22.1.2021

Konformistische Expertenrunden

 

Das ist jetzt grobe Irreführung. Nordbayern berichtet: „Ausführlich widmete sich Angela Merkel dem Vorwurf, ihre Regierung höre immer nur auf dieselben Experten wie den Berliner Virologen Christian Drosten. Das bestritt sie. Vor dem jüngsten Corona-Gipfel von Bund und Ländern seien acht Wissenschaftler als Berater eingeladen worden - darunter auch solche, die ‚dezidiert anderer Meinung‘ seien - so etwa der Braunschweiger Forscher Michael Meyer-Herrmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.“ Gerade der, von dem es noch im Oktober hieß: „Kanzlerin Merkel und die Landeschefs zogen einen der breiten Öffentlichkeit eher unbekannten Wissenschaftler zurate. Die von Michael Meyer-Hermann erstellten Modellierungen geben Anlass zu großer Sorge … Merkel ließ Meyer-Hermann zu Beginn der mehr als achtstündigen Beratungen mit den Ministerpräsidenten eine Simulation vorstellen, in welcher Phase Deutschland in der Corona-Pandemie ist, nämlich im Bereich des exponentiellen Wachstums. ‚Ich denke, das war recht einleuchtend und auch hilfreich‘, sagte Merkel. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) machte sich direkt eine Feststellung zu eigen, die Meyer-Hermann in seinem Vortrag getroffen haben soll: Demnach ist es nicht fünf vor zwölf, sondern bereits zwölf … warnte er auch schon in den vergangenen Monaten vor den Gefahren der Corona-Pandemie und sprach sich für konsequente Einschränkungen aus … die Bundeskanzlerin machte keinen Hehl daraus, besorgt aus dem Treffen zu gehen. Der von Meyer-Hermann festgestellte exponentielle Anstieg der Infektionszahlen müsse gestoppt werden.“ Und nicht nur dort präsentierte sich der angeblich „dezidiert anderer Meinung“ seiende „Forscher“ stramm auf Regierungslinie. Schon im April letztes Jahr konnte man hier lesen: „Der Helmholtz-Experte Michael Meyer-Hermann verteidigte die Haltung der Kanzlerin am Sonntagabend in der ARD-Sendung ‚Anne Will‘ mit den Worten: ‚Die Kanzlerin hat, verdammt noch mal, Recht!‘.“ Das wird wohl tatsächlich seine Eintrittskarte in die Expertenrunde der Kanzlerin gewesen sein.  


16.1.2021

Politische Prophetie

 

Interessant zu wissen vor dem Corona-Gipfel am 19. Januar, der wegen der Sorge um die Corona-Mutation vorgezogen wird: „Die Kanzlerin hat nach Informationen meiner KollegInnen offenbar schon Ende Oktober bei Bahn und Verkehrsministerium anfragen lassen, ob eine Reduzierung oder gar ein totaler Stopp des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs möglich sei.“ Der erste deutschlandweite Fall von Coronavirus-Mutation wurde jedenfalls erst Ende Dezember 2020 nachgewiesen. Die Virusvariante B.1.1.7 breitete sich laut RKI seit September in Großbritannien aus, aber erst im Dezember berichteten britische Behörden davon.

 

Nachtrag vom 17.1.: Merkwürdig: Aus dem oben verlinkten Spiegel-Artikel geht eindeutig hervor, dass die Einstellung des Nah- und Fernverkehrs in beginnender Planung war. Ebenso bei der Bahnblogstelle: "Zudem würden weitere Maßnahmen, unter anderem die Einstellung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, in Erwägung gezogen. Dies sei aber noch nicht endgültig entschieden, hieß es. Im Verkehrsministerium werde bereits geprüft, welche Konsequenzen für Mobilität und Logistik ein kompletter Shutdown des Landes hätte. Man arbeite daran, trotzdem die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wollte sich dem Bericht zufolge dazu nicht äußern." Einen Tag später titelt das RND: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak "widerspricht Berichten: Einstellung des Nahverkehrs nie geplant". "Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diese Behauptung bereits am Donnerstag zurückgewiesen." Das habe gar niemand vorgeschlagen. Wer lügt jetzt?