8.1.2021

Zum Schilder-Boom

 

Das war dann schon auffällig: Am 5. Januar verkündete man die Fortsetzung des Lockdowns mit zusätzlich eingeschränktem Bewegungsradius in Hotspots und nur einen Tag später erscheint schon das passende Bild dazu – hier beim MDR (gesondert nochmals an dieser Stelle). Ganz so schnell sind sie aber mit der Produktion der mittlerweile unzähligen Corona-Schilder dann doch nicht. Es handelt sich um eine Fotomontage des offenbar umtriebigen Designers Christian Ohde. Die Bundesregierung bedient sich bei ihm ebenso gerne – etwa hier oder auch dort – wie die etablierte Presse, zum Beispiel Deutschlandfunk oder auch der RBB. Das Geschäft mit der Corona-Beschilderung des öffentlichen Lebens boomt. Allein die Firma Seton deckt schon breitgefächert ab: Schilder-Vorlagen zur Maskenpflicht, zu den Zutrittsregeln, zur begrenzten Personenzahl, zum Abstand halten, zum Verhalten am Arbeitsplatz, zum Lüften und zum Temperatur messen. Seton bietet noch viel mehr, von Schutzausrüstungen bis hin zu Bodenmarkierbändern. Das Unternehmen CutCut hat noch Hinweisschilder für „Test- und Impfstraßen“ sowie Aufkleber für Skiverleihe im Angebot; bei Bedarf auch als „Aufsteller aus bruchsicherem Polycarbonat“. Auf der Website erfährt man politisch treffsicher: „Viele Verhal-tensregeln werden unseren Alltag noch sehr lange begleiten.“ Als ideale, lang anhaltende Lösung böten sich daher Schilder an, die sich „in die Firmenumgebung harmonisch“ einfügen. Spuck-schutzwände bekommt man auch bei CutCut. Was der Corona-Schildermarkt inzwischen hergibt ist hier anzuschauen. „Fuck you Corona“ ist auch dabei. Ob das mal alles irgendwann im Abfall landet? Die Deutsche Handwerks-Zeitung schrieb schon kürzlich: „Wie sehr die Pandemie das Müll-Problem befeuert.“ Sechs Prozent mehr Plastikmüll durch Corona habe man festgestellt. Das Abfallprodukt, das hingegen weiterhin stetig sinkt, ist „die Menge des grafischen Papiers – vor allem Zeitungspapier“. Tststs, woran das wohl liegen mag; grübel, schwitz.