: Apotheker Prof. Dr. Markus Veit "ist entsetzt! Er ist entsetzt über Stellungnahmen aus der Politik und von den Medien und ... über Urteilsbegründungen zur Maskenpflicht ... Unabhängig vom Einsatzgebiet mussten bisher alle Masken individuelle Normen erfüllen ... Seit März ist es nun völlig egal, welche Masken wir ... verwenden ... Wieso wird seitens der Experten ... dazu geschwiegen; und nicht nur das; es wird sogar proaktiv mitgemacht ... Die mangelhafte Schutzwirkung von Alltagsmasken ... ist in der wissenschaftlichen Welt basierend auf den bisher vorliegenden Daten unstrittig. Das wissen auch unsere Politiker und das RKI, deshalb wurde auch zunächst von der Verwendung von Masken abgeraten. Warum es zu einer Änderung in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit kam und einem Zwang, Masken in bestimmten Situationen zu tragen, da­rüber kann man nur spekulieren – zumal das zu einem Zeitpunkt passierte, als der Infektionsdruck bereits am Abklingen war ... Einen Schutz vor Ansteckung bieten alle diese Masken ohnehin nur bedingt – wenn überhaupt ... Täglich werden wir von den Medien, selbst ernannten 'Faktencheckern' und Politikern mit Halbwahrheiten zu Masken belehrt. Durch die von Politik und Medien geschürte Verunsicherung sehe ich inzwischen sogar Menschen mit Masken allein im Auto oder auf dem Fahrrad, sogar beim Wandern und Spazierengehen … sic! ... Postskriptum: Unmittelbar vor Druck dieses Meinungsbeitrages ist die Stellungnahme ... der Gesellschaft für Virologie ... erschienen, die ich mit Befremden zur Kenntnis nehme. Zum Nutzen von Masken wird nur eine einzige Metaanalyse zitiert ... Eine jüngst erschienene Metaanalyse, die ... zu einem ganz anderen Ergebnis kommt, wird nicht zitiert. Schließlich wird von der Ad-hoc-Kommission ausschließlich der putative Nutzen solcher Masken adressiert nicht deren Risiken ... Solange insbesondere die Risiken von Masken bei Kindern im dauernden Gebrauch und durch Auf- und Absetzen nicht eindeutig untersucht sind und dann eine Nutzen-Risiko-Bewertung positiv ausfällt, erachte ich den Einsatz von Masken bei Kindern als unethisch und möglicherweise gefährlich."

 

Nachtrag vom 19.8.: "Jetzt auch Maskenpflicht an Schleswig-Holsteins Schulen ... für alle Jahr-gänge. Noch ... nach der ersten Schulwoche hatte Prien eine Maskenpflicht als nicht geboten eingestuft ... Zuvor hatte das Verwaltungsgericht in Schleswig entschieden, dass ein Kieler Schüler, der gegen das Tragen einer Maske im Unterricht Widerspruch eingelegt hatte, die Mund-Nasen-Bedeckung vorerst nicht aufziehen muss. Der Widerspruch habe aufschiebende Wirkung, weswegen die Verpflichtung ihm gegenüber vorläufig nicht durchgesetzt" wird. 

 

Nachtrag vom 20.8.: "Verwirrung um Äußerungen der Kieler Bildungsministerin - Doch keine Maskenpflicht im Schulunterricht ... Bildungsministerin Karin Prien sagte ..., die etwa 60 der 791 Schulen im Land, die eine solche Pflicht verfügt hätten, müssten ihre Corona-Hygienepläne ändern. Am Vortag hatte sich Prien noch gegenteilig geäußert, Journalisten reagierten deshalb verwundert. Freiwillige Vereinbarungen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch im Unterricht seien zwar möglich. Eine Pflicht dazu wäre aber derzeit nicht verhältnismäßig, sagte Prien unter Hinweis auf niedrige Infektionszahlen im Land. Diese Auffassung teilten auch einbezogene Wissenschaftler ... Auch die Gewerkschaft GEW attackierte die Ministerin. 'Frau Prien raubt den Lehrkräften den letzten Nerv mit ihrem Schlingerkurs'." Hingegen: "Schüler in NRW müssen weiter eine Alltagsmaske im Unterricht tragen. Das OVG in Münster wies Eilanträge gegen die Maskenpflicht ab. Sie stelle zwar eine erhebliche Belastung dar, sei aber voraussichtlich rechtmäßig ... Drei Schüler im Alter zwischen zehn und 15 Jahren zogen dagegen vor Gericht. Dort hatten sie geltend gemacht, dass der Nutzen der Alltagsmaske wissenschaftlich nicht belegt sei ... Das Gericht folgte dem jedoch nicht ... Belastbare Erkenntnisse für die Annahme, dass die Masken die Atmung beeinträchtigen könnten, lägen ebenfalls nicht vor. Die Maskenpflicht stelle für die Schüler 'fraglos eine erhebliche Belastung' dar, sei aber zumutbar."


25.7.2020

Auf dem Weg zum Termitenstaat mit Nachträgen

 

Aus dem Dritten Sektor heraus wird erneut dazu eingeladen, die „post-pandemische  Wirklich-keit“ – falls es die jemals geben wird – zu gestalten und über einen „neuen  Gesellschaftsvertrag“ in der „neuen Wirklichkeit“ zu diskutieren. Eingeladen zum Workshop Anfang August sind nicht nur junge Studierende aus Deutschland, Norwegen und Polen, sondern explizit auch „#gamechanger“. Wenn auch der Begriff schon länger in anderen Kontexten herumschwirrt, so mutet er im Zuge der folgenreichen Corona-Krise doch wenig ernsthaft an. Das Zusammenleben ist demnach ein Spiel und der Änderung der Spielregeln nimmt sich jetzt die akademische Sphäre aktionistisch an – freilich ohne die arbeitende Bevölkerung, die für so was gar keine Zeit hat, nach ihrem Einverständnis zu fragen. Im Einladungstext wird über die „Epidemie-Situation“ festgestellt: Eine Veränderung der Kräfteverhältnisse und des sozialen Verhaltens, der Relationen und Interaktionen. „Im Rahmen unseres Workshops wollen wir nachgehen, wo wir uns -  als Zivilisation (unterschiedlich definiert) - befinden und wohin wir gehen. Uns interessiert eine Reflexion und Projektion dessen, wie wir  in der Welt nach der Pandemie leben wollen und können. Man kann nicht übersehen: wir leben in einer unvorhersehbaren VUCA-Welt, in der sich die strategische Planung an ihrer Funktion in der sozialen Wirklichkeit verliert.“ Soziale Transformation für eine funktionsfähige Gesellschaft sei unbedingt nötig, der Wandel aber nur entweder durch Gestaltung oder durch Katastrophe möglich.

 

Interessant wird es durch den Einbezug der Proxemik. Den Begriff führte der Anthropologe Edward T. Hall (1914 – 2009) im Rahmen seines Raum-Distanz-Konzeptes ein, das interkulturelle Kommunikation untersucht und angemessenes soziales Handeln definiert. Weiteres fasst in diesem Fall Wikipedia ganz gut zusammen: Proxemik „beschreibt die kulturabhängig verschieden großen räumlichen Abstände, die Menschen zulassen bzw. gegen ‚Eindringlinge‘ auf verschiedene Weisen zu schützen versuchen. Die Räume, die von Individuen unbewusst unterschieden werden, werden Distanzzonen genannt. Man unterscheidet die intime, die persönliche, die soziale und die öffentliche Distanzzone. Diese können sich etwa mit steigender Vertrautheit zwischen Personen verändern. Je nach Kultur haben diese Zonen jeweils unterschiedliche Ausmaße. Bei Nordeuropäern etwa beginnt die intime oder private räumliche Zone eher bei weiterer Körperdistanz als bei Südeuropäern. Die Distanz zu unterschreiten kann ein ebenso schwerwiegender Fehler sein wie sie zu weit auszudehnen.“ Kurios, nebenbei, dass man plötzlich wieder auf kulturelle Unterschiede hinweisen darf, ohne dass ein Rassismus-Geschrei vom Zaun bricht. Vielleicht kommt’s ja noch.

 

Eine literarisch angereicherte Erklärung zur Proxemik findet sich auf dieser Website. In Henry D. Thoreaus „Walden“ etwa werden beim Lesen die sonst nur flüchtig empfundenen Geruchs- und Wärmezonen bewusst: „Wenn wir bloß schwatzhaft und laute Schwätzer sind, dann können wir es uns leisten, recht nahe beisammen zu stehen, Seite an Seite, und des anderen Atem spüren; wenn wir aber zurückhaltend und gedankenvoll sprechen, möchten wir weiter voneinander entfernt sein, damit alle animalische Wärme und Feuchtigkeit verdunsten können.“ An einer anderen Stelle heißt es beim Autor (1817 – 1862), der zwei Jahre lang asketisch im Wald lebte: „Ich will lieber einen Kürbis, den ich für mich allein habe, als gedrängt auf Samtkissen sitzen.“ Hall bewunderte auch Franz Kafkas Bewusstsein „von der kommunikativen Bedeutung der Architektur“, da er mehrfach „bedrückende kinästhetische Räume“ beschrieb, zum Beispiel im Stück „Der Prozess“: „[Er drängte] sich an K., und zwar so dicht, dass K. seinen Fauteuil zurückschieben musste, um sich bewegen zu können.“ Die Grenze unseres Körpers beginne und ende also nicht bei der Haut. „Wir sind vielmehr umgeben von ... „Raumblasen“.

 

Beim angekündigten Workshop soll die Frage erörtert werden, ob das Raum-Distanz-Konzept von Edward Hall in der „neuen Wirklichkeit“ noch aktuell ist: „Oder müssen wir unsere intime, persönliche, soziale und öffentliche Distanz neu definieren? … Wir suchen nach möglichen Wegen, die sozialen Räume, die wir alle unter den neuen Bedingen nutzen werden, neu zu organisieren.“ Tatsächlich ist das nicht erst seit Corona, sondern bereits seit der Migrationskrise im Gange – man erinnere sich an Henriette Rekers „unverschämten“ (FAZ) Vorschlag, mindestens „eine Armlänge Abstand“ zu Fremden zu halten. Die aktuellen Corona-Abstandsregeln ergänzen diesen Vorschlag rein zufälligerweise ganz gut. In einen größeren Kontext eingebettet erinnert die Durchorganisation zwischenmenschlicher Kontakte zunehmend an Aldous Huxleys „Wiedersehen mit der schönen neuen Welt“. Der „Alptraum totaler Organisation“ stünde unmittelbar vor unserer Tür, schrieb er schon 1957. Die genetische Normung sei zwar noch nicht möglich, verfeinert wurden aber Methoden zur „gewaltlosen Manipulation der Umwelt und der Gedanken und Gefühle“. Die postnatale Kontrolle setze für die Durchsetzung erwünschten Verhaltens nun weniger auf Bestrafung als vielmehr auf „die wirksameren Mittel des Belohnens und wissenschaftlichen Manipulierens“.

 

Gut möglich, dass Huxley die Corona-Krise als eine der „unpersönlichen Kräfte“ identifiziert hätte, „über welche wir fast keine Gewalt haben, uns dem Nachtmahr der ‚Schönen neuen Welt‘ entgegenzutreiben“. Wie sich künftig die Belohnung erwünschten Verhaltens konkretisieren könnte, zeigt sich am Beispiel Impfung. Erteilte zwar die Bundesregierung einer Zwangsimpfung eine klare Absage, arbeiten ihre bezuschussten Medien parallel etwa wie tag24: „Oha! So viele Leute wollen sich nicht gegen Corona impfen lassen - Je stärker die Verschwörungsmentalität ausgeprägt ist, desto größer ist der Widerstand gegen Schutzmaßnahmen wie die Warn-App oder Impfungen, wie das interdisziplinäre Forscherteam herausfand. Überdies war die Gruppe mit Tendenz zu Verschwörungstheorien auch weniger mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung zufrieden … Die gleichen Zusammenhänge ergäben sich auch mit Blick auf das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Printmedien.“ Die Belohnung als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu gelten wird demnach erhalten, wer Politik und Medien mit ihren intellektuell unseriösen Pauschalisierungen und Stigmatisierungen kritiklos freie Bahn lässt. Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch eintreten, dass Sauna- und Dampfbäder oder andere öffentliche Gemeinschaftseinrichtungen nur betreten darf, wer einen Immunitätsnachweis vorlegt. Mit dem Masernschutzgesetz hat man entsprechende Vorarbeit geleistet; man vergleiche dazu den Beitrag „Massiv ausgeweitete Impfnachweise“ vom 18.11.2019 auf dieser Seite.

 

Was den Widerstand der Bevölkerung gegen die Entwicklung hin zu einem „Termitenstaat“ betrifft zeigt sich Huxley unter Bezug auf Erich Fromm pessimistisch; nicht nur angesichts des mit Rundfunk und Fernsehen aufgewachsenen Publikums, das es nicht gern hat, „wenn man von ihm verlangt, sich zu konzentrieren oder eine längere geistige Anstrengung zu machen“, sondern auch, weil die meisten der vollkommen angepassten Menschen „normal nur in Beziehung auf eine zutiefst anormale Gesellschaft“ sind und noch immer „die Illusion der Individualität“ hegen. „Tatsächlich aber sind sie in hohem Grad entindividualisiert worden. Ihre Konformität entwickelt sich zu einer gewissen Uniformität. Aber ‚Uniformität und Freiheit sind unvereinbar‘.“ Jedes Einzelwesen sei verschieden gestaltet: „Körperlich und geistig ist jeder von uns einzigartig. Jede Kultur, die … den Einzelmenschen zu normen sucht, begeht einen Frevel an der biologischen Natur des Menschen“, rekurriert der Autor auch auf die Menschenrechtsidee der individuellen Entfaltung. Die habe ausgedient, wenn die neue „Sozialethik“ Fuß greift, in der es vorrangig um Einordnung, Anpassung, sozialgerichtetes Verhalten oder Gruppenloyalität geht; bei der also die „Rechte des Kollektivs den Vorrang haben vor dem, was das 18. Jahrhundert die Menschenrechte nannte“. Der „ideale Mensch“ von heute pflege „dynamische Konformität“, „intensive Treue zur Gruppe, ein unermüdliches Verlangen, sich unterzuordnen, dazuzugehören.“ 

 

Das betrifft im Übrigen auch alternative Medien im Netz aus dem rechtskonservativen Kreis. Deren Widerstand ist nur ein scheinbarer. Wo nämlich aus ursprünglichen Aufklärungs-plattformen reine Foren zur Befriedigung der ideologisch festgefahrenen, aber zahlungsbereiten Leserschaft werden, arbeitet man dem dargestellten Menschenbild geradezu in die Hände. Es ist wie gehabt: Der freiheitlich orientierte Mensch, der notfalls auch alleine gut klar kommt, war von jeher Hasssubjekt jeglicher kollektiver Bestrebungen mit ihrem „beseelenden Fanatismus“. Huxley hält es für dringend geboten die Frage zu beantworten, wie man angesichts der „sich beschleunigenden Überorganisierung“ und der propagandistischen Massenkommunikation „die Integrität des menschlichen Individuums bewahren und seinen Wert immer wieder geltend machen“ kann. Er plädiert für einen „Kurs in der Mitte, zwischen den Extremen des Laissez-faire einerseits und totaler Reglementierung andererseits“. Seine Befürchtung aber ist: „Es scheint keinen stichhaltigen Grund zu geben, dass eine durch und durch wissenschaftliche Diktatur je gestürzt werden sollte … Vielleicht sind die Mächte, die heute die Freiheit bedrohen, zu stark, als dass ihnen sehr lange Widerstand geleistet werden könnte. Es ist dennoch unsere Pflicht, alles, was in unseren Kräften steht, zu tun, um ihnen Widerstand zu leisten.“  

 

Das passende Lied zum Text findet sich übrigens dort.

 

Nachtrag zum erwähnten tag24-Artikel: Kritischer zum Thema die DWN: "Wissenschaftler, deren Aufgabe es eigentlich ist, neutral Phänomene zu bewerten, sprechen im Zusammenhang mit der weitverbreiteten Skepsis gegenüber rasch entwickelten Corona-Impfstoffen nun von 'Verschwörungsmentalitäten' bei der Hälfte der Bundesbürger" - ganz im Sinne der Entscheider. Die "Verschwörungstheorie" nimmt als nächste Holzhammer-Parole ihren Marsch auch durch die Institutionen auf, wie diese Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt.  

 

Nachtrag vom 29.7.: Bundesregierung: "Die Genomforschung könnte wichtige Erkenntnisse liefern, warum eine Covid-19-Infektion zu so unterschiedlichen Krankheitsverläufen führen kann." Die Bundesregierung trat " im Januar dieses Jahres der '1 + Million Genomes'-Initiative der EU" bei. "21 Unterzeichnerstaaten haben sich zum Ziel gesetzt, die Genome von mindestens einer Million Menschen in der EU zu analysieren und die Ergebnisse der Gesundheitsforschung zugänglich zu machen. Die Bundesregierung bezeichnet in ihrer Antwort 'die Unterstützung der individualisierten Medizin, der ganzheitlichen Diagnostik, der Entwicklung passender Therapien, der Erforschung von Krankheitsursachen und der Arbeiten an einem europäischen Gesundheitsdatenraum' als die ausschlaggebenden Gründe, um der Initiative beizutreten. Durch die große Datenmenge steige die Spezifität und Belastbarkeit der wissenschaftlichen Erkennt-nisse." Quelle: HiB Und zur Medizininformatik: "Verknüpfung von Biologie, Informatik, Data Sciences und Medizin bietet ein großes Potential für das Verständnis komplexer Zusammenhänge in Zellen, Organen und Organismen ... Die hier gewonnenen Erkenntnisse könnten eine wichtige Grundlage für Innovationen in der Biotechnologie und Medizin bilden." Quelle: HiB 

 

Nachtrag vom 14.8.: Für soziale Filterblasen als Distanzierungsstrategie werben bereits hiesige Fachleute. Das Ärzteblatt schrieb Anfang August zum Umgang in den Schulen: "Darüber hinaus sprechen sich die Wissenschaftler der Leopoldina dafür aus, 'überall, wo dies umsetzbar ist', kleine feste Kontaktgruppen einzurichten." Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sind zum Beispiel Jutta Allmendinger und Lothar Heinz Wieler