Medienkritik zum Corona-Journalismus - Teil 1: "Elementare Defizite der Berichterstattung"

Medienkritik zum Corona-Journalismus - Teil 2: "Wenn schon die Fakten nicht stimmen"

Medienkritik zum Corona-Journalismus - Teil 3: "Halbe Wahrheiten sind keine"

Medienkritik zum Corona-Journalismus - Teil 4: "Meinungsvielfalt ist unabdingbar"

Medienkritik zum Corona-Journalismus - Teil 5: "Verzerrte Proportionen"


23.11.2020

ARD lässt wieder Tod spielen

 

Von wegen Leben schützen: Trotz steigender Suizidzahlen in der Corona-Krise bringt die ARD heute Abend schon wieder ein „Mitmachstück“: diesmal zum Thema Selbstmord. Am Ende des Films sollen sich die Zuschauer für oder gegen die Gabe eines tödlichen Medikaments entscheiden. (!) Fachleute, die mit suizidalen Menschen zu tun haben, kommen im Film nicht zu Wort, heißt es in einem Protestbrief von Ärzten schon im Vorfeld. Nach dem „Film“ will Plasberg dann Gott gegen Freiheit ausspielen: „Gottes Wille oder des Menschen Freiheit: Was zählt beim Wunsch zu sterben?“ Dass es auch die menschliche Freiheit hin zu Gottes Willen gibt kommt in der primitiven ARD-Denke nicht vor. Wozu macht das öffentlich-rechtliche Fernsehen so was? Gerade jetzt? Man kann sich einmal mehr an den fiktiven „Aufstand der Alten“ aus dem Jahr 2007 über den Pflegenotstand erinnert sehen. In Teil III heißt es ab Minute 41:37: „Wir haben heute entschieden, das freiwillige Frühableben in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen mit aufzunehmen.“ Auch juristisch wird seit geraumer Zeit daran gearbeitet, den Suizid schmackhaft zu machen. Man siehe dazu „Das Spiel mit dem Tod“ sowie „BVerfG: Patient tot, Ehrfurcht begraben.“ auf dieser Seite. Das dämliche ARD-Mitmachstück „Terror – Ihr Urteil“ vom Oktober 2016 ist an dieser Stelle dokumentiert – nebst harscher Kritik, sogar von Legal Tribune Online: „Das war Betrug am Zuschauer und ein Affront gegen den Rechtsstaat.“ Die ARD habe das Problem als ungeklärt und die Menschenwürde als störend präsentiert. „Ein ehemaliger Verteidigungsminister erklärt, dass er Urteilen des BVerfG, die Prinzipien über Menschenleben stellen, nicht folgen kann … Einen solchen Abend mit Zwangsgebühren mit-finanziert zu haben – das müsste für eine Verfassungsbeschwerde reichen.“ Wer reicht sie ein?

 

Nachtrag: "ARD-Film 'Gott': Gut 70 Prozent stimmen für Tod der Hauptfigur." 

 

Nachtrag vom 24.11.: Hoi, der Spiegel kritisiert die ARD unter dem Titel "Der Tod ist ein Lehrmeister aus Deutschland": "Mitten in der Pandemie veranstaltet das Erste das Themenabend-Spektakel »Gott«: Starschauspieler und TV-Publikum urteilen über das Für und Wider des Freitods. Ein grauenvolles Mitmach-Tribunal ... während sich viele Tausend ältere (und auch jüngere) Menschen vor einer Infektion und deren Folgen fürchten, ist in Frank Plasbergs 'Hart aber fair'-Talkrunde am Montagabend von einem gesellschaftlichen 'Nutzungsdruck' gegen ältere, gebrechliche Leute die Rede ... wendet sich gegen historische Bedenken, die darauf gründen, dass die Nazis in ihren Augen 'lebensunwerte' Menschen töteten." Der Autor fragt sich, warum die ARD-Programmmacher einem TV-Drama "ganz dringend einen Sendetermin in diesen Corona-Tagen verschaffen mussten. Soll man es frivol nennen? Ist es obszön? Mindestens brutal unsensibel darf man es schon finden." Der Freitag resümiert: "Die oftmals bis zum Überdruss dozierten Schirach-Texte sind bei weitem keine sprachliche Verheißung. Alles irgendwie im Plädoyer-Stil, und nichts wirklich Zwischenmenschliches dabei. Gequälter Themenabend." Und eine gute Nachricht: "ARD-Film holt keine gute Quote: Nur elf Prozent sehen Schirachs 'Gott'." Aus dieser Perspektive relativiert sich auch das Abstimmungsergebnis.

Das Erste itself lanciert hingegen ein Fake-Eigenlob: "Großes Interesse am ARD-Themenabend über Sterbehilfe im Ersten." Offenbar glatt gelogen.

 

Nachtrag vom 28.11.: "Blinde Flecken im Film 'Gott von Ferdinand von Schirach' - 'Der Film reiht sich ein in eine Reihe von Filmen in den letzten Jahren, die für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe warben' ... Zu den Vorläufern der filmischen Werbung für die Akzeptanz der Tötungsbeihilfe zählt nicht zuletzt der Göbbelsche Propagandafilm 'Ich klage an', der die Tötung einer unheilbar erkrankten, schwer leidenden Pianistin als Tat der Nächstenliebe ihres Gatten präsentierte ... An der Seite des suizidwilligen Richard Gärtner steht im Film ein Rechtsanwalt, vielleicht ein Spiegelbild seines Erfinders, der die Sachverständigen – eine Verfassungs-rechtlerin, einen Mediziner und einen Bischof – befragt und sein Halbwissen mit reichlich Arroganz zu überspielen versucht. Die Befragungen zumindest des Bischofs und des Arztes, der die Suizidbeihilfe unter Berufung auf den Eid des Hippokrates ablehnte, gleichen mehr einem Kreuzverhör als einer akademischen Veranstaltung. Der Anwalt will erreichen, dass seinem suizidwilligen Mandanten das tödliche Gift legal bereitgestellt wird ... Die Behauptung der verfassungsrechtlichen Sachverständigen, in keinem der Länder, die die Suizidassistenz legalisiert haben, sei die Zahl der Suizide gestiegen, ist falsch ... Diese Länder weisen ohne Ausnahme eine deutliche Zunahme der assistierten Suizide aus ... Es entsteht ein psychischer Druck, den medizinischen, pflegerischen und finanziellen Aufwand zu vermeiden und sich dem Trend eines sozial- oder generationenverträglichen Frühablebens anzuschließen." 

 

Post von Wagner: "Gott, die schlimmste TV-Nacht des Jahres - Ich hoffe, dass die vielen Corona-Infizierten nicht fernsahen. Ich hoffe, dass in den Alten- und Pflegeheimen der Fernseher nicht lief. Ich hoffe, dass sie nicht 'Gott' gesehen haben." Im Film "geht es um einen gesunden Menschen, der aus Lebensüberdruss nicht mehr leben will. Die Zuschauer konnten per Ted entscheiden, ob er die Todestablette kriegt. Was für ein perverser Abend. Da kämpfen in unseren Krankenhäusern, auf unseren Intensivstationen, Abertausende um ihr Leben." Siehe auch: "Die 'Mischung aus Schulfernsehen und Kammerspiel' lässt den Theologen und Ethiker ratlos zurück ... Gleichwohl findet auch hier eine Komplexitätsreduktion statt, die dem Ernst des Themas zuwiderläuft ... Ein Schauspiel, dem so daran gelegen ist, eine auf dem Gebiet der Ethik – also der Reflexion menschlichen Handelns, in der Absicht, Orientierung zu gewinnen – schlechterdings unentscheidbare Frage mit den von allen untauglichen noch brauchbarsten Mitteln, dem Austausch von Argumenten und Sichtweisen, zu entscheiden, lässt mich am Ende vor allem mit einer Frage zurück: Warum heißt dieses Stück ausgerechnet 'Gott'?"

 

Nachtrag vom 4.12.: Bei Jungle World träumt man hiervon: "Erst die ARD, dann das ganze System - Ferdinand von Schirach krempelt Fernsehen und Justiz um."


4.12.2020

Ominöse „Faktenchecks“ mit Ergänzung

 

Wie im Netz schon verschiedentlich erwähnt: Die „Faktenchecks“ von Tagesschau bis Spiegel agieren oftmals im luftleeren Raum – wenn sie etwa scheinbar Behauptungen widerlegen, die gar nicht respektive maximal in irrelevanten Mini-Blasen kursieren. Einen wohl nicht beabsichtigten Mehrwert bietet jetzt BR24 unter der Überschrift „#Faktenfuchs: Irreführende Meldungen über PCR-Urteil in Portugal“. Einführend heißt es: „Behauptungen über ein portugiesisches Quarantäne-Urteil kursieren im Netz.“ Nämlich: das Berufungsgericht in Lissabon habe die mangelnde Zuverlässigkeit des PCR-Tests festgestellt. Das sei aber eine Falschbehauptung. „Der #Faktenfuchs klärt, warum das Urteil zwar etwas über Zwangsmaßnahmen in Portugal sagt - aber keine Aussagekraft über PCR-Tests hat … Tatsache ist: Zwar führten die Richterinnen Zweifel an der Verlässlichkeit von PCR-Tests an. Doch lag das nicht in ihrem Kompetenzbereich.“ Und überhaupt würden die „Berufungsrichterinnen“ jetzt „heftig kritisiert“ und mussten „in einer Disziplinaruntersuchung des Justizrats Rede und Antwort stehen“. 

 

Das Geschreibsel ist nicht nur bemerkenswert hinsichtlich des Mangels an logischem Denken. Wenn man meint, richterliche Kompetenzen seien überschritten, dann folgt daraus nicht zwingend, dass deren Einschätzung oder ihre Verbreitung falsch ist. Laut BR24 sagten die Richterinnen: „Der PCR-Test allein reiche nicht aus, um eine Covid-Diagnose zu erhalten.“ Der von BR24 erwähnte „aktuelle wissenschaftliche Stand“ zur Aussagekraft von PCR-Tests ist im Übrigen längst nicht unumstritten, siehe etwa dort. Folgt man dem „#Faktenfuchs“ trotzdem und zwar hinsichtlich der Kompetenzüberschreitung von Richtern in medizinisch-wissenschaftlichen Fragen, dann ergibt sich konsequenterweise, dass etliche, vor deutschen Gerichten gefällte Entscheidungen als hinfällig deklariert werden müssten. Wer einige Urteilsfindungen verfolgt hat, der wird sich mehr als einmal gefragt haben, ob die Richter hier nicht ihre Kompetenz überschritten haben. Etwa in diesem Urteil: „Die Maskenpflicht stelle für die Schüler fraglos eine erhebliche Belastung dar, sei aber zumutbar.“ Mutmaßt ein Richter. 

 

Noch frivoler hier: „Durch das Tragen einer Maske sei keine Kindeswohlgefährdung zu befürchten.“ Wohlgemerkt: trotz über 100 Medizinern, Sozialarbeitern und Lehrern aus ganz Deutschland, die negative Einflüsse auf die Kinderpsyche befürchten. Höchst bedenklich kommt diese sachfremde Begründung daher, die zugleich einer pauschalen Untergrabung des Vertrauens gegenüber Medizinern Vorschub leistet: „Ein pauschales Arzt-Attest ist laut einem Beschluss des VG Würzburg für die Befreiung von der Maskenpflicht in Schulen zu wenig ... ‚Es fehlt‘ ... in solchen Fällen ‚an der konkreten Diagnose eines Krankheitsbildes‘ ... Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Gefälligkeitsatteste die Maskenpflicht und deren Wirksamkeit unterliefen.“ (!) Im Kontext sollte man sich auch nochmals verdeutlichen, welche Machtposition inzwischen das Robert Koch Institut (RKI - eine Einrichtung der Bundesregierung) inne hat, wenn selbst das Bundesverfassungsgericht dessen Verlautbarungen ohne zu hinterfragen für bare Münze nimmt und ständig seine Urteilsfindung darauf stützt. Man sehe sich etwa diese Entscheidung an und vergleiche das Statement des Präsidenten des Deutschen Reiseverbands: Etliche Regionen seien zu Unrecht zu Risikogebieten erklärt. Es gebe zahlreiche spanische Inseln, „auf denen es keinen einzigen Corona-Hotspot gebe, trotzdem würden sie als Risikogebiete geführt. ‚Das ist absurd‘.“ Bezüglich des RKI ist von den „Faktenfüchsen“ kein einziges Wort zu vernehmen.  

 

Ergänzung: Die RKI-Lageberichte sind bislang wie in Stein gemeißelt, wie dieser Fall zeigt: "Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) herausgegebenen täglichen Lageberichte zur Covid-19-Erkrankung können von Einzelpersonen nicht gerichtlich beanstandet werden. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin in einem Eilverfahren entschieden. In dem hier vorliegenden Fall gegehrt die Antragstellerin den Erlass einer einstweiligen Anordnung, mit der dem RKI bestimmte Äußerungen in seinen täglichen Lageberichten zur Covid-19-Erkrankung untersagt werden sollen. Sie meint im Wesentlichen, das RKI übertreibe darin das tatsächliche Infektionsgeschehen. Hierdurch werde ihre Menschenwürde 'mit den Füßen getreten'; die Berichte weckten in ihr Urängste und seien geeignet, sie potenziell zu traumatisieren. Sowohl die Regierenden als auch die Gerichte machten die RKI-Bewertungen 'zum Maß aller Dinge'. Das RKI 'bestimme damit faktisch seit Monaten das Schicksal des Landes und seiner Bürger'. Das Verwaltungsgericht hat den Eilantrag als unzulässig zurückgewiesen ... Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden."


14.11.2020

Absolute Deutungsmacht

 

Das war’s dann wohl endgültig mit der pluralen Berichterstattung, aufgrund derer sich Medien-konsumenten erst eine unabhängige, differenzierte Meinung bilden können: Das Gesundheits-ministerium in Berlin hat eine Kooperation mit dem Internetkonzern Google gestartet, freut sich der Spiegel, der sich schon längst selbst mit der Suchmaschine verbandelt hat. Medien, Politik und Wissenschaft in engster Win-Win-Kooperation. Aus presseethischer Sicht ein veritabler Skandal. Beim Transport von Informationen geht es den Profiteuren offenbar nicht mehr nur um Deutungshoheit. Sie wollen die absolute Deutungsmacht, der sich keiner mehr entziehen kann. Über die Ziele lässt sich nur spekulieren. Sicher ist: Menschenbilder werden sich im Zuge dieser unglückseligen Symbiose stetig verändern – man wird die Welt nicht mehr wiedererkennen.  

 

Um einen Eindruck zu vermitteln, welche erheblichen Ressourcen seitens Entscheidungsträgern für die Marginalisierung alternativer Medien und Meinungen aufgewendet werden, wird hier nur stichprobenartig auf wenige jüngste Erscheinungen verwiesen:

 

Zum Download: „Medienmäzen Google - Wie der Datenkonzern den Journalismus umgarnt“; ein Projekt der Otto Brenner Stiftung. Dazu heißt es: „Der Internet-Riese Google hat seit 2013 mehr als 200 Mio. Euro in den europäischen Journalismus gesteckt, der Löwenanteil ging nach Deutschland“ – etwa an die FAZ und den Spiegel. „Neben technologischen Entwicklungen werden auch Rechercheprojekte gefördert, Journalismus-Kongresse organisiert und Ausbildungs-aufenthalte junger JournalistInnen finanziert. Warum macht Google das?“ Im Vorwort rekurriert man auf den Pressekodex: „Schon der Anschein, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion könne beeinträchtigt werden, ist zu vermeiden.“ Die sich aufdrängende Frage: „Was aber, wenn … Verlage millionenschwere Geschenke großer Technologiekonzerne annehmen?“

Im „Bericht der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz“ liest man: „Die Rolle der Medien und die Gefahr von Desinformation sind in einer Pandemie nicht zu vernachlässigen. Es muss geregelt sein, unter welchen Umständen und mit welchen Kontrollmechanismen Betreiber von Intermediären Einfluss auf die Sortierung und Anzeige von Inhalten nehmen dürfen.“ Im Abschnitt KI und Medien ab Seite 417 wird erläutert, welche Regulierungen die Kommission empfiehlt, um der algorithmisch getriebenen Verbreitung von Desinformation zu begegnen. Zu beachten: Die Deklarierung von Desinformation erfolgt stets interessen- oder ideologiegetrieben.

 

Weitere Veröffentlichungen: „Medienstaatsvertrag: Die Idee vom regulierten Netz“, „Verschwörungstheorien aus dem Netz – eine irreführende Kampagne zur Verteidigung der Deutungshoheit“, eine Meldung zur „Bundeszentrale für Digitale Aufklärung“, „Millionen für die großen Medien – Zensur für die Alternativ-Medien“, „Medienstaatsvertrag - Der lange Kampf gegen Desinformation“, Antwort der Regierung: „Desinformation mit Wahrheit und Transparenz begegnen“, „Desinformationskampagnen – Erkenntnisse und Maßnahmen der Bundesregierung“ oder Bundesjustizministerin: „Lambrecht will Aufklärung über Verschwörungstheorien stärken“. Auf europäischer Ebene existieren ebenfalls unzählige Papiere mit ähnlicher Stoßrichtung; trotzdem geht das der EU-Kommission nicht weit genug. Man siehe gerne auch diese Meldung zu einer Anhörung. Es finden auch unablässig Veranstaltungen im Dritten Sektor statt, bei denen die Akteure ebenfalls immer ganz genau wissen, wer seriös die Wahrheit verbreitet – nämlich immer sie selbst – und wer nicht – nämlich immer die Alternativmedien im Netz. Demnächst wieder bei der extrem linkslastigen Schwarzkopf Stiftung: Happy hour for bubbles, misinformation and fake news: Can we still prevent a postfactual democracy?“ Offen ist übrigens immer noch diese medienpolitische Frage

 

Nachtrag vom 16.11.: "Gegen Fake News im Netz - Schulen testen Anti-Verschwörungs-App."

 

Nachtrag vom 20.11.: "Was besser wäre, als das Geld des Datenkonzerns zu nehmen - Ausge-rechnet Google ist heute der größte Sponsor von Innovationen im Journalismus. Im Interview erklärt Medienforscher Christopher Buschow, welche Alternativen es dazu gibt und wieso das kürzlich beschlossene 220-Millionen-Euro-Paket der Bundesregierung ins Leere laufen wird." Außerdem: Kritische Stimmen entfernt - "Umgang sogenannter 'sozialer' Medienplattformen wie Youtube, die in ihrem Segment eine marktdominierende Stellung innehaben, nimmt gegenüber kritischen Stimmen und Kanälen besorgniserregende Ausmaße an..." Siehe auch"Social-Media-Plattformen entfernen Online-Inhalte, die sie als terroristisch, gewaltverherrlichend oder hasserfüllt einstufen. Dadurch wird die potenzielle Nutzung dieser Inhalte zur Untersuchung schwerer Verbrechen, einschließlich Kriegsverbrechen, verhindert, so Human Rights Watch..."

 

Nachtrag vom 25.11.: "Eine Reihe von Programmen gegen 'Fake News' indoktriniert an den Schulen die Kinder mit einer falschen Botschaft: 'Die großen Medien sind seriös – die Alternativ-Medien verbreiten rechte Verschwörungen'. Dadurch wird gesunde Skepsis gegenüber Medienkonzernen aberzogen: Das ist das Gegenteil von Medienkompetenz..."  Zur Erinnerung an das einstige Medienverständnis auch dies hier: "Wer predigen will, sollte in die Kirche gehen - Der neue Journalismus führt Haltung ins Feld, wenn Gesinnung gemeint ist. Haltung unterliegt ständiger Prüfung, auch der Selbstkritik, Gesinnung nicht. Das ist gefährlich für die Glaubwürdigkeit des Journalismus und widerspricht altgedienten Regeln."

 

Nachtrag vom 30.11.: "Wird Google unser aller Chefredakteur? - Google entziehe Website-Betreibern die Lebensgrundlage, fürchtet der Verlegerverband Schweizer Medien." Außerdem: "Covid-19: Youtube sperrt zahlreiche Videos und Konten von Regierungskritikern."

 

Nachtrag vom 11.12.: ""Desinformation: Soll es die Schule richten?"

 

Nachtrag vom 15.12.: "Revolution im Internet? EU bläst zum Kampf gegen die Tech-Riesen."

 

Nachtrag vom 17.12.: Vorwurf Marktmanipulation - Zehn US-Bundesstaaten verklagen Google.  Ab Anfang 2021: "Twitter will Falschmeldungen zu Corona-Impfungen den Garaus machen."

 

Nachtrag vom 27.12."Der beliebte Messengerdienst Telegram will ab 2021 zahlungspflichtige Funktionen einführen ... Die App wird zudem häufig zur Organisation von Demonstrationen in Staaten genutzt, in denen die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist."


28.8.2020

„Fürsorgliche Vernichtung“

 

Ende Juli kündigte Hans-Ulrich Jörges in seinem „Zwischenruf aus Berlin“ beim „stern“ seinen Abschied an. Sein Vertrag sei nach 18 Jahren ausgelaufen. Hier kann man sich ein Interview mit ihm aus 2017 anschauen. Polarisiert habe der Journalist und „ein Bundeskanzler“ habe sogar mal dem Verlagschef von Gruner + Jahr erst gesagt, er solle ihm „das Maul stopfen“, um später zu verlangen, ihn zu feuern. Hellhörig macht das: Als im Intranet der SPD eine Kampagne gegen ihn gelaufen sei, habe Angela Merkel „ihm einmal im Vorübergehen Aufmunterndes zugeraunt“, nämlich: „Machen Sie sich keine Sorgen, Ihnen wird nichts passieren.“ Die Bundeskanzlerin kümmert sich also auch um die Personalpolitik bei journalistischen Verlagen?

 

Die Journalistenkollegen von Jörges werden ihm jedenfalls ausreichend übel genommen haben, dass er sie gegen Ende der Causa Wulff 2013 unter der – aktuell passenden – Überschrift „Fürsorgliche Vernichtung“ alle verpetzt hat: „Es ist Zeit – und Anlass wahrlich genug –, über Macht und Hybris der Medien nachzudenken. Auch selbstkritisch. Denn deren Auftreten und Wirkung haben sich verändert, dramatisch.“ Von „Rudeljournalismus“ traute er sich zu sprechen, von lustvoll schmähenden Kampagnen. Widerworte gebe es kaum noch, ebenso wenig Besinnung. „Denn ideologische Gräben sind planiert, publizistische Lager aufgelöst. Das Rudel folgt Leitwölfen, vereint in Skandalisierung und Emotionalisierung. Das Ergebnis ist eine Medienrepublik, in der Journalisten nicht mehr argumentieren, wer regieren sollte und wer nicht, sondern in der sie darüber entscheiden.“ Unter Journalisten sei auf Wulffs Rücktritt gewettet worden und in diesem „Jagdfieber“ sei er mehrfach bedrängt worden, ebenfalls Wulffs Rücktritt zu fordern. Er gab zu: „Ich habe dem Druck nachgegeben, nicht die Kraft aufgebracht, weiter alleine zu stehen. Auch wenn sich alles in mir dagegen sträubt: Ich war Teil der Meute.“ Stattdessen müsse man aber den kritischen Journalismus „mit Zähnen und Klauen“ verteidigen. Wer nachvollziehen will, wie fies und hinterlistig die etablierten Medien damals vorgegangen sind, vergleiche gerne „Der Teufel im Detail“ vom 28.2.2012 (etwas runter scrollen).

 

Bei Übermedien wird der Kollege Jörges zum Abschied nun als „Kolumnist mit Maskenphobie“ stigmatisiert. Unter dem Titel „Die Ein-Mann-Hygienedemo im Stern“ wirft ihm Stefan Niggemeier vor, seit Monaten gegen das Tragen von Schutzmasken im Alltag zu wettern. „Jörges nennt sie ‚Maulkorb des Volkes‘. Die Maskenpflicht sei ‚ein Instrument der Disziplinierung‘, das eher politischen als ernsthaften medizinischen Zwecken diene. Die Menschen sollten in Angst gehalten werden, behauptet Jörges. Dank der Allgegenwart der Masken sollen sie der Seuche nicht entkommen können: ‚Denn aus allen Gesichtern spricht die Gefahr‘ … Ja, Jörges scheint sich einer Religion, einer Sekte gegenüber zu sehen, mit Gläubigen und Kirchenführern … Vermutlich will er mit der Formulierung vom ‚Corona-Glauben‘ trotzdem nicht die Existenz des Virus in Zweifel ziehen. Nur den Umgang damit als etwas völlig Irrationales darstellen.“

 

Dass sich die Deutschen im Gehorchen gefallen und die große Mehrheit sich in ihre Entmündigung fügt – eine leicht zu beobachtende Erkenntnis –, findet Niggemeier offenbar seltsam und schreibt kindlich beleidigt weiter: „Nur Hans-Ulrich Jörges nicht. Ein Hans-Ulrich Jörges fügt sich nicht, sondern widersteht auch einsam dem Herdentrieb seines Berufsstandes. ‚Herdenjournalismus‘ diagnostizierte er bei seinen Kolleginnen und Kollegen.“ Der stern-Kolumnist wird weiter zitiert: „Man drängt sich zusammen und fühlt sich unter Corona-Druck eins mit Staat und Politik, präziser: Lockdown-Politik. Nur wenige setzen sich von der Herde ab und versuchen das zu praktizieren, was Auftrag einer vierten Gewalt wäre: Unabhängigkeit, eigenes Denken, kritischer Blick. (…) Wir haben es mit der ersten Herdenimmunisierung Deutschlands zu tun. Der Immunisierung der Medien gegen Kritik an den tonangebenden Mächten. Die meisten Medienleute sind nicht als Anwälte der Freiheit unterwegs, sondern als Staatsanwälte gegen Abweichler.“ Dieses – völlig korrekte – Bild sei schief, will man bei Übermedien unbedingt konstatieren, denn: „Gemeinsame Aktionen in einer außerordentlichen Krise sind vielleicht doch eher Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein und Solidarität als von Staatsnähe.“ Solidarität für wen und für was genau bliebe indessen schonungslos offen zu legen. 

 

Wie auch immer: es wäre äußerst unterhaltsam, Hans-Ulrich Jörges trotz Rückzug demnächst in einer der solidarisch staatsnahen TV-Talkshows zur heiligen Maskenpflicht zu erleben.


22.8.2020

Presse: Nostalgie und Aussichten

 

Anlass zur Übertreibung? Bei der Süddeutschen Zeitung immer wieder gerne: „Was tun gegen die unaufhaltsame Seuche?“, war ihr Titel am 28. Juli 2009 zur Schweinegrippe. Weiter in einer Art Selbstinterview: „Ist die Schweinegrippe noch zu stoppen? Nein, sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Seuche greife in so hohem Tempo um sich, dass sie nicht mehr aufzuhalten sei. Die UN-Organisation forderte die Pharmakonzerne deshalb auf, unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen den Erreger zu arbeiten. Allein die USA haben bereits knapp 1,5 Milliarden Dollar dafür bereitgestellt … Die Krankheit ist doch gar nicht so schlimm. Was also soll der Aufwand? Die Schweinegrippe ist die erste weltweite Epidemie des 21. Jahrhunderts. Mehr als 100.000 Fälle wurden bisher registriert … Warum werden ganze Schulen geschlossen? Die Behörden versuchen, die Ausbreitung von H1N1 so gut es geht einzudämmen.“ Zur Mallorca Reise antwortet sich die Zeitung selbst: „Vom Ballermann sind jüngst Urlauber mit der Schweinegrippe zurückgekehrt … Die WHO hat aber dezidiert keine Reisewarnungen ausgesprochen.“ Interessant dann das: „Den Mundschutz aus Papier kann man getrost zu Hause lassen. Der nützt nichts gegen Viren. Die WHO empfiehlt auch die echten Hygienemasken nicht, die Ärzte im OP tragen, weil der Schutz nicht belegt sei.“ 

 

Ein Jahr später erschien diese Meldung des Berufsverbands Deutscher Internisten: „Umfrage: Schweinegrippe ließ die Deutschen kalt.“ 70 Prozent der Interviewten hätten sich „zu keiner Zeit besonders durch die Neue Grippe bedroht gefühlt“, verwies man auf das Bulletin des Robert Koch Instituts (RKI). „Das spiegelt sich auch bei den Impfquoten wider: Es haben sich nur 12 Prozent der Patienten mit Grunderkrankungen gegen Schweinegrippe immunisieren lassen - und nur 16 Prozent der Ärzte und des Pflegepersonals.“ Besonders auffällig im Wirkungskreis der Süddeutschen: „An den Bayern prallte die Schweinegrippe-Diskussion fast völlig ab: Maximal fünf Prozent der Bevölkerung entschieden sich hier für eine Impfung. Das ist der niedrigste Wert in ganz Deutschland … Dieser Befund deute darauf hin, dass der Einfluss von Printmedien auf gesundheitspräventives Verhalten nicht überbewertet werden sollte, folgert das RKI in seinem Bulletin.“ Das Gros der deutschen Bevölkerung dazumal also noch eigenständig denkend, ja geradezu gelassen widerständig. Dabei hatte man doch überall so wichtige Hingucker mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in weißen Arztkitteln gesetzt. Über die Ex-Ministerin der SPD erhält übrigens ein Unternehmen bis heute Kontakt in den Bundestag: „Schmidt sitzt im Verwaltungsrat des Schweizer Pharmakonzerns Siegfried Holding AG. Dafür hat sie in drei Jahren mindestens 165.000 Euro erhalten.“ Selbstredend ist auch Siegfried in das Corona-Impfstoff-Geschäft eingestiegen.

 

Richtig nostalgisch wird es bei der Feststellung, dass der Spiegel vor zehn Jahren seiner journalistischen Wächterfunktion noch nachkam: „Chronik einer Hysterie“, überschrieb das Magazin seinen Rückblick zur Schweinegrippe. Und weiter: „Fast ein Jahr lang hielt die Schweinegrippe die Welt in Atem. Eine gigantische Impfkampagne sollte ihr Einhalt gebieten. Dabei handelte es sich nur um einen eher harmlosen Virenstamm. Wie konnte es zu solch einer Überreaktion kommen?“ Die Hightech-Medizin habe jedenfalls wesentlichen Anteil daran gehabt. „Ebola, Sars, Vogelgrippe: Systematisch haben Seuchenwächter, Medien, Ärzte und Pharmalobby die Welt mit düsteren Katastrophenszenarien eingestimmt auf die Gefahr neuer, bedrohlicher Infektionskrankheiten.“ Super formuliert auch das: „Verteilt auf 102 Länder lauern Forscher in mehr als 130 Labors weltweit auf neue Grippe-Erreger. Karrieren, ganze Institutionen und sehr viel Geld hängen daran“ So, als habe man „geradezu Sehnsucht nach einer Pandemie“, zitiert der Spiegel einen Grippe-Experten: „Alles, was es jetzt brauchte, um diese Maschinerie in Gang zu bringen, war ein kleines mutiertes Virus.“ Die WHO bestand darauf, von einem Worst-case-Szenario ausgehen. Das sollte man im Hinterstübchen behalten angesichts dieser aktuellen Meldung: „Deutschland und Frankreich wollen der Weltgesundheitsorganisation mehr Geld und Macht geben. Das geht aus einem Reformpapier beider Regierungen hervor, das noch im September innerhalb der WHO diskutiert werden soll ... Deutschland und Frankreich bemühten sich um einen Konsens, der ‚von Washington bis Peking‘ reiche, sagte ein anderer Verantwortlicher. ‚Deutschland hat großes Interesse, die WHO zu reformieren und führt dazu Gespräche auf verschiedenen Ebenen‘, sagte ein Regierungsvertreter in Berlin.“ Dort steht ergänzend: „Demnach solle die Organisation künftig auch ‚kritischer‘ gegenüber Ländern sein, welche die von ihr empfohlenen Strategien nicht anwenden.“ 

 

Zurück zum Spiegel-Artikel aus 2010: Sogar eine Eigenkritik baute das Magazin damals ein: „Auch die Medien befördern die Angst … Nun widmet er dem neuen ‚Welt-Virus‘ eine Titelgeschichte, die geprägt ist von der Sorge, der Schweinegrippe-Erreger könne zum Horrorvirus mutieren (Spiegel 19/2009).“ Pharmaindustrie und WHO-Berater, beide verbandelt, hätten diese Vision halt am Laufen gehalten. Dafür änderte die WHO letztlich auch die Definition von „Pandemie“: „Auf der Website der WHO etwa ist in der Antwort auf die Frage ‚Was ist eine Pandemie?‘ von ‚einer enormen Anzahl von Todes- und Krankheitsfällen‘ die Rede - jedenfalls bis zum 4. Mai 2009. Dann machte ein CNN-Reporter die Seuchenschützer auf den Widerspruch zur eher mild verlaufenden Schweinegrippe aufmerksam, und diese Passage wurde umgehend getilgt.“ Zur gewollten „Massenimpfung von Millionen Menschen mit einem kaum erprobten Impfstoff“ traute sich der Herausgeber des arznei-telegramms zu sagen: „Das ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung!“ Und der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft postulierte: „Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollten.“ Noch nicht mal die kleinste Relativierung folgt daraufhin. Heute läuft solcherart Aussage unter „Verschwörungstheorien über die böse, böse Pharmaindustrie“.

 

Man lese und staune auch, dass ein aktuell von der breiten etablierten Presse in die Corona-Inkompetenz-Ecke gedrängter Fachmann damals beim Spiegel noch ohne Einwände zitiert wurde: „Der deutsche Abgeordnete Wolfgang Wodarg kritisiert im Europarat in Straßburg, dass weltweit ‚Millionen Menschen ohne einen guten Grund geimpft‘ wurden. Die Ausrufung der Pandemie durch die WHO habe den Pharmakonzernen 18 Milliarden Dollar Zusatzeinnahmen in die Kassen gespült.“ Im März dieses Jahres titelte selbiger Spiegel: „Die gefährlichen Falschinformationen des Wolfgang Wodarg.“ Zurück zu 2010: Noch staunenswerter ist der fast schon lobende Absatz über die polnische Gesundheitsministerin: „Als sie in der großen Impfstoffdebatte ans Rednerpult des Sejm trat, hatte sie ein knallrotes Kleid angelegt, eine Kampfmontur: ‚Als Ärztin ist mein oberster Grundsatz, niemandem zu schaden‘, sagte sie. Deshalb werde Polen sich gegen den Rest Europas stellen: ‚Wir werden keinen Impfstoff gegen die Schweinegrippe kaufen‘.“ Heute kennt das politmediale Mobbing gegen Polen kein Ende.

 

Der Spiegel resümiert in seinem lesenswerten Beitrag: „Niemand bei WHO, RKI oder PEI kann stolz auf sich sein. Diese Behörden haben kostbares Vertrauen verspielt. Denn wer wird ihren Einschätzungen bei der nächsten Pandemie jetzt noch Glauben schenken?“ Das war ja dann wohl eine Fehleinschätzung. Warum? Was ist passiert seitdem, dass sich das Gros der Bevölkerung bedingungslos hinter eine institutionalisierte Politikerriege stellt, die mit ihren sogenannten Maßnahmen Zigtausende von Bürgern ins wirtschaftliche und zwischenmenschliche Elend stürzt, ohne dass dies im rechten Verhältnis zu Corona steht? Wird die Bevölkerung weitere Viren-Agitationen schlucken? Das Ärzteblatt fängt schon wieder mit derselben Sache an mit Meldung vom 30. Juni dieses Jahres: „Schweinegrippe: Neue Art mit Pandemiepotenzial in China entdeckt.“ Eine Erklärung ist wohl: Die Große Koalition hat am 2. Juli beschlossen, die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den nächsten Jahren mit 220 Millionen Euro zu fördern. Außerdem legte Google in diesem Jahr urplötzlich eine Kehrtwende hin: „Die Suchmaschine kooperiert unter anderem mit ‚FAZ‘ und ‚Spiegel‘. Artikel der Verlage sollen prominent in Google-Produkten auftauchen - auch Bezahlinhalte.“ Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit, weil Google sich bis dato geweigert hatte, den Verlagen für Snippets im Netz auch noch Geld zu geben, da diese schon vom kostenlosen Bekanntmachen ihrer Inhalte profitieren. Das Motiv für Googles Kehrtwende, gerade in dieser Zeit, wäre sicherlich spannend zu erfahren. 

 

Wer mehr über das dahinter stehende Leistungsschutzrecht und die EU-Urheberrechtsreform erfahren möchte wird fündig: bei den Älteren Beiträgen, bei den Beiträgen 2019 (scrollen) und bei den Beiträgen 2020 (hier: „Politik schafft Fakten für Verleger“ vom 28.1.). Übrigens: „Die polnische Regierung hat vor dem EuGH Klage gegen die höchst umstrittene Urheberrechts-richtlinie der EU eingereicht.“ Sollte der Europäische Gerichtshof Polen Recht geben, könnte die Reform für nichtig erklärt werden. „Allerdings dauert es in der Regel im Schnitt 16 bis 20 Monate, bis in einem solchen Verfahren ein Urteil fällt. Angesichts der Corona-Pandemie ist ohnehin fraglich, ob dieser Zeitplan noch eingehalten werden kann.“ Es kann jedenfalls auch künftig mit dem Verlust der journalistischen Unabhängigkeit gerechnet werden: „Wie viel Geld die Verlage für die Darstellung der Inhalte auf Google News und Google Discover bekommen werden, teilte Google nicht mit. (?) Das Programm sei aber breit und langfristig angelegt und soll auf noch mehr Verlage - darunter auch kleinere Lokalzeitungen - sowie Radiostationen und TV-Sender ausgeweitet werden.“ Eine mediale Bombardierung in dieser Breite wird es auch der Bevölkerung weiter erschweren, möglichst objektiv zu bleiben.