Aktuelle Meldungen der Pflege --- Medwing-Vermittlung von Personal --- Meldestellen der Pflegekammern

Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege: FAQs zu Corona für die stationäre und ambulante Pflege


31.3.2020

Anzeige gegen Pflegeheim

 

In Wolfsburg hat ein Rechtsanwalt „Anzeige wegen fahrlässiger Tötung“ gegen die niedersächsische Diakonie als Verantwortliche eines Pflegeheims gestellt, nachdem dort zwölf (inzwischen 17) Bewohner gestorben sind. „Von den 165 Bewohnern des Hanns-Lilje-Heims soll etwa die Hälfte mit dem Coronavirus infiziert sein.“ Allerdings: „Laut Gesundheitsamt Wolfsburg ist noch nicht klar, wie viele der Todesopfer ausschließlich an den Folgen von Covid-19 gestorben seien.“ Der Amtsleiter dazu: „Wir waren auch überrascht – auch die Fachleute, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben waren überrascht –, dass viele der Erkrankten verstorben sind, ohne dass sie Beschwerden hatten und das hat es natürlich auch schwer gemacht, die Situation richtig zu beurteilen.“ Es ist also bis dato nicht seriös, wenn der NDR dennoch von „17 Corona-Todesfällen“ schreibt, ohne dass dies hinreichend geklärt ist. Aus welcher Motivation heraus machen das die Journalisten? Kann man die Todesursache überhaupt in jedem Fall zuverlässig klären? Es fragt sich auch inwieweit es hilfreich ist, eine derart deftige Anzeige vorzulegen. Der Anwalt bezog sich übrigens auf Informationen von Mitarbeitern des Heims. 

 

Nachtrag: Auch in diesem Video der Welt wird gesagt: alle 17 Bewohner seien am Coronavirus gestorben. Ob das inzwischen überprüft wurde, ist nicht thematisiert. Vergleiche dazu: "Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hat nach Spiegel-Informationen inzwischen Ermittlungen aufgenommen und will die Patientenakten des Heims einsehen." Siehe auch: "Obwohl sie positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ging eine 31-jährige Altenpflegerin aus dem Bezirk Kufstein in Tirol weiter zur Arbeit. Erst eine anonyme Anzeige stoppte die Frau ... Es besteht der Verdacht der vorsätzlichen Gemeingefährdung durch übertragbare Krankheiten. Ob sie tatsächlich jemanden infiziert hat, ist für den Tatvorwurf nicht relevant. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe."

 

Nachtrag vom 1.4.: "Lesermeinung: Menschlich schockiert über Strafanzeige gegen Diakonie Wolfsburg - Ich bin menschlich schockiert, wie man im Moment mit den hilfsbereitesten Menschen dieser Zeit umspringt. In der größten Krise dieser unserer Zeit machen sich Anwälte darüber Gedanken, wie man die jetzigen Senioren- und Pflegeheime verklagen kann, weil vielleicht Mängel in der Hygienevorsorge vorgelegen haben ... Die Anwälte suchen jetzt nach Fehlern, die diese Mitarbeiter (es sind Menschen!) im täglichen Stress vielleicht begangen haben könnten. Was sollen wir tun, wenn diese Menschen jetzt sagen 'Wir stehen morgens nicht mehr auf und gehen unserer Tätigkeit nach, wir bleiben zu Hause'."


27.3.2020

Häusliche Pflege: Tickende Zeitbombe?

 

Österreich macht’s mal wieder vor: „Zur Bewältigung der aktuellen Krise sollen die Länder einmalig 100 Millionen Euro erhalten, um den Pflege- und Betreuungsbedarf abzusichern. Anhand des Schlüssels der Wohnbevölkerung wurde das Ausmaß für jedes Bundesland ermittelt.“ Konkret geht’s um den Ausbau der Pflegehotline sowie um die Einrichtung zusätzlicher Ersatzbetreuungseinrichtungen als temporäre Angebote für die Dauer der Pandemie, falls Pflegepersonal ausfällt oder sich die Rahmenbedingungen ändern. Das österreichische Sozialministerium hat außerdem – vorausschauenderweise im Hinblick auf Grenzsperren – neue Förderrichtlinien für die finanzielle Unterstützung der 24-Stunden-Betreuung erstellt. Bei dieser Form der Hilfe werden Personen in ihrem privaten Umfeld von einer Fachkraft individuell unterstützt. „Sehr viele davon kommen aus Rumänien und Ungarn“, heißt es bei Salzburg24. Das Medium titelt dazu: „24-Stunden-Pflege als tickende Zeitbombe“ – die ausländischen Fachkräfte müssen nämlich derzeit bei der Einreise nach Österreich entweder einen negativen Corona-Test vorlegen oder für zwei Wochen in Quarantäne gehen. Selbst wenn die dortige Regierung künftig davon absähe, wird es zu Engpässen kommen. Erstens werden viele die Prozeduren nicht auf sich nehmen und zweitens bekommen neu bedürftige Senioren schon jetzt eine Absage, beispielhaft beim Hilfswerk: „In der 24-Stunden-Betreuung können wir vorübergehend leider keine neuen Kundinnen und Kunden aufnehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis!“ Noch sei kein Notstand bei dieser Form der Betreuung da; ein „neuralgischer Punkt“ könne aber Ostern am zweiten April-Wochenende sein. Mit einem zusätzlichen „massiven Zivildienst-Assistenzeinsatz“ sei das Pflegesystem aber gut gerüstet. Das wird man sehen.

 

Für Deutschland kann man ganz sicher bald von einer Dramatik ausgehen. Die Frankfurter Rundschau schreibt: „In der häuslichen Pflege droht der Notstand ... Viele Rund-um-die-Uhr-Betreuerinnen aus Ost- und Südosteuropa kommen wohl wegen der Reisebeschränkungen und der allgemeinen Unsicherheit nicht nach Deutschland. Das könnte hunderttausende alte und kranke Menschen betreffen, die auf die Versorgung angewiesen sind.“ Laut Bundesinnenministerium seien zwar osteuropäische Pflegekräfte nicht vom Einreiseverbot für Saison-Arbeitskräfte betroffen. Eine Bescheinigung des Arbeitgebers reiche, um die Grenze zu passieren. „Allerdings gilt das nur für diejenigen, die legal in Deutschland arbeiten – und das ist in der Branche der 24-Stunden-Betreuung nur eine Minderheit von rund zehn Prozent, wie der VHBP schätzt.“ Man kann es auch anders herum sagen, mit den Worten des Verbands für häusliche Betreuung und Pflege: „Der VHBP schätzt, dass in den o.g. 300.000 Haushalten die Betreuungspersonen zu über 90% illegal tätig sind.“ (!) Die Politik muss das seit langem wissen. Sie hätte Alternativen erarbeiten müssen. Schon lange. In der Corona-Krise ist dieser „graue Pflegemarkt“ jetzt ein riesiger Unsicherheitsfaktor: „Niemand weiß, wie viele Arbeitskräfte von den Einschränkungen betroffen sind – wie groß also die Versorgungslücke werden könnte.“ Versorgungslücke heißt: Pflegebedürftige liegen zuhause, sind eventuell hilflos oder müssen gefüttert werden und niemand kommt. Wo greifbar, werden Angehörige einschreiten müssen, die dann nicht mehr zur Arbeit gehen können und Verdienstausfall haben etcetera.

 

Wahlfreiheit zwischen ambulanter und stationärer Hilfe ist gut. Aber die einseitige Stärkung des ambulanten Pflegesektors bei gleichzeitigem Schlechtreden der Heimversorgung wird den Verantwortlichen auch noch auf die Füße fallen. Es gibt Negativbeispiele, in vielen Altenpflegeheimen gibt man sich aber alle erdenkliche Mühe ein vielfältiges kulturelles und therapeutisches Angebot vorzuhalten und die Bewohner selbst bei hohen Pflegegraden in die Gemeinschaft zu integrieren. Anstatt auch diese Versorgungsform wertzuschätzen und ausreichend zu fördern, um dort den Druck wegen Personalmangels herauszunehmen, hat man aus ideologischen Gründen etlichen Senioren, bei denen das vielleicht überhaupt nicht angezeigt ist eingeredet, unbedingt zu Hause zu bleiben. Oftmals alleine mit einer Fachkraft – demnächst eventuell ohne. Ob die Bundeskanzlerin, die im Fall Pflege nie einen humanitären Notstand erkennen wollte, auch diesmal ohne „öffentlich schwer vermittelbare Bilder“ durchkommt? 

 

Siehe auch diesen Praxisbericht: "...Bald werden viele Senioren allein in ihren Betten liegen und sind ihrem Schicksal überlassen..."

 

Hinweis: Immerhin kümmern sich hierzulande die Pflegekammern sowie Pro-Bono-Initiativen um Verstärkung pflegerischen Personals. Viel Erfolg kann man da nur wünschen. Siehe auch: "Polen stoppt Pendler! Wer jetzt noch zurückkehrt, muss 14 Tage in Quarantäne."

 

Nachtrag: "Abrechnungsbetrug in der Pflege: Seit Jahren kämpfen Ermittlungsbehörden gegen dieses Phänomen. Experten gehen davon aus, dass die schwarzen Schafe der Branche ihr Treiben in der Corona-Krise noch ausbauen werden ... Die Abrechnungsprüfung kann von den Bezirken nicht umfassend durchgeführt werden, da zu wenig Personal vorhanden ist ... Oft kommt es gar nicht zu Verfahren. Grund sind Lücken im Kontrollsystem und der Gesetzgebung. Zu diesem Schluss kommt sinngemäß der Bundesrechnungshof in einem bisher unveröffentlichten Bericht vom 12. November 2019, der BR Recherche und der 'WamS' vorliegt ... 'Das Geschäft mit dem Pflegebetrug ist lukrativer als der Drogenhandel' ... sagen Fehlverhaltensbeauftragte von Krankenkassen, die sich in der aktuellen Lage nicht offiziell zitieren lassen wollen." (!) Schaden fürs Gesundheitssystem: mindestens 600 Millionen Euro jährlich.   


16.3.2020

Krankenpfleger schlägt Alarm

 

So, jetzt wird Klartext geschrieben – wer hier nämlich mit der Unterstellung ankommt, man würde Pflegebedürftige gegen Flüchtlinge ausspielen, der will nichts anderes als das Thema Verteilungsgerechtigkeit unter den Teppich kehren. Die großzügige Ausschüttung von zig Milliarden Euro in die Flüchtlingshilfe mit teils zweifelhaftem bis integrationsschädlichem Effekt, man denke etwa an das Bekochen und hinterher Putzen in Flüchtlingszentren und rund-um-die-Uhr-betreuten Wohngemeinschaften, das einer Integration in eine emanzipierte Gesellschaft – für jeden pädagogischen Laien ersichtlich – zuwiderläuft, während gleichzeitig dem seit Jahrzehnten unterfinanzierten Pflegebereich kaum mehr als hohle Spruchpraxis zuteil wird, erweist sich spätestens in der Corona-Pandemie als menschenrechtliches Verbrechen.

 

Der bekannte Krankenpfleger Alexander Jorde schlägt Alarm: „Ich höre in den letzten Tagen immer wieder, wir hätten im Vergleich zu anderen Ländern viele Intensiv- und Beatmungsplätze. Aber keiner fragt nach den Menschen, die die darin liegenden Patienten versorgen sollen.“ Der Westen weiter: „Die Bettenplätze seien eigentlich aufgrund von Personalmangel gesperrt. Doch die Sperre würde nun aufgehoben, ohne dass mehr Personal zur Verfügung wäre … Seit Jahrzehnten würde die Pflege vor einem solchen Szenario wie einer Pandemie warnen. Jetzt scheint sie einzutreten. Dafür seien jedoch nach Ansicht des Krankenpflegers keine Ressourcen vorhanden. ‚Wir sind am Ende. Wir können nicht mehr!‘, warnt er.“ Zudem stehe zu befürchten, dass sich Personal infiziert oder wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten ausfällt. Er fordert: „Einhaltung von arbeitsrechtlichen Grundlagen, wie Ruhezeiten, maximale Wochenarbeitszeit - tägliche Abstriche von Mitarbeitern mit längerem direkten Kontakt zu Corona-Patienten - sofortige Gefahrenzulage für alle in der direkten Versorgung eingebunden MitarbeiterInnen.“  

 

Wer für das fahrlässige Aussitzen des Pflegenotstands verantwortlich zeichnet, sollte ab sofort in diesem Land nichts mehr zu melden haben! Dazu gehört auch das Führungspersonal der Kirchen, das mehrfach zig Tausende Euro für umstrittene Maßnahmen in der Seenotrettung einwarb und kein einziges Mal die mediale Dominanz zu nutzen bereit war, um ebenso öffentlichkeits-wirksam für die Finanzierung der Pflege zu werben, zum Beispiel auch in Gottesdiensten. Das hätte einiges gebracht. Solche Leute, die das versäumten und tatsächlich nichts weiter als den medialen Stichwortgebern des Hüpfen-gegen-Rechts-Aktivismus zu gefallen bestrebt sind, können sich ihre vorgebliche Moral sonst wohin stecken. Der immense Schaden dieser Ignoranz war schon längst vor dem Corona-Ausbruch abzusehen. Der Krankenhaus-Barometer 2019: „Alarm in deutschen Kliniken! Der Personalnotstand wird immer schlimmer. Vier von fünf Krankenhäusern haben Probleme, offene Pflegestellen zu besetzen, bundesweit sind 17.000 Stellen offen. Der Verband spricht von einer ‚ernsten Versorgungskrise‘.“ Was dazu kommt: „Bis zum Jahr 2050 wird es einen drastischen Anstieg“ an Demenzerkrankungen geben, wurde Brüssel aktuell vom „Dachverband nationaler Alzheimer-Gesellschaften“ aufgeklärt. Die Vereinten Nationen, die ohne Unterlass für die Flüchtlingshilfe trommeln, wissen seit der Vorstellung des Welt-Alzheimer-Berichts schon seit etlichen Jahren um den steilen Anstieg bei Demenzkranken. Der Fokus wurde trotzdem nie effektiv genug auf die Frage gesetzt, wie das mit der fachlichen Unterbesetzung und dem Milliardendefizit bei den Krankenkassen bewältigt werden soll. Auch auf entsprechende medial unterstützte Demos der sich stets mit ihrem Gewissen im Reinen wähnenden Grün- und Linkswähler wartet man vergebens. 

 

Die Pflege gehört sofort mit mehrfachen Milliardenspritzen auf ein human erträgliches Maß gepusht und zwar komplett ohne weitere Belastung der Bürger! Wer mir nichts, dir nichts beschließen kann, ab 2021 zehn Milliarden Euro mehr in den EU-Haushalt zu investieren, den Ländern nachhaltig weitere 1,2 Milliarden Euro für Flüchtlingskosten zur Verfügung zu stellen, für leere Heimplätze bei Abwesenheit der Asylbewerber oder für Aufsichtskosten nur eines einzigen Asylbewerbers jeden Monat 42.000 Euro zu zahlen, hat auch genug Geld für Pflege. 

 

Wie dramatisch sich die ungerechte Verteilung der Gelder auswirkt, zeigt eine Meldung vom Januar: In Diepholz soll der monatliche Eigenanteil um bis zu 458,12 Euro steigen. „Damit würde dieser Anteil in den Pflegegraden zwei bis fünf ab 1. Februar 2.051 Euro betragen.“ Eine Meldung vom Februar: „Eine 96-jährige Frau aus Achim droht der Rauswurf aus dem Pflegeheim: Sie kann die Kosten dafür nicht mehr zahlen, weil ihre Ersparnisse aufgebraucht sind.“ Und in einem DRK-Pflegeheim im nordöstlichen Sternberg soll der Eigenanteil gar um 600 Euro pro Monat (!) steigen. Unbezahlbar für viele – wo werden die Pflegebedürftigen bleiben? In Bremen hat die Heimaufsicht wegen Personalmangel in 17 Seniorenwohnheimen einen Aufnahmestopp verhängt. Der Bundesschnitt für Zahlungen aus eigener Tasche liege übrigens aktuell bei knapp 1.900 Euro. An anderer Stelle heißt es: Für einen Platz im Pflegeheim sind mehr als 1.900 Euro pro Monat fällig. „Damit sind die Kosten innerhalb weniger Monate um 110 Euro gestiegen. Dass sich solche Summen nur wenige Pflegebedürftige leisten können und sehr viele in die Armut stürzen, liegt auf der Hand.“ Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte: „Die Eigenanteile in den Heimen stiegen rasant und unaufhörlich, während die Leistungen aus der Pflegeversicherung seit Jahren konstant blieben.“ Es sei zu spät, wenn der Bundesgesundheitsminister erst im Sommer ein Konzept vorlegen will. „Für die Pflegebedürftigen ist das unerträglich. Sie werden weiter in die Armutsfalle gedrängt.“

 

Dabei wissen sie alle, von den UN bis hin zu Caritas & Co., internationale Signale zu setzen. Beispiel: „Die EU-Kommission hatte auf einen Aufruf der Vereinten Nationen hin 2017 ein Programm für 50.000 Flüchtlinge aufgelegt. Dazu stellte sie eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung.“ Warum wird nicht ebenso wirksam ein internationales Signal zur Unterstützung von Pflegebedürftigen gesetzt? Eine ehrliche Antwort wäre eventuell erschreckend.