Amüsante Illner-TV-Kritik bei der FAZ: "So war diese Sendung das Spiegelbild einer Debatte, die am Abend schon vergessen hat, was sie am Morgen noch wusste. Aus der Perspektive der Systemrelevanz eines 'extrem harten Lockdowns' wäre sie überflüssig zu nennen. Das damit für die Beteiligten verbundene Infektionsrisiko kann man durch Aussetzung reduzieren. Unter Umständen gilt das sogar für das ZDF insgesamt." Mitten ins Schwarze getroffen. Siehe auch: "Journalisten: Und sie zensieren doch! ... so weitreichend, dass unser demokratisches und gesellschaftliches Gefüge längst Schaden genommen hat ... Die Zensur, die die Berichterstattung prägt, ... ist soweit in die journalistischen Produkte eingeschliffen, dass es schon einer hartnäckigen Realitätsverweigerung bedarf, um sie nicht zu erkennen ... Sie ist nicht bedingt durch einen externen Zensor. Diese Zensur kommt aus dem Innern der Medien selbst ... Journalisten bestätigen sich permanent gegenseitig in ihren Weltbildern ... Je mehr die eigenen Glaubenssätze von außen kritisiert werden, umso größer ist die innere Abschottung. Mittlerweile ist ein Grad an weltanschaulicher Ignoranz in den Redaktionen erreicht, der zu einer fast schon sektenhaften Berichterstattung führt ... Für die Demokratie ist eine sozialstrukturell ausgeformte Zensur Gift. Eine Medienlandschaft, die den freien demokratischen Diskurs so untergräbt, wie es bei uns der Fall ist, treibt die Gesellschaft förmlich auseinander."


16.1.2021

Medialer Personenkult

 

Was heutzutage alles als „Studie“ durchgeht ist nur noch lachhaft. Tragisch wird’s immer dann, wenn vermeintliche „Journalisten“ jeden Schmarrn lobhudelnd wiederkäuen, wie es etwa der Merkur in Bezug auf einen Beitrag im Journal of Publich Health (an anderer Stelle mit „Merkel-Phänomen“ betitelt) macht. Es geht darin um die Auswirkungen politischer Kommunikation auf das Depressionsniveau in Deutschland. „Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Merkel durch ihr offenes Auftreten und ihre Ansprachen zu ‚einer Reduzierung von Angst und Depressionen in der deutschen Bevölkerung‘ beigetragen haben könnte … Die Forscher konstatieren einen Zusammenhang zwischen dem Angst- und Depressionsniveau und der Fernsehansprache von Merkel. Demnach stieg die Kurve ab dem 10. März infolge der Schließung öffentlicher Einrichtungen und Grenzschließungen bis zum 18. März an und flachte nach der Ansprache stark ab. ‚Bemerkenswert ist, dass nach der öffentlichen Ansprache der Bundeskanzlerin am 18. März die Angst- und Depressionswerte deutlich zurückgingen‘.“ Da staunt man. Ob das nach dem nächsten – parlamentarisch gar nicht vorgesehenen – Corona-Gipfel immer noch so ist?

 

Die „Studie“ hatte der Spiegel zuerst aufgegriffen. Die pubertär anmutende Merkel-Glorifizierung ist auch dort gang und gäbe, aktuell: „Eines muss man der Kanzlerin allerdings lassen: Bisher hat die Frau, die sich vermutlich 300 Nachkommastellen der Zahl Pi merken kann, noch immer recht behalten mit ihren düsteren Corona-Prognosen.“ Aber sie senkt trotz dem das Depressionsniveau, alle Achtung. Übrigens: Als der Spiegel noch Journalismus betrieb, zum Beispiel 1986, konnte man dort über den rumänischen „roten Monarchen“ Nicolae Ceausescu lesen: „Mit Julius Cäsar und Napoleon wurde der machtbesessene Kommunist gleichgesetzt. Die Parteipresse verklärte ihn stets als den Klügsten und Weitsichtigsten. „Maler zeichnen ihn göttergleich vom Himmel herabsteigend, vor leuchtenden Horizonten, ein Messias. Zahllose Künstler haben ihm gehuldigt, haben die Zeugnisse ihrer Verehrung schwülstig auf Papier und Leinwand gebracht.“ Auch betreffend Ceausescus Ehefrau Elena: Sie war „Dr. der makromolekularen Chemie“ und galt im Land offiziell als „liebende Mutter der Nation“ und „Gelehrte von Weltruhm“. Ein zum bizarren Götzendienst gesteigerter Personenkult. Wenig mehr dazu steht im Beitrag „Personenkult als diktatorisches Symptom“ vom 8.6.2019.